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B978-3-437-42502-8.00122-4

10.1016/B978-3-437-42502-8.00122-4

978-3-437-42502-8

Urämie

R. Brunkhorst

Definition

Die UrämieUrämie ist ein Symptomenkomplex, der in den Stadien 4 und 5 (GFR 15–29 bzw. < 15 ml/min) der NiereninsuffizienzNiereninsuffizienz (Niereninsuffizienz) beobachtet wird. Ohne Besserung der Nierenfunktion oder Intervention mittels Dialyse führt die Urämie zum Tod.

Anamnese

Im Stadium 4 können Symptome der Anämie Anämieurämischeein erstes Zeichen der Urämie sein, PruritusPruritus, Foetor uraemicusFoetoruraemicus und/oder morgendliche Übelkeit und Erbrechen kommen meist später hinzu. Im weiteren Verlauf kann es ohne Einleitung einer Dialyse (Stadium 5) zu Durchfällen, Luftnot, Krampfanfällen, Somnolenz und KomaKrampfanfälleurämischeKomaurämischesurämisches Koma kommen. Die Symptome der Urämie sollten vollständig erfragt werden, da sie Hinweise auf sich manifestierende urämische Organschäden (z. B. Gastroenteritis oder Lungenödem) liefern können .urämische Organschäden
Zur Klärung der Ursache einer Urämie müssen gezielte Fragen nach bekannten Nierenerkrankungen, erblichen Erkrankungen (familiäre polyzystische Nierenerkrankung, Alport-Syndrom), Alport-Syndromakuten Vorerkrankungen (fieberhafter Infekt, Diarrhö, anhaltendes Erbrechen), länger bekannten chronischen Erkrankungen (evtl. auch Leberzirrhose) und Medikamenten gestellt werden. Anamnestische Hinweise auf Tumor- oder Systemerkrankungen, eine ProstatahypertrophieProstatahyperplasie, benigne (BPH) oder UrolithiasisUrolithiasis müssen Beachtung finden (Niereninsuffizienz) , .

Untersuchungen

Körperliche Untersuchung: Der Blutdruck ist meist erhöht. Besonderes Augenmerk sollte weiter auf die Herz- und Lungenauskultation (urämische Perikarditis, Lungenödem), Beinödeme, Anasarka sowie den Augenhintergrund (hypertensive oder diabetische Retinopathie) gelegt werden. Bei der neurologischen Untersuchung ist auf eine periphere Neuropathie zu achten, die urologische Untersuchung gilt der Prostata und die abdominale Palpation kann Hinweise auf Zystennieren erbringen. Die gynäkologische Untersuchung wird zum Ausschluss von potenziellen Tumormassen im kleinen Becken vorgenommen .
Laboranalysen : Neben der erniedrigten GFR und den entsprechend erhöhten Serumkreatinin- und Harnstoffwerten sind der erniedrigte Hämoglobinwert und das erhöhte Serumphosphat (bei länger bestehender Niereninsuffizienz) auffällig. Eine Hyperkaliämie kann zu charakteristischen EKG-Veränderungen führen. Das Serumkalzium kann erniedrigt sein bei erhöhtem Parathormonspiegel. Auf eine Osteopathie weist eine erhöhte alkalische Phosphatase hin, aber auch auf eine Knochenmetastasierung oder ein Plasmozytom. Hinzu kommt eine metabolische Azidose.
Allgemeine Inflammationsparameter (BSG, CRP, ggf. Prokalzitonin) dienen bereits der Suche nach der Ursache der Urämie. Wenn diese nicht anhand der Anamnese und der körperlichen Untersuchung auf der Hand liegt, sind immunologische Untersuchungen zum Ausschluss oder Bestätigung einer Systemerkrankung oder Vaskulitis angezeigt .
Die UrinanalyseUrinanalyse kann Hinweise auf die Aktivität der Erkrankung (nephritisches Sediment Hämaturie) geben und eine Proteinurie im 24-h-Sammelurin quantifizieren (nephrotisches Syndrom) , .
Die wichtigste bildgebende Untersuchung ist die Sonographie , die mittels Bestimmung der Nierengröße ein chronisches von einem akuten Geschehen unterscheiden kann; Nierentumoren, Zystennieren und obstruktive Nierenerkrankungen werden ausgeschlossen , . Eine Nierenbiopsie Nierenbiopsiesollte bei allen letztlich unklaren Nierenerkrankungen zur Prognoseeinschätzung und ggf. Therapiefestlegung unter Berücksichtigung des Risikos (Nierengröße!) durchgeführt werden .

Differenzialdiagnosen

Ursachen von chronischen Nierenerkrankungendiabetische NephropathieNephropathiediabetischemedikamenteninduzierte(r)Nierenschädigunghypertensive NephroskleroseNephrosklerosehypertensiveGlomerulonephritischronische PyelonephritisPyelonephritischronischeobstruktive NephropathieNephropathieobstruktivepolyzystische NierenerkrankungenNierenerkrankungenpolyzystischeAlport-SyndromFundushypertonicusProteinurie

Diagnose Relative Häufigkeit Diagnostische Hinweise
diabetische Nephropathie ++++ sonographisch normal große Nieren, diabetische Retinopathie, Proteinurie, ggf. Nierenbiopsie
hypertensive Nephrosklerose +++ Fundus hypertonicus, Echokardiographie
Glomerulonephritis (GN) ++ Sediment, Proteinurie, Nierenbiopsie
chronische Pyelonephritis, obstruktive Nephropathie ++ Urinsediment, Sonographie
polyzystische Nierenerkrankung + Familienanamnese, Sonographie
Nierenbeteiligung bei Systemerkrankung + nephritisches Sediment, Nierenbiopsie, immunologische Parameter
Nierenschädigung durch Medikamente + Anamnese, ggf. Sonographie
Alport-Syndrom (+) Familienanamnese, Schwerhörigkeit

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