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B978-3-437-42502-8.00052-8

10.1016/B978-3-437-42502-8.00052-8

978-3-437-42502-8

Hyperkaliämie

M. Nebel

Definition

Eine HyperkaliämieHyperkaliämie liegt bei einer Serum-Kaliumkonzentration > 5,5 mmol/l vor und kann Folge einer Verteilungsstörung oder eines Serum-KaliumkonzentrationHyperkaliämieÜberschusses von Kalium sein. Es gibt kein zuverlässiges Symptom einer drohenden Hyperkaliämie.

Anamnese

Wichtig sind die Medikamenten- und Diätanamnese sowie die Suche nach Hinweisen für eine Nierenerkrankung, da die häufigste Ursache die reduzierte renale Kaliumelimination bei akut oder chronisch eingeschränkter Nierenfunktion ist.
Die übermäßige orale Zufuhr kaliumhaltiger Lebensmittel (Obst, Gemüse) oder die direkte Gabe von KCl verstärken diese Bilanzstörung, die bei normaler Nierenfunktion nur selten auftritt. Medikamentemedikamenteninduzierte(r)Hyperkaliämie wie ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptorblocker (Sartane), Betablocker, Aldosteronantagonisten oder kaliumsparende Diuretika erhöhen eine unter NiereninsuffizienzNiereninsuffizienz bestehende Tendenz zur Hyperkaliämie. Eine akute Zellschädigung (Bestrahlung, Zytostase, Verbrennung, Ischämien, Hämolyse) sowie endokrine Ursachen sollten ebenso hinterfragt werden wie ein Drogenkonsum .

Untersuchungen

Neuromuskuläre Symptome wie ParästhesienParästhesien, neuromuskuläre Erkrankungeneine Schwäche der quergestreiften Muskulatur, meist in Form von erheblichen GangstörungenGangstörungen, sowie Azidose und Darmverschluss sind – meist erst ab 7,0 mval/l nachweisbar – führende Zeichen der Hyperkaliämie. Fokal neurologische Ausfälle können auftreten, sehr selten Schwäche der Atemmuskulatur .
Das Basislabor beinhaltet die Messung der Serumspiegel von Kreatinin, Glukose, Hämoglobin, Kreatinkinase (CK) und eine Blutgasanalyse. Zur weiteren Differenzialdiagnose ist die Bestimmung von Kreatinin-Clearance, Urinelektrolyten (Na, K, Ca), Kortisol, Renin und Aldosteron, LDH sowie der Osmolarität in Serum und Urin, ggf. eine Nierenbiopsie erforderlich .
Eine Sonographie von Nieren und abführenden Harnwegen zum Ausschluss einer akuten oder chronischen NierenerkrankungNierenerkrankungenchronischechronische Nierenerkrankungen oder einer Harnstauung Harnstauungist obligat .
Ein EKG sollte abgeleitet werden , man findet als Hinweis auf die kardialen Symptome Zeichen der Störung des Zellmembranpotenzials mit teilweise komplexen Rhythmusänderungen: BradykardieBradykardie, ventrikuläreventrikuläre ExtrasystolenExtrasystolenventrikuläre Extrasystolie, KammerflimmernKammerflimmernSchenkelblock, Schenkelblockbilder, hohe, zeltförmige T-Wellen.
Zur weiteren Differenzialdiagnostik gehören eine Echokardiographie und ein Ernährungsstatus (ggf. Gastroskopie).
Bei unplausiblen Kaliumwerten sollte eine Kontrollblutabnahme zum Ausschluss einer Fehlmessung (Pseudohyperkaliämie) am nicht gestauten Arm erfolgen .
Bei bekannter diabetischer Stoffwechsellage diabetische StoffwechsellageHyperkaliämieInsulinmangelund Nachweis einer Azidose sind Insulinmangel und Hyperglykämie Auslöser einer Hyperkaliämie .
Eine Schädigung des renalen Tubulus bei renal tubulärer Azidose renal tubuläre AzidoseAzidoserenal tubuläreoder interstitieller Nephritis wird durch eine Elektrolytanalyse im Urin und eine Blutgasanalyse differenziert. Eine HyponatriämieHyponatriämie kombiniert mit einer Hyperkaliämie ist Zeichen einer schweren Nebennierenrindeninsuffizienz Nebennierenrindeninsuffizienzund ebenso wie Hypoaldosteronismus HypoaldosteronismusHerzinsuffizienzschwereUrsache einer Kaliumeliminationsstörung. Ein Volumendefizit im Rahmen der Therapie einer schweren Herzinsuffizienz kann eine Hyperkaliämie zur Folge haben .
Eine gravierende Zellschädigung führt zur Freisetzung hoher Mengen an Kalium bei RhabdomyolyseRhabdomyolyse, z. B. als Folge einer Crush-NiereCrush-Niere bei Unfällen oder Verschüttungen (Erdbeben) sowie bei Drogenkonsum. Auch schwere gastrointestinale Blutungen und Katabolismus führen zur Hyperkaliämie .
Eine seltene Form der Hyperkaliämie ist das Gamstorp-Syndrom (hyperkaliämische, periodische Lähmung), das bei Kaliumbelastung, Natriummangel, Gamstorp-SyndromKälte und Muskelarbeit auftritt .hyperkaliämische periodische LähmungLähmungenhyperkaliämische, periodische
Eine Digitalisintoxikation und die Gabe nichtselektiver Betablocker sind vereinzelt Ursachen einer Hyperkaliämie bei einer Kaliumverteilungsstörung .

Differenzialdiagnosen

Mögliche Ursachen einer HyperkaliämieKaliumverteilungsstörungNiereninsuffizienzInsulinmangelCrush-NiereDigitalisintoxikationAddison-SyndromMorbusAddisonrenal tubuläre AzidoseAzidoserenal tubuläreACTH-Kurztest

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Niereninsuffizienz +++ BGA, Retentionswerte
Insulinmangel +++ BGA, Blutzucker
Crush-Niere + Drogenanamnese, CK, LDH
renal tubuläre Azidose + BGA, Säurebelastung, Urinelektrolyte, Kreatinin
Digitalisintoxikation + EKG, Digitalisspiegel
Morbus Addison + ACTH-Kurztest

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