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B978-3-437-42502-8.00039-5

10.1016/B978-3-437-42502-8.00039-5

978-3-437-42502-8

Gewichtsverlust

F. Rockmann

Definition

Ein unabsichtlicher GewichtsverlustGewichtsverlust ist definiert als

  • > 10 % in den letzten 3–6 Monaten ODER

  • ein BMI (Body Mass Index) < 18,5 kg/m2 ODER

  • ein BMI < 20 kg/m2 mit einem Gewichtsverlust von > 5 % in den letzten 3 Monaten.

Anamnese

Das Symptom Gewichtsverlust muss anamnestisch gesichert werden . Wichtig ist die Klärung, ob die Gewichtsabnahme Folge einer verminderten NahrungsaufnahmeNahrungsaufnahme, verminderte ist oder mit einer normalen oder gesteigerten Nahrungsaufnahme einhergeht . Ein Gewichtsverlust bei normaler oder gesteigerter Nahrungsaufnahme ist typisch für die Hyperthyreose, Hyperthyreosedie als weitere Symptome Wärmeintoleranz und Nervosität hat . Beim neu aufgetretenen Diabetes mellitus Diabetes mellitustreten weitere Symptome wie Durst und PolydipsiePolydipsie aufgrund der GlukosurieGlukosurie und PolyuriePolyurie auf. Findet sich anamnestisch kein offensichtlicher Grund für eine verminderte Nahrungsaufnahme, ist an eine psychiatrische Ursache (Anorexia nervosaAnorexia nervosa, larvierte Depressionlarvierte DepressionDepressionlarvierte) zu denken. Patienten mit Anorexia nervosa sind typischerweise jung und hyperaktiv, Patienten mit larvierter Depression älter und stark antriebs- und leistungsgemindert. Chronischer Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch kann aufgrund der bestehenden Anorexie ebenfalls zum Gewichtsverlust führen.
In vielen Fällen ist die Suche nach organspezifischen Symptomen wegweisend für die Diagnose . Wichtige Hinweise gibt die vegetative Anamnese: vegetative AnamneseGewichtsverlustAppetit, Durst, DysphagieDysphagie, Stuhlverhalten (DiarrhöDiarrhö, Obstipation),Obstipation abdominale Schmerzen, Temperaturempfinden, Fieber, Schwitzen, Schlafverhalten, Husten, Auswurf, Luftnot, Ödembildung. Wichtig ist das Alter des Patienten. Bei jüngeren Patienten müssen aus der Gruppe der organischen Erkrankungen insbesondere gastrointestinale Erkrankungengastrointestinale Erkrankungen , Infektionen oder endokrine Erkrankungenendokrine Erkrankungen , und bedacht werden, bei älteren Patienten überwiegend Tumoren oder andere schwere Erkrankungen (Lungenkrankheiten [pulmonale Kachexie], Herzinsuffizienz [kardiale Kachexie]) .Kachexiekardialekardiale KachexieKachexiepulmonalepulmonale Kachexie

Untersuchungen

Ziel der körperlichen Untersuchung ist die objektive Erfassung des Ernährungszustands (Körpergröße, Gewicht, BMI, Hautfaltendicke, Hautturgor). Es ist eine komplette körperliche Untersuchung durchzuführen, um Organveränderungen zu erfassen, die einen Hinweis auf die ursächliche Erkrankung geben (vor allem Schilddrüse, Herz, Lunge, Abdomen, Lymphknoten).
Weiterführende Untersuchungen erfolgen nach Formulierung einer Verdachtsdiagnose. Bei Verdacht auf eine endokrine Erkrankung werden Schilddrüsenhormone und Blutzucker bestimmt. Bei Verdacht auf eine gastrointestinale Erkrankung sind Sonographie, endoskopische Untersuchungen (Gastroduodenoskopie bzw. Ileokoloskopie jeweils mit differenzierter Histologiegewinnung, ggf. ERCP), Absorptionstests (Xylose-Resorptionstest), Pankreasfunktionstests (Pankreolauryltest) indiziert. Bei Verdacht auf eine chronische Infektion werden bildgebende Verfahren (Röntgen, CT, MRT) und Labortests (Entzündungszeichen, serologische Tests, Erregernachweis) durchgeführt. Tumorerkrankungen werden durch bildgebende Diagnostik (Endoskopie, Röntgen, CT, MRT) und Histologie gesichert. Bei anamnestischem und klinischem Hinweis auf eine schwere HerzinsuffizienzHerzinsuffizienz oder eine Lungenfunktionsstörung LungenfunktionsstörungenTumorerkrankungenerfolgt eine weitere organspezifische Diagnostik (Echokardiographie, Lungenfunktionstest).

Differenzialdiagnosen

Ursachen von GewichtsverlustHyperthyreoseDiabetes mellitusNebenniereninsuffizienzendokrine Erkrankungenpsychiatrische ErkrankungenAnorexia nervosaDepressionDrogenmissbrauchgastrointestinale ErkrankungenSprueMorbusCrohnCrohn-KrankheitPankreatitischronischechronische PankreatitisMagen-Darm-TumorenTuberkuloseTumorerkrankungenHIV-InfektionHerzinsuffizienzLungeninsuffizienzLymphom(e)Leukämie

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
endokrine Erkrankungen (Hyperthyreose, Diabetes mellitus, Nebenniereninsuffizienz) + TSH, Blutzucker, Kortisol (random), ACTH-Stimulationstest
psychiatrische Erkrankungen (Anorexie, Depression, Alkohol-/Drogenmissbrauch) +++ Anamnese
gastrointestinale Erkrankungen (Sprue, Morbus Crohn, chronische Pankreatitis, Magen-Darm-Tumoren) ++ Sonographie, Endoskopie, Funktionstests (Xylosetest, Pankreasfunktionstests)
chronische Infektionen (Tuberkulose, HIV) + Antikörpernachweis, Erregernachweis, Röntgen, CT, MRT
Tumorerkrankungen (solide Tumoren, Lymphome/Leukämien) ++ Röntgen, CT, MRT, Endoskopie, Histologie, Labor
Herz- und Lungeninsuffizienz ++ Echokardiographie, Lungenfunktionstest

Hinweise auf maligne Erkrankungen bei ungewolltem Gewichtsverlust

Variable Grenzwert Risiko (OR, 95 %-Konfidenzintervall)
Alter > 80 Jahre 3,4 (1,1–9,7)
Leukozytenzahl > 12 000/µl 3,6 (1,3–10,1)
Serum-AP > 300 U/l 11,9 (3,9–36,2)
LDH > 500 U/l 12,5 (3,9–39,8)

Ökonomische Aspekte

Die Differenzialdiagnose beim Gewichtsverlust ist sehr breit. Eine sorgfältige Anamnese kann daher in erheblichem Maße zu Kostenersparnis bei der Diagnosefindung beitragen.

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