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B978-3-437-42502-8.00201-1

10.1016/B978-3-437-42502-8.00201-1

978-3-437-42502-8

Myelodysplastisches Syndrom (MDS)

B. Gleissner

Zur Orientierung

Das myelodysplastische Syndrom (MDS)myelodysplastisches Syndrom (MDS) ist eine heterogene Gruppe von Erkrankungen mit Mono- odeBi-PanzytopenieMono-Panzytopenier Bi-Panzytopenie (Hb < 10,0 g/dl und/oder Neutrophile < 1,8 × 109/l und/oder Thrombozyten < 100 × 109/l), die durch Schädigung pluripotenter Stammzellen entstehen.

Diagnose und Stadieneinteilung durch :

  • klinische Beschwerden: Leukopenie (Fieber/Infekte), Anämie (Abgeschlagenheit/Luftnot), Thrombopenie (Blutungen/Petechien)

  • Differenzialblutbild: dysplastische Zellen, teils Ferritin ↑, Erythropoetin ↓

  • Knochenmarkzytologie: in ≥ 1 Zellreihen > 10 % dysplastische Zellen (Pelger-Hüet-NeutrophilePelger-Hüet-Neutrophile, Mikro-Megakaryozyten, anomale Erythropoese, < 20 % Blasten)

  • Knochenmarkhistologie: normale/vermehrte Zellularität, abnormal lokalisierte myeloische Vorstufen (CD34+), dysplastische Megakaryozyten, Markfibrose

  • Zytogenetik der Knochenmarkzellen: klonale chromosomale Anomalie, Ausschluss t(15;17), t(8;21), inv(16) (AML).

Formen und Verlauf

Die WHO-Klassifikation 2016 teilt das MDS in Abhängigkeit von der Zahl der dysplastischen Zellreihen, der Anwesenheit von Blasten und Ringsideroblasten ein.

Klassifikation des MDSmyelodysplastisches Syndrom (MDS)mit Dysplasiein einer Zellreihe (MDS-SLD)myelodysplastisches Syndrom (MDS)mit multilinearer Dysplasie (MDS-MLD)myelodysplastisches Syndrom (MDS)mit Dysplasieeiner Zellreihe und Ringsideroblasten (MDS-RSSLD)myelodysplastisches Syndrom (MDS)mit multilinearer Dysplasie (MDS-MLD)und Ringsideroblasten (MDS-RSMLD)myelodysplastisches Syndrom (MDS)mit Exzess von Blasten 1 bzw. 2 (MDS-EB1 bzw. MDS-EB2)myelodysplastisches Syndrom (MDS)unklassifiziertes (MDS-U)myelodysplastisches Syndrom (MDS)mit Deletion 5q (5q-Syndrom)5q-Syndrom;q-Syndrom

peripheres Blut (pB) Knochenmark (KM)
MDS mit Dysplasie in einer Zellreihe (MDS-SLD)
  • Mono-Zytopenie > 6 Monate

  • Dysplasie in ≥ 10 % Zellen in 1 Zellreihe

  • < 5 % Blasten

  • < 15 % Ringsideroblasten

MDS mit multilinearer Dysplasie (MDS-MLD)
  • Bi/Pan-Zytopenien > 6 Monate

  • s. MDS-SLD, aber

  • Dysplasie in ≥ 10 % Zellen in ≥ 2 Zellreihen

MDS mit Dysplasie einer Zellreihe und Ringsideroblasten (MDS-RSSLD)
  • s. MDS-SLD

