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B978-3-437-42502-8.00129-7

10.1016/B978-3-437-42502-8.00129-7

978-3-437-42502-8

Zytose im peripheren Blut

B. Gleissner

Definition

Bei einer ZytoseZytose handelt es sich um die Vermehrung einer oder mehrerer Zellreihen – Leukozyten (> 2 Norm, Lymphozyten > 4 × 109/l), Erythrozyten und/oder Thrombozyten (> 450 × 109/l) – im peripheren Blut.

Anamnese

Eine Vermehrung der Blutzellen zeigt sich meist als Zufallsbefund im Rahmen einer Abklärung uncharakteristischer klinischer Beschwerden (z. B. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gicht, Fieber, Juckreiz). Abdominale Schmerzen in Folge einer SplenomegalieSplenomegalie können Anlass zur Untersuchung sein. Bei Anamnese und klinischer Untersuchung ist auf Infekte (Atem-, Gastrointestinaltrakt, Harnwege, Abszesse) oder Traumen zu achten .
DurchblutungsstörungenDurchblutungsstörungen können Folge einer erheblichen LeukozytoseLeukozytose (insbesondere Granulozytose)Granulozytose sein. Bei einer essenziellen Thrombozytose können Blutungszeichen BlutungszeichenThromboseund Thrombosen vorliegen, wohingegen bei reaktiven Thrombozytenvermehrungen klinisch meist keine Blutungszeichen bestehen . Hochdruck, Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen finden sich insbesondere bei der Polycythaemia vera .
Auslösende Ursachen können chemischen Noxen (z. B. Benzol, Zytostatika, Nikotin, Steroide) sein. Reaktive Leukozytose und Thrombozytose finden sich bei Infektionen, Tumoren, aktuell vorliegenden oder abgelaufenen schweren Allgemeinerkrankungen. Eine Lymphozytose korreliert mit viralen Infekten. Reaktive Vermehrungen der Erythrozyten bestehen insbesondere bei pulmonalen und kardialen Grunderkrankungen.

Untersuchungen

Durchzuführen sind ein Blutbild, ein Differenzialblutbild, die Bestimmung der alkalischen Leukozytenphosphatase, eine molekular- und zytogenetische Untersuchung (BCR-ABL, Ausschluss von JAK2-, CALR- sowie MPL-Mutationen) sowie eine Knochenmarkzytologie und -histologie .

Differenzialdiagnosen

Ursachen für eine Zellvermehrung im peripheren Blutreaktive LeukozytoseLeukozytosereaktiveGranulozytoseLymphozytoseProkalzitoninPolyglobulieEosinophilieLeukämiereaktive ThrombozytoseThrombozytosereaktivemyelodysplastisches Syndrom (MDS)OsteomyelofibrosePolycythaemia veraessenzielle ThrombozythämieThrombozythämieessenzielleMikrozytose

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
reaktive Leukozytose/Granulozytose (mögliche Ursachen Infekte – lokal oder generalisiert) ++++ Anamnese, körperliche Untersuchung, C-reaktives Protein und Prokalzitonin im Serum, Blutbild und Differenzialblutbild (Granulozytose), mikrobiologische Untersuchungen (Kulturen) von Blut, Urin, Stuhl, Knochenmark, ggf. Punktaten, ggf. Bestimmung von BCR-ABL-, JAK2-Mutationen
Lymphozytose +++ virale Infekte (EBV, CMV, Hepatitis, Brucellose, TBC), Ausschluss Monoklonalität durch Durchflusszytometrie
Eosinophilie + Suche nach Allergenen, parasitären Erkrankungen, Infektionen, myeloproliferatives Syndrom, hypereosinophiles Syndrom (> 1,5 × 109/l an 2 Bestimmungen)
Polyglobulie +++ Lungenfunktion, Blutgase, Serum-Erythropoetin, Ausschluss Exsikkose, erythropoetinbildende Tumoren (Niere, ZNS), hoch affine Hämoglobinvariante
reaktive Thrombozytose +++ Anamnese, Eisenmangel (Mikrozytose, Fe-/Ferritin-/Transferrinbestimmung), akute Blutung/Trauma, akute Infektion, Asplenie, Tumoren
Leukämie + Diff-BB, Knochenmarkzytologie, -histologie, Immunophänotypisierung des Knochenmarks, Zytogenetik
myelodysplastisches Syndrom + Diff-BB, Anamnese, Knochenmarkzytologie, -histologie, Zytogenetik
Osteomyelofibrose , Polycythaemia vera , essenzielle Thrombozythämie + Splenomegalie, Knochenmarkzytologie, -histologie, Molekularzytogenetik, JAK2-Mutation, CALR-Mutation? MPL-Mutation?

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