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B978-3-437-42502-8.00067-X

10.1016/B978-3-437-42502-8.00067-X

978-3-437-42502-8

Knochenschwund

C. Bollheimer

Ch. Girlich

Definition

Eine in der Knochendichtemessung (s. u.) festgestellte Kalksalzminderung des Knochens ist definiert KnochenschwunddOsteopenieurch einen T-Score-Wert < –1,0 SD (= sog. Osteopenie) bzw. < –2,5 SD (= messtechnische Osteoporose) messtechnische OsteoporoseOsteoporosemesstechnischeund Zeichen eines generalisierten Knochenschwunds. Knochenschwund mit dem technischen Leitbefund der Osteopenie bzw. messtechnischen Osteoporose ist nicht gleichzusetzen mit der Krankheitsentität der primären Osteoporoseprimäre OsteoporoseOsteoporoseprimäre (Osteoporose) und erfordert von daher eine weitere Differenzialdiagnostik.

Anamnese

Bei der Anamnese sollte gezielt nach möglichen Ursachen einer sekundären Osteoporose Osteoporosesekundäremedikamenteninduzierte(r)Knochenschwund geforscht werden. Hierzu gehören Malabsorptionssyndrome, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sowie diverse cholestatische Lebererkrankungen. Weiterhin ist nach Hinweisen für endokrinologische Erkrankungen zu fahnden. Bei den hämatoonkologischen Grunderkrankungen (GE) sind neben therapiebedingten hormonablativen Maßnahmen ein Multiples Myelom und eine Mastozytose zu bedenken. Unbedingt zu eruieren sind ferner eine chronische Niereninsuffizienz (renale Osteopathie), das Vorliegen rheumatologischer Grunderkrankungen sowie eine Organtransplantation. In der Medikamentenanamnese sollte außer nach längerfristiger Kortikosteroideinnahme auch nach Anwendung von Heparin, Antiepileptika und Levothyroxin (in thyreosuppressiver Dosierung) gefragt werden .
Bei der Erhebung der Risikofaktoren sind neben Alter bzw. Menopauseneintritt gezielte Fragen zum Lebensstil (Inaktivität, Sturzneigung, Depression, Nikotin- und Alkoholabusus) und zur Familienanamnese (Schenkelhalsfraktur der Mutter?) wichtig. Ein BMI < 19 kg/m2 ist ein weiterer Risikofaktor.

Untersuchungen

Die Untersuchung der Wirbelsäule (Körperhöhenbestimmung im Verlauf, „Tannenbaumphänomen“, „Witwenbuckel“, „Osteoporose-Bäuchlein“) TannenbaumphänomenWitwenbuckelgibt Hinweise auf einen manifesten Knochenschwund mit vertebragenen Frakturen. Konventionelle Röntgenaufnahmen der BWK und LWK zeigen typischerweise Kompressionsfrakturen mit Keil-, Platt- oder Fischwirbelbildung . Ein Knochenschwund lässt sich in der konventionellen Röntgenaufnahme erst bei einem Substanzverlust von mehr als 40 % nachweisen.
Die Knochendichtemessung Knochendichtemessungmit der DXA-Methode sollte Messpunkte an verschiedenen LWK und Regionen des Schenkelhalses beinhalten . Streng genommen gilt nur für dieses Verfahren die Definition des T-Werts als Abweichung vom Mittelwert der Knochenmasse junger gesunder Erwachsener. Der T-Wert wird dabei unter Annahme einer Normalverteilung als Standardabweichung ausgedrückt.
Um eine primäre Osteoporose von anderen Skeletterkrankungen abzugrenzen, ist neben der Anamnese ein laborchemisches Screeningprogramm sinnvoll .

Differenzialdiagnosen

Ursachen eines Knochenschwundsprimäre Osteoporosesekundäre Osteoporoseidiopathische OsteoporoseCushing-SyndromDiabetes mellitusTyp 1Typ-1-DiabetesHypothyreoseHyperthyreoserheumatoide ArthritisArthritisrheumatoideHypogonadismusmultiples MyelomOsteopathie, renalerenale Osteopathiekalzipenische OsteomalazieOsteomalaziekalzipenischesekundärer HyperparathyreoidismusHyperparathyreoidismussekundärerHigh-turnover-OsteopathieLow-turnover-Osteopathieidiopathische OsteoporoseOsteoporoseidiopathischesekundäre Osteoporose

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
primäre Osteoporose ++++ Ausschlussdiagnose; einzige Positivkriterien: postmenopausaler Status bzw. Alter > 60 Jahre
idiopathische Osteoporose + Ausschlussdiagnose für prämenopausale Patientinnen bzw. Patienten < 60 Jahre
sekundäre Osteoporosen : +++
bei gastroenterologischen und hepatologischen Grunderkrankungen + – ++ u. a. gastroenterologische Abklärung mit endoskopischer, Antikörper- oder Funktionsdiagnostik
bei endokrinologischen Grunderkrankungen, z. B.:
  • Cushing-Syndrom

  • Hypogonadismus

  • Typ-1-Diabetes-mellitus

  • Hyper- und Hypothyreose

++
+
+/–
+/–
  • Medikamentenanamnese, ggf. 1-mg-Dexamethasonhemmtest, Mitternachtskortisol und/oder 24-Stunden-Sammelurin auf Kortisol

  • Hypogonadismus und Zyklusstörungen

  • Anamnese

  • TSH-Wert-Bestimmung

bei rheumatologischen Grunderkrankungen, z. B.: rheumatoide Arthritis + ARA-Klassifikationskriterien, Autoantikörper
bei Z. n. Organtransplantation + Anamnese
vom (unscharf definierten) Überbegriff der sekundären Osteoporosen abzugrenzende Erkrankungen mit Knochenschwund: ++
primärer Hyperparathyreoidismus ++ zusätzlich zu Kalzium im Urin erhöht, Sonographie, optional: MRT, Nebenschilddrüsenszintigraphie
Multiples Myelom + zusätzlich zu Serumeiweiß-Elektrophorese, Bence-Jones-Proteine im Urin, Knochenmarkpunktion
renale Osteopathie ++ zusätzlich zu Differenzierung Low- versus High-turnover-Osteopathie
kalzipenische Osteomalazie , synonym: sekundärer Hyperparathyreoidismus + zusätzlich zu achten auf diffuse Knochen- (Leiste!) und Muskelschmerzen, O-Beine, fehlende UV-Bestrahlung?, Hinweise auf Nahrungsdefizit und/oder Malassimilation, auch Frage nach Barbiturateinnahme

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