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978-3-437-42502-8

Dysurie

M. Fahlbusch

Definition

DysurieDysurie bezeichnet jegliche Missempfindung bei der Blasenentleerung. Der Begriff umfasst sämtliche Zustände schmerzhaften und erschwerten Wasserlassens. Dysurie tritt bei Erkrankungen des distalen Harnleiters, der Harnblase, der Prostata und der Harnröhre auf.

Anamnese

Eine initiale DysurieDysurieinitialeDysurieterminaleterminale Dysurie, d. h. zu Beginn der Miktion, weist auf eine Erkrankung der Harnröhre und Prostata hin. Eine terminale Dysurie, also am Ende der Miktion, spricht für eine Reizung in der Blase oder am Blasenhals.
Die häufigste Ursache für eine Dysurie ist eine Infektion der Harnwege, hier insbesondere die Zystitis bei erwachsenen, sexuell aktiven Frauen. Bei Männern ist diese deutlich seltener, kann aber auf die Prostata übergreifen und zur akuten bakteriellenProstatitis Prostatitis führen. Eine Urethritis Urethritiszeigt sich typischerweise durch einen Fluor urethralis.
Bei allen Erkrankungen, die den mechanischen Auslasswiderstand der Harnblase erhöhen (Obstruktion), kommt es zu einer Hypertrophie der Blasenmuskulatur, Blasenmuskulatur, Hypertrophieam häufigsten bei der benignen Prostatahyperplasie (BPH). Die benigne Prostatahyperplasie (BPH)Prostatahyperplasie, benigne (BPH)BPH (benigne Prostatahyperplasie)Patienten leiden unter ständigem Harndrang (frequency, urgency) und Harnstrahlabschwächung. Eine ähnliche Symptomatik kann prinzipiell auch von HarnröhrenstrikturenHarnröhrenstriktur ausgelöst werden.
Die Dysurie ist ein typisches Symptom bei lokal fortgeschrittenen Blasentumoren. BlasentumorenEbenso kann ein fortgeschrittenes Prostatakarzinom Prostatakarzinomdurch Infiltration des Blasenhalses oder durch Obstruktion des Blasenauslasses eine Dysurie verursachen.
Ein tiefsitzender Ureterstein kann bei der Passage des intramuralen Harnleiters die Harnblase derart reizen, dass eine Dysurie auftritt. Ein BlasensteinBlasensteineUretersteine reizt die Blase direkt mechanisch und führt oft zu einer komplizierten Infektion.
Funktionelle Blasenentleerungsstörungen Blasenentleerungsstörungenfunktionellefunktionelle Blasenentleerungsstörungenkönnen zu einer ausgeprägten Dysurie führen, ohne dass in der Folge ein pathologischer Befund erhoben werden kann. Diese Störungen werden unter den Sammelbegriffen Chronic-Pelvic-Pain-Syndrom (CPPS) Chronic-Pelvic-Pain-Syndrom (CPPS)CPPS (Chronic-Pelvic-Pain-Syndrom)bzw. Bladder-Pain-Syndrom (BPS) zusammengefasst.Bladder-Pain-Syndrom (BPS)BPS (Bladder-Pain-Syndrom)

Untersuchungen

Die urologische Untersuchungurologische Untersuchung, Dysurie umfasst die Beurteilung der Nierenlager, die Palpation des Abdomens und männlichen Genitales und die rektale Untersuchungrektale Untersuchung, Dysurie der Prostata. Die Inspektion der weiblichen Harnröhre wird am sinnvollsten mit der Abnahme von Katheterurin kombiniert. Klopfschmerzhafte Nierenlager weisen auf eine Nierenbeckenentzündung hin. Bei einer Urozystitis kann ein suprapubischer Druckschmerz vorliegen .
Die HarnuntersuchungHarnuntersuchungDysurie steht im Mittelpunkt der Diagnostik . Ein unauffälliges Sediment schließt eine Infektion beim unbehandelten Patienten praktisch aus. Leukozyten und Erythrozyten oder sogar Bakterien im Mittelstrahl- oder Katheterurin weisen stark auf eine bakterielle Entzündung hin . Beweisend ist die positive mikrobiologische Untersuchung . Bei einer Urethritis ist die Urinkultur häufig negativ. Hier müssen urethrale Abstriche entnommen werden.
Erythrozyten allein oder in Kombination mit einer LeukozyturieLeukozyturie können auf eine Urolithiasis oder einen Blasentumor hinweisen .
Bei Verdacht auf einen Blasentumor ist die Zystoskopie Zystoskopie, Dysuriein Kombination mit einer zytologischen Untersuchung des Urins angezeigt. Größere Befunde werden heute bereits sonographisch gefunden .
Die sonographische Untersuchung der Nieren gibt Informationen über Tumoren, Steine und Abflussstörungen. Durch die Bestimmung des Restharns Restharn, Dysurieerhält man schnell und unkompliziert Hinweise auf eine Blasenentleerungsstörung. Eine Harnstrahlmessung (Uroflow) Harnstrahlmessung, Dysurieist lediglich in urologischen Fachabteilungen möglich .
Besteht der Verdacht auf ein Steinleiden, ist die Computertomographie ComputertomographieDysurieidealerweise als low-dose-CT die Methode der Wahl .

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Dysuriebenigne Prostatahyperplasie (BPH)Prostatahyperplasie, benigne (BPH)BPH (benigne Prostatahyperplasie)Blasenentleerungsstörungenfunktionellefunktionelle Blasenentleerungsstörungen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Harnwegsinfekt ++++ Urinkultur
BPH +++ Restharn, Uroflow
Blasentumoren ++ Zytologie, Endoskopie
Blasensteine ++ Sonographie, CT
Harnröhrenstrikturen + Restharn, Uroflow
distale Uretersteine (+) Sonographie, CT
funktionelle Störungen ++ Sonographie, Uroflow, ggf. Zystoskopie

Ökonomische Aspekte

Die Abklärung einer Dysurie sollte mit einer Harnuntersuchung beginnen. Hier erhält man mit geringem Aufwand relevante richtungsweisende Befunde. Bei jungen, gesunden prämenopausalen Frauen mit Zystitis ist außer einer symptombezogenen körperlichen Untersuchung keine weitere urologische Diagnostik erforderlich. Alle anderen Patienten benötigen eine angepasste urologische Abklärung.

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