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B978-3-437-41351-3.00018-7

10.1016/B978-3-437-41351-3.00018-7

978-3-437-41351-3

Abb. 18.1

[M113]

Handgelenkschiene nach Liman/Riepe

Abb. 18.2

[M113]

Nachtlagerungsschiene bei Ulnardeviation der Langfinger

Abb. 18.3

[M113]

Funktionelle Handschiene bei destruierender Polyarthrose

Abb. 18.4

[L106]

SchuhzurichtungenSchuhzurichtung

Physikalische Therapie und Ergotherapie

Thomas Bitsch

Joachim Georgi

  • 18.1

    Grundlagen der physikalischen Therapie548

    • 18.1.1

      Grundsätzliches über physikalische Therapie548

    • 18.1.2

      Besonderheiten in der Rheumatologie549

  • 18.2

    Krankengymnastik/manuelle Therapie550

    • 18.2.1

      Grundlagen der Krankengymnastik550

    • 18.2.2

      Aktive Techniken551

    • 18.2.3

      Passive Techniken551

    • 18.2.4

      Mobilisationstechniken552

    • 18.2.5

      Medizinische Trainingstherapie552

    • 18.2.6

      Gangschulung553

    • 18.2.7

      Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL)553

    • 18.2.8

      Rückenschule553

  • 18.3

    Elektrotherapie554

    • 18.3.1

      Grundlagen der Elektrotherapie554

    • 18.3.2

      Niederfrequenz556

    • 18.3.3

      Mittelfrequenz559

    • 18.3.4

      Hochfrequenz559

    • 18.3.5

      Ultraschall560

  • 18.4

    Massage561

    • 18.4.1

      Grundlagen der Massage561

    • 18.4.2

      Massagetechniken562

  • 18.5

    Hydrotherapie562

    • 18.5.1

      Grundlagen der Hydrotherapie562

    • 18.5.2

      Medizinische Bäder563

    • 18.5.3

      Bewegungsbad564

    • 18.5.4

      Hydroelektrische Bäder564

  • 18.6

    Thermotherapie564

    • 18.6.1

      Grundlagen der Thermotherapie564

    • 18.6.2

      Wärmetherapie565

    • 18.6.3

      Kryotherapie566

  • 18.7

    Ergotherapie567

    • 18.7.1

      Grundlagen der Ergotherapie567

    • 18.7.2

      Aufgabenbereiche der Ergotherapie567

  • 18.8

    Orthopädietechnik569

    • 18.8.1

      Grundlagen der Orthopädietechnik569

    • 18.8.2

      Orthesen569

Grundlagen der physikalischen Therapie

DiePhysikalische Therapie physikalische Therapie (physik. Ther.) ist Teil der Naturheilverfahren in der Behandlung rheumatischer Erkrankungen.

Grundsätzliches über physikalische Therapie

Physik. Ther. ist die Behandlung mit natürlichen oder technisch erzeugten Energieformen. Es erfolgt eine physik. Beeinflussung physiologischer Regelkreise durch mechanische, thermische, elektromagnetische und elektrische Energie. Eine Ther. rheumatischer Erkrankungen ohne physik. Ther. ist immer inkomplett.
Folgende Punkte sind zu beachten:
  • Physik. Ther. hat fast immer begleitenden oder vorbereitenden Charakter: Ermöglichen von KG, Ergo, Eigenübungen.

  • Einige physik. Ther. haben lokalisierte, unmittelbar spezifische Wirkungen, einige haben generalisierte, unspezifische Wirkungen.

  • Die Erfolgsgrößen physik. Ther. sind oft dynamisch und nicht statisch, was zu besonderen messtechnischen Schwierigkeiten führt. Trotz allem müssen wir uns um objektive statt subjektive Kriterien („alles hat gut getan“) bemühen. Vor, unter und nach der Therapiereihe sind Funktionsmaße des Pat. zu überprüfen.

  • Kombinationen verschiedener physik. Therapieformen sind eher die Regel als die Ausnahme. Der Erfolg einer einzelnen physik. Maßnahme lässt sich somit nicht vom Gesamterfolg der kombinierten physik. Ther. trennen. Ebenso wenig lässt sich der Gesamterfolg der physik. Maßnahmen von der erfolgreichen Pharmakother. trennen.

  • Physik. Maßnahmen kommen erst durch wiederholten Einsatz voll zur Wirkung. Man muss wissen, wie lange es bis zum Einsatz der zu erwartenden Wirkung eines physik. Verfahrens dauert.

  • Physik. Ther. bedarf genauso wie medik. Ther. der ständigen Überwachung und insbes. der Anpassung an den Zustand des Pat.

  • Fast immer ist nicht die Menge, sondern die Frequenz und die Art der Anwendung für den Erfolg ausschlaggebend: „viel hilft viel“ ist falsch.

