© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42502-8.00079-6

10.1016/B978-3-437-42502-8.00079-6

978-3-437-42502-8

Metabolische Alkalose

M. Haag-Weber

Definition

Die metabolische Alkalosemetabolische AlkaloseAlkalosemetabolische ist eine primäre Störung im Säure-Basen-Haushalt, die nur durch Verlust von Säuren oder durch Alkali-Zufuhr zustande kommen kann. Die Bikarbonat(HCO3)-Konzentration im Plasma ist > 25 mmol/l, der pH-Wert > 7,4 und die H+-Ionen-Konzentration < 40 nmol/l.

Anamnese

Störungen des Säure-Basen-Haushalts sind häufig, werden aber oft übersehen, da ihre Erfassung nicht routinemäßig erfolgt und in der Regel fast keine klinischen Symptome vorliegen. Magen-Darm-Erkrankungen als Ursache sind anamnestisch leicht zu erfassen. Es sollte ferner nach Diuretika, Lakritzeneinnahme sowie Zufuhr von Milch und Karbonat gefragt werden . Auch nach Symptomen einer HypokaliämieHypokaliämie sollte gesucht werden.

Untersuchungen – Differenzialdiagnosen

Entscheidend bei der Beurteilung des Säure-Basen-Haushalts ist die Bestimmung von pH, Bikarbonat, pCO2 sowie Kalium, Chlorid im Serum und im Urin. Eine metabolische Alkalose liegt vor bei einem erhöhten Bikarbonat und erhöhtem pH. Sie stellt keine eigenständige Erkrankung dar. Differenzialdiagnostisch wegweisend ist die Beurteilung des Volumenstatus (Extrazellulärvolumen, EZV) und des Blutdrucks .

Erniedrigtes EZV und Hypotonie

Hierbei wird unterschieden, ob die Alkalose salzsensitiv ist oder nicht. Salzsensitivität ist bei niedriger Chloridausscheidung im Urin (< 20 mmol/l) gegeben . Ursachen dafür sind Erbrechen, Diarrhö oderLaxanzienabususBulimieErbrechenDiarrhö Laxanzienabusus. Häufig besteht eine Bulimie. Eine ChloriddiarrhöChloriddiarrhö ist eher selten.
Bei diuretikainduzierter metabolischer Alkalosediuretikainduzierte metabolische Alkalose ist die Chloridausscheidung im Urin > 20 mmol/l .
Keine Symptome oder nur hin und wieder MuskelkrämpfeMuskelkrämpfe findet man bei MagnesiummangelMagnesiummangel und/oder Bartter-Syndrom. Bartter-SyndromDas Serum-Magnesium ist erniedrigt und die Urinausscheidung von Chlorid liegt über > 20 mmol/l .
Beseitigt man rasch eine respiratorische Insuffizienz, kann esPosthyperkapniealkalose zur Posthyperkapniealkalose kommen, da die renale Korrektur der Säure-Basen-Störung langsamer erfolgt als die respiratorische Korrektur .
Exogene Zufuhr von Milch zusammen mit Kalziumkarbonat kann zum sogenannten Milch-Alkali-Syndrom führen .Milch-Alkali-Syndrom

Normales oder erhöhtes EZV und Hypertonie

Bei Vorliegen einer HypertonieHypertonie und Alkalose müssen Parameter des Angiotensin-Renin-Systems sowie Aldosteron Aldosteronbestimmt werden. Hinweis für das Conn-SyndromConn-Syndrom ist das Vorliegen einer Hypertonie, Hypokaliämie und Alkalose bei erniedrigtem Renin (< 1 ng/l in Ruhe), erhöhtem Aldosteron (> 150 ng/l in Ruhe) sowie erhöhtem Aldosteron-Renin-Quotienten (> 50) .
Hypertonie und cushingoides Aussehen bei gleichzeitig erniedrigtem Renin und Aldosteron spricht für ein Cushing-Syndrom. Cushing-SyndromDieses wird weiter gesichert durch erhöhte Kortisolwerte im Serum. Lakritzkonsum führt zu einer metabolischen Alkalose durch erhöhte Mineralokortikoidwirkung. Vermehrte Mineralokortikoidproduktion Mineralokortikoidproduktion, vermehrtehat auch eine Hypokaliämie zur Folge.
Bei erhöhtem Renin und Aldosteron muss an eine NierenarterienstenoseNierenarterienstenose gedacht werden. Hier sollte eine Nieren-Duplexuntersuchung durchgeführt werden.

Differenzialdiagnosen

Ursachen der metabolischen AlkaloseBartter-SyndromPseudohyperkapniealkaloseConn-SyndromCushing-SyndromNierenarterienstenose

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Magen-, Darmerkrankung ++++ Urin-Chlorid < 20 mmol/l, Anamnese hinsichtlich Bulimie, Laxanzienabusus; Endoskopie
Diuretika +++ Urin-Chlorid > 20 mmol/l, Serum-Chlorid eher erniedrigt
Bartter-Syndrom + autosomal-rezessiv, Kalium, Chlorid, Magnesium, Renin ↓
Pseudohyperkapniealkalose ++ nach Einleitung der Beatmung bei respiratorischer Insuffizienz
Conn-Syndrom ++ Hypertonie, Renin ↓, Aldosteron ↑, Hypokaliämie, Urin-Kalium > 30 mmol/Tag trotz Hypokaliämie, Sonographie, CT, MRT zum Nachweis eines Nebennierenadenoms
Cushing-Syndrom + Hypertonie, Renin, Aldosteron ↓, Kortisol-Tagesprofil (zirkadianer Rhythmus gestört, Kortisol ↑), Urin-Kortisolwerte ↑, keine Suppression nach 2 mg Dexamethason
Nierenarterienstenose + Nieren-Duplex, Captopril-Szintigraphie, MR-Angiographie, DSA

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen