© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42502-8.00192-3

10.1016/B978-3-437-42502-8.00192-3

978-3-437-42502-8

Magenkarzinom

M. Ebert

M. Mayr

Zur Orientierung

Das primäre MagenkarzinomMagenkarzinom bezeichnet die verschiedenen malignen epithelialen Neoplasien des Magens. Verschiedene Risikofaktoren wie Ernährung, genetische Prädisposition, intestinale Metaplasie und HP-Infektion sind bekannt.

Frühsymptome des Magenkarzinoms wie dyspeptische Beschwerden fehlen häufig oder sind uncharakteristisch, die Diagnose wird daher oft erst in fortgeschrittenen Tumorstadien gestellt.

Durch Gastroskopie mit Biopsie wird die Diagnose gesichert. Das Primärstaging wird durch die Endosonographie und verschiedene bildgebende Verfahren ergänzt.

Klassifikationen und Stadieneinteilung

Histologisch unterscheidet man Adenokarzinome (papillär, tubulär, muzinös, Siegelringzellkarzinom), adeno-squamöse Karzinome, Plattenepithelkarzinome und undifferenzierte Karzinome. Meist handelt es sich um Adenokarzinome,Adenokarzinom, Magen oft auch im Bereich des ösophagogastralen Übergangs (AEG Typ I–III nach Siewert).
Die Laurén-Klassifikation differenziert das MagenkarzinomMagenkarzinomLaurén-KlassifikationLaurén-KlassifikationMagenkarzinomTNM-KlassifikationMagenkarzinomMagenkarzinomTNM-Klassifikation nach dem histologischen Wachstumsmuster. Sie ist insbesondere für das Resektionsausmaß von Bedeutung. Man unterscheidet:
  • Diffuser Typ: infiltratives Wachstum, frühe lymphatische Metastasierung, Entwicklung einer Linitis plastica

  • Intestinaler Typ: polypös, drüsig wachsend, gut begrenzt, bessere Prognose

  • Mischtyp.

Die Stadieneinteilung des Magenkarzinoms erfolgt nach der TNM-Klassifikation:

TNM-Klassifikation des Magenkarzinoms

T1a Invasion der Lamina propria oder Muscularis mucosae
T1b Inv. der Submukosa
T2 Inv. der Muscularis propria
T3 Inv. der Subserosa (einschl. Inv. des Lig. gastrocolicum oder gastrohepaticum ohne Perforation der Serosa)
T4a Perforation der Serosa
T4b Inv. von Nachbarorganen
N1 Metastasen in 1–2 regionären LK (von mindestens 15 LK)
N2 Metastasen in 3–6 regionären LK
N3 Metastasen in ≥ 7 regionären LK
N3a Metastasen in 7–15 regionären LK
N3b Metastasen in ≥ 16 regionären LK
M1 andere LK oder Fernmetastasen (einschließlich pos. Peritonealzytologie)

regionäre LK = große + kleine Kurvatur, Pankreas und Milzregion

Stadieneinteilung des Magenkarzinoms

Stadien (AJCC) TNM
IA T1 N0
IB T1 N1/T2 N0
IIA T1 N2/T2 N1/T3 N0
IIB T1 N3, T2 N2, T3 N1, T4a N0
IIIA T2 N3/T3 N1/T4a N1
IIIB T3 N3, T4a N2, T4b N0/1 M0
IIIC T4a N3, T4b N2–3 M0
IV jedes T jedes N M1

Therapie

Die Therapie des Magenkarzinoms richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung. Eine endoskopische Resektion ist bei Beschränkung des Tumors auf die Mukosa (Mukosakarzinom)Mukosakarzinom, MagenSubmukosakarzinom, Magen möglich. Sobald das Karzinom die Submukosa (Submukosakarzinom) erreicht hat, ist die chirurgische Resektion mit Lymphknotendissektion erforderlich .

Evidenz der Therapieempfehlungen beim Magenkarzinom

EvidenzgradEmpfehlungsstärke
endoskopische Therapie
Oberflächliche Magenkarzinome, die auf die Mukosa begrenzt sind (T1a N0 M0), können unter bestimmten Voraussetzungen endoskopisch abgetragen werden:
  • < 2 cm Größe in erhabenen Typen

  • Läsionen von < 1 cm Größe in flachen Typen

  • histologischer Differenzierungsgrad: gut oder mäßig (G1/G2)

  • keine makroskopische Ulzeration

  • Invasion begrenzt auf die Mukosa

  • keine restliche invasive Erkrankung nach ER

II0
lokal fortgeschrittenes Magenkarzinom
Beim lokal fortgeschrittenen Magenkarzinom kann eine perioperative Chemotherapie durchgeführt werden.IbA/B
Bei einer Lymphadenektomie < D2 oder in begründeten Risikosituationen kann eine adjuvante Radiochemotherapie durchgeführt werden.II0
metastasiertes Magenkarzinom
Die Durchführung einer palliativen Chemotherapie beim HER2/neu positiven Magenkarzinom mit Trastuzumab ist sinnvoll.Ib
Bei Tumoren mit Lymphknotenbefall ohne Fernmetastasen (T2–4 N+) ist eine perioperative Chemotherapie indiziert. In Einzelfällen kann eine adjuvante Radiochemotherapie sinnvoll sein.
Ist in fortgeschrittenen Stadien kein kurativer Therapieansatz möglich, wird eine palliative systemische Chemotherapie durchgeführt. Für die palliative Chemotherapie ist die Analyse des HER2/neu-Status am Tumor erforderlich. Sofern eine HER2/neu-Überexpression vorliegt, kann der Antikörper Trastuzumab mit der Chemotherapie verabreicht werden.

Komplikationen

Neben den allgemeinen Symptomen einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung wie Fatigue, Schmerzen, Kachexie, Anämie etc. sind für das Magenkarzinomparaneoplastisches SyndromMagenkarzinom auch paraneoplastische Syndrome beschrieben (u. a. Akrokeratose, Acanthosis nigricans). Spezifische Komplikationen durch lokales Tumorwachstum sind Passagestörungen (Ileus),Ileus Blutungen, AszitesAszites und AbtropfmetastasenAbtropfmetastasenOvarienOvarien, Abtropfmetastasen der Ovarien (Krukenberg-Tumoren).Krukenberg-Tumoren

Ökonomische Aspekte

Die Durchführung einer Endosonographie ist nur bei einem potenziell kurativen Therapieansatz sinnvoll.

Nach Durchführung einer neoadjuvanten Chemotherapie sind vor der geplanten Resektion keine weiteren diagnostischen Untersuchungen erforderlich, sofern der Patient keine neuen Symptome in Zusammenhang mit dem Tumor aufweist.

Die Gabe von Trastuzumab ist nur beim HER2/neu-positiven Tumor indiziert.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen