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B978-3-437-42502-8.00236-9

10.1016/B978-3-437-42502-8.00236-9

978-3-437-42502-8

Thyreoiditis

U. Woenckhaus

Zur Orientierung

Thyreoiditiden Thyreoiditissind Schilddrüsenentzündungen Schilddrüsenentzündungenvon ganz unterschiedlicher Pathogenese, die akut, subakut oder chronisch verlaufen. Klinisch machen sie sich entweder durch entzündliche Symptomatik (Schmerzen, Lokalbefund) oder Zeichen der Schilddrüsenfehlfunktion bemerkbar. Die Thyreoiditis kann aber auch asymptomatisch bleiben (Zufallsbefund).

Die Diagnose wird primär klinisch gestellt und in der Regel sonographisch untermauert. Nur in seltenen Fällen ist eine ergänzende Schilddrüsen-(SD-)Szintigraphie oder SD-Punktion erforderlich.

Formen und Stadienverlauf

Die Einteilung der Thyreoiditiden erfolgt entweder nach der Ätiologie (infektiös, parainfektiös, autoimmun), nach der Pathologie (eitrig, lymphozytär, granulomatös) oder nach dem klinischen Verlauf und Schweregrad (akut, subakut, chronisch).
Unter Kombination mehrerer Gesichtspunkte lassen sich folgende Hauptformen unterscheiden:
  • akute bakterielle Thyreoiditis akute bakterielle ThyreoiditisThyreoiditisakute, bakterielle(Haupterreger Streptokokken, Staphylokokken)

  • subakute Thyreoiditis de Quervain (granulomatöse Form)subakute Thyreoiditis de Quervainde-Quervain-Thyreoiditis, akuteThyreoiditissubakutede Quervain

  • subakute lymphozytäre Thyreoiditissubakute lymphozytäre Thyreoiditislymphozytäre Thyreoiditis, subakuteThyreoiditissubakutelymphozytäre (Untergruppen: postpartale und silent Thyreoiditis)

  • chronische Autoimmunthyreoiditischronische AutoimmunthyreoiditisAutoimmunthyreoiditis, chronische (hypertrophische Form = klassische Hashimoto-ThyreoiditisHashimoto-Thyreoiditis, atrophische Form = häufigere Form)

  • Thyreoiditis durch exogene Faktoren:

    • StrahlenthyreoiditisStrahlenthyreoiditis

    • traumatische Thyreoiditistraumatische Thyreoiditis

    • medikamenteninduzierte Thyreoiditismedikamenteninduzierte(r)Thyreoiditis (Amiodaron, Lithium, Interferon, Il-2 u. a.); histologisch und klinisch häufig der silent Thyreoiditis entsprechend.

Die Schilddrüsenfunktion verläuft bei den Thyreoiditiden klassischerweise in drei Stadien:
  • 1. initiale Hyperthyreose HyperthyreoseThyreoiditisHypothyreoseThyreoiditisdurch Zerstörung der Follikelepithelzellen und Proteolyse von gespeichertem Thyreoglobulin (Dauer meist 2–8 Wochen)

  • 2. Hypothyreose nach Aufbrauchen der SD-Hormonspeicher (Dauer 2–8 Wochen, ev. mehrere Monate)

  • 3. Restitutio mit Euthyreose.Euthyreose, Thyreoiditis

Je nach Schweregrad des entzündlichen Prozesses werden die einzelnen Phasen in unterschiedlicher Ausprägung und in variabler Länge durchlaufen. In bis zu 30 % der Fälle kommt es nicht zur Restitutio, sondern zur Persistenz der Hypothyreose (Hypothyreose).

Therapie

Die Therapie der Thyreoiditiden richtet sich nach der führenden Symptomatik.
So reichen zur Behandlung der schmerzhaften traumatischen oderradiogene Thyreoiditis radiogenen Thyreoiditis NSAR und lokale Maßnahmen (Kühlung) aus. Liegen diese exogenen Faktoren anamnestisch nicht vor, so ist zwischen der seltenen akuten bakteriellen Thyreoiditis und der häufigeren Thyreoiditis de Quervain zu unterscheiden. Sonographisch lässt sich ein Abszess bei entsprechender Klinik in der Regel sicher diagnostizieren und drainieren . Gleichzeitig wird eine systemische, in der Regel intravenöse Antibiose eingeleitet. Nur in seltenen Fällen ist bei Therapieversagen eine chirurgische Intervention nötig.
Zeigt sich bei einer schmerzhaften Thyreoiditis (nach anamnestischem Virusinfekt) sonographisch ein fleckförmig echoarmes Muster , so ist bei charakteristischen Laborveränderungen (massive BSG-Beschleunigung ohne signifikante Leukozytose) die Diagnose einer Thyreoiditis de Quervain zu stellen. Therapeutisch reichen hier NSAID meist nicht aus. Das schnelle Ansprechen auf Glukokortikoide kann als zusätzlicher Diagnosebeweis gewertet werden. In unklaren Fällen ist vor Therapieeinleitung eine SD-Punktion mit zusätzlicher mikrobiologischer Untersuchung erforderlich.
Symptomatik und Verlauf der schmerzlosen ThyreoiditidenThyreoiditispostpartale sind in aller Regel so blande, dass nach anamnestischer Differenzierung zwischen den Untergruppen (medikamenteninduzierte Form, postpartale Form nach Entbindung innerhalb des vorangegangenen Jahres bzw. silent Thyreoiditis) silent Thyreoiditisder Spontanverlauf abgewartet werden kann. In eher seltenen Fällen werden β-Blocker zur Symptomlinderung eingesetzt (relative Kontraindikation: Stillen).
Die chronische lymphozytäre Thyreoiditis manifestiert sich klinisch in aller Regel durch langsam progrediente Hypothyreosesymptomatik (Hypothyreose). Nur in Ausnahmefällen besteht initial eine transiente Hyperthyreose (in schwererer Ausprägung „Hashitoxikose“ genannt). Für den Einsatz von Selen besteht aufgrund der unzureichenden Datenlage weiterhin keine ausreichende Evidenz, auch wenn in einzelnen Studien ein signifikanter Abfall der TPO-AK und eine Verbesserung des Allgemeinbefindens nachgewiesen werden konnte.

Evidenz der Therapieempfehlungen bei Thyreoiditis

Evidenzgrad Empfehlungsstärke
Abszessdrainage und systemische Antibiose bei akuter bakterieller Thyreoiditis III B
Betablocker bei Hyperthyreosesymptomatik IV C
NSAID bei lokalen Schmerzen IV C
Glukokortikoide bei Thyreoiditis de Quervain IV C

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