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B978-3-437-42502-8.00006-1

10.1016/B978-3-437-42502-8.00006-1

978-3-437-42502-8

Anurie/Oligurie

J. Gerth

G. Wolf

Definition

Unter einer AnurieAnurieOligurie versteht man eine Diuresemenge < 100 ml/d, unter einer Oligurie von < 500 ml/Tag.

Anamnese

Zunächst sollte nach renalen Vorerkrankungen renale VorerkrankungenNierenerkrankungenbei Angehörigen(auch Nierenerkrankungen bei Angehörigen) bzw. Erkrankungen mit einem Risiko für die Nierenfunktion gefragt werden. Dies sollte auch eine Recherche bzgl. evtl. verfügbarer Vorbefunde der Nierenfunktion einschließen (Hausarzt kontaktieren). Weitere Fragen betreffen die Dauer der Oligurie/Anurie und das MiktionsverhaltenMiktionsverhalten vor deren Eintritt (Dysurie, Pollakisurie, Hämaturie bzw. schäumender Urin als Hinweis auf eine Proteinurie)Dysurie,Proteinurie um Hinweise auf HarnabflussstörungenHarnabflussstörungen, aszendierende HarnwegsinfektionenHarnwegsinfektionenaszendierende oder Dysurieintrinsische NierenerkrankungenNierenerkrankungenintrinsische Pollakisuriezu erhalten .
Bei älteren Patienten sollte die etwaige Trinkmenge abgeschätzt werden, um die Möglichkeit eines prärenalen Nierenversagens im Rahmen einer Exsikkose beurteilen zu können .
Ferner sollten evtl. Symptome einer Systemerkrankung bzw. VaskulitisVaskulitis, Auslandsaufenthalte, Tierkontakte und Berufs- sowie Medikamentenanamnese bzw. Kontrastmitteleinsatz eruiert werden. Daneben sind kurzfristig zurückliegende Zustände mit instabilem Kreislauf von Interesse, die auf ein akutes, prärenales Nierenversagen bzw. eine ischämische Tubulusnekrose hinweisen können .

