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B978-3-437-42502-8.00076-0

10.1016/B978-3-437-42502-8.00076-0

978-3-437-42502-8

Lipaseerhöhung

J. Mayerle

P. Simon

M.M. Lerch

Definition

Eine LipaseerhöhungLipaseerhöhung im Serum über das Dreifache der Norm, verbunden mit abdominalen Beschwerden, weist auf eine akute Pankreatitis oder einen akuten Schub einer chronischen Pankreatitis hin. Die Serum-Halbwertszeit der Lipase beträgt 7–14 Stunden, ein Lipaseanstieg im Serum ist frühestens 5 Stunden nach Beginn einer Pankreasschädigung nachweisbar. Der Nachweis einer erhöhten Lipase im Serum ist bis zu 6 Tage nach Symptombeginn möglich. In Studien wird zur Diagnose einer asymptomatischen Hyperlipasämie ebenfalls ein Anstieg über das Dreifache der Norm gefordert.

Anamnese

Eine Bestimmung der Serum-Lipase ist indiziert beAbdominalschmerzengürtelförmigei gürtelförmigen abdominalen Beschwerden . Berichtet der Patient im Rahmen der Anamneseerhebung über Gallensteine, GallensteineUrinDunkelfärbungeine Entfärbung des Stuhls Stuhl, EntfärbungDiabetes mellitusoder Dunkelfärbung des Urins und/oder Juckreiz, so deutet dies auf eine biliäre Pankreatitis hin. Ein regelmäßiger oder übermäßiger Alkoholkonsum weist auf eine akute alkoholinduzierte PankreatitisPankreatitisalkoholinduziertealkoholinduzierte PankreatitisAlkoholismus/Alkoholmissbrauch hin. Rezidivierende Beschwerden mit ähnlichem Schmerzcharakter und Fettstühle Fettstühlesprechen für einen akuten Schub einer chronischen Pankreatitis. Die Anamnese sollte durch Fragen nach einem ungewollten Gewichtsverlust sowie einem neu aufgetretenen Diabetes mellitus vervollständigt werden. Letztere Symptome können auf ein Pankreaskarzinom hinweisen. Wurde eine erhöhte Serum-Lipase ohne klinische Symptomatik gemessen , sollten die oben aufgeführten Fragen nachträglich gestellt werden. In der Familienanamnese sollten familiäre Häufungen eines Pankreaskarzinoms, eines Pancreas divisum oder einer hereditären Pankreatitis eruiert werden. Bei der Medikamentenanamnese ist auf Substanzen, die eine Lipaseerhöhungmedikamenteninduzierte(r)Lipaseerhöhung verursachen können, zu achten (z. B. Asparaginase, Azathioprin, Cholinergika, Indometacin, orale Kontrazeptiva, Sulfisoxazol, Gliptine [DPP4-Antagonisten], GLP1-Analoga). Auch die Blutgruppe B führt zu einer subklinisch erhöhten Serumlipase ohne Beschwerden, verbunden mit einem 1,5-fachen Risiko für die Entwicklung einer chronischen Pankreatitis.

Untersuchungen

Zur weiteren Abklärung einer symptomatischen Lipaseerhöhung sollte primär die Abdomensonographie Abdomensonographie eingesetzt werden. Eine umfassende klinische Abklärung unter Zuhilfenahme von invasiven diagnostischen Verfahren ist bei einer zufällig entdeckten Lipaseerhöhung bei jungen asymptomatischen Patienten ohne familiäre Vorbelastung für eine Pankreaserkrankung nicht indiziert. In Ermangelung von Leitlinien empfiehlt sich folgendes Vorgehen: Bei fehlender klinischer Symptomatik, die auf eine Pankreaserkrankung hinweist, und einer leeren Familienanamnese erfolgt nur eine klinische Untersuchung sowie eine Abdomensonographie . Zum Ausschluss einer Makrolipasämie (gestörte renale Elimination von Lipase, die an α2-Makroglobulin oder Immunglobuline gebunden ist) werden die Serum-Amylase Serum-Amylasesowie die Urin-Lipase Urin-Lipasebestimmt . Bei Verdacht auf eine familiäre oder idiopathische HyperlipasämieHyperlipasämie erfolgt eine familiäre Umgebungsuntersuchung (Enzymbestimmung) . Bei über 50-jährigen Patienten kann eine erhöhte Lipase in Einzelfällen auf ein Pankreaskarzinom hinweisen. Diese Differenzialdiagnose ist insbesondere dann abzuklären, wenn die Lipaseerhöhung in Kombination mit einer neu aufgetretenen Glukosetoleranzstörung bzw. einem neu manifestierten Diabetes mellitus auftritt.
Ergibt die Abdomensonographie den Verdacht auf eine Pankreasraumforderung , sollte eine Endosonographie des Pankreas (ggf. mit Biopsieentnahme) sowie eine CT des Abdomens angeschlossen werden.

Differenzialdiagnosen

Ursachen einer LipaseerhöhungPankreatitisakuteakute Pankreatitischronische PankreatitisPankreatitischronischePankreaskarzinomNiereninsuffizienzhyperosmolares KomaKomahyperosmolaresdiabetische KetoazidoseKetoazidosediabetischeCholezystitisUlcusduodeniDuodenalulkusVirushepatitisHepatitisviraleLeberzirrhoseMorbusCrohnCrohn-KrankheitColitis ulcerosaSarkoidoseTyphus abdominalismedikamenteninduzierte(r)Lipaseerhöhung

Differenzialdiagnose Erhöhung in % der Erkrankungen, wenn primäre Pankreaserkrankung ausgeschlossen Weiterführende Diagnostik
akute/chronische Pankreatitis obligat Abdomensonographie
Pankreaskarzinom ~ 60 % Abdomensonographie, Endosonographie mit Punktion, CT
Niereninsuffizienz bis 66 % Kreatinin, Harnstoff, Kreatinin-Clearance
diabetische Ketoazidose, hyperosmolares Koma 16–25 % Blutglukose, Serumosmolarität, Blutgasanalyse, Ketonkörper im Urin
Cholezystitis 8 % Leukozytose, CRP, Abdomensonographie
Ulcus duodeni Einzelfälle ÖGD, Röntgen-Abdomen-Leeraufnahme
Virushepatitis, Leberzirrhose 21–25 % Bestimmung der Lebersyntheseleistung, Virusserologie, Abdomensonographie
Morbus Crohn, Colitis ulcerosa 9–14 % ÖGD, Koloskopie
Sarkoidose Einzelfälle Röntgen Thorax, bronchoalveoläre Lavage CD4/CD8-Quotient, ACE
Typhus abdominalis 21 % Stuhluntersuchung, Blutkulturen, Lymphopenie, Entzündungszeichen
medikamenteninduziert 0,1–2 % Anamnese (Bauchschmerzen), Abdomensonographie

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