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B978-3-437-42502-8.00030-9

10.1016/B978-3-437-42502-8.00030-9

978-3-437-42502-8

Exsikkose

Th. Thomas

Definition

Unter ExsikkoseExsikkose (von lat. siccus = trocken) versteht man eine Austrocknung des Körpers bedingt durch starken Verlust und/oder fehlende Aufnahme von Wasser. Der resultierende Flüssigkeitsmangel führt zu einer Verminderung des intra- und extrazellulären Volumens.

Anamnese

Die häufigsten Ursachen der Exsikkose können bei wachen, nicht vigilanzgeminderten Patienten anamnestisch erfasst werden, z. B. Durchfälle, ErbrechenErbrechen, Polyurie, Verbrennungen oder Operationen (Fisteln/Drainagen). Das subjektive Durstgefühl des Patienten und der Zugang zu Trinkwasser müssen immer mitbeurteilt werden. Besondere Vorsicht ist bei Säuglingen oder älteren Patienten geboten: Sie können durch fehlende Flüssigkeitseinnahme rasch eine Exsikkose entwickeln und sind häufig nicht in der Lage, ihre Symptome adäquat zu äußern. Es muss auch an eventuelle Hindernisse bei der Flüssigkeitseinnahme und Resorption gedacht werden (z. B. Schluckstörungen, Malabsorptionssyndrome). Darüber hinaus sind gezielte Fragen nach einem Diabetes mellitus (Ketoazidose oder hyperosmolares Komahyperosmolares KomaKomahyperosmolares), Diabetes mellitusNierenerkrankungenNebennierenerkrankungenKetoazidosebekannten Nieren- oder Nebennierenerkrankungen oder Diabetes insipidus Diabetes insipiduszu stellen. Eine genaue Medikamenten-, Drogen- und Alkoholanamnese sollte ebenfalls erhoben werden. Besondere Vorsicht ist bei Verdacht auf psychogene Essstörungen mit evtl. heimlichem Diuretika- oder Laxanzienabusus geboten.psychogene EssstörungenEssstörungenpsychogenehyperosmolares KomaKomahyperosmolares

Untersuchungen

Die einzigen klinischen Zeichen einer leichten Exsikkose können eine orthostatische Hypotonie undHypotonie Tachykardie sein . TachykardieTrockene Schleimhäute, weiche Bulbi, Hyperthermie und ein reduzierter Hautturgor sind weitere Indikatoren. Ein Foetor ex ore liefert Hinweise auf einen Diabetes mellitus, eine Niereninsuffizienz (Foetor uraemicus) Foetorex oreFoetoruraemicusoder Alkoholkonsum. Bei schwerer Exsikkose können Symptome wie Oligurie, Vigilanzminderung und Zeichen eines hypovolämischen Schocks auftreten.
Wichtige Laborparameter sind die Serum-Elektrolyte (Natrium, Kalium), die Nierenretentionsparameter (Kreatinin, Harnstoff), der Plasmaglukosespiegel und die Urinausscheidung. Ein Urinstatus, eine Blutgasanalyse und ggf. die Kontrolle der Urinelektrolyte können weitere differenzialdiagnostische Informationen liefern. Die Abdomen- oder Gefäßsonographie GefäßsonographieAbdomensonographiekann bei der Abschätzung der Gefäßfüllung als möglicher Marker einer Exsikkose hilfreich sein. Weitere laborchemische und bildgebende Untersuchungen sind je nach Verdachtsdiagnose anzuwenden .

Differenzialdiagnosen

Ursachen einer ExsikkoseErbrechenDiarrhöPankreatitisMalabsorption(ssyndrom)gastrointestinale ErkrankungenFieberHyperthermieVerbrennungenDiuretikatherapieLaxanzientherapieDiabetes mellitusentgleisterrespiratorische ErkrankungenPneumonieSalzverlustnephropathienNierenerkrankungenosmotische DiureseDiureseosmotischeNebennierenrindeninsuffizienzDiabetes insipidus

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
unzureichende Flüssigkeitseinnahme (Säuglinge, ältere Patienten) +++ Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor
gastrointestinale Erkrankungen (Erbrechen, Durchfälle, Pankreatitis, Malabsorption, Fistel usw.) +++++ Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor, ggf. Bildgebung (Abdomen-Sonographie od. -CT), ggf. Endoskopie
Verluste über die Haut (Verbrennung, Fieber, Hyperthermie, Sport) ++++ Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor
respiratorische Erkrankungen (Pneumonie, künstliche Beatmung) ++ Anamnese, körperliche Untersuchung, Bildgebung (Röntgen-Thorax oder CT), Labor
Diuretika oder Laxanzien ++++ Medikamentenanamnese
entgleister Diabetes mellitus (osmotische Diurese) +++ Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor (inkl. BGA)
Nierenerkrankungen (Salzverlustnephropathien) ++ Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor (inkl. Serum- und Urin-Natrium)
Nebennierenrinden-Insuffizienz ++ Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor, Kortisol/ACTH basal, ACTH-Kurztest
Diabetes insipidus (zentral oder renal) + Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor, Protokollierung der Urin- und Trinkmenge, ggf. Durstversuch

Klinische Zeichen einer ExsikkoseExsikkoseklinische ZeichenFontanelle, eingesunkeneExikkososeHautturgor, ExsikkoseBulbi, eingesunkeneExsikkose

Symptom/Zeichen Leichte Exsikkose Mittelschwere Exsikkose Schwere Exsikkose
Vigilanz normal gemindert Lethargie/Koma
Schleimhäute normal trocken sehr trocken/rissig
Herzfrequenz orthostatische Tachykardie Tachykardie in Ruhe (HF: 100–120/min) ausgeprägte Tachykardie (HF > 120/min)
Atemfrequenz normal erhöht erhöht/Tachypnoe
Hautturgor normal mäßig reduziert sehr reduziert
Bulbi normal weich weich und eingesunken
Urinausscheidung reduziert Oligurie Oligurie/Anurie
Blutdruck normal orthostatische Hypotonie Hypotonie/Schock
Fontanelle (bei Säuglingen) normal gedrückt eingesunken

Ökonomische Aspekte

Die Diagnose einer Exsikkose ist rein klinisch zu stellen. Die Therapie wird anhand von klinischen und einfachen laborchemischen Parametern überwacht (z. B. Vigilanz, Urinausscheidung, Elektrolyte/BGA, Kreatinin, ggfs. ZVD).

Teure serologische oder apparative Diagnostik ist selten erforderlich, z. B. um die Ursache einer Exsikkose bei endokrinen, pulmonalen oder gastrointestinalen Erkrankungen zu klären.

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