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B978-3-437-42502-8.00051-6

10.1016/B978-3-437-42502-8.00051-6

978-3-437-42502-8

Hyperglykämie

U. Woenckhaus

Definition

Als HyperglykämieHyperglykämie bezeichnet man eine Störung des Glukosestoffwechsels, die bei längerem Bestehen mit einem gesteigerten Risiko für mikro- und makrovaskuläre Folgeerkrankungen assoziiert ist. Ab welchem oberen Grenzwert des Glukosespiegels eine Hyperglykämie vorliegt, ist abhängig vom Zeitpunkt der letzten Nahrungszufuhr. Je nach Schweregrad der BZ-Erhöhung wird das Stadium des PrädiabetesPrädiabetes von der Krankheitsentität des Diabetes mellitusDiabetes mellitus unterschieden.

Anamnese

Anamnestisch werden die klassischen Symptome des Insulinmangels Insulinmangelwie PolyuriePolyurie, PolydipsiePolydipsie, Gewichtsverlust und Leistungsschwäche erfragt. Akute Infekte können bei der Erstmanifestation eines Diabetes eine Rolle spielen, bei älteren Patienten sind rezidivierende Harnwegsinfekte, Sehstörungen und Juckreiz typische Begleitsymptome. Wichtig sind internistische Begleiterkrankungen sowie die aktuelle Medikation. Die Familienanamnese ist vor allem bei Typ-2-DiabetesTyp-2-Diabetes Diabetes mellitusTyp 2und den eher seltenen genetischen Defekten von Bedeutung.
Ist ein Diabetes bereits bekannt , so sind die Zielwerte der BZ-Einstellung und damit auch die Definition einer hyperglykämischen Entgleisung individuell festgelegt.
Bei schweren Allgemeinerkrankungen kommt es durch vermehrte Sekretion von kontrainsulinären Hormonen, erhöhte InsulinresistenzInsulinresistenz und medikamentöse Einflüsse häufig zu Hyperglykämien, die in dieser Situation nicht spezifisch weiter abgeklärt werden müssen.

Untersuchungen

Für die Einordnung des Diabetestyps sind klinisch das Alter des Patienten, der BMI und alle Zeichen des metabolischen Syndromsmetabolisches Syndrom wichtige Parameter .
Laborchemischer Ausgangspunkt ist in vielen Fällen ein Gelegenheits-BZ . Liegt dieser im venösen Plasma ≥ 200 mg/dl , so ist bei gleichzeitig vorliegender diabetestypischer Symptomatik ein Diabetes mellitus gesichert. Nach den aktuellen Leitlinien kann ein Diabetes mellitus auch über eine Nüchternglukose von ≥ 126 mg/dl Nüchternglukose(mind. 8-stündige Nahrungskarenz) oder einen 2h-Wert ≥ 200 mg/dl im Standard-OGTT diagnostiziert werden. 2010 wurde der HbA1c-Wert von ≥ 6,5 % als HbA1c-WertKriterium eines Diabetes in die Leitlinien aufgenommen. Bei den Parametern wird allerdings ein Bestätigungstest mit derselben oder einer der alternativen Methoden gefordert. International nicht ganz einheitlich wird der Prädiabetes als Zustand mit erhöhtem Risiko für die Entwicklung eines Diabetes definiert. Nach ADA-Leitlinie sind die Kriterien eine Nüchternglukose von 100–125 mg/dl (WHO: 110–125 mg/dl), ein 2h-Wert im OGTT von 140–199 mg/dl oder ein HbA1c von 5,7–6,4 % (ICE: 6,0–6,4 %). Nicht verwertbar ist der HbA1c-Wert bei Erkrankungen mit Auswirkung auf die Lebensdauer der Erythrozyten. Strengere Grenzwerte definieren in der Sondersituation der Schwangerschaft den Gestationsdiabetes .Gestationsdiabetes
Bei gesicherter Diabetesdiagnose erfolgt die Einteilung in den D. m. Typ 1 und 2 anhand von klinischen Kriterien . In unklaren Fällen ist eine ergänzende Antikörperdiagnostik (GAD, ICA, ev. IA-2, ZnT8) indiziert , die bei positivem Nachweis für den immunologisch vermittelten Typ 1 spricht. Gleiches gilt für die Messung von Insulin und C-Peptid im Serum (hoch bei Typ 2, niedrig bei Typ 1).
In seltenen Fällen liegt dem Diabetes ein spezifischer Gendefekt zugrunde . Gibt es anamnestisch und klinisch Hinweise auf eine akute oder chronische Pankreaserkrankung Pankreaserkrankungenakuteakute Pankreaserkrankungenchronische PankreaserkrankungenPankreaserkrankungenchronische, ist differenzialdiagnostisch von einem sekundären Diabetes auszugehen. Auch Endokrinopathien Endokrinopathienkönnen durch Erhöhung der kontrainsulinären Hormone einen Diabetes verursachen. Medikamente beeinflussen den Glukosestoffwechsel auf vielfältige Weise. Am häufigsten sind Glukokortikoide für einen medikamenteninduzierten Diabetesmedikamenteninduzierte(r)Diabetes mellitus verantwortlich.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von HyperglykämiePrädiabetesDiabetes mellitusTyp 2Diabetes mellitusTyp 1Diabetes mellituspankreopriverpankreopriver Diabetes mellitusLeberzirrhoseEndokrinopathienmedikamenteninduzierte(r)HyperglykämieGestationsdiabetesLeberzirrhoseTyp-1-DiabetesTyp-2-Diabetes

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Hyperglykämie des Diabetikers +++ Anamnese
Prädiabetes +++ Nüchternglukose im Plasma, 2h-OGTT, HbA1c
Diabetes mellitus Typ 2 +++ Alter, BMI, Blutdruck, Lipidprofil, eventuell Insulin- und C-Peptid-Spiegel
Diabetes mellitus Typ 1 ++ Alter, klinische Symptomatik, Ketonkörper i. U., eventuell AK-Diagnostik, eventuell Insulin- und C-Peptid-Spiegel
pankreopriver Diabetes + Anamnese
Diabetes bei Endokrinopathie + Anamnese
Diabetes bei Leberzirrhose + Anamnese, Klinik, Sonographie
medikamenteninduzierte Form + Anamnese
schwere Allgemeinerkrankung + Anamnese
Gestationsdiabetes + Anamnese, OGTT

Ökonomische Aspekte

Die Bestimmung des HbA1c-Wertes ist mit höheren direkten Kosten verbunden als die Bestimmung der PlasmaglukosePlasmaglukose, sie kann jedoch tages- und nahrungszeitunabhängig durchgeführt werden.

Da der 2h-OGTT teurer und schlechter reproduzierbar ist als die Bestimmung der Nüchternglukose, wird Letztere in der Diabetesdiagnostik häufig bevorzugt.

Die Kosteneffektivität eines routinemäßigen Diabetes-Screenings unabhängig von Risikofaktoren ist bislang durch Studien noch nicht hinreichend belegt.

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