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B978-3-437-42502-8.00211-4

10.1016/B978-3-437-42502-8.00211-4

978-3-437-42502-8

Osteoporose

C. Bollheimer

Ch. Girlich

Zur Orientierung

OsteoporoseOsteoporose bezeichnet eine Erkrankung des gesamten Skeletts mit Abnahme der Knochenmasse und Verschlechterung der Mikroarchitektur. Je nach Ätiologie unterscheidet man primäre, sekundäre und idiopathische Osteoporosen (Knochenschwund).Knochenschwund Osteoporose führt zu einem drastisch erhöhten Risiko für Knochenfrakturen (sog. manifeste Osteoporose), die es zu vermeiden gilt. Zur Diagnostik Knochenschwund.

Behandlungsbedürftigkeit

Neben der sekundärprophylaktischen Indikation von Antiosteoporotika nach einem bereits eingetretenen niedrigtraumatischen, osteoporotischen Frakturereignis wird die Behandlungsbedürftigkeit der primären Osteoporose heutzutage auch primärprophylaktisch am statistischen Wert des sog. 10-Jahres-Frakturrisikos (10-JFR) festgemacht. Ein Risiko von mehr als 30 %, innerhalb von 10 Jahren eine Wirbelkörperfraktur und/oder eine hüftgelenksnahe Oberschenkelfraktur zu erleiden, gilt dabei als bedenklich. In die Kalkulation des 10-JFR gehen dabei primär der T-Score-Wert (Knochendichte), das Geschlecht und das Lebensalter ein. Darüber hinaus werden zusätzliche osteoporogene Risikofaktoren berücksichtigt, wie
  • A.

    die kontinuierliche Einnahme von

    • 1.

      Kortikosteroiden (> 2,5 mg/d Prednisolonäquivalent) oder

    • 2.

      Protonenpumpenhemmern sowie

  • B.

    das Vorliegen einer

    • 3.

      (subklinischen) Hyperthyreose,

    • 4.

      fortgeschrittenen Herzinsuffizienz,

    • 5.

      chronischen Bronchitis (nebst Raucheranamnese),

    • 6.

      rheumatoiden Arthritis oder

    • 7.

      eines Typ-1-Diabetes mellitus und schließlich

  • C.

    eine spezifische Anamnese für

    • 8.

      vorherige Frakturereignisse,

    • 9.

      generelle Sturzanfälligkeit und

    • 10.

      Immobilität.

Die für die Indikationsstellung notwendige Kalkulation des 10-JFR wird damit derart komplex, dass auch die Verwendung entsprechender Matrizen, wie z. B. die der aktuellen Leitlinie des Dachverbands Osteologie (DVO), angeraten ist.
Bei den selteneren sekundären und idiopathischen Osteoporoseformen gibt es eine solche Risikostratifizierung bislang nicht.

Therapie

Ziel bei der Behandlung einer Osteoporose ist die Prophylaxe von Frakturen. Abgesehen von der Behandlung der Grunderkrankung bei sekundären Osteoporoseformen und möglichen Lebensstilmodifikationen (Aufgabe von Nikotin- und Alkoholkonsum, Vermeidung von Untergewicht, körperliche Aktivität zur Förderung von Muskelkraft und Koordination) wird für alle Osteoporoseformen die Basistherapie mit einer täglichen Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr empfohlen .
Bei der primären Osteoporose ist ab einem 10-JFR > 30 % eine zusätzliche Therapie mit spezifischen Antiosteoporotika angezeigt. Für Frauen mit primärer Osteoporose stehen neben den Bisphosphonaten noch andere Substanzklassen zur Verfügung , für Männer mit primärer Osteoporose sind in Deutschland die Bisphosphonate Alendronat, Risedronat und Zoledronat sowie Teriparatid, Strontiumranelat und – nur in ganz enger Indikation – auch Denosumab zugelassen (Stand 2015).
Der Einsatz spezifischer Antiosteoporotika bei der sekundären oder idiopathischen Osteoporose ist in Deutschland nicht zugelassen und in aller Regel nur als Heilversuch vertretbar . Ausnahme ist der zugelassene Einsatz spezieller Bisphosphonate und Teriparatid zur Vermeidung einer manifesten Osteoporose unter Kortikosteroidtherapie . Sie können verordnet werden, wenn eine mindestens 3-monatige Steroidtherapie mit mehr als 7,5 mg Prednisolonäquivalent notwendig ist und ein T-Score-Wert < –1,5 SD vorliegt .

Komplikationen

Die wichtigsten Komplikationen sind proximale FemurfrakturenFemurfrakturen, proximaleOsteoporose (Synonym: Hüftfrakturen, hüftnahe Femurfrakturen, Schenkelhals- und Schenkelhals-nahe Frakturen) und Wirbelkörperfrakturen.
Es muss davon ausgegangen werden, dass ab einem Alter von 65 Jahren jede(r) Dritte und ab einem Alter von 85 Jahren jede(r) Zweite mindestens einmal jährlich stürzt, wobei aus jedem zwanzigsten bis hundertsten Sturzereignis eine proximale Femurfraktur resultiert Das Lebenszeitrisiko für eine proximale Femurfraktur Femurfrakturen, proximaleOsteoporoseWirbelkörperfraktur, Osteoporosebeträgt von daher bei den Über-50-Jährigen 15 % (Mann) und 30 % (Frau). mit einer unmittelbaren Mortalität von 20–30 %.
Bei einer akuten osteoporotisch bedingten Wirbelkörperfraktur (typische Lokalisation BWK6 bis LWK2) bestehen in der Regel stärkste Schmerzen. Symptomatisch im Vordergrund steht deshalb die (bisweilen langfristige) symptomatische Therapie mit stark-wirksamen Analgetika. Zur Vermeidung einer Fehlhaltung als Ursache chronischer Rückenbeschwerden sind vor allem physiotherapeutische sowie ggf. interventionelle Maßnahmen (Kypho-/Vertebroplastie) zu veranlassen.

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