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B978-3-437-42502-8.00102-9

10.1016/B978-3-437-42502-8.00102-9

978-3-437-42502-8

Schluckstörung (Dysphagie)

E. Endlicher

F. Obermeier

Definition

DysphagieDysphagie istSchluckstörungen immer ein Alarmsymptom und erfordert eine umgehende Abklärung. Nach der Lokalisation kann eine oropharyngeale (Störung zu Beginn des Schluckaktes) von einer ösophagealen Dysphagie (Passagestörung für feste und flüssige Nahrung bei meist ungestörtem Schluckakt) unterschieden werden.

Einer oropharyngealen Dysphagie oropharyngeale Dysphagiekann eine Vielzahl von Ursachen zugrunde liegen: neuromuskuläre Erkrankungen (z. B. Hirninfarkt, M. Parkinson, Myasthenie), Tumoren, Infektionen (z. B. Soorösophagitis),Soorösophagitis Medikamentennebenwirkungen.

Die Ursachen einer ösophagealen Dysphagie ösophageale Dysphagiesind ebenso vielfältig: Zenkerdivertikel, eosinophile Ösophagitis, mechanisch (z. B. Ösophaguskarzinom, peptische Stenose bei Refluxerkrankung, Schatzki-Ring, Webs [intraösophageale Membranen]) oder motilitätsbedingt (z. B. AchalasieAchalasie, SklerodermieSklerodermie, diffuser ÖsophagusspasmusÖsophagusspasmus, diffuser, hyperkontraktiler Ösophagus).hyperkontraktiler ÖsophagusÖsophagus, hyperkontraktiler

Anamnese

Die Anamnese weist auf die Ursache der Dysphagie hin. Folgende Aspekte sind zur differenzialdiagnostischen Beurteilung wichtig: Zeitpunkt des Beginns, Verlaufsdynamik (konstant, zunehmend), Kontinuität (intermittierend, ständig), auslösende Faktoren/Art der Speisen (flüssig, fest), Begleitbeschwerden (z. B. Husten, Verschlucken [Aspiration], SodbrennenSodbrennen, Mundtrockenheit, RegurgitationRegurgitation, Erbrechen), Hinweise/Risikofaktoren für eine maligne Grunderkrankung (GewichtsverlustGewichtsverlust, Nachtschweiß, Nikotin, Alkohol), Vorerkrankungen (z. B. Refluxkrankheit, Diabetes mellitus, rheumatologische Erkrankungen, neurologische/psychiatrische Erkrankungen, atopische Erkrankungen, chirurgische Eingriffe) und Medikamentenanamnese (z. B. Anticholinergika, Metoclopramid, Nitrate, Kalziumantagonisten, Kaliumchlorid, Eisensulfat).
Bereits mittels Anamnese kann zwischen der Verdachtsdiagnose einer oropharyngealen oder einer ösophagealen Dysphagie unterschieden werden.

Untersuchungen

Bei V. a. eine oropharyngeale Dysphagie steht zu Beginn der Diagnostik neben einer genauen Inspektion der Mundhöhle (Tumor?, Infektion?) und ggf. einer HNO-ärztlichen Untersuchung eine Röntgenuntersuchung mit wasserlöslichem Kontrastmittel zur Beurteilung des Schluckaktes . Ergänzend kann eine neurologische Untersuchung (Hirnnerven, Koordinationsstörungen, Schwindel, Dysarthrie, Rigor, Reflexe) sinnvoll sein. Nach Diagnosesicherung kann soweit möglich eine kausale Therapie eingeleitet werden.
Bei fehlenden pathologischen Befunden muss differenzialdiagnostisch auch eine funktionelle (psychogene) Ursache in Erwägung gezogen werden (Ausschlussdiagnose!).
Bei V. a. eine ösophageale Dysphagie besteht die primäre Diagnostik in der Durchführung einer Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) mit Biopsie . Cave: bei V. a. Zenkerdivertikel sollte zunächst ein Röntgenbreischluck (Perforationsgefahr bei ÖGD!) durchgeführt werden . Eine Dysphagie von festen Speisen und weniger von flüssigen spricht dabei eher für eine anatomische Obstruktion, während Schluckprobleme v. a. von Flüssigkeiten auf eine Motilitätsstörung hinweisen. Ergibt die ÖGD einen unauffälligen oder keinen eindeutigen Befund, so ist eine weiterführende Diagnostik (Röntgenuntersuchung, ggf. Manometrie) sinnvoll. So lassen sich Motilitätsstörungen wie Achalasie, Ösophagusspasmus, hyperkontraktiler Ösophagus diagnostizieren. Weisen ÖGD oder auch die Röntgenuntersuchung auf eine Kompression von außen hin, sollten weitere bildgebende Verfahren (z. B. CT Hals/Thorax, Endosonographie) zur Beurteilung anderer möglicher Erkrankungen (z. B. Aortenaneurysma, mediastinale Tumoren) durchgeführt werden.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von DysphagieÖsophaguskarzinomÖsophagusmotilitätsstörungenMotilitätsstörungenösophagealeÖsophagitismedikamenteninduzierte(r)DysphagieÖsophagusdivertikelZenkerdivertikelneuromuskuläre Erkrankungen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Ösophaguskarzinom ++++ ÖGD u. Biopsie
Ösophagusmotilitätsstörungen +++ Röntgenkontrastuntersuchung, Manometrie, ÖGD
Ösophagitis mit/ohne Komplikationen +++ ÖGD und Biopsie
Medikamentennebenwirkungen ++ genaue Anamnese
Ösophagusdivertikel ++ ÖGD
Zenkerdivertikel ++ Röntgenkontrastuntersuchung
neuromuskuläre Erkrankungen ++ Röntgenkontrastuntersuchung, neurologische Untersuchung

Ökonomische Aspekte

Im Rahmen der Endoskopie sollte auch bei einem unauffällig erscheinenden Ösophagus an Biopsien zum Ausschluss eines eosinophilen Ösophagus gedacht werden.

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