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B978-3-437-42502-8.00041-3

10.1016/B978-3-437-42502-8.00041-3

978-3-437-42502-8

Hämaturie

R. Brunkhorst

Definition

Als HämaturieHämaturie wird das Auftreten von Erythrozyten im Urin bezeichnet. Mikrohämaturie Mikrohämaturiedemaskiert sich nur bei mikroskopischer Untersuchung des Urinsediments (≥ 5 Erys/µl Urin bei 400-facher Vergrößerung) oder im Streifentest (reagiert ab 5–10 Erys/µl Urin)Makrohämaturie. Makrohämaturie tritt bei > 5 000 Erys/µl Urin bzw. 1 ml Blut/1 l Urin auf. Man unterscheidet eine glomeruläre Hämaturie von glomeruläre HämaturieHämaturieglomeruläreeiner nichtglomerulären renalen renale nichtglomeruläre Hämaturieund einer postrenalen Hämaturie mit urologischer Ursache.postrenale HämaturieHämaturiepostrenaleHämaturienichtglomeruläre, renale

Anamnese

Ausgeschlossen werden sollten Menses, vaginale Blutabgänge, Verletzungen oder ein Dauerkatheter, Antikoagulation oder Gerinnungsstörungen. Gezielt wird nach Hinweisen auf nephrologische oder urologische Grunderkrankungen gefragt: Flankenschmerz, Dysurie und Fieber, B-Symptomatik, krampfartige Schmerzen im Nierenlager oder im Bereich der Ureteren, die in die Leiste ausstrahlen, vorangegangener Infekt, Systemerkrankungen wie Gelenkschmerzen, Hauteffloreszenzen, HämoptysenHämoptyse, blutiges Nasensekret, Schwerhörigkeit evtl. auch in der Familie, Hämaturie in der Familie ohne (Syndrom der dünnen Basalmembran)Syndromder dünnen Basalmembran und mit Niereninsuffizienz (z. B. erbliche, zystische Nierenerkrankung), Medikamente, z. B. Antibiotika (interstitielle Nephritis), Reiseanamnese (z. B. Schistosomiasis), sterile Leukozyturie mit Mikrohämaturie (Tuberkulose) .

Untersuchungen

Die klinische Untersuchung kann häufig nur sehr vage Verdachtsmomente liefern, z. B. klopfschmerzhafte Flanken bei Pyelonephritis, rektal tastbare vergrößerte, schmerzhafte Prostata bei Karzinom, tastbare Nieren bei großem Nierentumor oder ZystennierenZystennieren; FieberFieber und andere Hinweise auf Infekte wie ErysipelErysipel, TonsillitisTonsillitis etc. bei postinfektiöser Glomerulonephritis. Der Nachweis von ErythrozytenzylindernErythrozytenzylinder, dysmorphen Erythrozyten (u. a. Akanthozyten) und/oder einer ProteinurieProteinurie gilt als Hinweis auf eine glomeruläre Ursache der Hämaturie (Evidenzgrad IIIc).
Wesentlich ist die Mikroskopie des Urinsediments . Urinsediment, MikroskopieAkanthozytenAkanthozyten (Erythrozyten mit rundlichen Ausstülpungen) sprechen für eine glomeruläre Erkrankung, ebenso Erythrozytenzylinder . In beiden Fällen muss die Indikation zur Nierenbiopsie überprüft werden. Bei unauffälligen Erythrozyten muss nach der Blutungsquelle in den ableitenden Harnwegen inklusive Nierenzellkarzinom, Blasenkarzinom etc. gesucht werden.
Die Sonographie der NierenNierensonographie dient vor allem der Suche nach einer Urolithiasis und nach Tumoren des Harntrakts bzw. der Prostata, aber auch nach Nephrokalzinose oder Papillennekrose. Mittels Duplex-Sonographie Duplex-SonographieNiereninfarktDuplex-SonographieNierenvenenthromboseDuplex-SonographieNierenvenenthrombosewird ein NiereninfarktNiereninfarkt oder eine NierenvenenthromboseNierenvenenthrombose nachgewiesen.
Bei nichtglomerulärer ErythrozyturieErythrozyturienichtglomeruläre, insbesondere bei Makrohämaturie, muss mit bildgebenden Methoden nach der Grunderkrankung gesucht werden: Zystoskopie (bei Patienten > 40 Jahren oder Risiko für Karzinome der Harnwege wie z. B. Rauchen, Analgetika etc.; Evidenzgrad IIIc), Sonographie (Evidenzgrad IIIc), Ureteropyeloskopie, CT, ggf. CT-Angiographie sowie MRT .
Eine urinzytologische Untersuchung urinzytologische Untersuchungwird bei Verdacht auf einen Tumor der ableitenden Harnwege veranlasst .
Bei glomerulärer Hämaturie, insbesondere bei gleichzeitigem Vorliegen einer Proteinurie (PU) und/oder GFR-Einschränkung: Nierenbiopsie .Nierenbiopsie
Bei Verdacht auf familiäres Alport-Syndrom gehören eine HNO-ärztliche und eine Augenuntersuchung zu den Untersuchungsmethoden .

Differenzialdiagnosen

Ursachen für eine HämaturieHarnwegsinfektionenPyelonephritisProstatitisUrolithiasisHarntrakttumorenGlomerulonephritisProstatakarzinominterstitielle NephritisNephritisinterstitielleNephrokalzinoseSyndromder dünnen BasalmembranAlport-Syndrompolyzystische NierenerkrankungenNierenerkrankungenpolyzystischePapillennekroseNierenvenenthromboseNiereninfarktLoin-pain-hematuria-Syndrom

Mögliche Erkrankung Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Harnwegsinfekt, chronische Pyelonephritis, Prostatitis ++++ Anamnese, Leukozyturie, Bakteriurie, narbige Parenchymveränderungen
Urolithiasis +++ Anamnese, Bildgebung, ggf. Harnstauung
Tumoren des Harntrakts, Prostatakarzinom +++ Bildgebung, Endoskopie, Urinzytologie
Glomerulonephritis ++ Anamnese, Sediment, ggf. AK-Titer, Proteinurie, Nierenbiopsie
interstitielle Nephritis ++ Anamnese, Urinsediment, ggf. Nierenbiopsie
polyzystische Nierenerkrankung + Familienanamnese, Sonographie
Nephrokalzinose, Papillennekrose + Anamnese, Bildgebung
Niereninfarkt, Nierenvenenthrombose + Anamnese, Duplex-Sonographie, Angiographie
Alport-Syndrom + Familienanamnese, Schwerhörigkeit, Fundusveränderungen, Nierenbiopsie
Syndrom der dünnen Basalmembran + Nierenbiopsie
„Loin-pain-hematuria“-Syndrom (+) Flankenschmerzen, Ausschlussdiagnose

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