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B978-3-437-42502-8.00153-4

10.1016/B978-3-437-42502-8.00153-4

978-3-437-42502-8

Diabetes mellitus Typ 1

K. Müssig

B. Gallwitz

Zur Orientierung

Der Typ-1-DiabetesTyp-1-DiabetesDiabetes mellitusTyp 1 ist durch einen absoluten Insulinmangel bei progredienter autoimmuner Zerstörung der insulinproduzierenden Beta-Zellen des Pankreas definiert. Er tritt gehäuft in jüngeren Lebensjahren auf.

Häufige Symptome sind PolyuriePolyurie, PolydipsiePolydipsie, GewichtsverlustGewichtsverlust, Müdigkeit, ÜbelkeitÜbelkeit und SehstörungenSehstörungen. Der Erkrankungsbeginn ist meist abrupt, etwa im Rahmen eines Infekts. Oft manifestiert sich ein Typ-1-Diabetes mit einer KetoazidoseKetoazidosediabetischediabetische Ketoazidose.

Die körperliche Untersuchung ist meist unauffällig. Nur bei diabetischer Ketoazidose zeigen sich Kußmaul-AtmungKussmaul-Atmung, Dehydratation, Hypotension und VigilanzstörungenVigilanzstörungen .

Diagnosekriterien sind:

  • Nüchternblutzucker > 126 mg/dl

  • GelegenheitshyperglykämieGelegenheitshyperglykämie > 200 mg/dl

  • 2 h-Wert im oralen Glukosetoleranztest (OGTT) > 200 mg/dl.

  • HbA1c > 6,5 % (48 mmol/mol)

Mit dem Nachweis von Inselzell-AutoantikörpernInselzell-Autoantikörper lässt sich der Typ-1- meist vom Typ-2-Diabetes abgrenzen.

Stadien

Oft folgt der Erstmanifestation eine symptomfreie Periode von Wochen bis Monaten, in der aufgrund der Erholung der Beta-Zellen kaum Insulin benötigt wird („Honeymoon“-Phase). Danach ist eine dauerhafte Insulintherapie notwendig.

Therapie

Therapieziele sind ein gutes Selbstmanagement der Erkrankung und die Vermeidung von
  • diabetesbedingten Einschränkungen der Lebensqualität

  • schweren Stoffwechselentgleisungen (schwere Hypoglykämien und Hyperglykämien mit Ketoazidose)

  • mikro- und makroangiopathischen Folgeerkrankungen.

Daher sollten folgende Blutglukosewerte angestrebt werden:
  • 90–120 mg/dl vor den Mahlzeiten

  • 110–135 mg/dl vor dem Schlafengehen.

Nach Erstbehandlung der HyperglykämieHyperglykämie und einer möglichen Ketoazidose mit Volumen- und Elektrolytsubstitution sowie Insulin erfolgt die weitere Betreuung des Patienten multidisziplinär (Arzt, Diätassistentin, Diabetesberaterin). Er sollte im Rahmen eines strukturierten Therapie- und Schulungsprogramms das Selbstmanagement erlernen .
Der tägliche Insulinbedarf muss individuell angepasst werden. Eine intensivierte Insulintherapie mit mahlzeitenbezogener Insulingabe ist die Therapie der Wahl, da der Patient bei dieser Therapieform die Größe der Mahlzeiten und den Zeitpunkt der Einnahme individuell festlegen kann. Zum Einsatz kommen verschiedene Insulinpräparate (Tabelle).

Komplikationen

Akute Komplikationen sind:
  • HypoglykämieHypoglykämie (u. a. Schweißausbruch, Wärmegefühl, Palpitationen, Bewusstlosigkeit; Hypoglykämie)

  • lokale allergische Reaktionen

  • diabetische Ketoazidose.

Ursachen für eine Hypoglykämie können eine zu hohe Insulindosis, ausgelassene Mahlzeiten, vermehrte körperliche Arbeit und Alkoholgenuss sein. Patienten müssen über Hypoglykämie-Symptome und die erforderlichen Maßnahmen aufgeklärt werden (orale Glukosezufuhr z. B. durch Fruchtsäfte). Angehörige können zudem eine Einweisung in die intramuskuläre Applikation von Glukagon erhalten.
Chronische Komplikationen werden unterteilt in:
  • mikrovaskuläre Komplikationen:

    • periphere und autonome Neuropathiediabetische NeuropathieNeuropathiediabetischeRetinopathie, diabetischeNephropathiediabetische

    • diabetische Retinopathiediabetische Retinopathie, KataraktKatarakt, GlaukomGlaukom

    • diabetische Nephropathiediabetische Nephropathie.

  • makrovaskuläre Komplikationen:

    • zerebrovaskuläre Erkrankungen

    • koronare Herzerkrankungkoronare Herzkrankheit (KHK)

    • periphere arterielle Verschlusskrankheitarterielle Verschlusskrankheit, periphere (PAVK)periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)PAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit).

Durch optimale Einstellung der Blutglukose (normnaher HbA1c-Wert) lässt sich das Risiko für Komplikationen senken. Diabetespatienten sollten alle 3 Monate hinsichtlich des Auftretens von makro- und mikrovaskulären Komplikationen untersucht werden . Funduskopien durch einen Augenarzt sollten mindestens einmal jährlich erfolgen. Patienten mit Proteinurie oder Nierenfunktionsstörung sollten durch einen Nephrologen mitbetreut werden.

Ökonomische Aspekte

Die Kosten für die Behandlung der Folgeerkrankungen des Diabetes betragen ein Vielfaches der primären Behandlungskosten für Arzneimittel. Durch eine normnahe Blutglukose-Einstellung lassen sich mikro- wie auch makrovaskuläre Diabetes-Komplikationen vermeiden.

InsulinpräparateInsulinpräparate/-therapie

Insulinwirkung Präparate Wirkungsbeginn Wirkungsmaximum Wirkdauer
ultrakurz (Insulinanalog) Fiasp (fast acting insulin Aspartat) sofort 30–45 min 2 h
sehr kurz (Insulinanaloga) Aspart, Glulisin, Lispro 15 min 1 h 2–3 h
kurz Humaninsulin 30 min 2 h 4–6 h
mittellang NPH-Insulin 1–2 h 4–6 h 8–12 h
lang (Insulinanalogon) Detemir 3–4 h 10–14 h 16–20 h
sehr lang (Insulinanalogon) Glargin 3–4 h 10–16 h 20–30 h

NPH = neutrales Protamin Hagedorn

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