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B978-3-437-42502-8.00010-3

10.1016/B978-3-437-42502-8.00010-3

978-3-437-42502-8

Atemnot

M. Hamm

Definition

AtemnotAtemnotDyspnoe bzw. Dyspnoe beschreiben das Empfinden einer gesteigerten Atemtätigkeit durch erhöhten Atembedarf, erhöhte Atemarbeit oder verminderte Leistungsbreite der Atempumpe. Das Symptom Atemnot wird sehr unterschiedlich wahrgenommen und unterliegt starken emotionalen Einflüssen.

Anamnese

Atemnot tritt oft erst bei fortgeschrittenen kardiopulmonalen Erkrankungen auf. Die Wahrnehmung von Luftnot korreliert schlecht mit objektiven Befunden. Atemnot kann pleuropulmonale (hoher Atemwegswiderstand, verminderte Gasaustauschfläche und Lungendehnbarkeit, Totraumventilation, Pleuraerkrankungen), kardiale (Lungenstauung) oder extrapulmonale Ursachen (Anämie, Azidose, Adipositas, Thoraxdeformität, neuromuskuläre Erkrankungen, Höhenaufenthalt, Psyche) haben . Besonders bei älteren Patienten wird Luftnot oft multifaktoriell verursacht.
Graduierung der Dyspnoe (NYHA-Klassifikation):
  • keine Dyspnoe bei Belastung (Grad I)

  • Dyspnoe bei stärkerer Belastung wie Treppensteigen (Grad II)

  • bei leichter Belastung wie Gehen in der Ebene (Grad III)

  • in Ruhe (Grad IV).

Es werden gezielt Fragen zur Charakterisierung der Atemnot gestellt . Keine vorschnelle Festlegung auf eine bekannte Erkrankung oder eine psychogene Dyspnoe! Bei Verschlimmerung einer chronischen Luftnot sind neue Ursachen zu erwägen (z. B. Lungenembolie bei COPD).

Untersuchungen

Bei der körperlichen Untersuchung achtet man auf: Thoraxkonfiguration, Atemtiefe und -frequenz, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, Sprechdyspnoe, in- oder exspiratorischen Stridor und andere Distanzgeräusche, Zyanose, Blässe, Fieber; vertiefte Atmung bei metabolischer Azidose, paradoxe Atmung bei beidseitiger Zwerchfellparese oder Verlegung der oberen Atemwege (z. B. Schlafapnoe); periodische Atmung bei Herzinsuffizienz. Halsvenenstauung und Ödeme bei Herzinsuffizienz, Obstruktion der V. cava oder Perikardtamponade.
Die Auskultation und Perkussion können typische Befunde z. B. bei Atemwegsobstruktion, Lungenemphysem, Pneumothorax, Pneumonie, Lungenfibrose, Lungenödem ergeben.

Bildgebende Diagnostik

Die bildgebende Diagnostik umfasst bei Dyspnoe obligatorisch eine Röntgen-Thoraxaufnahme in 2 Ebenen. Je nach Verdacht kommen weitere Untersuchungen in Frage: Durchleuchtung (ZwerchfellpareseZwerchfellparese bei Zwerchfellhochstand), CZwerchfellhochstandomputertomographie, CT-Angiographie oder seltener Perfusionsszintigraphie (V. a. Lungenembolie), EKG (Arrhythmien oder Myokarderkrankungen), Echokardiographie (Herzinsuffizienz, Perikarderguss), Sonographie (Pleuraveränderungen, Lungeninfiltration) und Bronchoskopie (Atemwegsverlegung).

Labordiagnostik

Wichtige Untersuchungen sind Blutgasanalyse (BGA arteriell oder aus hyperämisiertem Kapillarblut; keine venöse BGA zur Dyspnoeabklärung!), Pulsoximetrie (in der Notfallmedizin), Blutbild (Anämie) und Schnelltests auf Troponin (Herzinfarkt), D-Dimere (Lungenembolie) und BNP (b-type natriuretic peptide, Herzinsuffizienz).

Funktionsdiagnostik

Als mitarbeitsabhängige (!) Verfahren stehen Spirometrie, Bodyplethysmographie (Differenzierung einer restriktiven Ventilationsstörung bzw. einer Überblähung), Bronchospasmolysetest (bei obstruktiven Atemwegserkrankungen), bronchiale Provokation mit Methacholin und Peak-Flow-Selbstmessung (Asthma bronchiale), Transferfaktor für Kohlenmonoxid (TLCO, Quantifizierung von Gasaustauschstörungen), Ergospirometrie (Quantifizierung und Differenzialdiagnose einer Belastungslimitation) und 6-Minuten-Gehtest (Verlaufsbeobachtung einer Belastungslimitation) zur Verfügung.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von AtemnotCOPD (chronic obstructive pulmonary disease)AtemwegserkrankungenobstruktiveLungenembolieAsthma bronchialeLungenerkrankungeninterstitielleLungenfibroseLungenemphysemEmphysemLungenembolieLinksherzinsuffizienzHypertoniepulmonale, rezidivierendepulmonale Hypertonierezidivierendeinterstitielle LungenerkrankungenPneumonieAtemwegsverlegungPleuraergussVocal-cord-dysfunction-SyndromPneumothoraxmetabolische AzidoseschwereAzidosemetabolischepsychogene DyspnoeDyspnoepsychogeneobstruktive Atemwegserkrankungen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
obstruktive Atemwegserkrankungen (Asthma bronchiale, COPD, Emphysem) ++++ Bodyplethysmographie, arterielle/kapilläre BGA, TLCO, CT-Thorax, Alpha1-PI, Provokation, Peak-Flow-Protokoll, Allergiediagnostik
interstitielle Lungenerkrankungen, Lungenfibrose ++ Bodyplethysmographie, TLCO, CT-Thorax, Bronchoskopie mit Histologie
Lungenembolie, ggf. rezidivierend; pulmonale Hypertonie +++ Echokardiographie, D-Dimere, CT-Thorax, Perfusionsszintigraphie, Rechtsherzkatheter
Linksherzinsuffizienz ++++ EKG, Echokardiographie, BNP, Troponin
Pneumonie +++ Röntgen-Thorax, Sonographie, Bronchoskopie
Atemwegsverlegung (Tumoren, Fremdkörper) ++ Bronchoskopie, Röntgen-Thorax, CT-Thorax
Pleuraerguss +++ Sonographie, Punktion
Pneumothorax + Röntgen-Thorax, (Sonographie)
vocal cord dysfunction + Video-Laryngoskopie
schwere metabolische Azidose + BGA, Nierenfunktion, BZ
psychogene Dyspnoe +++ Ausschlussdiagnose

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