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B978-3-437-42502-8.00104-2

10.1016/B978-3-437-42502-8.00104-2

978-3-437-42502-8

Schwindel

U. Wiegand

Definition

Der Begriff SchwindelSchwindelmedikamenteninduzierte(r)Schwindel ist nicht exakt definiert und umfasst vielfältige Symptome, die eine Störung des Bewusstseins, eine Störung der Orientierung des Körpers im Raum und die Wahrnehmung von Scheinbewegungen von Körper bzw. Raum umfassen können.

Anamnese

Die Anamnese stellt die Weichen, ob die Ursache des Schwindels primär im internistischen, HNO-ärztlichen, neurologischen oder psychiatrischen Fachgebiet zu suchen ist.
So werden gezielte Fragen nach der Art des Schwindels (systematisch = gerichtet oder unsystematisch, paroxysmal oder dauerhaft), dem Auslösemechanismus sowie der Dauer der Beschwerden gestellt. Begleitende auditive oder visuelle Phänomene sowie weitere neurologische oder vegetative Symptome werden erfasst. Weiterhin ist die Medikamentenanamnese zu erheben, da viele Medikamente bei Neueinstellung oder Dosissteigerung Schwindel verursachen können.

Untersuchungen

Eine internistische (besonders kardiovaskuläres System), neurologische und orientierende HNO-ärztliche Untersuchung sind zur Schwindelabklärung sinnvoll.
Die Planung weiterer Untersuchungen richtet sich streng nach Anamnese und körperlichem Untersuchungsbefund. Ein richtungweisender Befund ist das Vorhandensein eines Spontannystagmus , der auf eine vestibuläre Genese des Schwindels hinweist.

Schwindel mit Spontannystagmus

Klagt der Patient über schwere vegetative Begleitsymptome, SchwindelSpontannystagmusSpontannystagmusSchwindelso ist die Ursache des Schwindels im Bereich des N. vestibularis oder des Innenohrs zu suchen. Tinnitus oder Schwerhörigkeit weisen ebenfalls auf eine Störung im Bereich des Mittel- oder Innenohrs oder des N. acusticus hin. Bei diesen Befunden ist eine HNO-ärztliche/neurologische Abklärung notwendig.
Ist der Schwindel streng lageabhängig lageabhängiger Schwindel, kann von einem benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel ausgegangen werden.
Die Kombination mit Kopfschmerz oKopfschmerzender neurologischen Ausfällen neurologische Ausfälle weist auf eine zerebrale Genese hin, hier ist zügig eine kraniale CT oder MRT zu veranlassen.

Schwindel ohne Nystagmus

Geht der Schwindel Schwindelohne Nystagmusmit SehstörungenSehstörungen, StrabismusStrabismus oder KopfschmerzKopfschmerzen einher , so ist eine augenärztliche oder neurologische Genese des Schwindels wahrscheinlich. Ein orthostatischer Schwindel orthostatischer SchwindelSchwindelorthostatischer kann durch die typische Anamnese diagnostiziert und mittels Orthostaseversuch belegt werden.
Die häufigsten Ursachen von attackenartig auftretendem, ungerichtetem Schwindel sind kardiovaskulärer Genese. Eine hypertensive Krise kann als führendes Symptom attackenartig auftretender ungerichteter SchwindelSchwindel verursachen, häufig in Kombination mit Kopfschmerz. Bei Armbelastung auftretender Schwindel ist pathognomonisch für ein Subclavian-Steal-SyndromSubclavian-Steal-Syndrom. Zerebrovaskulärer Schwindelzerebrovaskulärer Schwindel ist häufig eine Verlegenheitsdiagnose.

Differenzialdiagnosen

Ursachen für Schwindelkardialer Schwindelvaskulärer SchwindelHypotonieHerzinsuffizienzorthostatischer Schwindelhypertensive Kriseperipher-vestibulärer Schwindelzerebrovaskuläre InsuffizienzLagerungsschwindelbenigner, paroxysmalerMorbusMenièreMenière-SyndromNeuritisvestibularisAkustikusneurinomzentral-vestibulärer SchwindelSchwindelzentral-vestibulärerSchwindelvaskulärerSchwindelkardialermultiple Skleroseokulärer Schwindelmedikamenteninduzierte(r)Schwindelpsychogener Schwindelalkoholbedingter SchwindelVestibularisläsionLabyrinthläsion

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
kardialer Schwindel:
  • rhythmogen

  • Vitien, Herzinsuffizienz

+++
  • Langzeit-, Belastungs-EKG

  • Echokardiographie

vaskulärer Schwindel:
  • orthostatischer Schwindel

  • Hypotonie

  • hypertensive Krise

  • zerebrovaskuläre Insuffizienz

+++
  • Anamnese, Orthostasetest (Schellong-Test)

  • Labor, endokrinologische (neurologische) Abklärung

  • ggf. cCT

  • Ausschlussdiagnose bei Patienten > 70 Jahre, extra- und intrakranieller Doppler, ggf. cMRT

peripher-vestibulärer Schwindel:
  • paroxysmaler Lagerungsschwindel

  • Morbus Menière

  • Neuritis vestibularis

  • Akustikusneurinom

  • akute Labyrinth-/Vestibularisläsion

++
  • Nystagmusanalyse, thermische Prüfung

  • Nystagmusanalyse, Audiogramm, ggf. ENG, cMRT

  • Infektanamnese, Nystagmusanalyse, AEP, Liquor

  • Nystagmusanalyse, Audiogramm, ENG, cMRT

  • Nystagmusanalyse, Audiogramm, ggf. ENG, cMRT

zentral-vestibulärer Schwindel:
  • Insult/Blutung/Tumor

  • multiple Sklerose

  • okulärer Schwindel

  • psychogener Schwindel

  • medikamentenbedingt

  • alkoholbedingt

+
  • neurologische Tests, cMRT

  • neurologische Tests, Liquoruntersuchung, cMRT

  • Sehtest, Strabismusprüfung

  • Anamnese (Auslösesituation), psychiatrische Prüfung

  • Anamnese, Ausschlussdiagnose

  • Anamnese

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