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B978-3-437-42502-8.00114-5

10.1016/B978-3-437-42502-8.00114-5

978-3-437-42502-8

Tagesschläfrigkeit

D. Dellweg

B. Schönhofer

Definition

Die TagesschläfrigkeitTagesschläfrigkeit wird auch als Hypersomnie bezeichnet. Oft kommt es dabei zu beabsichtigten und unbeabsichtigten Schlafphasen im Tagesverlauf, vor allem während monotoner Situationen. Häufig sind Qualität und Ausdauer der Konzentrationsfähigkeit eingeschränkt.

Ursachen

Die weitaus häufigste Form ist die obstruktive Schlafapnoe (OSA). Hierbei kommt es zu einer mechanischen Verlegung der oberen Atemwege durch einen verminderten Muskeltonus der Hals-, Rachen- und Zungenmuskulatur im Schlaf. Die Reduktion des Querschnitts in den oberen Atemwegen führt zu einer Reduktion des inspiratorischen Luftflusses (Hypopnoe) bis hin zur kompletten Verlegung der Atemwege mit Sistieren des Atemstromes (Apnoe) trotz Atemanstrengung des Patienten. Dies führt zu einem phasenweisen Abfall der Sauerstoffsättigung und zu Weckreaktionen (Arousals).
Die wahrscheinlich zweithäufigste Ursache eines gestörten Nachtschlafes ist das Syndrom der unruhigen Beine (Restless-Legs-Syndrom), aber auch externe Ursachen wie Lärm, unzureichende Abdunkelung des Schlafraumes oder begleitende Erkrankungen wie Schmerzsyndrome, psychische, neurologische oder internistische Erkrankungen können den Schlaf stören. Kommt es zu Abweichungen von der inneren Uhr (zirkadianen Rhythmik) wie z. B. bei Schichtarbeitern, kann hierdurch ebenfalls der Schlaf gestört werden. Des Weiteren gibt es idiopathische Erkrankungen bei genetischer Disposition die mit pathologischem Schlaf und einer Tagesschläfrigkeit einhergehen, wie z. B. die Narkolepsie.

Anamnese

Im Zentrum der Anamnese und Fremdanamnese steht die Atmung im Schlaf. Zu erfragen sind Schlafzeiten und Schlafgewohnheiten, nächtliches Schnarchen, Atempausen, Luftnotattacken und Würgegeräusche, Bewegungen der Extremitäten, vom Patienten nicht wahrgenommene Handlungen und Sprache im Schlaf. Der Grad der Schläfrigkeit kann mit standardisierten Fragebögen untersucht werden, z. B. Epworth-Schläfrigkeits-Skala. Anamnestisch ist auszuschließen, dass externe Faktoren den Schlaf stören. Schlafstörende Medikamente (z. B. Theophyllin, Antiepileptika und Betablocker) sind zu berücksichtigen. Die Berufsanamnese sollte bewertet werden im Hinblick auf schlafstörende Einflüsse (z. B. Schichtarbeit), vor allem aber im Hinblick auf die Eigen- und Fremdgefährdung bei bestimmten Tätigkeiten bei denen Einschlafattacken fatale Folgen haben könnten (z. B. Berufskraftfahrer).

Untersuchungen

Neben der allgemeinen körperlichen Untersuchung sollten der Blutdruck und der Body Mass Index des Patienten bestimmt werden. Zu beachten sind anatomisch-pathologische Besonderheiten, die eine Einengung des Hals-Rachen-Raums Hals-Rachen-Raum, Einengungenbedingen könnten. Hierzu zählen z. B. ein zurückstehendes Kinn (Retrognathie), Vergrößerungen der Rachenmandeln, Zungengrundmandeln und der Tonsillen sowie Veränderungen am Gaumensegel .
Bestehen des Weiteren Hinweise für neurologische, psychiatrische oder internistische Begleiterkrankungen (z. B. Schmerzsyndrome), so sollten diese im Hinblick auf ihre schlafstörende Funktion untersucht werden.
Die Tagesschläfrigkeit lässt sich entsprechend der subjektiven Einschätzung der Patienten mit Hilfe der Epworth-Schläfrigkeitsskale (von 0–24 Punkte) quantifizieren.
Als Screeninguntersuchung erfolgt eine ambulante Polygraphie .Polygraphie, ambulante
Der Goldstandard zur Diagnostik der Schlafapnoe ist die Polysomnographie . PolysomnographieDabei werden EEG, EKG, der Luftstrom mittels Flusssensoren vor Nase und Mund, Sauerstoffsättigung, Muskeltonus am Kinn, Augenbewegungen zur Bestimmung des REM-Schlafs, Beinbewegungen und Schnarchgeräusche erfasst. Eine Videokamera mit Blick auf das gesamte Bett zeichnet den Schlaf auf. Die Atemexkursionen werden über Bauch und Brustgurte bestimmt, um eine obstruktive von einer zentralen Apnoe zu unterscheiden.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von TagesschläfrigkeitRestless-Legs-SyndromCheyne-Stokes-Atmungzentrales Schlafapnoe(-Syndrom)idiopathische HypersomnieHypersomnienidiopathischeSchlafapnoe(-Syndrom)zentralesSchlafapnoe(-Syndrom)obstruktivesobstruktives Schlafapnoe(-Syndrom)zentrales Schlafapnoe(-Syndrom)SchlafstörungenFaktoren, externe

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Restless-Legs-Syndrom 3–15 % PSG
zentrale Schlafapnoe < 1 % PSG
Cheyne-Stokes-Atmung häufig bei Herzinsuffizienz PSG, Echokardiographie
Narkolepsie selten PSG, multipler Schlaflatenz-Test (MSLT)
Schlafstörung durch externe Faktoren häufig Anamnese
idiopathische Hypersomnie extrem selten PSG, MSLT
Hypersomnie bei psychiatrischen, neurologischen, internistischen Erkrankungen häufig vor allem bei Depression, neurodegenerativen Erkrankungen und Schmerzsyndromen psychiatrische, neurologische und internistische Untersuchung
obstruktive Schlafapnoe 3–6 % Schlafanamnese, Schlaftagebuch, PSG

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