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B978-3-437-42502-8.00023-1

10.1016/B978-3-437-42502-8.00023-1

978-3-437-42502-8

Epileptischer Anfall

B.J. Steinhoff

Definition

Ein epileptischer Anfallepileptischer Anfall beruht auf der plötzlichen synchronisierten pathologischen Exzitabilitätssteigerung eines mehr oder weniger umschriebenen kortikalen Neuronenverbandes. Gelegentlich umfasst diese theoretisch die gesamte Großhirnrinde (generalisierter Anfall). Bei AnfällenAnfällegeneralisierteAnfällefokaleAnfälleeinfach/komplex fokale umschriebener Genese (fokal), die entweder ohne (einfach fokal) oder mit (komplex fokal) Bewusstseinsstörung einhergehen, folgt die Symptomatik der Funktion der erregten Hirnrinde.

Anamnese

Entscheidend sind immer die Gleichförmigkeit, das Fremdartige und Paroxysmale, die üblicherweise limitierte Dauer (wenige Minuten) und letztlich auch die Option der weiteren Erregungsausbreitung im Gehirn, dann mit vorhersagbarem Verlauf („Semiologie“), und oft Übergang in Anfallsphasen mit Bewusstseinsstörung. Besondere Bedeutung hat die Fremdanamnese. Hierbei gilt es, wiederum Dauer, typische sichtbare Symptomatik (z. B. oroalimentäre Automatismen wie Schmatzen, Schlucken, Kauen, Nestelautomatismen, Versivbewegungen von Kopf und Körper), die Reagibilität auf Ansprache, die Augenstellung und die Frage, ob die Augen geöffnet waren (typisch), Stürze sowie die Abläufe des postiktalen Verhaltens zu erfragen. Sekundärerscheinungen wie lateraler Zungenbiss, Einnässen, Verletzungen oder postiktaler Kopfschmerz oder Muskelkater sind wichtige Indizien, ferner die tageszeitliche Bindung, die Frage nach Auslöseumständen wie Schlaf- oder Alkoholentzug, Flickerlicht, Fieber (bei Säuglingen und Kleinkindern) oder exogenen Noxen (Medikamente, Drogen). Sehr hilfreich kann die Videodokumentation typischer Anfälle sein .

Untersuchungen

Bei der Inspektion ist auf Schädelasymmetrien, dysplastischen Körperbau, Hinweise auf fokal neurologische Defizite wie asymmetrische Motorik oder Lage, Fazialismundastschwäche, dermatologische Stigmata wie Café-au-Lait-Flecken, Tubera, Naevus flammeus (tuberöse Sklerose, Morbus Sturge-Weber) zu achten. Es schließt sich die gewissenhafte neurologische Untersuchung einschließlich Hirnnervenstatus, Muskulatur, Motorik, Kraft, Reflexstatus, Sensibilität und Koordination an .
Diagnostisch weiterführend ist das Elektroenzephalogramm (EEG).Elektroenzephalogramm (EEG)epileptischer AnfallMagnetresonanztomographie (MRT)epileptischer Anfall Die MRT unterstützt die Suche nach möglichen epileptogenen Läsionen wie Tumoren, vaskulären Läsionen, Sklerosen, Dysplasien, Traumafolgen, Zysten etc. Die kraniale CT sollte nur noch im Notfall (wenn MRT nicht verfügbar) oder in speziellen Fällen zum Nachweis von Kalk eingesetzt werden.
Laboruntersuchungen umfassen ggf. Serum- und Liquoruntersuchung zum Ausschluss entzündlicher Ursachen einschließlich der Autoimmunenzephalitiden, Bestimmung der Kreatinkinase und von Prolaktin im Serum (jeweils optional deutlich erhöht) nach epileptischen Anfällen. Ebenso lassen sich anfallsbegünstigende Konstellationen wie Hypoglykämie oder andere klinisch relevante metabolische Störungen ausschließen. Mitunter werden toxikologische Untersuchungen und DrogenscreeningDrogenscreeningepileptischer Anfall notwendig .
Bei uneinheitlichen Befunden oder Symptomen, die auf eine der wesentlichen Differenzialdiagnosen hinweisen, sollten die unten genannten Zusatzuntersuchungen durchgeführt werden .

Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnosen bei V. a. epileptischen AnfallSynkopeAnfälledissoziative (psychogene)psychogene (dissoziative) Anfälledissoziative (psychogene) Anfälletransitorisch ischämische Attacke (TIA)TIA (transitorisch ischämische Attacke)Drop attacksglobale Amnesie, transientetransiente globale AmnesieAmnesietransiente, globaleNarkolepsieKataplexieParasomnienBewegungsstörungenMigränemit/ohne Aura;AuraAura, MigräneMigräneim Kindesalter;Kindesalter

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Synkopen +++ Videobeispiele Augenzeugen vorführen, EEG, Langzeit-Video-EEG, EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG, Schellong-Test, ggf. Kipptischuntersuchung, Eventrecorder
dissoziative (psychogene) Anfälle +++ Videobeispiele Augenzeugen vorführen, EEG, Langzeit-Video-EEG
transitorisch ischämische Attacken inklusive Drop attacks ++ EKG, Langzeit-EKG, Dopplersonographie, vaskuläre Risikofaktoren eruieren, Bildgebung (MRT)
transiente globale Amnesie + EEG, MRT, typische Fremdanamnese, lange Attackendauer
Narkolepsie/Kataplexie + EEG, Langzeit-Video-EEG mit Polysomnographie, multiple sleep latency test; Labor: HLA-DQB10602-AK (hohe Spezifität bei Narkolepsie), Hypocretinmangel im Liquor
Parasomnien ++ EEG, Langzeit-Video-EEG mit Polysomnographie
Bewegungsstörungen ++ EEG, MRT, Videodokumentation, typische Anamnese
Migräne mit Aura, Migräne im Kindesalter ++ EEG, MRT, typische Anamnese

Ökonomische Aspekte

Langzeit-Video-EEG, Langzeit-EKGLangzeit-EKG, epileptischer AnfallKippuntersuchung, epileptischer Anfall, Kipptischuntersuchungen und Diagnostik mit einem Eventrecorder sind kostspielig und können unter Umständen bei früher Einbindung von Augenzeugen, denen Videobeispiele gezeigt werden, oder von Anfallsdokumentationen auf Smartphones etc. vermieden oder im Ausmaß reduziert werden.

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