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B978-3-437-42502-8.00054-1

10.1016/B978-3-437-42502-8.00054-1

978-3-437-42502-8

Hypernatriämie

G. Mayer

Definition

Die HypernatriämieNatriumkonzentration im Serum (Angaben zum Normalbereich schwanken) steigt an, wenn im Extrazellulärraum im Verhältnis zur Natriummenge zu wenig Wasser vorhanden ist.

Anamnese

Klinisch stehen bei Hypernatriämie neurologische Symptome im Vordergrund (LethargieLethargie, Schwäche, Reizbarkeit, Muskelzucken, KrämpfeKrämpfe, KomaKoma) .

Pathophysiologie

Die Abnahme des Volumens der Gehirnzellen durch den Abstrom von Wasser entlang des osmotischen Gradienten in den Extrazellulärraum führt zu intrazerebralen und subarachnoidalen Blutungen, Demyelinisation und einem potenziell irreversiblen neurologischen Schaden.Subarachnoidalblutungen intrazerebrale BlutungenBlutungenintrazerebraleDemyelinisationneurologische Schädenpotenziell irreversibleBlutungensubarachnoidaleOb und in welchem Ausmaß sich diese Veränderungen entwickeln, hängt nicht nur vom Grad der Hypernatriämie, sondern vor allem davon ab, wie rasch sich diese entwickelt (Symptome meist erst bei einem akuten Anstieg auf > 158 mmol/l). Ein Anstieg der extrazellulären Osmolarität führt gegenregulatorisch zur Aufnahme sogenannter „organischer Osmolyte“ (z. B. Myoinositol, Taurin, Glutamin und Glutamat) in die Gehirnzelle bis ein neues osmotisches Äquilibrium zwischen Intra- und Extrazellulärraum hergestellt und damit das intrazelluläre Volumen wieder normalisiert wird. Dieser Prozess benötigt jedoch einige Tage; akute Änderungen der Serum-Natriumkonzentration sind daher wesentlich gefährlicher als chronische, bei denen häufig viel mehr die Symptome jener Erkrankung im Vordergrund stehen, welche das an und für sich protektive Durstempfinden stören.
Eine Hypernatriämie sollte unter normalen Umständen umgehend spontan durch eine gesteigerte Zufuhr von Wasser korrigiert werden. Nur wenn dies nicht möglich (Immobilisation, Kleinkinder, bettlägerige Menschen) oder das Durstempfinden gestört ist (neurologische oder psychiatrische Erkrankungen), kann eine Hypernatriämie persistieren. Eine Reduktion der Aktivität des ADH-Systems prädisponiert zwar zur Hypernatriämie, aber selbst bei einem völligen Ausfall des Hormons kann durch eine Zunahme der Trinkmenge die Serum-Natriumkonzentration im Normbereich gehalten werden, die Patienten beklagen sich über PolyuriePolyurie und PolydipsiePolydipsie, nicht jedoch über Symptome der Hypernatriämie .

Untersuchungen

Weil erst Immobilisation und/oder Störungen der Durstempfindung die Persistenz der Hypernatriämie ermöglichen, sind prädisponierende Erkrankungen vielfältig .
Sollte anamnestisch die Diagnose nicht klar sein, empfiehlt sich zur Differenzialdiagnose die Bestimmung der Harnosmolarität .Harnosmolarität
Bei einer Serumosmolarität über 295 mosmol/l sollte das ADH-System maximal aktiviert sein und ein konzentrierter Harn ausgeschieden werden (Harnosmolarität > 800 mosmol/l) . Ist dies der Fall, wird entweder Wasser extrarenal verloren (die Harnnatriumkonzentration ist wegen des begleitenden Volumenmangels häufig erniedrigt) oder es wird überschießend zugeführtes Natrium renal eliminiert (Harnnatriumkonzentration > 100 mmol/l) .
Einen Harnosmolaritätswert unter demjenigen des Serums findet man de facto nur bei einem kompletten Diabetes insipidus, intermediäre Harnosmolaritäten (300–800 mosmol/l) sind typisch für inkomplette Formen. Die Gabe von Vasopressin Vasopressin ermöglicht die Differenzialdiagnose zwischen renalem und zentralem Diabetes insipidus.Diabetes insipidusrenalerDiabetes insipiduscentralis Auch bei osmotischer Diurese liegt die Harnosmolarität meist zwischen 300 und 800 mosmol/l .

Differenzialdiagnosen

Mögliche Ursachen einer Hypernatriämieosmotische DiarrhöDiarrhöosmotischeDiabetes insipidusHypodipsie, primärehypothalamische Störungenosmotische DiureseDiureseosmotischeKrämpfeessenzielle HypernatriämieSalzvergiftung

Erkrankung Häufigkeit Diagnose
Verlust einer Flüssigkeit, die weniger Natrium und Kalium als das Serum enthält:
  • über Haut oder Atmung (heißes Klima, körperliche Anstrengung, Fieber, Verbrennungen)

  • über die Niere (Diabetes insipidus, osmotische Diurese)

  • über den Gastrointestinaltrakt (osmotische Diarrhö)

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  • Anamnese

  • Polyurie, Polydipsie, eventuell Durstversuch

  • Anamnese

hypothalamische Störungen (primäre Hypodipsie, reset Osmostat, essenzielle Hypernatriämie) + Anamnese (Hypernatriämie ohne Durstgefühl), keine Korrektur der Hypernatriämie nach Zufuhr freien Wassers
Verschiebung von Wasser in den Intrazellulärraum (Krämpfe, massive körperliche Tätigkeit) + Anamnese
Zufuhr einer im Verhältnis zum Serum hypernatriämen Flüssigkeit bzw. Salzvergiftung + Anamnese, Überprüfung der Therapie

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