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B978-3-437-42502-8.00059-0

10.1016/B978-3-437-42502-8.00059-0

978-3-437-42502-8

Hypokalzämie

J. Seufert

Definition

Eine HypokalzämieHypokalzämie liegt vor, wenn das Gesamtkalzium im Serum < 2,2 mmol/l (Normbereich 2,2–2,65 mmol/l) oder das ionisierte Kalzium < 1,1 mmol/l (Normbereich 1,1–1,35 mmol/l) betragen.

Anamnese

Häufigste Ursachen einer Hypokalzämie sind Hypoparathyreoidismus, HypoparathyreoidismusVitamin-D-MangelVitamin-D-Mangel , medikamenteninduzierte Hypokalzämiemedikamenteninduzierte(r)Hypokalzämie und MalabsorptionssyndromeMalabsorption(ssyndrom).
Eine Hypokalzämie kann asymptomatisch verlaufen und ist häufig ein Zufallsbefund bei der Bestimmung von Elektrolyten in der Routineuntersuchung. Zeichen der symptomatischen Hypokalzämie ist die gesteigerte neuromuskuläre Erregbarkeit.symptomatische Hypokalzämie
Leichte Anzeichen können perioral und an Händen und Füßen betonte Parästhesien sein. Die Tetanie stellt TetanieParästhesiendas klinische Leitsymptom bei der symptomatischen Hypokalzämie dar. Sie äußert sich im Extremfall als Krampfanfall bei erhaltenem Bewusstsein mit Spasmen der Hände und Füße (Karpopedalspasmen), Stimmritzenkrampf und Fischmaulstellung. Im Extremfall kann es zu Herzinsuffizienz und Asystolie kommen. Bei länger bestehender Hypokalzämie können auch psychische Symptome wie Verstimmtheit, DepressionDepression oder AngstAngstzustände auftreten. Bei Normokalzämie und Tetanie liegt zumeist ein Hyperventilationssyndrom Hyperventilationssyndromvor (Störung der Verteilung des Kalziums zwischen Extrazellularvolumen und Gewebe).

Untersuchungen

Es ist auf Symptome möglicher zugrunde liegender Erkrankungen zu achten: klinische Zeichen der Niereninsuffizienz, Halsnarbe nach Schilddrüsenoperation , Mangel an Sonnenlicht (z. B. komplett verschleierte Frauen).
  • Chvostek-Zeichen: Chvostek-ZeichenBeim Beklopfen des N. facialis im Bereich der Wange werden im positiven Fall Zuckungen der gesamten mimischen Muskulatur ausgelöst.

  • Trousseau-Zeichen: Trousseau-ZeichenNach Anlegen einer Blutdruckmanschette am Arm (oberhalb des systolischen Werts für drei Minuten) kommt es im positiven Fall zur „Pfötchenstellung“.Pfötchenstellung

Technische Untersuchungen:
  • Labormedizinische Untersuchungen mit Bestimmung von: Kreatinin, eGFR (Nierenfunktion), Albumin (Malassimilation), Parathormon (iPTH) (Hypoparathyreoidismus), Calcitriol und Metaboliten (Vitamin-D-Mangel),Vitamin-D-Mangel Magnesium und Phosphat , , Pankreasenzymen , Kalzium im Urin

  • EKG: QT-Zeit-Verlängerung

  • Endoskopie .

Differenzialdiagnosen

Ursachen einer Hypokalzämiemedikamenteninduzierte(r)HypokalzämieVitamin-D-MangelRachitisHypoparathyreoidismusHyperventilationssyndromParathyreoidektomieAlkaloseSepsisVerbrennungenPankreatitisPseudohypoparathyreoidismusidiopathischer HypoparathyreoidismusHypoparathyreoidismusidiopathischerHypoparathyreoidismusMalassimilationssyndrom

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Medikamente ++++ Medikamentenanamnese (Schleifendiuretika, Phenytoin, Phenobarbital, Rifampicin, Cinacalcet) eventuell Serumspiegelbestimmung
Mangel an Vitamin D bei Niereninsuffizienz, Rachitis, Mangel an Sonnenlicht +++ Anamnese, Bestimmung von Kreatinin, 25-(OH)-Vitamin-D3 und 1,25-(OH)2-Vitamin-D3, iPTH
Hypoparathyreoidismus nach Thyreoidektomie, Parathyreoidektomie, Autoimmunerkrankung +++ Anamnese, körperliche Untersuchung, iPTH, evtl. Sonographie
Malassimilation bei verminderter enteraler Resorption (chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, chron. Pankreatitis, Sprue) von Kalzium, Vitamin D3 +++ Anamnese (Diarrhö), Gewichtsabnahme, Blutbild, Endoskopie, CRP
erhöhter Kalziumverbrauch in Pubertät, Schwangerschaft ++ Anamnese, Bestimmung von 25-(OH)-Vitamin-D3 und 1,25-(OH)2-Vitamin-D3
Verteilungsstörungen bei Alkalose (Hyperventilation), Sepsis, Verbrennung, akute Pankreatitis (mit Kalzifikation) ++ Anamnese, Blutgasanalyse, Lipase, Sonographie
Hypomagnesiämie (gestörte Parathormonsekretion) ++ Magnesium, Parathormon (iPTH)
Überproduktion von Kalzitonin bei medullärem Schilddrüsenkarzinom + Anamnese, körperliche Untersuchung, Kalzitonin, CEA, Pentagastrintest, Schilddrüsensonographie
(Pseudo-)Hypoparathyreoidismus (+) Familienanamnese, cAMP im Urin, Mutationsanalyse GNAS-Gen
idiopathischer Hypoparathyreoidismus (+) Familienanamnese, Serum-Phosphat, Kalzium im Serum, iPTH, Kalzium im Urin, Antikörper gegen den „calcium sensing“-Rezeptor

Ökonomische Aspekte

Vor einer umfangreichen laborchemischen und bildgebenden Diagnostik sind die anamnestische Erfragung einer früheren Schilddrüsenoperation und eine Medikamentenanamnese sinnvoll.

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