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B978-3-437-42502-8.00090-5

10.1016/B978-3-437-42502-8.00090-5

978-3-437-42502-8

Obstipation

G. Lock

Definition

Laut der S2k-LeitlinieObstipation der DGVS liegt eine chronische Obstipation dann vor, wenn unbefriedigende Stuhlentleerungen berichtet werden, die seit mindestens 3 Monaten bestehen und mindestens 2 der folgenden Leitsymptome aufweisen:

  • starkes Pressen,

  • klumpiger oder harter Stuhl,

  • subjektiv unvollständige Entleerung,

  • subjektive Obstruktion oder manuelle Manöver zur Erleichterung der Defäkation, jeweils bei ≥ 25 % der Stuhlentleerungen, oder

  • ≤ 3 Stühle pro Woche.

In Deutschland leiden 5–15 % der Bevölkerung an Obstipation. Die Prävalenz nimmt mit dem Alter zu, Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Der chronischen Obstipation chronische Obstipationsekundäre Obstipationliegen meist zwei unterschiedliche Störungsmechanismen der kolorektalen Motilität zugrunde: zum einen die sogenannteslow transit constipation „slow transit constipation“ als Manifestation seltenerer oder ineffektiver propulsiver Kolonbewegungen, zum anderen die Beckenbodendysfunktion BeckenbodendysfunktionObstipationals Ursache einer Auslassobstruktion. Kombinationen aus beiden Formen sind häufig.

Sekundäre Obstipationen entstehen dagegen aufgrund anderer Leiden, z. B. struktureller Erkrankungen des Kolorektums (Tumoren, Strikturen, Analfissuren), metabolischer (HypothyreoseHypothyreose, Diabetes mellitusDiabetes mellitus) und neurologischer (Morbus ParkinsonParkinson-SyndromMorbusParkinson, Encephalomyelitis disseminataEncephalomyelitis disseminata) Erkrankungen oder durch motilitätsbeeinflussende Medikamente (Anticholinergika, Diuretika, trizyklische Antidepressiva, Opiate).

Anamnese

Zunächst sollte festgestellt werden, ob überhaupt eine Obstipation vorliegt und welches Problem für den Patienten im Vordergrund steht . Das Stuhlverhalten sollte möglichst genau erfasst werden, ggf. unter Zuhilfenahme von Stuhltagebüchern oder der „Bristol stool scale“. Eine neu aufgetretene Obstipation (Kolonkarzinom?) hat für die weitere Abklärung selbstverständlich einen ganz anderen Stellenwert als eine seit Langem bestehende Verstopfung mit Neigung zu Meteorismus und durch die Stuhlentleerung sich bessernde Bauchschmerzen (Reizdarmsyndrom?). Erschwerte Entleerungen auch von weichem Stuhl oder Notwendigkeit eines Drucks auf das Perineum oder gar einer digitalen Evakuation sprechen für eine Beckenbodendysfunktion.

Untersuchungen

Bei der körperlichen Untersuchung sollte primär auf das Vorliegen zugrunde liegender Systemerkrankungen geachtet werden . Die anale Inspektion kann Hinweise auf eine Analfissur geben. Bei Beobachtung einer simulierten Defäkation in Linksseitenlage tritt physiologischerweise das Perineum beim Pressen tiefer und beim Kneifversuch höher. Die digitale Palpation gibt orientierende Hinweise auf Sphinktertonus, Kneifdruck und Expulsionsfähigkeit („Drücken Sie bitte meinen Finger heraus.“) .
Weiterführende technische Untersuchungen umfassen die KoloskopieKoloskopie (zwingend bei auch nur geringem Verdacht auf ein Kolonkarzinom, bei über 50-Jährigen auch aus Vorsorgegründen indiziert), die röntgenologische Bestimmung der Kolontransitzeit mit röntgendichten Markern („Hinton-Test“) und als FunktionsuntersKolontransitzeituchungen den Ballonexpulsionstest , die anorektale Manometrie und die Barium-Defäkographie sowie in spezialisierten Zentren die Kernspindefäkographie und bei besonders dramatischen Fällen die Kolonmanometrie. Bei entsprechenden anamnestischen Hinweisen können auch einfache Laboruntersuchungen (Hypothyreose? Diabetes?) diagnoseweisend sein . Eine Stuhluntersuchung auf Bakterien und Pilze ist nicht zielführend und sollte unterlassen werden.

Differenzialdiagnosen

Ursachen der Obstipationkolorektale MotilitätsstörungenMotilitätsstörungenkolorektaleReizdarmsyndromKolonkarzinommedikamenteninduzierte(r)ObstipationAnalfissurenKolonstrikturenMorbusHirschsprungHirschsprung-Krankheit

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
kolorektale Motilitätsstörung vom Typ des langsamen Transits +++ Hinton-Test , normal < 68–72 h
Reizdarmsyndrom vom Obstipationstyp +++ Anamnese
Kolonkarzinom ++ Koloskopie
Medikamente ++ gezielte Anamnese
Beckenbodendysfunktion ++ Inspektion/Palpation , anorektale Manometrie , Defäkographie , Ballonexpulsion , Hinton-Test
endokrine und Stoffwechselerkrankungen + TSH, Blutzucker, Kalzium
neurologische Erkrankungen + Anamnese, neurologische Untersuchung
Analfissuren + rektale Inspektion
Kolonstrikturen selten anamnestische Hinweise (Operation, Ischämie) , Koloskopie
Morbus Hirschsprung sehr selten anorektale Manometrie (fehlender rektoanalinhibitorischer Reflex) , tiefe Biopsie

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