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B978-3-437-42502-8.00064-4

10.1016/B978-3-437-42502-8.00064-4

978-3-437-42502-8

Infertilität

C. Bollheimer

Ch. Girlich

Definition

Infertilität (Synonym: Sterilität)Sterilität Infertilitätliegt vor, wenn bei einem Paar nach zwölf Monaten trotz regelmäßiger ungeschützter Kohabitationen (d. h. etwa zwei Mal pro Woche) eine Schwangerschaft ausgeblieben ist. Die Ursache liegt in etwa 20 % der Fälle beim Mann allein, in etwa 40 % bei der Frau allein und in etwa 25 % bei beiden. Etwa 15 % der Fälle einer Infertilität bleiben auch nach Diagnostik unklar.

Anamnese

Liegt nach eingehender Paaranamnese der V. a. eine Infertilität vor, muss eine weitere geschlechtsspezifische Anamnese erfolgen: Beim Mann sind frühere Erkrankungen und/oder urologische Voroperationen mit möglicher Schädigung des Hodens, Nebenhodens oder Ductus deferens zu erfragen. Von internistischer Seite ist auch auf onkologische Vor- bzw. Grunderkrankungen mit eventuellem Z. n. Radio- oder Chemotherapie und auch auf Symptome einer mitigierten zystischen Fibrose sowie auf (berufsbedingte) chemische und physikalische (Wärme) Noxen zu achten. Ansonsten sollte im Anamnesegespräch näher auf Zeichen eines Androgenmangels eingegangen werden (Hypogonadismus). HypogonadismusAndrogenmangelAndrogenmangel muss nämlich nicht zwangsläufig mit einer Impotentia coeundiImpotentia coeundi einhergehen und ist damit nicht a priori von der Begriffsdefinition der Infertilität ausgeschlossen.
Bei der Frau steht neben der Frage nach früheren Schwangerschaften die Zyklusanamnese (Zyklusstörungen) iZyklusstörungenm Mittelpunkt. Auch müssen frühere gynäkologische Erkrankungen bzw. Voroperationen mit möglicher Schädigung der Eileiter oder des Uterus eruiert werden. Wichtig ist dabei auch die Frage nach einer bekannten Endometriose.

Untersuchungen

Obligat ist bei der Abklärung einer Infertilität die Ejakulatuntersuchung , Ejakulatuntersuchung, Infertilitätdie – wenn sie unauffällig ist – eine männliche Ursache so gut wie sicher ausschließt. Dagegen weisen eine A- bzw. Oligozoospermie (Spermatozoen < 20 × 106/ml), eine Asthenozoospermie (< 50 % der Spermatozoen mit adäquater Vorwärtsprogression) und/oder eine Teratozoospermie (< 15 % normal geformte Spermatozoen) auf eine Störung der Hodenfunktion hin und erfordern die Bestimmung von Testosteron, LH und FSH . Neben einem Androgenmangel (Hypogonadismus) ist ein isoliert erhöhtes FSH bei zugleich normwertigem LH und Gesamttestosteron beweisend für eine isoliert gestörte testikuläre SpermatogeneseSpermatogenesetestikuläre, gestörte .
Ein vermindertes Ejakulatvolumen (normal 1,5–5 ml) und/oder veränderte Konzentrationen der Markersubstanzen für Prostata (saure Phosphatase, Zink, Citrat) bzw. Samenbläschen (Fruktose) geben Anlass für eine spezielle urologische Abklärung hinsichtlich Funktion und Durchgängigkeit der ableitenden Samenwege (kongenitale beidseitige Aplasie des Vas deferens [CBAVD] als eine Minimalform der zystischen Fibrose) und akzessorischen Geschlechtsdrüsen .kongenitale beidseitige Aplasie des Vas deferens (CBAVD)CBAVD (kongenitale beidseitige Aplasie des Vas deferens)Vas-deferens-Aplasie, kongenitale, beidseitige (CBAVD)
Bei der Frau steht am Anfang die Abklärung ovariell-endokrinologischer Ursachen (Zyklusstörungen und Hirsutismus) . ErHirsutismusst wenn diese und auch die Ejakulatuntersuchung des Partners unauffällig sind, sind weitere invasiv-gynäkologische Untersuchungen hinsichtlich Störungen im Bereich der Eileiter, des Uterus oder auch hinsichtlich peritonealer Verwachsungen (Endometriose!) angezeigt.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von InfertilitätHypogonadismusAndrogenmangel

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
männliche Infertilität ++ Ejakulatuntersuchung; Testosteron, LH und FSH
Hypogonadismus mit Androgenmangel + (Hypogonadismus)
Hypogonadismus mit isoliert gestörter Spermatogenese ++ Anamnese hinsichtlich testikulärer Vorerkrankungen, Traumen, Varikozele; ggf. Y-Chromosom-Analyse
Funktionsstörung der ableitenden Samenwege oder akzessorischen Geschlechtsdrüsen + postejakulatorische Urinanalyse, Sonographie der Skrotalorgane, transrektale Prostatasonographie, CFTR-Genanalyse auf zystische Fibrose bzw. CBAVD
weibliche Infertilität +++
endokrin-ovarielle Faktoren ++ (Zyklusstörungen und Hirsutismus)
tubar-uterine Faktoren oder peritoneale Verwachsungen + transvaginale Sonographie, Hysterosalpingographie, Laparoskopie
unklare Infertilität ++ Ausschlussdiagnose

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