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B978-3-437-42502-8.00024-3

10.1016/B978-3-437-42502-8.00024-3

978-3-437-42502-8

Epistaxis

F. Rockmann

Definition

Nasenbluten. NasenblutenEpistaxisUnterschieden werden die anteriore Blutung im Bereich des Locus Kiesselbachii und die posteriore Blutung aus der A. sphenopalatina.

Anamnese

Die Epistaxis ist ein häufiges, meist harmloses Symptom, das nur selten zu einem bedrohlichen Blutverlust führt. Posteriore Blutungen sind oft schwieriger zu stillen und bedürfen in jedem Fall einer HNO-ärztlichen Vorstellung. Lokale Ursachen müssen von einem Geschehen im Rahmen einer Systemerkrankung unterschieden werden. Für die weiteren Maßnahmen ist es entscheidend, Häufigkeit und Ausmaß der Blutung zu ermitteln (, ).
Als lokale Ursachen kommen physikalische und chemische Schädigungen der Nasenschleimhaut, z. B. Rhinitis sicca, Fremdkörper, Nasenbohren, heftiges Schnäuzen, Kokainkonsum etc. in Betracht. Anamnestisch ist ferner nach Nasenfremdkörpern, Nasen- und Nasennebenhöhlentumoren sowie Polypen, z. B. Granuloma teleangiectaticum, zu fragen. Traumata wie Schädelbasis- bzw. Nasenseptumfrakturen müssen ausgeschlossen werden. Im Rahmen fieberhafter Infekte oder allergischer Rhinitis liegt eine Hyperämie der Nasenschleimhaut vor, sodass diese besonders kontaktvulnerabel ist.
Das Auftreten einer Epistaxis im Rahmen einer Systemerkrankung erfordert eine genauere Anamnese. Im Vordergrund stehen hier Gefäß- und Kreislaufkrankheiten , insbesondere arterielle Hypertonie und Atherosklerose sowie eine hämorrhagische Diathese . Hierbei muss insbesondere auf eine Thrombopenie, z. B. Knochenmarkdepression, medikamentös-toxisch, autoimmun, Hypersplenismus, idiopathisch, infektiös etc., bzw. Thrombopathie, z. B. myeloproliferative Erkrankungen, medikamentös-toxisch, urämisch etc., geachtet werden. Seltenere TeleangiektasienTeleangiektasien (Morbus Osler-Rendu-WeberOsler-Rendu-Weber-SyndromMorbusOsler-Rendu-Weber) bzw. Vaskulitiden (Morbus Wegener)MorbusWegenerWegener-Granulomatose kommen ebenfalls in Betracht, erstere besonders bei rezidivierenden, schwer stillbaren Blutungen. Hier müssen eine genaue Familien- und eine ausführliche Organanamnese erfolgen. Weitere Gerinnungsstörungen, z. B. im Rahmen eines Gerinnungsfaktor- oder Vitamin-K- bzw. Vitamin-C-MangelsVitamin-C-MangelVitamin-K-Mangel führen ebenfalls häufig zur Epistaxis. Selten sind Infektionskrankheiten wie Typhus Ursache einer Epistaxis.

Untersuchungen

Zunächst erfolgt die Inspektion der Nasenschleimhaut bzw. des Nasenseptums. Bei stärkeren oder posterioren Blutungen steht die Blutstillung durch einen HNO-Arzt im Vordergrund, der auch die weiteren Maßnahmen übernehmen sollte. Außerdem sind Verletzungen im Gesichts- und Schädelbereich zu untersuchen. Auf weitere Blutungsstigmata Blutungsstigmatawie Zahnfleisch- oder Schleimhautblutungen, Petechien und Hämatome sowie Teleangiektasien Teleangiektasienim Lippen- und Mundbereich ist zu achten. Sie geben Hinweise auf Thrombopenien, Thrombopathien sowie Gerinnungsstörung und Morbus Osler-Rendu-Weber . Eine sorgfältige Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems erfolgt anschließend (arterielle Hypertonie) . Ein besonderes Augenmerk gilt noch dem Vorliegen einer möglichen Hepato- und/oder Splenomegalie alsSplenomegalieHepatosplenomegalieHepatomegalie Ausdruck einer Lebererkrankung oder eines Hypersplenismus.
Laborchemisch sind die Bestimmungen des Blutbilds mit Differenzialblutbild, Gerinnungsstatus, Blutungszeit, Retentionsparameter und ggf. cANCA wichtig . Bei V. a. Tumoren sind ggf. CT/MRT erforderlich.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von EpistaxisHypertoniearterielleNasenschleimhautschädigungchemische/physikalischeMorbusOsler-Rendu-WeberOsler-Rendu-Weber-SyndromThrombopenieMorbusWegenerWegener-GranulomatoseThrombopathieGerinnungsstörungenNasentumorenNasenpolypen

Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Hypertonie ++ RR-Messung, Ursachenabklärung
physikalische Schädigung der Nasenschleimhaut +++ Inspektion, Anamnese
chemische Schädigung der Nasenschleimhaut + Anamnese
Trauma + Inspektion, Anamnese
Morbus Osler-Rendu-Weber + Familienanamnese, körperliche Untersuchung
Thrombopenie +++ Blutbild, Differenzialblutbild, ggf. ThromboExakt-Test (Thrombos im Citratblut), Abdomensonographie, KM-Punktion, spezielle Abklärung
Granulomatose (Morbus Wegener) + cANCA, (Nieren-)Biopsie
Thrombopathien ++ Retentionsparameter, (Medikamenten-)Anamnese
Gerinnungsstörung +++ Gerinnungsfaktoren, Leberwerte, Ernährungsstatus
Tumoren/Polypen ++ CT, MRT, Biopsie

Ökonomische Aspekte

Bei der Behandlung der Epistaxis steht vor allem die Behandlung der posterioren Blutung im Fokus der ökonomischen Betrachtung. Hier sollte die Ligatur der A. sphenopalatina zur primären Blutstillung angewendet werden.

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