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B978-3-437-42502-8.00035-8

10.1016/B978-3-437-42502-8.00035-8

978-3-437-42502-8

Fieber unbekannter Ursache (FUO)

B. Salzberger

Definition

Als Fieber unbekannter UrsacheFieberunbekannter Ursache (FUO) („fever of unknown origin“, FUO)fever of unknown origin (FUO)FUO (fever of unknown origin) bezeichnet man Fieber mit einer Dauer von 3 Wochen oder mehr, wenn eine Diagnose nicht durch intensive und intelligente Untersuchung über mindestens 1 Woche (stationär oder ambulant) gefunden wurde. Eine neuere Klassifikation sieht eine weitere Einteilung in vier Gruppen vor: klassisches FUO, nosokomiales FUO, nosokomiales FUOneutropenisches FUOHIV-InfektionFUOneutropenisches FUO und FUO bei HIV-Infektion – die letzte Kategorie hat im Zeitalter der antiretroviralen Therapie schon wieder rasch an Bedeutung verloren. Hier wird allein das „klassische“ Fieber unbekannter Ursache behandelt.

Anamnese

Die Anamnese folgt dem gleichen Ablauf wie beim Fieber – meist muss hier allerdings eine erneute, sehr detaillierte Anamnese in den Einzelkategorien erfolgen – die häufigen Fieberursachen sind nach einer Woche Diagnostik bereits ausgeschlossen.
Zusammenfassend müssen noch einmal der zeitliche Ablauf der Symptome spezifiziert, Expositionen gegenüber möglichen Infektionserregern und Disposition für Infektionen durch Erhebung von Begleit- und früheren Erkrankungen sowie Medikamenten, Reise-, Freizeit- und Sexualanamnese, Kontakt zu Haus- oder Wildtieren, Ernährung und Zusatzstoffe (z. B. Naturheilmittel) und Drogen abgeklärt werden .
Faktitielles oder selbstinduziertes Fieber faktitielles Fieberselbstinduziertes Fieberist häufigeFieberfaktitielles/selbstinduziertesr bei Personen aus medizinischen Berufen zu finden. Den Verdacht darauf sollte Fieber bei ansonsten unauffälliger Klinik und längerer Untersuchungsdauer lenken. Selbstinduziertes Fieber kann z. B. durch intrakutane Injektion von Stuhlresten erzeugt werden, hinweisend kann ein entsprechendes Keimspektrum sein.

Untersuchungen

Systematisch müssen noch einmal alle Organsysteme klinisch untersucht werden.
Mikrobiologische Untersuchungen smikrobiologische UntersuchungenFUOollten gezielt nach Klinik und Exposition erfolgen, neben Blutkulturen muss auch die Echokardiographie (auch transösophageal) ggf. wiederholt werden. Eine Knochenmarkzytologie und -histologie, auch mit einer durchflusszytometrischen Untersuchung, kann zur Suche nach Erkrankungen des hämatopoetischen Systems eingesetzt werden . Zur Diagnose von Autoimmunerkrankungen kommen vor allem Laboruntersuchungen (Autoantikörper) zum Einsatz. Schnittbildverfahren sollten für die Untersuchung von Abdomen und Thorax durchgeführt werden .
Die SzintigraphieSzintigraphie, FUO eignet sich zur Suche nach Knochenherden und Lungenembolien, in seltenen Fällen liefert auch die Leukozytenszintigraphie Hinweise auf Entzündungsherde. Die Positronen-Emissions-Tomographie Positronen-Emissions-Tomographie (PET), FUObietet eine weitere Möglichkeit, auch Entzündungen in schwer zugänglichen Organsystemen darzustellen (z. B. Vaskulitiden der aortennahen großen Gefäße) und kann auch bei der Suche nach Tumoren bzw. Metastasen hilfreich sein .

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Fieber unbekannter UrsacheTuberkuloseEndokarditisMorbusWhippleWhipple-Syndromintraabdominale AbszesseAbszessintraabdominalerseptische VenenthrombosenVenenthromboseseptischeBorrelioseLymphom(e)NierenzelltumorenOvarialkarzinommetastasiertesAutoimmunerkrankungenPolymyalgia rheumaticaMorbusStillStill-SndromSarkoidoserheumatoide ArthritisArthritisrheumatoidesystemischer Lupus erythematodesLupus erythematodes, systemischerMCTD (Mixed Connective Tissue Disease)ArzneimittelfieberMorbusCrohnCrohn-Krankheitfamiliäres MittelmeerfieberMittelmeerfieber, familiäresLungenembolieMedikamentenfieber s. ArzneimittelfieberTNF-Rezeptor-MutationenHypergammaglobulinämie

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Infektionskrankheiten
Tuberkulose, Endokarditis (kulturnegativ), M. Whipple, lokalisierte Infektionen (Gallengänge, Niere), intraabdominale Abszesse, septische Venenthrombosen, Borreliose)
23–36 % Direktnachweis, bildgebende Verfahren, Serologie
Neoplasien
Lymphome, Leukämien, Nierenzelltumoren, GI-Tumoren, metastasierte Ovarialkarzinome
7–31 % Bildgebung, Knochenmarkbiopsie, organspezifische Biopsien, Tumormarker
Autoimmunerkrankungen
SLE, RA, MCTD, Polymyalgia rheumatica, Sarkoidose, Morbus Still
9–20 % Nachweis von entsprechenden Autoantikörpern oder Histologie
verschiedene
Medikamentenfieber, rezidivierende Lungenembolien, Morbus Crohn, faktitielles oder selbstinduziertes Fieber, periodische Fieberformen, z. B. TNF-Rezeptor-Mutationen, familiäres Mittelmeerfieber, Hypergammaglobulinämie D u. a.
17–24 % Auslassversuch, Endoskopie;
CT Abdomen, szintigraphische Verfahren
unbekannt 10 % in jeder Serie von Patienten mit FUO bleibt eine kleine Gruppe ohne Diagnose, meist ohne klinische Konsequenz

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