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B978-3-437-42502-8.00007-3

10.1016/B978-3-437-42502-8.00007-3

978-3-437-42502-8

Abb. 1

Endoskopisches Bild eines Bezoars im Magen (a) und (b), BezoarMagenbezoarder dunkle Haarballen ist gut zu erkennen.

Appetitstörung

Ch. Wrede

Definition

Ein quantitativ oder qualitativ verändertes Verlangen nach Nahrung wird als AppetitstörungAppetitstörungen bezeichnet.

Anamnese

Die Art und Dauer der Appetitstörung sind für die weitere Differenzialdiagnose wegweisend. Ein qualitativ veränderter Appetit Appetitveränderungen, qualitative/quantitative kann durch physiologische Veränderungen, z. B. während einer Schwangerschaft , ausgelöst werden. Pathologische qualitative Veränderungen, z. B. Abneigung gegenüber Fleisch, können neben einer quantitativen Störung im Sinne einer Appetitabnahme bei Tumorerkrankungen auftreten. Die gesteigerte orale Aufnahme von bestimmten essbaren Substanzen, z. B. Stärke, Erdnüsse, oder nicht essbaren Substanzen wie Haare, Erde, wird als Pica-Syndrom bezeichnet. Diesem liegt meist eine neurologisch-psychiatrische Grunderkrankung zugrunde, es kann jedoch auch zu verschiedenen internistischen und chirurgischen Komplikationen, z. B. BezoarenBezoar im Gastrointestinaltrakt (Abb. 1), führen.
Eine quantitative Veränderung des Appetits sollte nach plötzlich aufgetretener und länger bestehender Appetitstörung unterschieden werden. Alle akuten internistischen Erkrankungen , insbesondere solche mit Beteiligung des Magen-Darm-Trakts, können zu einem reduzierten Appetit führen. Die meisten Medikamente können ebenfalls zu Appetitlosigkeit führen , exemplarisch werden hier Antibiotika, Chemotherapeutika und Antiepileptika genannt. Zur weiteren Abklärung sind die Anamnese, Klinik und Untersuchungsergebnisse wegweisend.
Länger bestehende Appetitstörungen gehen in der Regel mit einer gleichsinnigen Veränderung des Gewichts einher. Im Alter ist der Appetit häufig reduziert. Eine Abnahme des Appetits kann bei chronischen Magen-, Darm- und Lebererkrankungen vorkommen, eine gleichzeitig vorliegende B-Symptomatik kann auf eine Tumorerkrankung hinweisen. Eine Appetitstörung mit intermittierendem HeißhungerHeißhunger, intermittierender insbesondere bei Mädchen sollte an eine Anorexia nervosaAnorexia nervosaBulimia nervosa oder eine Bulimie denken lassen. Zudem gehen DepressionenDepressionBurnout-Syndrom oder Burnout-Syndrome häufig mit einer Appetitlosigkeit einher.
Differenzialdiagnostisch abzugrenzen sind NahrungsmittelunverträglichkeitenNahrungsmittelunverträglichkeiten, die zu verändertem Essverhalten führen, beispielsweise bei MagenulzeraUlcusventriculiMagenulkuss. a. Ulcus ventriculi (scharfe Gewürze), CholezystolithiasisCholezystolithiasis (fettreiche Speisen) oder MalassimilationssyndromenMalassimilationssyndromGlutenunverträglichkeit (z. B. Gluten).

Untersuchungen

Die körperliche Untersuchung gibt zunächst Hinweise auf den Ernährungsstatus, der bei länger bestehender Appetitstörung in der Regel reduziert ist.Ernährungsstatus Ernährungsbedingte Mangelzustände ernährungsbedingte Mangelzuständean Vitaminen und Spurenelementen können zu charakteristischen Symptomen, z. B. MundwinkelrhagadenMundwinkelrhagaden bei EisenmangelEisenmangel oder eine atrophische Glossitisatrophische GlossitisGlossitis, atrophische bei Vitamin-B12-MangelVitamin-B12-Mangel führen. Tumorerkrankungen gehen oft mit LymphknotenvergrößerungenLymphknotenvergrößerung oder anderen tastbaren Raumforderungen einher. Bei kurzfristiger Appetitstörung im Rahmen einer akuten Erkrankung steht die jeweilige Klinik im Vordergrund.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von AppetitstörungenTumorerkrankungenSchwangerschaftAppetitstörungDepressionBurnout-SyndromAnorexia nervosaBulimia nervosaPica-SyndromMedikamenten-Nebenwirkungen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Appetitstörung bei akuter Erkrankung ++++ Abklärung der Erkrankung
Appetitstörung bei Tumorerkrankungen +++ Tumorsuche und -staging
Medikamenten-Nebenwirkung ++ Absetzen des Medikaments (wenn möglich)
Schwangerschaft ++ Schwangerschaftstest
Depression, Burnout ++ psychiatrische/psychologische Abklärung
Anorexie, Bulimie + psychiatrische Abklärung
Pica-Syndrom psychiatrische Abklärung

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