  • Die ärztlich verordnete physik. Ther. (KG, Elektrother., Massage, Hydro-, Thermo-, Kryother.) und die Ergother. dient prophylaktischen, therapeutischen und rehabilitativen Zwecken.

Die Differenzierung des Schmerzes am Bewegungsapparat ist Voraussetzung für die Wahl der physik. Ther.:
  • Entzündungsschmerz

  • Kapselschmerz

  • Ligamentärer Überlastungsschmerz

  • Dysfunktion

  • Anlaufschmerz

  • Myofaszialer Schmerz

  • Ossärer Schmerz

  • Neuropathischer Schmerz

Hauptaufgaben der physikalischen Therapie
(nach K.L. SchmidtPhysikalische TherapieHauptaufgaben)
  • Schmerzstillung

  • Muskelentspannung

  • Durchblutungsförderung

  • Funktionsverbesserung

  • Zunahme der Beweglichkeit

  • Kraftzuwachs

  • Förderung der Koordination

  • Verhütung und Korrektur von Fehlstellungen

  • Einsparung von Medikamenten

  • Prävention und Rehabilitation

Voraussetzung für effektive Behandlung und somit auch Behandlungserfolg:
  • Teamarbeit: Kooperation von Pat., Arzt, Pflegepersonal und Physiotherapeuten.

  • Verordnung: klare, gezielte Verordnung (z.B. Ultraschall 0,5 W/cm2 gepulst 10 min/Tag Supraspinatussehnenansatz) und Diagnose (PHS acuta bei Insertionstendopathie der Supraspinatussehne).

  • Behandlungsplan:

    • Rücksichtnahme auf wichtige Termine: Chefvisite, Entspannungstechniken

    • Absprache mit Pat.: Morgensteifigkeit beachten

    • Probebehandlungen

    • Kontrollbefund und Rückmeldung an Arzt: Änderung des Krankheitsbilds, DD

    • „Hausaufgaben“ des Pat. berücksichtigen

  • Weiterbildung: Befund und Kenntnisse der Therapeuten austauschen (z.B. manuelle Ther.).

  • Pat.-Motivation: Einsicht, Motivation und Durchhaltevermögen des Pat. ist für den Erfolg sehr wichtig, deshalb Unterstützung vom gesamten Team, ggf. Psycho-Besprechung. Positive Arbeitsatmosphäre, Team soll eine Einheit darstellen!

Besonderheiten in der Rheumatologie

  • Pat. mitPhysikalische TherapieBesonderheiten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen mögen sich funktionell in einem Anfangsstadium oder auch in einem Endstadium der Erkrankung befinden.

  • Von der Akuität her sind „Pat. im Schub“ anders zu therapieren als Pat. in Remission.

  • Wichtigstes Ziel in der physik. Ther. rheumatischer Pat. bleibt die Funktionsverbesserung: Stabilisierung von Gelenken, Beseitigung von Kontrakturen, Wiederherstellung des Gelenkspiels.

  • In der Regel sind Gelenkstrukturen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen vorgeschädigt. Eine zu starke Belastung des arthritischen Gelenks führt zu einer Aktivierung der Arthritis.

  • Oft können Pat. nicht unterscheiden, ob ihr Schmerz entzündlicher, sekundärarthrotischer oder tendomyopathischer Genese ist. Hier sind Anamnese und klinischer Befund gefragt.

  • Rheumatiker sind oft multimorbide: Anämie, schlechter AZ, viszerale Komplikationen und erhöhte Infektanfälligkeit.

  • Die Wirksamkeit der physik. Ther. ist bei Rheumapat. ganz entscheidend abhängig von einer möglichst schmerzfreien Lagerung des Pat. bzw. der zu behandelnden Extremität.

Differenzialindikation:
  • Akute Arthritis: Kryother., Kaltluft, Ultraschall, Phonophorese, Iontophorese, TENS, entlastende Lagerung

  • Chron. Arthritis: hydroelektrisches Bad, Massage, Kryother., Galvanisation, Interferenz

  • Arthrose: Fango, hydroelektrisches Bad, Überwärmungsbad, Massage, heiße Rolle, Paraffinbad, Kurzwelle, Galvanisation

Krankengymnastik/manuelle Therapie

BeiKrankengymnastikManuelle Therapie der KG-Übungsbehandlung werden auf ärztliche Verordnung unter Anleitung des Therapeuten gezielte Techniken eingesetzt, die verlorengegangene Funktionen (Muskelkraft, Flexibilität, Koordination) möglichst gut wiederherstellen sollen. Die Bewegungsther. dient prophylaktischen, therapeutischen und rehabilitativen Zwecken.

Grundlagen der Krankengymnastik

Einteilung der Techniken
Diese Techniken stellen die wichtigsten in der Rheumatologie angewandten Therapieverfahren dar und sind keineswegs vollständig. Überlappungen einzelner Behandlungsverfahren kommen häufig vor.
Grundsätzliche Regeln zur Krankengymnastik
  • KG ist Grundlage in der Ther. rheumatischer Erkrankungen.

  • KG ist indiziert bei allen Erkrankungen des Bewegungsapparats – die jeweilige Technik ist je nach Grunderkrankung und Lokalbefund auszuwählen.

  • Der krankengymnastische Behandlungsplan ist Voraussetzung zum Erfolg. Fernziele (z.B. vollständiger Gebrauch der Hand im Alltag) und Nahziele (z.B. Flexionsverbesserung der MCP, Kräftigung der Mm. interossei, Mobilisation der Carpalia) sollen definiert werden.

  • Außer der Diagnose sind die Nah- und Fernziele bei der Verordnung zu berücksichtigen (z.B. RA mit Gonarthritis: Mobilisation, Kontrakturprophylaxe).

  • Die Auswahl der KG-Techniken erfolgt anhand der Symptome und Probleme des Pat., sie müssen im Verlauf der rheumatischen Erkrankung oft angepasst werden.

  • Immer Kombination verschiedener Techniken: manuelle Ther., Querfriktionen, Schlingentisch, PNF, Gangschule, ADL.

  • Die KG-Übungen müssen vom Pat. akzeptiert werden, sonst sind sie sinnlos.

  • Erhalt und Verbesserung der Selbstständigkeit des Pat. muss bei den Techniken gewährleistet sein.

Es gibt nur wenige absolute Kontraindikationen, meist durch Komorbidität wie dekompensierte Herzinsuffizienz, Sepsis, Blutgerinnungsstörungen oder Infekte.

Häufige Ind. für die manuelle Ther.:
  • Periarthropathien

  • Insertionstendopathien

  • Arthrosen

  • Subakute, nicht erregerassoziierte Arthritis

  • Zervikaler Schwindel

  • Funktionelle Schluckstörungen

KI für die manuelle Ther.:
  • Aktive Arthritis und Spondylitis

  • Neoplasien

  • Hochgradige Osteoporose und Osteomalazie

  • Radikuläre und medulläre Kompressionssyndrome

  • Hypermobilität

Inhalt der ärztlichen Verordnung zur krankengymnastischen Übungsbehandlung:
  • Gesamtzahl der Behandlungen einer Serie

  • Art der Behandlung

  • Anzahl der Behandlungen/Zeitabschnitt tägl./pro Woche

  • Dosierung und Dauer der Einzelbehandlung

  • Anwendungsbereich (Körperteil)

  • Behandlungsdiagnose

  • Behandlungsziel

  • Begleitdiagnose

Aktive Techniken

  • Techniken, die dynamische/phasische Kontraktion bewirken: Bewegung

  • Techniken, die statische/tonische Kontraktion bewirken: Halten

  • Techniken, die wechselweise dynamische und statische Kontraktionen bewirken: Bewegen und Halten

  • Techniken unter Abnahme der Eigenschwere von Körperabschnitten: Schlingentisch, manuelle Unterstützung, Bewegungsbad

Hauptind.: Basistechniken für alle peripheren Gelenke, insbes. Hüfte und Knie. Becken-Bein-Aufhängung bei Koxarthrose, Hüftkopfnekrose und LWS-Syndrom. Voraussetzung zur Kombination mit anderen Techniken wie z.B. manuelle Ther.

  • Fast alle Ziele der Rheumather. (Schmerzlinderung, Entlastung, Dehnlagerung, Mobilisation, Stabilisation) können mit dem Schlingentisch erreicht werden!

  • Der Schlingentisch bietet eine optimale Voraussetzung zur manuellen Ther.!

  • Die dreidimensionale Traktion der WS im Schlingentisch ist wichtiger Bestandteil bei entzündlich-rheumatischen WS-Erkrankungen!

Passive Techniken

Techniken am Pat., ohne dass sie eine Muskelaktivität auslösen:
  • Lagerung: Einstellung von Körperabschnitten in bestimmten Positionen mittels Lagerungsmaterialien (Schienen, Keile, Kissen). In der sog. Ruhestellung sind Muskulatur und Kapsel maximal entspannt, wobei die Gelenkpartner den geringstmöglichen Kontakt haben. Bei Rheumapat. weicht die aktuelle Ruhestellung immer von der physiologischen Ruhestellung eines Gelenks ab, da kapsuläre, myogene bzw. ligamentäre Dysfunktionen vorliegen.

