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B978-3-437-42502-8.00222-9

10.1016/B978-3-437-42502-8.00222-9

978-3-437-42502-8

Prolaktinom

K. Parhofer

Zur Orientierung

Das ProlaktinomProlaktinom ist ein Prolaktin produzierendes Hypophysenadenom Hypophysenadenomund mit 40–45 % der häufigste Hypophysentumor. Die vermehrte Prolaktinfreisetzung (Hyperprolaktinämie) führtHyperprolaktinämie bei beiden Geschlechtern zu einem hypogonadotropen Hypogonadismusidiopathischer hypogonadotroper Hypogonadismus (IHH)IHH (idiopathischer hypogonadotroper Hypogonadismus). hypogonadotroper Hypogonadismus idiopathischer (IHH)HypogonadismushypogonadotroperWährend sich bei der Frau Oligo-/AmenorrhöAmenorrhö, Infertilität und GalaktorrhöGalaktorrhö entwickeln, führt die Hyperprolaktinämie beim Mann zu Libidoverlust, Impotenz und Infertilität. Durch den Druck auf den Sehnerv können bei größeren Adenomen Gesichtsfeldausfälle auftreten.

Die Diagnose wird durch die Bestimmung des Prolaktinspiegels im Blut (DD Hyperprolaktinämie Tabelle) und durch bildgebende Verfahren (MRT) gesichert.

DD HyperprolaktinämieAkromegalieHypothyreoseLeberzirrhoseNiereninsuffizienzMakroprolaktinämie

  • physiologisch (Schwangerschaft, Stillzeit, Stress, Stimulation Brustwarzen)

  • hypophysär (Akromegalie, Läsionen des Hypophysenstiels)

  • hypothalamisch (Tumoren)

  • systemische Erkrankungen (Hypothyreose, Leberzirrhose, Niereninsuffizienz)

  • Medikamente (Neuroleptika, Antidepressiva, Metoclopramid, Methyldopa, Reserpin, Verapamil, Opiate etc.)

  • Labor (Stresshormon, Makroprolaktinämie)

Formen

Je nach Tumorgröße (MRT) und Höhe des Prolaktinspiegels unterscheidet man:
  • Mikroprolaktinome:MikroprolaktinomMakroprolaktinom Größe < 1 cm, Prolaktinspiegel 20–200 ng/ml

  • Makroprolaktinomen: Größe > 1 cm, Prolaktinspiegel > 200 ng/ml .

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Größe des Tumors und dem Kinderwunsch der Patientin.
  • Therapie des Mikroprolaktinoms: Bei Galaktorrhö oder Kinderwunsch wird eine Therapie mit Dopaminagonisten durchgeführt ; zur alleinigen Therapie des Hypogonadismus erfolgt meist die Substitution mit Sexualhormonen . Alternativ können auch in dieser Situation Dopaminagonisten eingesetzt werden. Mit Cabergolin kann in etwa 90 %, mit Bromocriptin in etwa 60 % der Fälle eine Normalisierung des Serumprolaktins erreicht werden.

  • Therapie des Makroprolaktinoms: Therapie der Wahl ist die medikamentöse Therapie mit Dopaminagonisten . Häufig (80 %) findet sich darunter eine Tumorregression und Normalisierung des Gesichtsfeldes.

Bei der medikamentösen Therapie nutzt man die hemmende Wirkung von Dopaminagonisten auf die Prolaktinsynthese und -sekretion aus. Cabergolin und Quinagolid weisen gegenüber Bromocriptin eine bessere Effektivität und Verträglichkeit auf. Bei Nichtansprechen oder Unverträglichkeit von Bromocriptin sollte deshalb eine Umstellung auf Cabergolin oder Quinagolid erfolgen. Häufige Nebenwirkungen aller Dopaminagonisten sind Übelkeit, Erbrechen und orthostatische Hypotension. Zur Reduktion dieser Nebenwirkungen wird einschleichend dosiert. Die Therapie sollte sowohl bei Mikro- als auch Makroadenomen dauerhaft (mind. 2 Jahre) durchgeführt werden. Unter engmaschiger klinischer und biochemischer Kontrolle kann die Therapie reduziert und ggf. beendet werden (ausschleichen), wenn nach mindestens 2-jähriger Therapie die Prolaktinspiegel im Normbereich liegen und kein Resttumor nachweisbar ist. Nach Absetzen kommt es häufig zu erneutem Prolaktinanstieg und Tumorwachstum.
Eine Operation (transsphenoidale Resektion) ist indiziert, wenn trotz Dopaminagonisten ein Makroprolaktinom nicht kleiner wird und nach mehrmonatiger Therapie keine befriedigende Prolaktinsenkung erreichbar ist . Eine Strahlentherapie kann bei großen Prolaktinomen mit Dopaminagonistenresistenz und bei Kontraindikation zur Operation eingesetzt werden.
Für Patienten mit einem sehr seltenen malignen Prolaktinom wird eine Therapie mit Temozolomid empfohlen.

Komplikationen

Beim Makroprolaktinom kommt es in erster Linie durch den Druck auf Nachbarstrukturen zu Komplikationen (Chiasmasyndrom, Chiasmasyndromandere neurologische Symptomatik, Einschränkung der anderen Hypophysenachsen mit entsprechenden Mangelzuständen).
Tritt unter einer Dopaminagonistentherapie eine Schwangerschaft auf, sollte die Therapie beendet werden. Während einer Schwangerschaft ist bei 1–5 % der Mikroadenome eine Größenzunahme zu beobachten. Prolaktinbestimmungen sind allerdings in der Schwangerschaft nicht sinnvoll, als Monitoring können lediglich die Klinik und die Perimetrie dienen. Bei Makroprolaktinomen besteht in der Schwangerschaft ein hohes Risiko der Entwicklung von neurologischen Symptomen (15–35 %).neurologische Symptome Daher sollte bei Kinderwunsch eine Vorbehandlung zur Tumorverkleinerung mit Dopaminagonisten unter Kontrazeption erfolgen; ggf. kann Bromocriptin während der gesamten Schwangerschaft gegeben werden. In ausgewählten Fällen kann auch eine chirurgische Entfernung des Prolaktinoms vor der geplanten Konzeption erfolgen.

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