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B978-3-437-42502-8.00173-X

10.1016/B978-3-437-42502-8.00173-X

978-3-437-42502-8

HIV-Infektion und AIDS

B. Salzberger

Zur Orientierung

Die HIV-Infektion HIV-InfektionAIDSwird durch HIV-1 (häufigster Typ) bzw. HIV-2 verursacht (HIV = human immunodeficiency virus). Die Infektion führt initial bei etwa einem Drittel zu einem Mononukleose-ähnlichen Serokonversionssyndrom. Ohne Behandlung fallen die T-Helfer-Lymphozyten fortschreitend ab und es kommt nach einer individuell variabel langen Latenzphase zum Vollbild des AIDS (acquired immunodeficiency syndrome), definiert durch eine Reihe von opportunistischen Erkrankungen.

Die Diagnose der HIV-Infektion erfolgt durch den Nachweis von HIV-Antikörpern (initial im Suchtest mittels ELISA, dann bestätigt durch Nachweis spezifischer Antikörper mittels Immunfluoreszenztest oder Westernblot) oder durch den direkten Virusnachweis (PCR, Kultur).

Klassifikation und Stadieneinteilung

Die HIV-InfektionHIV-InfektionCDC-KlassifikationCDC-KlassifikationHIV-Infektion wird nach CDC-Klassifikation eingeteilt, die sich an der Klinik und dem Ausmaß des Immundefekts orientiert.
Klinische Kategorie:
  • A: asymptomatische HIV-Infektion (klinische Latenzphase, aber auch Serokonversionssyndrom oder persistierende Lymphadenopathie)

  • B: durch die HIV-Infektion verursachte Infektionen bzw. Symptome, die nicht in die Kategorie C fallen, z. B. oraler Soor, orale Haarzellleukoplakie, HIV-assoziierte Thrombopenie

  • C: opportunistische Erkrankung nach der aktuellen Falldefinition (AIDS-definierte Erkrankungen), z. B. Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie, CMV-Retinitis, Tuberkulose, Kaposi-Sarkom, Zervixkarzinom.Pneumocystis-jirovecii-PneumonieTuberkuloseKaposi-Sarkom

CD4-Zellzahl:
  • 1: CD4-T-Lymphozyten ≥ 500/µl

  • 2: CD4-T-Lymphozyten 200–500/µl

  • 3: CD4-T-Lymphozyten < 200/µl.CD4-Zellzahl, HIV-Infektion

Durch Zusammensetzung dieser beiden Kategorien sind Stadien von A1 bis C3 möglich.

Therapie

Die Therapie ist bei allen infizierten Patienten mit asymptomatischer oder symptomatischer HIV-Infektion (alle klinischen und immunologischen Stadien) indiziert . Eine hohe Viruslast im Plasma (≥ 100 000 Kopien RNA/ml) ist generell mit einem höheren Progressionsrisiko verknüpft. Bei Patienten mit Therapie finden Kontrolluntersuchungen (Klinik, CD4 und HIV-RNA) etwa im 3-monatigen Abstand statt .
Die Therapie besteht in der Regel aus einer Dreifachkombination von antiviralen Substanzen, z. B. 2 Nukleosidanaloga (Abacavir + Lamivudin, Tenofovir + Emtricitabin) plus entweder 1 Proteaseinhibitor, 1 nichtnukleosidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor oder 1 Integrase-Inhibitor. Je nach Vorerkrankungen (z. B. Pneumocystis-Pneumonie) oder Immundefekt müssen auch Prophylaxen (z. B. Cotrimoxazol) parallel bis zur Wirksamkeit der antiretroviralen Therapie eingesetzt werden . Vor Beginn sollte eine Resistenztestung erfolgen.
Die Wirksamkeit der Therapie sollte nach 1 Monat, danach in 3-monatigen Abständen kontrolliert werden . Bei Versagen der Therapie muss eine Reevaluation erfolgen; nach Resistenztest wird die Therapie ggf. angepasst .
Mit der Therapie ist eine langfristige Suppression der Virusreplikation, eine Rückbildung HIV-assoziierter Symptome bzw. ein rascher Rückgang des Risikos opportunistischer Erkrankungen und eine deutliche Verbesserung der Langzeitprognose erreichbar. Eine Heilung bzw. Eradikation der Infektion ist derzeit nicht möglich. Die Behandlung von Koinfektionen bzw. Komorbiditäten muss individuell unter Berücksichtigung der möglichen Interaktionen erfolgen .

Evidenz der Therapieempfehlungen bei HIV-Infektion

Evidenzgrad Empfehlungsstärke
symptomatische und asymptomatische Patienten, unabhängig von CD4-Zellzahl
antiretrovirale Kombinationstherapie ohne zeitliche Begrenzung Ia A
Therapieversagen unter Kombinationstherapie
Beratung zu besserer Adhärenz II A
Resistenztest und ggfs. Adjustierung der Therapie Ib A

Komplikationen

Die wichtigsten Komplikationen sind:
  • opportunistische Erkrankungen opportunistische ErkrankungenHIV-Infektion(Auftreten v. a. bei fortgeschrittenem Immundefekt, z. B. Stadien A–C3, auch nach Beginn einer Therapie als ImmunrekonstitutionssyndromImmunrekonstitutionssyndrom)

  • Progression von Koinfektionen bzw. Koerkrankungen, z. B. chronische Hepatitis B oder C, Arteriosklerose, chron. Nierenerkrankung u. a. (Progression kann bei erhöhter systemischer Entzündung durch HIV-Infektion rascher sein)

  • Nebenwirkungen der antiretroviralen Therapie (Fettstoffwechselstörungen, Lipodystrophiesyndrom, Niereninsuffizienz, Osteoporose)

  • Resistenzentwicklung unter Therapie (kein Abfall der Viruslast oder Wiederanstieg unter Therapie, meistens mit mangelnder Adhärenz bzw. Compliance der Therapie verbunden).

Ökonomische Aspekte

Die Auswahl der Therapeutika erfolgt in allererster Linie aufgrund der Wirksamkeit und Verträglichkeit. Ökonomische Aspekte bei der Wahl der Komponenten sind beim derzeitigen Zulassungsstand (nur wenige Substanzen sind schon generisch verfügbar) noch nachrangig.

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