  • Entlastende Ausgangsstellungen: Reduzierung der körperaufrichtenden Muskelaktivität, z.B. Kutschersitz, „Bauchlehne“.

  • Traktion: Rechtwinkliges Entfernen eines Gelenkpartners im Verhältnis zur Behandlungsebene (diese orientiert sich am konkaven Gelenkpartner!), die zur Seperation der beiden Gelenkpartner führt.

  • Gleiten: Parallele Translation eines Gelenkpartners im Verhältnis zur Behandlungsebene, die zu einer Verschiebung zwischen den Gelenkpartnern führt.

  • Passives Bewegen: „Durchbewegen“ des Gelenks manuell oder mit Motorschiene.

  • Widerlagernde Mobilisation: Bewegung beider Gelenkpartner eines Gelenks, wobei Pat. das Gewicht der zu bewegenden Körperteile übernimmt.

Hauptind.: Basistechniken zur Schmerzlinderung und Kontrakturprophylaxe von peripheren Gelenken und der WS. Nachbehandlung von Synoviorthesen, Schultermobilisationen und operativen Eingriffen (Synovektomie, Baker-Zysten-Exstirpation).

Kenntnisse der manuellen Ther. sind Grundvoraussetzung zur optimalen Bewegungsther.: Behandlungsebene, Konvex-Konkav-Regel, Hyper- bzw. Hypomobilität, Ruhestellung, verriegelte Stellung, segmentale Irritationspunkte!

Mobilisationstechniken

SammelbegriffKrankengymnastikMobilisationstechnikenMobilisationstechniken verschiedener Methoden, die in der manuellen Ther. und den Techniken von Brügger und Cyriax enthalten sind:
  • Querfriktionen (Deep Frictions) nach Cyriax

  • Manuelle Querdehnung

  • Manuelle Längsdehnung

  • Postisometrische Relaxation

  • Reziproke Hemmung (Sherrington 2)

  • Ermüdung der Antagonisten (Sherrington 1)

Hauptind.: Tendovaginitis, Periarthropathien, Insertionstendopathien, abgeklungene Arthritis mit Bursa- und Kapselverklebungen. Bewegungseinschränkungen bei SpA.

Vorsicht mit Querfriktionen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (Kalkeinlagerungen bei Tendinitis, Bursitis, Arthritis), da Gefahr der Exazerbation!

Medizinische Trainingstherapie

  • ErgänzendeKrankengymnastikmed. TrainingstherapieTrainingstherapie, medizinische Technik zur Verbesserung von Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer

  • Gezieltes Aufbautraining mit und ohne Geräte mit vier Rehabilitationsphasen:

    • 1. Phase: Mobilisation (frühfunktionelle Ther.)

    • 2. Phase: Stabilisation (funktionelle Ther.)

    • 3. Phase: funktionelles Muskelaufbautraining (uneingeschränkte Funktionsfähigkeit)

    • 4. Phase: Muskelbelastungstraining (uneingeschränkte Belastungsfähigkeit)

  • Anleitung zum Eigentraining

Hauptind.: Fibromyalgie, chron. Lumbalsyndrom, Haltungsschwäche, muskuläre Dysbalance, Rehabilitation nach operativen Eingriffen (Hüft-TEP, Knie-OP).

  • Zuerst Dehnung verkürzter Muskeln, dann erst Kräftigung der Antagonisten!

  • Häufigster Fehler ist mangelnde Rumpfstabilisierung und zu früher Einsatz von Geräten beim Auftrainieren der Extremitäten!

Gangschulung

  • SchaffungKrankengymnastikGangschulungGangschulung bzw. Erhaltung eines physiologischen, harmonischen Gangbilds.

  • Ther. sekundärer Erkrankungen (z.B. LWS-Syndrom), die aufgrund von abnormen Bewegungsmustern auftreten können.

  • Durchführung mithilfe von Unterarmstützen, Knieorthese oder Gehwagen (Rollator).

Hauptind.: Arthrosen, insbes. Kox-, Gon- und OSG-Arthrose. Prä- und postoperative Übungen. Entlastung bei Arthritis und intraartikulären Eingriffen (Synovektomie).

  • Vor Verordnung der Gehhilfen muss das Abstützen mit der oberen Extremität (Omarthritis? Streckdefizit des Ellenbogens? Subluxation der Carpalia?) gewährleistet sein!

  • Auf richtige Einstellung der Unterarmstützen achten: Griff des Handteils auf Handgelenkhöhe, Ellenbogen gestreckt, Schultern nicht hochgezogen!

Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL)

  • ÜbungsprogrammeKrankengymnastikAktivitäten des tägl. Lebens zur Bewältigung von alltäglichen motorischen Anforderungen mit dem Ziel, alle Strukturen des Körpers optimal zu belasten

  • Aufrechte Haltung im Sitz: Beckenkippung, Brustkorbhebung, gestreckter Nacken, Beine in Abd., Füße leicht nach außen

  • Aufrechte Haltung im Stand: Beckenkippung, Brustkorbhebung, gestreckter Nacken, Füße unter den Hüften, Fußspitzen nach außen gedreht

  • Gehen in aufrechter Haltung: Vorwärts-, Seitwärts-, Rückwärtsgehen, Treppengehen, Joggen

  • Alltagsbewegungen: Bücktraining, Bewegungsverhalten in Alltagssituationen (Beruf, Hobby, Sport, Haushalt)

Hauptind.: stammskelettbetonte tendomyotische Schmerzsyndrome, Insertionstendopathie, Periarthropathie, Fibromyalgie, Polyarthrose, SpA.

  • Haltungsänderung = Verhaltensänderung!

  • Die Automatisierung der neuen Bewegungsabläufe kann sehr lange dauern (6–12 Mon.)!

Rückenschule

  • ZielsetzungKrankengymnastikRückenschuleRückenschule: Prävention und Rehabilitation von WS-Schäden

  • Erlernen von rückenschonendem Verhalten für Alltagsbewegungen

  • Anleitung in Kleingruppen (6–10 Teilnehmer) 6 Wo. lang

10 Regeln der Rückenschule

(nach J. Krämer 1990)
  • Du sollst dich bewegen.

  • Halte den Rücken gerade.

  • Gehe beim Bücken in die Hocke.

  • Hebe keine schweren Gegenstände.

  • Verteile Lasten und halte sie dicht am Körper.

  • Halte beim Sitzen den Rücken gerade und stütze den Oberkörper ab.

  • Stehe nicht mit geraden Beinen.

  • Ziehe beim Liegen die Beine an.

  • Treibe Sport, am besten Schwimmen, Laufen oder Radfahren.

  • Trainiere täglich deine Wirbelsäulenmuskulatur.

Hauptind.: pseudoradikuläres WS-Syndrom, SpA, Osteoporose, Z.n. Bandscheiben-OP, Primärprävention (= Vorbeugung gegen Erkrankungen) in Schulen und Betrieben.

Ohne selbstständige Übungen im Anschluss an die Rückenschulkurse verfehlt diese Maßnahme ihren Sinn – Auffrischübungen unter Anleitung eines Physiotherapeuten sind oft erforderlich!

Elektrotherapie

MethodenElektrotherapie der physikalischen Medizin, die den Pat. der unmittelbaren Wirkung elektrischer Ströme aussetzen.

Grundlagen der Elektrotherapie

Einteilung der Stromformen
  • GleichstromElektrotherapieStromformen: galvanischer Strom, Iontophorese

  • Niederfrequenz (1–1.000 Hz)

    • Gleichstrom

    • Impulsgleichstrom: TENS, Dreieck-, Rechteck-, Expotentialstrom

    • Wechselstromimpulse: faradischer Strom, diadynamischer Strom

  • Mittelfrequenz (1.000 Hz–100 kHz)

    • Mittelfrequenzstrom

    • Interferenzstrom nach Nemec

  • Hochfrequenz (> 100 kHz)

    • Ultraschall

    • Ultraschall mit der Kombination von Diadynamik

    • Kurzwelle (27 MHz)

    • Dezimeterwelle (434 MHz)

    • Mikrowelle (2.400 MHz)

Anmerkung: Ultraschall, der mechanische Energie überträgt, zählt ebenso wie die Hochfrequenzther., bei der es sich um reine Thermother. handelt, nicht zur Elektrother. Nur aus didaktischen Gründen werden diese Anwendungen hier im Rahmen der Elektrother. abgehandelt.
Grundsätzliche Regeln zur Stromapplikation
  • Die differente Elektrode ist immer die Wirkelektrode und wird immer an dem betroffenen Körpergebiet angebracht.

  • Die indifferente Elektrode fungiert als Bezugselektrode und kann prinzipiell überall am Körper angelegt werden.

  • Bei Gleichstrom ist die differente Elektrode die Anode, weil unter dieser der Anelektrotonus (Beruhigung, Schmerzschwellenerhöhung) genutzt werden soll.

  • Bei Reizströmen (Diadynamik, Ultrareiz, Hochvolt, gleichgerichteter Interferenzstrom) ist die Kathode die differente Elektrode, da unter ihr die Auslösung des „Schmerzverdeckungseffekts“ besonders wirksam ist.

  • Sind zwei Elektroden unterschiedlich groß, ist automatisch die kleinere Elektrode wegen der größeren Stromdichte die differente Elektrode.

  • Bei Wechselstrom (Interferenz, biphasischer Impulsstrom) gibt es keine differente Elektrode.

  • Bei diffusem Schmerzgeschehen ist es oft nicht möglich, eine der Elektroden als differente Elektrode zu definieren; dies gilt insbes. für Längs- und Querdurchströmungen.

Applikationsformen
  • ElektrodenartenElektrotherapieApplikationsformen: Platten- (Schulter, Hand, Hüfte, OSG), Saug- (HWS, BWS, LWS), Klebe- wie Saugelektroden, Punkt- (kleine Muskeln), Bügel- (WS segmental), Rollen- (Massageeffekt) und Handschuhelektroden je nach anatomischer Gegebenheit und Behandlungsareal.

  • Querdurchströmung: Anordnung des Elektrodenpaars, sodass Strom quer zur Körperlängsachse fließt.

  • Längsdurchströmung: Stromrichtung längs zur Körperlängsachse. Bei WS-Behandlung Anode kranial und Kathode kaudal (absteigende Behandlung) zur Sedierung und Schmerzlinderung. Umgekehrte Elektrodenanlage kann Gegenteil bewirken.

  • Schmerzpunktbehandlung: Differente Elektrode (bei Gleichstrom die Anode, bei Reizströmen die Kathode) auf dem Schmerzpunkt anlegen, die Bezugselektrode in einigen Zentimetern Entfernung nach den Regeln der absteigenden Behandlung: proximal bei Reizströmen, distal bei Gleichstrom oder auf gleicher Höhe bei beiden Stromarten angelegt.

  • Mobile Applikation: Bei einer mobilen Elektrode ist die indifferente Elektrode am Körper fixiert, während die differente Elektrode über das therapeutisch zu beeinflussende Gebiet geführt wird. Zum Auffinden von hyperalgetischen Zonen (z.B. Triggerpunkte) geeignet.

  • Nervenstammapplikation: Das Elektrodenpaar wird im Verlauf des peripheren Nervs angelegt, um ihn direkt zu beeinflussen (z.B. Lumboischialgie).

  • Mono- oder multisegmentale Applikation: Anlage der Elektroden auf der betroffenen Seite neben der WS oder rechts und links neben der WS in Höhe einer oder mehrerer Nervenaustrittsstellen. Monosegmentale Applikation ist oft intensiver, jedoch erhöhter Zeitbedarf als multisegmentale Applikation.

Behandlungsrichtlinien
  • Je akuter einElektrotherapieBehandlungsrichtlinien Krankheitsbild, desto niedriger die Dosierung und desto kürzer die Dauer der Einzelanwendungen

  • Therapiekontrolle während der Behandlung vom Therapeuten

  • Definition der EmpfindlichkeitSchliphake, Empfindlichkeitsdefinition nach Schliephake:

    • I: sensibel unterschwellig: Strom nicht spürbar

    • II: sensibel schwellig: Strom gerade spürbar

    • III: sensibel überschwellig: Strom stark, aber verträglich

    • IV: sensible Toleranzschwelle: Strom sehr stark, aber gerade noch verträglich

Bei keiner nennenswerten Besserung nach etwa 10 Behandlungen ist auf eine andere Stromart oder eine andere physikalische Behandlungsmethode zu wechseln.

NW:
  • Verätzungen: Elektrolyseprodukte bei unidirektionalen Stromformen (= gleichbleibende Polarität der Elektroden)

  • Verbrennungen: Stromdichte lokal zu hoch

    • Hautverletzungen

    • Kontakt der Metallelektroden mit Haut

    • Elektrodenabhebung durch ungleichmäßige Fixierung

    • Metallimplantate im durchströmten Gewebe

    • Schwämme ungleich durchfeuchtet

  • Schreckreaktion: Dosierung initial zu hoch gewählt

KI:
  • HautläsionenElektrotherapieKontraindikationen im Applikationsgebiet der Elektroden

  • Metallische Teile im Stromflussgebiet: Herzschrittmacher, Endoprothesen, Metallsplitter, Spirale

  • Schwangerschaft

  • Akute Entzündungen und Thrombophlebitiden im Behandlungsgebiet

  • Metastasierende Tumoren

  • Fieberhafte Allgemeinerkrankungen

  • Hämorrhagische Diathese, insbes. Hämophilie

  • Dekompensierte kardiovaskuläre oder pulmonale Erkrankungen

  • Sensibilitätsstörungen im Anwendungsbereich

  • Vaskulitiden und höhergradige AVK

  • Ödeme

  • Kürzlich bestrahlte Gebiete

  • Epiphysenfugen bei Jugendlichen (gilt nur bei Ultraschall)

  • Einmalelektroden können nur beim unidirektionalen Strom Verätzungen hervorrufen!

  • Erst Elektroden anlegen, dann Strom anschalten!

