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B978-3-437-42502-8.00163-7

10.1016/B978-3-437-42502-8.00163-7

978-3-437-42502-8

Gicht

K. Parhofer

Zur Orientierung

GichtGicht ist ein Sammelbegriff für verschiedene Stoffwechselstörungen, denen ein erhöhter Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) Hyperurikämiegemeinsam ist. Dazu gehören die asymptomatische Hyperurikämie, der akute Gichtanfall sowie die chronische Gicht (s. u.). Männer sind wesentlich häufiger betroffen als Frauen, zudem besteht ein enger Zusammenhang mit Übergewicht und dem metabolischen Syndrom. Die verschiedenen Manifestationen der Gicht werden klinisch, klinisch-chemisch und radiologisch gestellt.

Formen

  • Asymptomatische Hyperurikämie.

  • Akuter Gichtanfall: ErGichtanfall, akuterPodagraHyperurikämieasymptomatische stellt eine sehr schmerzhafte entzündliche Arthritis (meist Monoarthritis) mit Schwellung und Rötung dar. Am häufigsten ist das Großzehengrundgelenk (Podagra) betroffen, es können aber auch alle anderen Gelenke erkranken. Der akute Gichtanfall wird durch die Interaktion zwischen Uratkristallen und inflammatorischen Mechanismen hervorgerufen.

  • Chronische Gicht: chronische Gicht akute Gicht

    • Interkritische Gicht: interkritische Gichtsymptomlose Intervalle zwischen akuten Gichtanfällen

    • Hyperurikämie mit klinisch-radiologischen Zeichen Hyperurikämiemit klinisch-radiologischen Zeichender GichtarthopathieGichtarthopathie (Gichttophi),Gichttophi GichtnephropathieGichtnephropathie und NephrolithiasisNephrolithiasis.

Therapie

Eine asymptomatische Hyperurikämie sollte in aller Regel nicht medikamentös behandelt werden. Durch Änderung des Lebensstils (z. B. Gewichtsreduktion, purinarme Kost, reduzierte Alkoholzufuhr) und Medikamentenumstellung (z. B. Umstellung der antihypertensiven Therapie von Diuretika auf ACE-Hemmer/Sartane) kann der Harnsäurespiegel deutlich gesenkt werden . Nur bei gleichzeitiger Niereninsuffizienz, bei sehr hohen Harnsäurespiegeln (>13 mg/dl), bei einer sehr hohen Harnsäureausscheidung (> 1100 mg/d) oder bei Nephrolithiasis sollte eine asymptomatische Hyperurikämie prophylaktisch mit Harnsäurespiegel senkenden Medikamenten behandelt werden (s. u.) .
Der akute Gichtanfall ist selbstlimitierend und dauert ohne Therapie zwischen einigen Tagen und mehreren Wochen. Das Ziel der Therapie ist eine möglichst schnelle Schmerzlinderung. Hierzu können eine Reihe von verschiedenen Medikamenten eingesetzt werden. Therapie der ersten Wahl sind nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR, z. B. Indomethacin, Ibuprofen) oder COX-2-Hemmer . Bei Kontraindikationen kommen Colchizin oder Glukokortikoide (oral oder intraartikulär) in Betracht . Das Ansprechen auf Colchizin ist pathognomonisch für den akuten Gichtanfall. Colchizin wirkt sehr schnell, hat aber eine Reihe von ausgeprägten Nebenwirkungen (Abdominalschmerzen, Durchfall, Übelkeit). Intraartikuläre Glukokortikoide kommen auch dann in Betracht, wenn durch die Therapie mit Colchizin und NSAR keine Besserung erreicht wird. Aspirin sollte nicht eingesetzt werden, da Acetylsalicylsäure mit Harnsäure um die renale Ausscheidung konkurriert.
Bei Patienten mit rezidivierenden Gichtanfällen ist umstritten, ab welcher Häufigkeit eine Prophylaxetherapie im Intervall (interkritische Gicht) durchgeführt werden sollte . In Europa, insbesondere in Deutschland, wird häufig bereits nach einem Gichtanfall oder gar bei asymptomatischer Hyperurikämie prophylaktisch behandelt, wohingegen in angelsächsischen Ländern meist größere Zurückhaltung (≥ 2 Anfälle/Jahr) geübt wird. Bei chronischer Gicht mit Gelenkablagerung und Nierenbeteiligung sollte unabhängig von der Anzahl der Gichtanfälle eine Absenkung erhöhter Harnsäurewerte angestrebt werden.
Zur Absenkung von erhöhten Harnsäurewerten kommen verschiedene Medikamentenklassen in Betracht:
  • Urikostatika: Allopurinol hemmt die Xanthinoxidase und damit die Harnsäurebildung. Im akuten Gichtanfall sollte es nicht gegeben werden, da dies den Gichtanfall verstärken kann. Febuxostat ist ein neuerer Xanthinoxidase-Inhibitor, der stärker wirksam und nebenwirkungsärmer ist.

  • Urikosurika: Benzbromaron, Probenezid und Sulfinpyrazon steigern die Harnsäureausscheidung.

  • Kombinationstherapie: Bei rezidivierenden Gichtanfällen trotz Monotherapie können Urikosurika und Allopurinol kombiniert werden.

  • Rasburicase: Kann zur Behandlung akut hoher Harnsäurekonzentrationen, insbesondere beim Tumorlyse-Syndrom, zum Einsatz kommen. Es handelt sich um eine rekombinant hergestellte Harnsäure-Oxidase, die nach intravenöser Gabe den Abbau von Harnsäure zum renal leicht ausscheidbaren Allantoin katalysiert.

  • Canakinumab: Antikörper gegen Interleukin-1; kann zur symptomatischen Behandlung von erwachsenen Patienten mit häufigen Gichtanfällen (mindestens 3 Anfälle in den vorangegangen 12 Monaten) angewendet werden, bei denen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Colchizin kontraindiziert oder nicht verträglich sind oder keine ausreichende Wirkung zeigen, und für die wiederholte Behandlungszyklen mit Kortikosteroiden nicht in Frage kommen.

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