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B978-3-437-42502-8.00084-X

10.1016/B978-3-437-42502-8.00084-X

978-3-437-42502-8

Muskelschmerzen

Th. Berger

Definition

MuskelschmerzMuskelschmerzenMyalgien (Myalgie) ist eine in einem/mehreren Muskel(n) lokalisierte schmerzhafte Sensation. Myalgien sind oft ein unspezifisches Symptom im Rahmen einer Vielzahl neurologischer und anderer Erkrankungen.

Anamnese

Die Patienten beschreiben die Schmerzen am besten in eigenen Worten (Schmerzcharakter). Gezielt gefragt wird nach Lokalisation (anatomisch), Verteilung (fokal – generalisiert), Ausstrahlung, Ausmaß (Schmerzintensität und Häufigkeit), Dauer und Auftreten (intermittierend oder permanent; in Ruhe oder nach Provokation wie Hitze/Kälte, Schlafmangel, Infekte) der Muskelschmerzen. Assoziierte lokale oder andere Symptome sind zu evaluieren. Schließlich folgen Fragen nach anderen Erkrankungen/Traumen und Medikamenten/Drogen sowie der Familienanamnese.

Differenzialdiagnosen

Ursachen für MuskelschmerzenDermatomyositisSarkoidosealkoholische MyopathieMyopathiealkoholischeMotorikstörungenzentralezentrale MotorikstörungenPolyneuropathieClaudicatiointermittensinterstitielle MyositisMyositisinterstitiellerheumatoide ArthritisArthritisrheumatoideKollagenosenFibromyalgieIsaacs-SyndromStiff-Person-Syndrommedikamenteninduzierte(r)Muskelschmerzenpsychogene MuskelschmerzenPolymyalgia rheumaticaMuskelkrämpfeParasitosen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Hinweise und Untersuchungen
fokale Myalgie mit Lokalreaktion
mechanisch +++ Anamnese: körperliche Überanstrengung, Trauma, i. m. Injektionen, Labor: eventuell CK-Erhöhung, ggf. Sonographie/MRT Muskel
autoimmun: Dermatomyositis, Sarkoidose ++ Muskelschwäche
infektiös: Parasiten + Anamnese: z. B. Tierkontakte, Reisen; Labor: erhöhte Muskelenzyme, Serologie; ggf. Sonographie/MRT Muskel
toxisch: alkoholische Myopathie ++ Anamnese; Zeichen der Polyneuropathie; Labor, EMG und NLG
fokale Myalgie ohne Lokalreaktion
zentrale Störung der Motorik ++++ Muskelkrampf
Polyneuropathien ++++ Anamnese: z. B. Diabetes mellitus, Toxine, Medikamente, Systemerkrankungen (z. B. Vaskulitis); Labor, Liquordiagnostik bei Immunneuropathien, NLG und EMG, Bildgebung: Nervensonographie, MRT, Röntgen, Nerven-/Muskelbiopsie (V. a. Vaskulitis, Amyloidose, Paraneoplasie), Molekulargenetik bei hereditären Neuropathien
projiziert ++++ Untersuchung: fokale Myalgie, radikuläre Symptomatik („Schmerzstraße“) bei z. B. Diskusprolaps; Head'sche Zonen bei Schmerzprojektion innerer Organe; spinale CT/MRT bei radikulärer Symptomatik
ischämisch +++ Anamnese: Claudicatio intermittens bei PAVK; Claudicatio spinalis bei Vertebrostenose; EMG/NLG, EP und spinale CT/MRT bei Vertebrostenose
generalisierte Myalgien ohne objektivierbare Muskelschwäche
Fieber/Infektion ++++ Anamnese, Labor: Entzündungsparameter
interstitielle Myositis (z. B. rheumatoide Arthritis, Kollagenosen) ++ Labor: u. a. ANA, interdisziplinäre Untersuchung (internistisch, dermatologisch)
Polymyalgia rheumatica ++ Untersuchung, bis zu 50 % Arteriitis temporalis; Labor: BSG, CRP; EMG: unauffällig; bei Arteriitis temporalis: Neurosonographie, visuell EP, augenärztliche Untersuchung und Biopsie A. temporalis
Fibromyalgie ++ Anamnese, Untersuchung; Labor und EMG unauffällig
Isaacs-Syndrom, SPS + Muskelkrampf
medikamentös-toxisch (z. B. antiretrovirale Substanzen, Betablocker) ++ Anamnese, EMG und NLG
psychogen ++ Anamnese, Ausschlussdiagnose

Untersuchungen

Die neurologische Untersuchung erfasst Verteilung und Ausprägung der Muskelschmerzen sowie zusätzliche Symptome (Muskelschwäche)MuskelschwächeMuskelkrämpfe unter Berücksichtigung der angeführten Differenzialdiagnosen. Die Palpation zeigt eine Druckempfindlichkeit bei z. B. entzündlichen Myopathien oder Fibromyalgie.
Zu den weiterführenden Untersuchungen gehören:
  • Labor und Elektrophysiologie (Muskelkrampf)

  • Immunologie: Autoantikörper bei Isaacs- und Stiff-Person-Syndrom (SPS; Muskelkrampf); myositisspezifische Antikörper; antinukleäre Antikörper (ANA); Vaskulitisparameter (z. B. ANCA)

  • Serologie auf Bakterien, Viren, Parasiten

  • Liquordiagnostik bei Immunneuropathien, SPS

  • visuell/somatosensorisch/motorisch evozierte Potenziale (EP)

  • Bildgebung: Muskelsonographie, Sonographie, CT, MRT

  • Molekulargenetik

  • Muskelbiopsie (cave: nicht in einem atrophen Muskel!) .

Ökonomische Aspekte

Die Durchführung von breit gestreuten Labor- und apparativen Untersuchungen zur Differenzialdiagnose ist nicht sinnvoll. Das gilt vor allem bei molekulargenetischen Untersuchungen zu hereditären Polyneuropathien. Der klinische Verdacht auf eine spezifische Erkrankung muss vorliegen und bestimmt dann die weitere diagnostische Vorgehensweise.

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