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Chronische Bronchitis

B. Schönhofer

D. Dellweg

Zur Orientierung

Die Erkrankung wird charakterisiert Bronchitisdurch Husten und HustenSputumproduktion an den meisten TagenBronchitischronischechronische Bronchitis für 3 Monate im Jahr in mindestens 2 aufeinander folgenden Jahren, wobei in den meisten Fällen der Husten ganzjährig besteht.

Häufigste Ursache ist inhalativer Zigarettenkonsum. Auch rezidivierende Infekte, inhalative Allergene und Noxen sowie genetisch bedingte Funktionsstörungen der Zilien können die Erkrankung auslösen. Husten und die vermehrte Sekretproduktion sind dabei Ersatzreinigungsmechanismen bei gestörter Zilientätigkeit. Im Verlauf kann es zu einer akuten Verschlechterung der Symptomatik kommen (infekt- oder umweltbedingt).

Die Diagnose wird durch das klinische Bild gestellt. Zu erfragen sind die Kardinalsymptome Husten und Auswurf sowie stattgehabte Infekte der Atemwege. Menge des Sputums, aber auch Konsistenz und Verfärbung geben wichtige Hinweise auf eine vorliegende Infektion. Gibt der Patient Luftnot an, so besteht meistens eine chronisch-obstruktive Bronchitis mit LungenemphysemLungenemphysemCOPD (chronic obstructive pulmonary disease) (COPD). Zusätzliche Untersuchungen wie Bronchoskopie und szintigraphische Messung der Zilienfunktion unterstützen die Diagnose in Problemfällen.

Therapie

Wichtigste Ziele der Therapie sind die Symptomkontrolle und die Vermeidung einer Progression der Erkrankung.
Chronische Bronchitiden mit chronischen Symptomen sollten primär supportiv behandelt werden . Oberste Priorität hat die sofortige Einstellung des Rauchens! Alleine durch diese Maßnahme kann nach einer Latenz von wenigen Wochen eine deutliche Symptomreduktion erreicht werden. Dem Patienten muss vermittelt werden, dass infolge der gestörten oder verminderten mukoziliären Clearance der Husten eine wichtige Funktion zur Reinigung der Atemwege übernimmt und eine komplette Suppression des Hustens nicht Therapieziel sein kann. Eine gestörte Reinigung des Bronchialsystems führt zu einer längeren Verweildauer infektiöser und toxischer Partikel, was möglicherweise zur verstärkten Karzinogenese führt. Phasenweise kann es jedoch sinnvoll sein, den Hustenreiz medikamentös zu unterdrücken, z. B. bei gestörtem Schlaf durch nächtliches Husten. Es sollten zunächst nichtopioidhaltige Antitussiva verwendet werden, bei fehlendem Ansprechen können dann z. B. codeinhaltige Präparate eingesetzt werden. Hier ist auf eine entsprechend hohe Dosierung zu achten, damit der Hustenreiz effektiv reduziert wird. Die Konsistenz des Sekretes kann mit mukolytischen Substanzen (z. B. N-Acetylcystein, Ambroxol) eingestellt werden, wobei zu beachten ist, dass sowohl zu zähes, als auch zu dünnflüssiges Sekret zu einer ineffektiven Hustenclearance führen kann. Zur Verbesserung der mukoziliären Clearance können Verneblerinhalationen eingesetzt werden. Hier scheint Emser Sole infolge des alkalischen Milieus der konventionellen Kochsalzlösung überlegen zu sein.
Bei den präventiven Maßnahmen steht ebenfalls das Einstellen des Rauchens an erster Stelle. Der Einfluss von Impfungen (Influenza, Pneumokokken) und prophylaktischer Antibiotikagabe ist für die chronische Bronchitis ohne Obstruktion nicht belegt, letztere Therapieform birgt zudem die Gefahr von bakterieller Resistenzentwicklung.
Akute Verschlechterungen (Exazerbationen) einer chronischen Bronchitis werden meist durch Infekte ausgelöst (i. d. R. viral und seltener bakteriell). Eine bakteriologische oder mikroskopische Aufarbeitung des Sputums kann hilfreich sein, das Ergebnis liegt jedoch selten unmittelbar vor, sodass die Entscheidung über eine antibiotische Therapie nach klinischen Gesichtspunkten erfolgt. Die Gruppe der Aminopenicilline sind nach internationalen Richtlinien eine gute Therapiemöglichkeit. Bei Nichtansprechen der Therapie müssen andere Erkrankungen abgeklärt werden . Führen umweltbedingte Noxen (v. a. Feinstaub) zu einer akuten Exazerbation, so sollte die Noxe möglichst eliminiert werden .

Evidenz der Therapieempfehlungen chronischer Bronchitis

Evidenzgrad Empfehlungsstärke
Rauch-Stopp IIa A
Antitussiva Ia A
Verneblerinhalationen Ib B
mukolytische Substanzen Ib C
Exazerbation der Bronchitis
Antibiotika Ia C
Kortison IV C

Komplikationen

Die wichtigste Komplikation ist die COPD auf dem Boden der chronischen Bronchitis.
Akute Komplikationen sind endobronchiale Blutungenendobronchiale BlutungenBlutungenendobronchiale sowie Pneumonie PneumonieBronchitis, chronischeund selten systemische Infektionen, die sich im Rahmen einer bakteriellen endobronchialen Infektion entwickeln können .

Ökonomische Aspekte

Der Einsatz von Mukolytika entbehrt der wissenschaftlichen Grundlage und sollte daher kritisch gesehen werden. Gleiches gilt für den Einsatz von Antibiotika bei fehlendem Keimnachweis.

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