Niederfrequenz

StrömeNiederfrequenz-Elektrotherapie von 1–1.000 Hz (oft 50–100 Hz). Die Besonderheit liegt in der Reizwirksamkeit jeder einzelnen Stromschwankung (Kathodenschließung bzw. Anodenöffnung). Die Erregungsauslösung steht im Vordergrund.

  • Niederfrequenz = Nervenfaserwirkung

  • Mittelfrequenz = Muskelfaserwirkung!

Galvanischer StromKonstanterGalvanischer Strom, nur in einer Richtung fließender Strom mit Längs- oder Querdurchströmung bzw. auf- und absteigender Form. Weitere Möglichkeiten sind Zweizellenbad, Vierzellenbad oder Stangerbad.
  • Hauptind.: Arthrosen, Spondylosen, Insertionstendopathien, Myalgien, Fibromyalgie.

  • Dosierung und Anwendung: bei Plattenelektroden 0,3–0,5 mA/cm2 Elektrodenfläche, 10–20 min, Einstellung nach subjektivem Stromgefühl (Schliephake II–III; Kap. 18.3.1). Ein- und Ausschleichen des Stroms.

  • NW: Für Gleichstromanwendungen sind hohe Stromdichten unter den Elektroden erforderlich, um den Hautwiderstand zu überwinden. Somit sind bei hoher Stromdichte und zu kleinen Elektroden Hautverätzungen und Verbrennungen möglich.

Ausreichend dicker Schwamm oder Frotteetuch unter Elektroden zum Schutz vor Verätzungen auch bei niedrigen Stromdichten mit längerer Behandlungszeit!

IontophoreseSonderformIontophorese des galvanischen Gleichstroms, bei dem die transkutane Wanderung antiphlogistischer Pharmaka durch die Elektrother. verstärkt wird.
  • Hauptind.: Arthrosen, Periarthropathien, Insertionstendopathien, moderate Arthritis, posttraumatische Zustände.

  • Dosierung und Anwendung: akute Erkrankungen tägl., sonst 3 × Wo. 10 min Anode (+Pol) oder Kathode (–Pol) oder sogar beide können als differente Elektrode fungieren, je nach Medikament.

  • NW: Hautreizung beachten. Ist die Polarität eines Präparats nicht bekannt, trägt man die Substanz, z.B. bei Querdurchströmung einer Extremität, unter beiden Elektroden auf. Eine Umpolung nach einigen Minuten widerspricht dem physikalischen Prinzip der Iontophorese und sollte nicht vorgenommen werden.

  • Bei unzureichender Wirkung Präparatewechsel – Trägermedium kann ausschlaggebend sein!

  • Bei unbekannter Polarität der Substanz Applikation unter beiden Elektroden und Umschaltung nach 5–10 min!

FaradisationWechselstromFaradisation mit rhythmischem An- und Abschwellen des Stroms mit daraus resultierender Muskelkontraktion.
  • Hauptind.: Inaktivitätsatrophie, Thrombembolieprophylaxe.

  • Dosierung und Anwendung: nach Erstellen einer Reizzeit-Reizstärke-Kurve (ms-mA-Kurve) 2 × tägl. 15–20 min mit aktiver Muskelarbeit des Pat. (Elektrogymnastik).

  • NW: Hautverätzungen möglich.

ImpulsstromEineImpulsstrom Form der Reizstromther. im engeren Sinne. Dreieck-, Rechteck- oder Expotentialströme reizen selektiv innervierte, aber auch denervierte Muskeln.
  • Sonderformen:

    • Ultrareizstrom: Rechteckstrom von 2 ms Impulszeit und 5 ms Pausenzeit

    • Schwellenstromstimulation: rhythmische Zu- und Abnahme der Stromstärke beliebiger Serienimpulsströme

  • Hauptind.: atrophisch schlaffe Paresen (Polyradikulitis, periphere Nervenschädigung wie Peroneusparese, Nervenwurzelschädigung), Post-Polio-Syndrom.

  • Dosierung und Anwendung: Vor Einsatz der Ther. ist durch Elektrodiagnostik eine Reizschwellenkurve (IT-Kurve) der zu behandelnden Muskulatur zu ermitteln. Beenden der Ther. bei schlechter werdenden Muskelkontraktionen. Anleitung zum Eigentraining.

  • NW: Hautverätzungen insbes. bei kleinen Elektroden.

Diadynamische StrömeInterfrequenteDiadynamische Ströme Wechselströme mit rhythmischen Unterbrechungen oder Phasenverschiebungen, gelegentlich unterlegt mit galvanischem Strom. Unterscheidung nach Bernard in fünf Stromqualitäten (DF, MF, CP, LP, RS), die einzeln oder kombiniert angewandt werden können.
  • Hauptind.: Arthrogene und myogene Schmerzen bei Arthrosen und Arthritis. Weichteilrheumatismus. Algodystrophie (Sudeck-Syndrom) Stadium II–III.