  • MDS-SLD und SF3B1-Mutation

  • MDS-SLD aber ≥ 15 % Ringsideroblasten

MDS mit multilinearer Dysplasie und Ringsideroblasten (MDS-RSMLD)
  • s. MDS-MLD

  • MDS-MLD und SF3B1-Mutation

  • MDS-RSMLD aber ≥ 15 % Ringsideroblasten

MDS mit Exzess von Blasten 1 (MDS-EB1)
  • MDS-SLD/MDS-MLD

  • < 5 % Blasten

  • MDL-SLD/MDS-MLD

  • 5–9 % Blasten

MDS mit Exzess von Blasten 2 (MDS-EB2)
  • MDS-SLD/MDS_MLD

  • 5–19 % Blasten

  • Auerstäbchen ±

  • MDS-SLD/MDS-MLD

  • 10–19 % Blasten

  • Auerstäbchen ±

MDS, unklassifiziert (MDS-U)
  • MDS-SLD

  • < 1 % Blasten ≥ 6 Monate

  • MDS-SLD

MDS mit Deletion 5q (5q-Syndrom)
  • Anämie

  • < 5 % Blasten

  • Thrombozyten normal/erhöht

  • normale/vermehrte Megakaryozyten mit hypolobulierten Kernen

  • < 5 % Blasten, keine Auerstäbchen

  • isolierte Deletion 5q

Erkrankungen mit Eigenschaften sowohl des MDS als auch myeloproliferativer Erkrankungen (MPS) werden als MDS-MPN zusammengefasst. Die chronisch myelo-monozytäre LeukämieLeukämiechronischemyelomonozytäre (CMML) (CMML, > 1 × 109/l Monozyten im Blut, Blasten < 5–19 % im pB und KM) und das MDS/MPN unklassifiziert werden zum großen Teil entsprechend dem MDS behandelt.
Der Verlauf des MDS lässt sich z. B. mit dem IPSS-R-Score abschätzen. Dieser bewertet Knochenmarkblasten, Hämoglobinwert, Thrombozytenzahl, Neutrophilenzahl und Zytogenetik. Anhand der erreichten Punktzahl werden 5 Risikogruppen hinsichtlich des mittleren Überlebens (OS) unterschieden.

Therapie

Die Therapie erfolgt in Abhängigkeit vom Allgemeinzustand und dem Risikoprofil der Erkrankung. Für therapeutische Entscheidungen werden i. d. R. niedriges und intermediäres Risiko (Niedrigrisiko-MDS) bzw. intermediäres Risiko und hohes Risiko (Hochrisiko-MDS) zusammengefasst. Beim intermediären Risiko des IPSS-R bestimmen das Alter der Patienten, der Allgemeinzustand sowie LDH und Ferritinwert im Serum die Zuordnung.

Niedrigrisiko-MDS

Viele Patienten erhalten supportive Therapie. Hierzu zählen Transfusionen von Erythrozyten/ThrombozyNiedrigrisiko-MDSten bei Anämie oder Blutung . Wiederholte Erythrozytentransfusionen (ab 25 Stück) führen zu Eisenüberladung, sodass Eisenchelatoren (Desferasirox, Desferoxamin) eingesetzt werden sollten.
Weiterhin sind die empirische Behandlung von Infektionen (bakteriell, viral, Pilze) und prophylaktische Maßnahmen (z. B. Impfung gegen Grippeviren) empfehlenswert.
Die Therapie mit hämatopoetischen Wachstumsfaktoren zeigt bei 40–60 % der Patienten Erfolg. Bei einem Serum-Epoietin-Spiegel < 500 mU/ml sollten rekombinantes humanes Epoietin oder Darepoietin ± Granulozyten-stimulierender-Faktor (G-CSF) gegeben werden. Thrombopoietin-Rezeptor-Stimulatoren (Eltrombopaq, Romiplostim) können bei Thrombopenie eingesetzt werden. Zu beachten ist, dass hämatopoietische Wachstumsfaktoren keine Zulassung für die Behandlung des MDS besitzen.
Bei transfusionsbedürftigem 5q-Syndrom ist das Thalidomid-Analogon Lenalidomid indiziert . Patienten mit Anämie ohne del(5q) sprechen in ca. 30 % auf Lenalidomid an.
Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Immunsuppression mit Anti-Thymozytenglobulin oder Cyclosporin. Diese Behandlung wird vor allem bei jüngeren Patienten (< 60 Jahre) eingesetzt, wenn Wachstumsfaktoren nicht oder nicht mehr wirksam sind. Das Ansprechen der Immunsuppression ist höher bei Vorhandensein eines PNH-Klons, HLA-DR 15, Knochenmarkhypoplasie und/oder einem normalen Karyotyp.
Niedrigrisiko-Patienten können wie Hochrisiko-Patienten behandelt werden.

Hochrisiko-MDS

Hochrisiko-PatientenHochrisiko-MDS mit gutem Allgemeinzustand können mit einer AML-typischen Chemotherapie oder 5-AZA-2-Deoxycytidine behandelt werden (64 % Response) .
Eine allogene Stammzelltransplantation (SCT) ist für Patienten in gutem Allgemeinzustand und einem Alter < 70 Jahre die einzige kurative Therapie . Das 3-Jahres-DFS beträgt bei Geschwisterspendern etwa 35–40 %.
Alle Therapieempfehlungen haben den Evidenzgrad IIa.

Komplikationen

  • Eisenüberladung bei wiederholten Transfusionen Eisenüberladung

  • Blutungen (Thrombozytentransfusion, antifibrinolytische Reagenzien)Blutungen

  • Infektionen (antibiotische Prophylaxe bei Leukozytenzahlen < 1 000/µl)

  • Transformation in eine sekundäre akute LeukämieLeukämieakuteschwere

Ökonomische Aspekte

Die Behandlung der Patienten mit MDS ist kostenintensiv durch wiederholte Transfusion von Blutprodukten sowie den Einsatz teurer Medikamente und der allogenen SCT. Bis auf die SCT ist die Behandlung des MDS palliativ.

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