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B978-3-437-42502-8.00197-2

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Migräne

A. Schwartz

Zur Orientierung

Bei der MigräneMigräne handelt es sich um einen attackenartig auftretenden, meist halbseitigen, pulsierenden oder stechenden starken Kopfschmerz, der mit vegetativen Begleitsymptomen wie ÜbelkeitÜbelkeit und ErbrechenErbrechen sowie Licht- und Lärmüberempfindlichkeit einhergeht. Der Schmerz kann 4–72 h andauern. Vor dem Kopfschmerz treten häufig Sehstörungen mit Schleier- und Flimmersehen, selten Flimmerskotome auf. Die Frequenz von Migräneattacken schwankt zwischen mehrmals pro Woche bis wenige Male pro Jahr. Das weibliche Geschlecht ist häufiger betroffen (nur im Kindesalter überwiegt das männliche Geschlecht).

Eine Migräneattacke kann von einer ganzen Reihe von Faktoren getriggert werden, wie Wetterwechsel, hormonelle Umstellung (z. B. Menstruation), Nahrungsmittel (Alkohol, Käse, Schokolade), psychische Belastung und Schlafmangel.

Die Diagnose der Migräne stützt sich auf die typische Anamnese und den unauffälligen neurologischen Untersuchungsbefund. Apparative Untersuchungen (z. B. EEG, CT, MRT) sollten nur bei V. a. sekundäre Kopfschmerzen (z. B. V. a. intrakraniellen Prozess) durchgeführt werden.

Formen

Prinzipiell unterscheidet man Migräne mit Aura und Migräne ohne Aura.
Migräne ohne Aura (einfache Migräne) Migränemit/ohne Aura;Aurawird als migränetypischer Kopfschmerz mit vegetativen Symptomen, aber ohne neurologische Herdsymptome definiert.
Migräne mit Aura (komplizierte Migräne, Migraine accompagnéeMigraine accompagnée) wird durch das Auftreten transienter neurologischer Herdzeichenneurologische Herdzeichen, transiente von der einfachen Form unterschieden. Die Symptome einer „Aura“Aura, Migräne treten typischerweise 30–60 min vor (nicht nach!) den Kopfschmerzen auf. Meist handelt es sich um Flimmerskotome, Flimmerskotome, Migräned. h. weißliche oder bunte, flackernde Lichter, die langsam (innerhalb von Minuten) von der Peripherie in die Mitte des Gesichtsfeldes laufen. Solche positiven Skotome können gelegentlich von einem negativen Skotom, d. h. einer umschriebenen Zone des Visusverlustes, abgelöst werden. Bei einer visuellen Aura können komplexe szenische Abläufe, Nachbilder (Palinopsie),Palinopsie homonyme Hemianopsiehomonyme HemianopsieHemianopsiehomonyme bis zum vorübergehenden kompletten Visusverlust (retinale Migräne)retinale Migräne auftreten. Weitere transiente neurologische Herdzeichen sind sensible und motorische Halbseitensymptome HalbseitensymptomesensibleHalbseitensymptomemotorischemotorische Halbseitensymptomesensible Halbseitensymptomebis hin zur HemiplegieHemiplegie (hemiplegische Migränehemiplegische MigräneMigränehemiplegische), seltener auch Aphasien und Dysphasien.

Therapie

Vor dem Beginn jeder Therapie einer Migräne müssen anderweitige Kopfschmerzursachen sorgfältig ausgeschlossen werden. Bei einer langandauernden Anamnese ist auch an einen möglichen Schmerzmittelmissbrauch (analgetikainduzierter Kopfschmerz) zu denken. Wenn ein kausaler Zusammenhang mit der Einnahme von Kontrazeptiva erwogen wird, sollte ein Wechsel der Antikonzeption erfolgen.
Bei der medikamentösen Therapie muss zwischen der Behandlung des Migräneanfalls und der Behandlung im erscheinungsfreien Intervall unterschieden werden.
  • Anfallsbehandlung: Unabhängig davon, ob es sich um eine leichte oder schwere Migräneattacke handelt, sollte anfangs wegen Übelkeit und Erbrechen Metoclopramid oder Domperidon (Cave bei gleichzeitiger Einnahme von QT-verlängernden Arzneimitteln oder CYP3A4-Inhibitoren) gegeben werden, auch um ein Erbrechen der Medikamente zu verhindern. Die leichte Migräneattacke wird mit Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol bzw. Ibuprofen behandelt, alternativ kann Naproxen gegeben werden oder eine Kombination zweier dieser Präparate. Bei schweren Schmerzattacken stehen heute Triptane zur Verfügung (s. u.). Es können auch Ergotamine per os, rektal oder über Inhalation verabreicht werden. Alternativ stehen auch Lysinacetylsalicylate zur Verfügung.

  • Intervallbehandlung : Mit den β-Blockern Metoprolol und Propranolol, den Antikonvulsiva Valproinsäure oder Topiramat soll das erneute Auftreten von Kopfschmerzen verhindert werden.

Bei vielen Patienten handelt es sich um eine langfristige, chronische Erkrankung, die mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität einhergeht. Im Verlauf der Behandlung treten nicht selten Probleme der Compliance auf. Patienten, bei denen Trigger in Form von Stress eine Rolle spielen, sollte eine Verhaltenstherapie oder Relaxationsverfahren angeboten werden. Viele Patienten sprechen auch positiv auf Entspannungsübungen an .

Evidenz der Therapieempfehlungen bei Migränebehandlung

Therapieempfehlung Evidenzgrad Empfehlungsstärke
50 mg Sumatriptan waren wirksamer als 1 000 mg ASS, aber nicht als 400 mg Ibuprofen. I A
Die Kombination von ASS, Paracetamol und Coffein war wirksamer als Sumatriptan. I A
Die Kombination von 900 mg ASS und Metoclopramid war vergleichbar mit 100 mg Sumatriptan. I A
100 mg Diclofenac waren vergleichbar mit 100 mg Sumatriptan. I A
Rizatriptan 10 mg war Ibuprofen 400 mg überlegen. I A
Ergotamintartrat war weniger wirksam als Sumatriptan. I A

Ökonomische Aspekte

Die Behandlung der Migräne stellt für die Solidargemeinschaft eine hohe Belastung dar, da durch sie sowohl enorme direkte Kosten für die medizinische Therapie als auch hohe indirekte Kosten wie zum Beispiel Erkrankungstage etc. anfallen. Die Migräne zählt daher mit zu den teuersten neurologischen Erkrankungen. Somit muss das Ziel der Therapie sein, so rasch als möglich eine effektive Behebung der Migräneattacken zu erzielen, damit Erkrankungstage zu minimieren und letztendlich in Folge eine Behinderung zu reduzieren.

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