Untersuchungen

Die körperliche Untersuchung konzentriert sich auf den Volumenstatus und die Kreislaufsituation, um ein prärenales NierenversagenNierenversagenprärenalesprärenales Nierenversagen frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Niedriger Blutdruck und (Erfordernis-)Tachykardie weisen auf eine Kreislaufinsuffizienz als Ursache der Oligurie/Anurie hin.
Weiterhin wird überprüft, ob ein Klopfschmerz in den NierenlagernNierenlager, klopfschmerzhaftesklopfschmerzhaftes Nierenlager vorhanden oder eine gefüllte Harnblase zu tasten ist. Auf Zeichen einer Systemerkrankung im Sinne von Haut- und Gelenkveränderungen ist zu achten. Zeichen einer länger bestehenden Niereninsuffizienz sind: blasse Haut und Schleimhäute, graues Hautkolorit, urämischer Foetor und Kratzspuren an der Haut (urämischer Pruritus).
Differenzialdiagnostisch wegweisend ist eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und der Harnblase, durch die eine bestehende chronische Nierenschädigung bis hin zu Schrumpfnieren diagnostiziert werden kann. In Bezug auf ein akutes Nierenversagen ist die Sonographie nur bedingt hilfreich. Die Sonographie der Nieren dient aber auch dazu, eine Harnstauung bzw. ein Harnabflusshindernis zu erkennen .
Mit der Bestimmung der NierenretentionsparameterNierenretentionsparameter lässt sich das Ausmaß der Niereninsuffizienz feststellen. Tägliche Kontrollen der Retentionswerte im Vergleich zu etwaigen Vorbefunden erlauben eine Aussage zur Genese der Nierenerkrankung (akut vs. chronisch) sowie zur Notwendigkeit des Zeitpunktes weiterführender Diagnostik- und Therapiemaßnahmen einschließlich der Einleitung einer Nierenersatztherapie. Die Gewinnung geringer Urinmengen kann dazu beitragen, eine Harnwegsinfektion bzw. eine intrinsisch renale bzw. glomeruläre Erkrankung durch Untersuchung auf Protein-, Leukozyt- und Erythrozyturie zu diagnostizieren .
Weitere laborchemische Analysen dienen einerseits dazu, bereits manifestierte Folgeerkrankungen einer chronischen NiereninsuffizienzNiereninsuffizienzchronischechronische Niereninsuffizienz, z. B. eine renale AnämieAnämierenalerenale Anämie, eine metabolische Azidose bzw. einen sekundären Hyperparathyreoidismus zu erkennen . Andererseits sollten Spezialuntersuchungen wie die Bestimmung verschiedener Auto-Antikörper (ANCA, Anti-GBM-Antikörper, ANA, ENA), eines Blutausstrichs zur Detektion von Fragmentozyten, die Bestimmung freier LeichtkettenBPH (benigne Prostatahyperplasie) zum Ausschluss einer Autoimmunerkrankung, einer thrombotischen Mikroangiopathie oder einer Leichtkettenerkrankung/Myelomniere dienen. Zur Sicherung einer solchen Diagnose ist dann meist die zügige Nierenbiopsie erforderlich.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Anurie/Oliguriepostglomeruläre VasodilatationVasodilatationpostglomeruläreintrarenales NierenversagenSepsisAnaphylaxieNierenversagenpostrenalespostrenales Nierenversagenpostrenales Nierenversagenakute GlomerulonephritisGlomerulonephritisakuteNephritisinterstitielleinterstitielle Nephritisakute TubulusnekroseTubulusnekroseakuteUrolithiasisOrmond-SyndromMorbusOrmondPankreatitisNierenversagenprärenalesprärenales Nierenversagenbenigne Prostatahyperplasie (BPH)Prostatahyperplasie, benigne (BPH)HarnblasenkarzinomBlase, neurogeneneurogene BlasePhimoseHarntraktobstruktionuntereHarntraktobstruktionobereNierenversagenintrarenalesbenigne Prostatahyperplasie (BPH)BPH (benigne Prostatahyperplasie)

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
prärenales Nierenversagen
vermindertes Intravasalvolumen, z. B. Pankreatitis +++ Anamnese, klinische Untersuchung
vermindertes intraarterielles Blutvolumen, z. B. Leberzirrhose, nephrotisches Syndrom, Herzinsuffizienz ++ Anamnese, klinische Untersuchung, Labordiagnostik, Echokardiographie
gestörte intrarenale Hämodynamik durch präglomeruläre Vasokonstriktion (z. B. NSAR) und postglomeruläre Vasodilatation (z. B. ACE-Hemmer ++ Medikamentenanamnese
erhöhte Kapazität des Gefäßsystems, z. B. Sepsis, Anaphylaxie +++ klinische Untersuchung, Labordiagnostik
intrarenales Nierenversagen
akute Glomerulonephritis + Labor-, Urindiagnostik, Nierenbiopsie
interstitielle Nephritis + Anamnese, Labordiagnostik, Nierenbiopsie
akute Tubulusnekrose (ischämisch, toxisch) + Anamnese, klinische Untersuchung, Nierenbiopsie
renovaskuläre Erkrankungen (arterielle Verschlüsse, Thrombembolien, Dissektionen) + Duplexsonographie, Schnittbilduntersuchungen, Angiographie
postrenales Nierenversagen
Obstruktion des oberen Harntraktes, intrinsisch z. B. Lithiasis, Urothelkarzinom; extrinsisch z. B. M. Ormond ++ Sonographie, CT/MRT
Obstruktion des unteren Harntraktes, z. B. benigne Prostatahyperplasie, Harnblasenkarzinom,Phimose +++ Sonographie, Zystoskopie
neurogene Blase + Zystomanometrie, Miktionszysturethrographie, Urodynamik

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