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B978-3-437-42502-8.00008-5

10.1016/B978-3-437-42502-8.00008-5

978-3-437-42502-8

Arterielle Hypertonie

R. Brunkhorst

Definition

Die arterielle Hypertoniearterielle HypertonieHypertoniearterielle ist eine Erhöhung des nach der Methode von Riva-Rocci (RR) gemessenen Blutdrucks am Oberarm über 140/90 mmHg in der Praxis, bzw. 130/80 mmHg in der 24h-RR-Messung (Essenzielle arterielle Hypertonie).

Anamnese

Bei der Anamneseerhebung sollte nach möglichen Ursachen und Folgeschäden der Hypertonie geforscht werden (Evidenzgrad Ic). Eine positive Familienanamnese und eine längere Vorgeschichte mit hypertensiven Blutdruckwerten sprechen für die Diagnose einer essenziellen Hypertonie (Evidenzgrad Ib).Hypertoniesekundäre Eine sekundäre Hypertonie Hypertonieessenzielleessenzielle Hypertonieentwickelt sich relativ häufiger vor dem 40. und nach dem 55. Lebensjahr. Die Einnahme östrogenhaltiger Medikamente oder von Nebennierensteroiden sowie Lakritze muss erfragt werden. Hinweise auf renoparenchymatöse Erkrankungen renoparenchymatöse ErkrankungenHypertonie, arterielleglomeruläre ErkrankungenHypertonie, arteriellewie rezidivierende Pyelonephritiden oder Ödemneigung bei glomerulären Erkrankungen sollten ebenso Beachtung finden wie das Vorhandensein von Flankenschmerzen oder Hämaturie. Rasche Gewichtszunahme ist mit einem Cushing-Syndrom, Cushing-SyndromPhäochromozytomGewichtsabnahme und anfallsartiger Blutdruckanstieg sind mit einem Phäochromozytom vereinbar. Nach dem Vorhandensein von kardiovaskulären Komplikationen eines schon länger bestehenden Bluthochdrucks muss sorgfältig geforscht werden.

Untersuchungen

Die körperliche Untersuchung umfasst die Blutdruckmessung an beiden Armen und ggf. auch an den Beinen im Liegen und im Stehen. Bei einem Unterschied über 20 mmHg zwischen den Extremitäten kann eine vorgeschaltete Gefäßstenose (z. B. Aortenisthmusstenose) vorliegen. Auch abgeschwächte Fußpulse können ein entsprechendes Zeichen sein. Wiederholte Messungen (nach 5 Minuten) im Sitzen helfen, einen situationsbedingten Blutdruckanstieg auszuschließen.
Schon der Aspekt kann zur Diagnose eines Cushing-Syndroms Cushing-Syndrombzw. den Folgen einer Steroideinnahme (Stammfettsucht, Stiernacken, Akne, Striae) führen. Die Untersuchung des Augenhintergrunds ist obligatorisch.AugenhintergrunduntersuchungHypertonie, arterielle
Das Abdomen sollte sorgfältig links und rechts der Mittellinie auskultiert werden, da systolische/diastolische Strömungsgeräusche für eine Nierenarterienstenose Nierenarterienstenosesprechen. Das Abdomen wird im Hinblick auf ein Aortenaneurysma oder das Vorliegen von Zystennieren palpiert. Bei der körperlichen Untersuchung ist auf das Vorliegen kardiovaskulärer Folgeerkrankungen zu achten.
Zur Basisdiagnostik gehören u. a. apparative Untersuchungen. Dadurch werden Hinweise auf hypertoniebedingte Folgeschäden und die Genese der Hypertonie gewonnen (Essenzielle arterielle Hypertonie). Zum Basislabor zählen u. a. Serum- und Urinelektrolyte, Fettstoffwechsel- und Schilddrüsenparameter, Nierenretentionswerte, Nüchternblutzucker, Blutbild und Urinstatus sowie -sediment.
Bei entsprechenden Hinweisen aus dieser Basisdiagnostik und der Anamnese muss mit Hilfe spezieller Labormethoden sowie bildgebender Verfahren gezielt nach sekundären Hochdruckformen gesucht werden.

Differenzialdiagnosen

Ursachen und Differenzialdiagnose der arteriellen Hypertonie

(Schätzungen anhand von Literaturangaben)HypertonieessenzielleHypertonierenoparenchymatöseHypertonierenovaskuläreMorbusCushingMorbusConnConn-SyndromCushing-SyndromPhäochromozytomHyperthyreose

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen und Befunde
essenzielle Hypertonie > 92–94 % Ausschlussdiagnose
renoparenchymatös 2–3 % Anamnese, Serumkreatinin, -harnstoff, glomeruläre Filtrationsrate, Urinstatus, Sediment, Sonographie
renovaskulär 1–2 % Alter < 35 und > 60 Jahre mit Arteriosklerose, Duplex-Sonographie, Angiographie
Morbus Conn 0,3 % Hypokaliämie, Renin-Aldosteron-Quotient im Blut, CT, MRT, seitengetrenntes Aldosteron (Nierenvenenblut)
Morbus Cushing < 0,1 % Kortisol im 24-h-Urin (< 100 µg), Dexamethason-Hemmtest, CT, MRT
Phäochromozytom < 0,1 % Katecholamine, Metanephrin, Vanillinmandelsäure (VMS) im 24-h-Urin, Katecholamine im Serum, CT, MRT, Sonographie, Metajodbenzylguanidin-Szintigraphie, Octreotid-Szintigraphie, PET
orale Kontrazeptiva, Glukokortikoide, Cyclosporin u. a. 0,5–1 % Anamnese
Hyperthyreose < 0,1 % TSH, T3, T4
Aortenisthmusstenose < 0,1 % RR-Differenz (Arme/Beine), Strömungsgeräusch, Rippenusuren im Röntgen
Karzinoid < 0,1 % Anamnese, Hydroxyindolessigsäure, Chromogranin A

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