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B978-3-437-42502-8.00025-5

10.1016/B978-3-437-42502-8.00025-5

978-3-437-42502-8

Erbrechen (Emesis)

E. Endlicher

Definition

ErbrechenErbrechenEmesis beschreibt das kraftvolle retrograde Entleeren von Magen- oder Darminhalt infolge unwillkürlicher Kontraktionen von Magen-, Zwerchfellmuskulatur und Bauchpresse. Die Ursachen von Erbrechen sind vielfältig. Für eine zielgerichtete Therapie (chirurgisch oder medikamentös)medikamenteninduziertesErbrechen ist die AbklärungErbrechenmedikamenteninduziertes der Ursache entscheidend.

Anamnese

Die Anamnese weist auf mögliche Ursachen hin und sollte folgende Aspekte berücksichtigen: Dauer, Häufigkeit und Art des Erbrechens, Begleitsymptome (z. B. Fieber, Nausea, Schmerzen, Diarrhö, Kopfschmerzen, Schwindel, Gewichtsverlust), Vorerkrankungen (z. B. gastrointestinale Tumoren, CholezystolithiasisCholezystolithiasis, chronisch-entzündliche Darmerkrankung, Diabetes mellitusDiabetes mellitus, NiereninsuffizienzNiereninsuffizienz, HypothyreoseHypothyreose, MigräneMigräne, Epilepsie, Depressionen, AnorexieAnorexia nervosaBulimia nervosa, Bulimie), Medikamenteneinnahme (z. B. NSAR, Erythromycin, Digoxin, Sulfasalazin, Azathioprin, Diuretika, Kalziumantagonisten), gastrointestinale und systemische Infektionen, Schwangerschaft.

Untersuchungen

Die körperliche Untersuchung ist wichtig, um Konsequenzen oder Komplikationen von Übelkeit und Erbrechen beurteilen und mögliche Ursachen weiter eingrenzen zu können. Folgende Aspekte sind u. a. besonders zu beachten: Zeichen von Gewichtsverlust und Dehydratation, Ikterus, Lymphknotenschwellungen, abdominale Untersuchung (Resistenzen? Darmgeräusche? Druckschmerz? Abwehrspannung?), ggf. neurologische Untersuchung.
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts (GIT) lassen sich durch laborchemische Untersuchungen sowie eine AbdomensonographieAbdomensonographiegastrointestinale Erkrankungen sichern, so z. B. Gastroenteritis, Cholezystitis oder Appendizitis. Zur Beurteilung (Lokalisation) einer mechanischen Obstruktion ist eine Abdomenübersichtsaufnahme sinnvoll, bei V. a. mukosale Läsionen (z. B. Ulkus/Refluxösophagitis mit Komplikationen) eine Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD), bei V. a. GastropareseGastroparese eine Magen-Darm-Passage (MDP).
Übelkeit und Erbrechen sind häufig zu beobachtende Nebenwirkungen von Medikamenten , sodass vor umfangreicher Diagnostik eine sorgfältige Medikamentenprüfung sinnvoll ist. Serumspiegelbestimmungen können eine Intoxikation anzeigen, z. B. bei Einnahme von Digoxin, Theophyllin oder Carbamazepin.
Eine Schwangerschaft SchwangerschaftErbrechenErbrechenSchwangerschaftist die häufigste endokrine Ursache für Erbrechen. Durch Bestimmung von Kreatinin und Harnstoff kann eine NiereninsuffizienzNiereninsuffizienz diagnostiziert werden, bei V. a. diabetische Ketoazidose diabetische KetoazidoseKetoazidosediabetischesind erhöhte Blutzuckerwerte wegweisend,Hypothyreose eine Hypothyreose kann durch ergänzende Bestimmung von TSH ausgeschlossen werden.
Bei V. a. eine neurologische Ursache (z. B. spontan auftretendes Erbrechen ohne vorausgehende Übelkeit bei erhöhtem Hirndruck) bietet sich eine cCT an. Der V. a. MeningitisMeningitis erfordert eine Liquorpunktion (cave: vorher erhöhten Hirndruck ausschließen!). Eine symptomatische und ggf. präventive (CTX, RTX, Operation, Opioidtherapie) Therapie ist je nach Situation notwendig.
Komplikationen (z. B. Dehydratation, Hypokaliämie, metabolische Alkalose) erfordern eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr sowie die Substitution von Kalium und Chlorid.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von ErbrechenÖsophaguskarzinomgastrointestinale TumorenÖsophagusmotilitätsstörungenÖsophagitisRefluxösophagitisGallenkolikNierenkolikUrämieDiabetes mellitusHyperemesis gravidarumMigräneepileptischer Anfallstrahlentherapieinduziertes ErbrechenErbrechenstrahlentherapieinduziertesGastroenteritis

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Ösophaguskarzinom/Tumoren des GIT ++++ ÖGD und Biopsie, ggf. Koloskopie
Ösophagusmotilitätsstörungen +++ Röntgenkontrastuntersuchung/Manometrie/ÖGD
(Reflux-)Ösophagitis mit/ohne Komplikationen ++ ÖGD (pH-Metrie)
schmerzreflektorisch (z. B. Gallenkolik, Nierenkolik) +++ Abdomensonographie, Laborchemie
endokrin/metabolisch (z. B., Hyperemesis gravidarum, Urämie, entgleister Diabetes mellitus, Hypothyreose) +++ Schwangerschaftstest (hCG), Kreatinin, Harnstoff, TSH
neurologische Erkrankungen (z. B. Migräne, Epilepsie, vestibuläre Ursachen) ++++ neurologische Untersuchung, cCT, Nystagmusprüfung
iatrogen (medikamentös, postoperativ, chemo-/strahlentherapieinduziert) ++++ Serumspiegelbestimmungen, auslösendes Medikament ab-/ersetzen, präventive, symptomatische Therapie
Infektionen (z. B. Gastroenteritis) ++++ Laborchemie, Abdomensonographie

Ökonomische Aspekte

Eine frühe präventive antiemetische Therapie bei Opioidtherapie oder CTX/RCTX kann eventuell stationäre Aufnahmen verhindern oder stationäre Aufenthalte verkürzen.

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