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B978-3-437-42502-8.00106-6

10.1016/B978-3-437-42502-8.00106-6

978-3-437-42502-8

Sensibilitätsstörungen

E. Stark

Definition

Als SensibilitätsstörungSensibilitätsstörungen wird der komplette oder unvollständige Ausfall einzelner oder aller sensiblen Qualitäten bezeichnet: Schmerz (Hyp-/Analgesie), Temperatur (Thermhypästhesie),Thermhypästhesie Vibration (Pallhypästhesie)Pallhypästhesie und gestörtes Lageempfinden. Als dissoziierte Sensibilitätsstörungen dissoziierte Sensibilitätsstörungenbezeichnet man den Ausfall von Schmerz- und Temperaturempfinden bei Erhalt von Berührungs-, Lage- und Vibrationsempfinden. Vibrations- und Lageempfinden werden als Tiefensensibilität zTiefensensibilitätusammengefasst.

Anamnese

Bei der Anamnese gilt es vor allem, die Geschwindigkeit der Entwicklung zu erfassen. Anamnestisch ist die Lokalisation oft nur schwer zu bestimmen. Der Patient beschreibt z. B. ein Fremdartigkeits- oder Schwellungsgefühl. Häufig treten zusätzlich Parästhesien auf. Bei Sensibilitätsstörungen im Versorgungsgebiet einzelner peripherer Nerven ist eine gezielte Anamnese zur Erfassung von Ursachen einer Druckläsion besonders wichtig.

Untersuchungen

Bei der vollständigen neurologischen Untersuchung kann durch Feststellung von Paresen und/oder Reflexausfällen eine Zuordnung der Sensibilitätsstörungen zu einem Syndrom erfolgen.
Die Lokalisation sensibler Defizite ermittelt man durch einen Schmerzreiz mit einem spitzen Gegenstand und/oder durch leichtes Bestreichen. Zur orientierenden Prüfung des Temperaturempfindens kann ein metallischer Gegenstand (Reflexhammer) zur Kalt- und die Hand des Untersuchers zur Warmprüfung verwendet werden. Für die semiquantitative Untersuchung von Vibrations- und Berührungsempfinden sind spezielle Stimmgabeln und Reizhaare verfügbar.
Abhängig vom Läsionsort gibt es typische Ausfallmuster: klassisches polyneuropathisches Muster mit distal symmetrischem Ausfall an Armen und Beinen , der Ausfall im Versorgungsgebiet eines Nerven, Teilen eines Plexus oder einer Nervenwurzel . Als sogenanntes Multiplexmuster bezeichnet man Läsionen mehrerer Nerven. Neben einem Querschnittsyndrom Querschnittsyndrommit Störung aller sensiblen Qualitäten (und der Motorik) kommt bei Rückenmarkschädigungen häufig das Brown-Séquard-Syndrom vor .Brown-Séquard-Syndrom Hier sind Temperatur- und Schmerzsinn auf der einen und Tiefensensibilität auf der anderen, spastisch-paretischen Seite gestört. Sensible Störungen sollten immer im Zusammenhang mit motorischen Störungen betrachtet werden.
Schädigungen peripherer Nerven können durch die Untersuchung von Nervenleitgeschwindigkeiten (NLG) objektiviert werden, eine komplette Untersuchung des somatosensorischen Systems ist durch die Ableitung somatosensorisch evozierter Potenziale (SEP) möglich.somatosensorisch evozierte Potenziale (SEP) Hier und bei Nervenwurzelläsionen, beispielsweise durch Bandscheibenvorfälle, kann ein Elektromyogramm (EMG) zur Feststellung subklinischer Schädigungen motorischer Nerven sinnvoll sein.
Bei Hinweisen auf Schädigung im Bereich von Rückenmark oder Gehirn kann eine MRT weiterhelfen.
Bei Sensibilitätsstörungen im Rahmen einer Polyneuropathie Polyneuropathiemuss die Ursache des neuropathischen Syndroms gesucht werden, im Vordergrund steht die Labordiagnostik (DiabetesDiabetes mellitusAlkoholismus/Alkoholmissbrauch, Alkoholmissbrauch, ParaproteinämieParaproteinämie, Hypothyreose) .Hypothyreose
Bei Hinweisen auf zentral bedingte Sensibilitätsstörungen ist bei jüngeren Menschen die multiple Sklerose multiple Skleroseeine relativ häufige Ursache. Hier ist deshalb eine entsprechende Diagnostik, wie evozierte Potenziale (EP), MRT und Liquordiagnostik notwendig. Bei älteren Patienten stehen zerebrovaskuläre Erkrankungen ätiologisch im Vordergrund. Neben einer Differenzierungzerebrovaskuläre Erkrankungen zwischen Ischämie und Blutung durch CT oder MRT ist die Abklärung der wahrscheinlichen Ursache dringend erforderlich. Hierzu dienen die Doppler-Sonographie der hirnversorgenden Gefäße sowie EKG, Langzeit-EKG und Echokardiographie.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von SensibilitätsstörungenBandscheibenvorfallPolyneuropathieHirninfarktHirnstamminfarktRückenmarkschädigung

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Polyneuropathie +++ NLG, EMG, Labordiagnostik
Bandscheibenvorfall +++ MRT, CT, EMG, NLG, Myelographie
Hirninfarkt (vor allem Hirnstamm, Thalamus) ++ CT, MRT, kardiovaskuläre Diagnostik
periphere Nervenläsion +++ bei unklarer Anamnese: CT, MRT, Vaskulitisdiagnostik
multiple Sklerose + MRT, Liquor, evozierte Potenziale (EP)
Rückenmarkschädigung + MRT, Liquor, SEP

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