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B978-3-437-42502-8.00015-2

10.1016/B978-3-437-42502-8.00015-2

978-3-437-42502-8

Abb. 1

Hämorrhagische Diathese in Form von Petechien (Punktblutungen).Petechien

Abb. 2

Hämorrhagische Diathese in Form von Sugillationen (flächenhafte Blutung).Sugillationen

Blutungsneigung

P. Staib

Definition

Bei einer BlutungsneigungBlutungsneigung (= hämorrhagische Diathese) hämorrhagische Diathesekommt es entweder spontan oder nach Bagatelltraumen zu Haut- bzw. Weichteileinblutungen oder zu inneren oder äußerlich sichtbaren Blutungen (z. B. Epistaxis).

Anamnese

Fragen nach Beginn der Blutungsneigung medikamenteninduzierte(r)Blutungsneigungund Medikamenteneinnahme geben Aufschluss über den zeitlichen und möglicherweise einen medikamentös bedingten Zusammenhang. Kürzlich zurückliegende Infekte deuten auf eine AutoimmunthrombozytopenieAutoimmunthrombozytopenie hin. Weiter sollte nach Hinweisen auf eine Lebererkrankung Lebererkrankungen(Alkoholabusus,Alkoholismus/Alkoholmissbrauch chronische Hepatitis)chronische HepatitisHepatitischronische oder auf eine rheumatische bzw. Autoimmunerkrankung (Gelenkschmerzen, -schwellungen, Hautveränderungen) gefragt werden. Leistungsknick und Abgeschlagenheit sowie rheumatische ErkrankungenB-Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) sind mögliche Zeichen einer hämatologischen Systemerkrankung. hämatologische SystemerkrankungenGelenkblutungen oder große Weichteilblutungen seit früher Kindheit sind typisch für eine Hämophilie.Hämophilie Sind weitere Familienmitglieder betroffen, so deutet dies ebenfalls auf einen hereditären Defekt hin, wie z. B. die Hämophilie .

Untersuchungen

Punktförmige Einblutungen in die Haut (Petechien, Abb. 1) Petechienam gesamten Integument mit Betonung der Unterschenkel sind typische Zeichen einer Thrombozytopenie (>Thrombopenie) Thrombopeniebzw. ThrombozytenfunktionsstörungThrombozytenfunktionsstörungen . Störungen der Gefäßwand (Vasopathie) Vasopathiepräsentieren sich in ähnlicher Weise mit eher kleineren EinblutungenEinblutungen. Großflächige HauteinblutungenHauteinblutungenHämatome (Hämatome bzw. Sugillationen, Abb. 2) oSugillationender auch Gelenkblutungen sind Zeichen einer plasmatischen GerinnungsstörungGerinnungsstörungenplasmatischeplasmatische Gerinnungsstörungen .
Ein Blutbild mit Differenzierung gibt Aufschluss über die Thrombozytenzahl. Bei Hinweisen auf eine zugrunde liegende hämatologische Systemerkrankung bei zusätzlichem Nachweis einer Anämie, Leukozytose oder Leukozytopenie wird eine Knochenmarkpunktion erforderlich. Durch Bestimmung der Thrombozytenzahl aus Heparin- und Citratblut lässt sich eine sog. PseudothrombozytopeniePseudothrombozytopenie ausschließen . Die globalen GerinnungstestsGerinnungstests Quick und partielle Thromboplastinzeit (aPTT) zeigen Störungen im Bereich der plasmatischen Gerinnung an.
Bei pathologischen Globaltests schließen sich ggf. Einzelfaktorbestimmungen an, sofern keine Antikoagulanzien verwendet wurden oder eine VerbrauchskoagulopathieVerbrauchskoagulopathie (DIC) vorliegt. Bei normalen Globaltests (Quick, aPTT) und normalen Thrombozytenwerten (, ) sollte ein Faktor-XIII-Mangel und/oder ein von-Willebrand-Jürgens(vWJ)-Syndrom von-Willebrand-Jürgens (vWJ)-Syndromsowie eine Thrombozytenfunktionsstörung, aber auch die Einnahme von NOAKs bzw. DOAKs ausgeschlossen werden. Eine Faktor-XIII-MangelNOAKs-EinnahmeDOAKs-EinnahmeThrombozytenfunktionsstörungThrombozytenfunktionsstörungen wird über eine Messung der Thrombozytenfunktion (in vitro) und der Blutungszeit in vivo (n. Ivy) überprüft . Nur extrem selten sind spezielle Laboruntersuchungen zum Nachweis einer hereditären Thrombozytopathiehereditäre ThrombozytopathieThrombozytopathie, hereditäre erforderlich.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Blutungsneigung (hämorrhagischer Diathese)AutoimmunthrombozytopenieMorbusWerlhofWerlhof-SyndromThrombozytenfunktionsstörungenmedikamenteninduziertemedikamenteninduzierte(r)medikamenteninduzierte Thrombozytenfunktionsstörungenplasmatische GerinnungsstörungenGerinnungsstörungenplasmatischeAntikoagulanzientherapieLeberzirrhoseLeberinsuffizienzHämophilieVaskulopathiePurpurasenilissenile PurpuraImmunthrombozytopenie (ITP)

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Autoimmunthrombozytopenie (ITP bzw. Morbus Werlhof) +++ Ausschlussdiagnose!, Virusinfektionen (z. B. HIV), Medikamente (Hapten), Autoantikörpertests (SLE), Knochenmarkpunktion (Ausschluss malignes Lymphom, Leukämie)
Thrombozytenfunktionsstörung durch Medikamente, Hepatopathie oder hereditär +++ Anamnese (z. B. ASS); Leberwerte, Thrombozytenfunktionstests in vitro, Blutungszeit nach Ivy
plasmatische Gerinnungsstörung, erworben: Antikoagulanzien, Leberinsuffizienz/-zirrhose; hereditär: Hämophilien ++ Einzelfaktoranalyse
(N. B.: bei NOAKs bzw. DOAKs sind Globaltests nicht pathologisch verändert!)
Vaskulopathie (erworben); Purpura senilis ++ Anamnese: Steroidtherapie, Vitamin-C-Mangel
Vaskulopathie (hereditär) + körperlicher Befund: Teleangiektasien (M. Osler-Weber-Rendu), Gelenküberdehnbarkeit (Ehlers-Danlos-Syndrom)

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