© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42502-8.00013-9

10.1016/B978-3-437-42502-8.00013-9

978-3-437-42502-8

Beinschwellung

F. Rockmann

Definition

Ein- oder Beinschwellungbeidseitiges meist an den Knöcheln beginnendes und nach proximal fortschreitendes Ödem, erkennbar an der Zunahme des Beinumfangs.

Anamnese

Die allgemeine Anamnese umfasst Zeitpunkt des Auftretens, Dauer und Ausprägung der Beinschwellung sowie Schmerzen, Gewichtsveränderungen und Allgemein- bzw. Begleitsymptome. Bestehende Vorerkrankungen bzw. eine Schwangerschaft müssen ebenfalls erfragt werden.
Bei einer einseitigen Beinschwellung muss an erster Stelle einePhlebothrombose Phlebothrombose ausgeschlossen werden (Frage nach Immobilisation, Operation, Malignom: Bestimmung des WELLS-Scores).WELLS-Score Lokale Traumata und Entzündungen der unteren Extremität oder neu aufgetretene Raumforderungen im Bereich der Leiste (Lymphknoten, Tumoren) können anamnestisch Hinweise auf posttraumatisches Ödem, posttraumatisches ÖdemÖdemeposttraumatischeLymphangitis bzw. eine venöse oder lymphatische Abflussstörung Lymphangitis lymphatische Abflussstörungvenöse Abflussstörunggeben. Hier muss auch nach Fieber und Tropenaufenthalten gefragt (Filiariasis) sowie ein mögliches Kompartment (nach Trauma) berücksichtigt werden.
Bei den beidseitigen Beinschwellungen Beinödememüssen zunächst Symptome einer Herzinsuffizienz eHerzinsuffizienzrfragt werden (Nykturie, Belastungsdyspnoe, Orthopnoe). Die Alkohol- und Drogenanamnese kann Hinweise auf Lebererkrankungen geben (portaler Hochdruck) .portaler Hochdruck portale HypertensionOligo-/Anurie bzw. Hämaturie und Hypertonie sind klinische Zeichen einer Nierenerkrankung, die zu einem renalen Eiweißverlust bzw. nephrotischen Syndrom nephrotisches Syndromenterales EiweißverlustsyndromEiweißverlustsyndrom, enterales führen kann. Auch Hinweise auf einen enteralen Eiweißverlust müssen erfragt werden (Diarrhö, Verfärbung des Stuhls, veränderte Konsistenz). Bei diskreten KnöchelödemenKnöchelödeme muss ferner an Medikamente gedacht werden (ACE-Hemmer, Kalziumkanalblocker etc.), außerdem kommen sie häufig auch physiologisch vor (Ausschlussdiagnose).

Untersuchungen

Wegweisend ist die Inspektion (Verteilung und Ausprägung der Beinschwellung).
Bei der einseitigen Beinschwellung sind WadendruckschmerzWadendruckschmerzen sowie PlantarschmerzPlantarschmerzen wesentliche Zeichen für eine Phlebothrombose . PhlebothromboseHier müssen eine sonographische Untersuchung und ggf. eine Phlebographie erfolgen. Überwärmung bzw. eine Läsion sind Zeichen einer lokalen Infektion (Erysipel) . ErysipelBei Traumata ist hier ggf. eine radiologische Abklärung erforderlich, bei Verdacht auf Kompartment muss eine Druckmessung oder auch direkte chirurgische Therapie erfolgen. Die Beteiligung des Fußrückens bzw. der Zehen sowie eine relativ derbe Konsistenz sind Hinweise auf ein Lymphödem . LymphödemIn diesem Fall sollte nach einem Abflusshindernis mittels Sonographie bzw. CT des Beckens/Abdomens gesucht werden.
Generalisierte Ödeme generalisierte ÖdemeÖdemegeneralisiertesprechen häufig für das Vorliegen eines Eiweißmangels. Beim nephrotischen Syndrom nephrotisches SyndromEiweißmangelliegen meist periorbitale Ödeme vor, im Übrigen entspricht das Auftreten der Ödeme meist der Schwerkraft . Bei einer Leberzirrhose Leberzirrhosebestehen häufig AszitesAszites, HepatosplenomegalieHepatosplenomegalie und venöse Umgehungskreisläufe. Hier sind diagnostisch der Eiweißgehalt im Serum (Norm 65–85 g/l), Elektrolyte und Retentionsparameter, Leberwerte sowie die Eiweißausscheidung im 24-h-Urin wegweisend. Eine Abdomensonographie ist indiziert. Gestaute Halsvenen, Halsvenenstauunghepatojugulärer Refluxhepatojugulärer RefluxRefluxhepatojugulärer sowie der kardiale Auskultationsbefund geben Hinweise auf eine (Rechts-)Herzinsuffizienz . HerzinsuffizienzHier sollten ein Röntgen-Thorax, ein EKG sowie eine Echokardiographie und eine kardiale Enzymdiagnostik (CK, Troponin, pro-BNP) erfolgen. Das MyxödemMyxödem ist induriert und schwer eindrückbar, die diagnostische Abklärung der Schilddrüse erfolgt mittels Sonographie und Labor.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von BeinschwellungenPhlebothromboseLymphödemnephrotisches SyndromLeberzirrhosemedikamenteninduzierte(r)ÖdemeÖdememedikamenteninduzierteHerzinsuffizienzNiereninsuffizienzexsudative EnteropathieEnteropathieexsudativeMyxödemexsudativesErysipel

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Phlebothrombose +++ Doppler-Sonographie, Phlebographie, D-Dimere
Lymphödem +++ Sonographie Bein/Leiste; CT Abdomen/Becken
nephrotisches Syndrom + Urinsediment, Proteinurie, Hyperlipidämie, Nierenbiopsie
Leberzirrhose ++ Sonographie, Leberbiopsie, Child-Pugh-Kriterien, Leberwerte
medikamenteninduziert ++ Anamnese, Ausschlussdiagnose
Herzinsuffizienz +++ EKG, Echo, Herzenzyme
Niereninsuffizienz +++ GFR, Urinstatus und Sediment, Ursachenabklärung
exsudative Enteropathie + fäkale Fettausscheidung, Darmbiopsie
Myxödem + TSH, fT3, fT4, SD-Sonographie
Erysipel +++ Blutkulturen

Ökonomische Aspekte

Besonders in Bezug auf die Prophylaxe und Therapie der tiefen BeinvenenthromboseBeinvenenthrombose, tiefe ist durch die Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten durch die NOAKs NOAKs-Einnahmeein erheblicher Kostenfaktor entstanden. Inwieweit diese Möglichkeiten sowohl bei prophylaktischer als auch bei therapeutischer Gabe in der Kosten-Nutzen-Rechnung ein Einsparpotenzial bringen (in der ökonomischen Gesamtrechnung), bleibt abzuwarten.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen