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B978-3-437-42502-8.00088-7

10.1016/B978-3-437-42502-8.00088-7

978-3-437-42502-8

Nykturie

M. Nebel

Definition

Die Prävalenz der Nykturie Nykturienimmt mit steigendem Lebensalter zu. Sie liegt dann vor, wenn nachts aus dem Schlaf heraus ein Drang zum Urinlassen besteht und hierbei zwei oder mehr Harnblasenentleerungen erfolgen. Zu differenzieren sind eine Inkontinenz und eine Enuresis nocturna. Enuresis nocturnaHarninkontinenzDie Häufigkeit nimmt mit steigendem Lebensalter zu und tritt gehäuft nach dem 60. Lebensjahr auf.

Anamnese

Nykturie kann durch die Störung des Schlafs zur deutlichen Befindensstörung bis hin zur Depression führen, Patienten stürzen nachts vermehrt oder können am nächsten Tag wegen Müdigkeit nicht zur Arbeit gehen. Bei älteren Männern ist die Nykturie Hinweis auf eine mögliche Prostatavergrößerung. Nykturie kann auch erstes Anzeichen für einen Diabetes mellitus bzw. das Auftreten einer Herz- oder Niereninsuffizienz sein. Zu erfragen ist zudem die Medikamenten- und Trinkanamnese. Ein weiteres Augenmerk liegt auf möglichen Schlafstörungen .Schlafstörungen

Untersuchungen

Die körperliche Untersuchung umfasst u. a. Blutdruckmessungen und einen neurologischen Status .
Die Diagnose einer Herzinsuffizienz erfolgt durch EKG und Echokardiographie, evtl. Röntgen-Thorax. Die Diagnostik einer Nierenerkrankung umfasst die Analyse von Elektrolyten und Protein im Urin, Urinzytologie, ggf. Nierenpunktion. Zusätzlich sollte eine Urinkultur angelegt sowie zur weiteren Diagnostik von Diabetes mellitus Diabetes mellitusDiabetes insipidusund insipidus HbA1c und ADH gemessen werden. Der Ausschluss eines malignen Prozesses im kleinen Becken erfordert ein urologisches Konsil und die PSA-Messung bzw. eine gynäkologische Untersuchung. Zum Nachweis eines Schlafapnoe-Syndroms Schlafapnoe(-Syndrom)ist eine Vorstellung im Schlaflabor erforderlich. Der periphere venöse Status kann durch die Sonographie der Beinvenen geklärt werden, eine Konsiliaruntersuchung zum Ausschluss neurologischer Ursachen rundet die Differenzialdiagnostik ab .
Pathophysiologisch liegen der Nykturie ein niedriges Harnblasenvolumen Harnblasenvolumen, niedriges(HBV) , eine Erhöhung der nächtlichen Urinmenge odeSchlafstörungenr Schlafstörungen , oft eine Kombination mehrerer Faktoren zugrunde. Bei Schlafstörungen wie Schlafapnoe- oder Restless-Legs-Syndrom kommt es sekundär zur Nykturie. Eine erhöhte nächtliche Urinmenge liegt vor, wenn das Tagesurinvolumen insgesamt auf über 3 l (Polyurie) ansteigt oder bei normaler Gesamturinmenge nachts mehr als 35 % der Tagesmenge ausgeschieden wird (nächtliche Polyurie).
Ursachen einer Polyurie PolyuriePolyurienächtlichesind ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus, eine akute oder chronische Niereninsuffizienz, renale tubuläre Störungen, Diabetes insipidus oder eine primäre Polydipsie . Eine nächtliche Polyurie kann bei älteren Patienten durch eine gestörte Tag-Nacht-Rhythmik der Arginin-Vasopressin-Sekretion ausgelöst sein, hier klärt eine Medikamenten- und Trinkanamnese auslösende Ursachen in Form von Zufuhr hoher Flüssigkeitsmengen, Koffein, Alkohol oder Diuretika vor dem Schlafengehen. Weitere Ursachen können eine Herzinsuffizienz, eine chronisch-venöse Insuffizienz, nephrotisches Syndrom sowie autonome Dysfunktion sein.
Ein vermehrter nächtlicher Harndrang durch reduziertes HBV ist bei Männern meist durch (benigne oder maligne) Prostatavergrößerung bedingt. Mittels Sonographie der Organe des kleinen Beckens und einer rektalen bzw. gynäkologischen Untersuchung können organische (Prostata- oder Uterusvergrößerung, Harnstauung)Harnstauung oder funktionelle Störungen nachgewiesen werden. Bei Letzteren erfolgt eine sonographische Bestimmung der Restharnmenge (> 200 ml) und die Messung der Urinflussrate (normal > 15 ml/s). Dysurie und Pollakisurie sowie pathologisches Urinsediment weisen auf einen Harnwegsinfekt hin.DysuriePollakisurieHarnwegsinfektionenDiabetes mellitusNiereninsuffizienz

Differenzialdiagnosen

Ursachen einer NykturieDiabetes insipidusDiabetes mellitusProstataadenomHerzinsuffizienz

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Prostataadenom +++ urologisches Konsil, Sonographie
Herzinsuffizienz +++ EKG, Echo, Röntgen-Thorax
Harnwegsinfekt +++ Urinsediment, Urinkultur
Diabetes mellitus +++ Blutzucker, HbA1c
Niereninsuffizienz ++ Retentionswerte, Sonographie
Diabetes insipidus ++ ADH
Schlafapnoe-Syndrom ++ Schlaflabor

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