  • Dosierung und Anwendung: Applikation am Schmerzpunkt. 1 × tägl. 3–12 min mit Steigerung pro Behandlung um 1–2 min. Mind. zwei Stromarten miteinander kombinieren.

    • DF: sympathikusdämpfend: Stromart zum Behandlungsbeginn

    • CP: analgesierend und resorptionsfördernd: Ödeme

    • LP: langanhaltend analgesierend: starke Schmerzzustände

    • MF: muskelentspannend und bindegewebstonisierend: Weichteilrheumatismus

    • RS: faradisierend: Inaktivitätsatrophie

  • NW: Hautverätzungen möglich. Behandlung langsam ein- und ausschleichend vornehmen.

  • Beginn der diadynamischen Ströme mit DF für 1–2 min!

  • Klebeelektroden bei Diadynamik vermeiden, da Gefahr der Verätzung!

  • Diadynamikther. immer sensibel überschwellig (Schliephake III): ohne deutliches Spüren keine Wirkung!

Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)AnalgesieverfahrenNervenstimulation, transkutane elektrischeTENSTranskutane elektrische Nervenstimulation durch niederfrequente Impuls- und Gleichströme zur Heim- und Selbstbehandlung, das zur Schmerzreduktion und Einsparung von Analgetika beiträgt.
  • Hauptind.: Weichteilrheumatismus, Insertionstendopathien, Nervenengpasssyndrome, Lumbalgien, Neuralgien, Phantom- und Stumpfschmerzen.

  • Dosierung und Anwendung: mehrmals tägl. 30–60 min Kathode auf Schmerzpunkt, Anode im Ausstrahlungsgebiet des Schmerzes oder umgekehrt, da beide Elektroden wirksam sind. Regelung der Stromstärke individuell vom Pat. selbst: deutlich spürbares Stromgefühl unterhalb der Schmerzgrenze. Rezeptierfähig zur Heimbehandlung.

  • NW: Hautreizungen über Elektrode (Kontaktallergie). Elektrolytische Verätzungen treten nicht auf.

  • Einweisung über Elektrodenplatzierung, Stromform und Dosierung vom Arzt!

  • Falsche Elektrodenplatzierung ist häufigste Ursache für unzureichendes therapeutisches Ansprechen!

  • Hypalgesierender Effekt tritt mit einer Zeitverzögerung von 20–30 min ein und kann bis zu 2 h über den Anwendungszeitraum hinaus anhalten!

Mittelfrequenz

WechselströmeMittelfrequenz-Elektrotherapie von 1.000 Hz–100 KHz. Die Besonderheit liegt in der fehlenden Reizwirksamkeit der Einzelschwankung (Wedenski-Hemmung), erst die Summation vieler mittelfrequenter Stromperioden bewirkt einen länger anhaltenden Erregungs- bzw. Aktivierungszustand (Summationsprinzip nach Gildemeister). Die muskeltonisierende Wirkung steht im Vordergrund. Im Gegensatz zur Niederfrequenz sind keine Hautläsionen möglich.
Interferenzstrom nach NemecSonderformInterferenzstrom nach Nemec der Mittelfrequenzther. Mischung zweier sich kreuzender mittelfrequenter Wechselströme, die sich von der Frequenz her nur geringfügig unterscheiden oder phasenverschoben sind. Die im Körper durch Überlagerung entstehenden neuen Frequenzen (Interferenz) unterscheiden sich in einen niederfrequenten Anteil in Form von Schwebungen (rhythmische Stromstärkeschwankungen) und einen mittelfrequenten Anteil, die sog. Trägerfrequenz.
  • Hauptind.: Weichteilrheumatismus mit Periarthropathien, lokalisierten Tendomyopathien (Enthesiopathien, myofasziale Triggerpunkte), generalisierten Tendomyopathien (Fibromyalgie). SpA mit tendomyotischer Symptomatik, Sakroiliitis, Spondylosis deformans, Schulter-Arm-Syndrom.

  • Dosierung und Anwendung: tägl. 10 min Serie von 10–20 Behandlungen

    • Akut: Frequenz 100 oder 200 Hz konstant

    • Subakut: Frequenz 80–100 Hz oder 100–200 Hz

    • Chron.: Frequenz 1–100 Hz oder 1–200 Hz wechselnd

  • NW: Aufgrund unterschiedlicher Leitfähigkeit der durchströmten Gewebe ist der Wirkort, an den durch Überlagerung der Ströme der therapeutische Effekt erzielt werden soll, nicht exakt bestimmbar. Es ist deshalb streng auf die Lage der einzelnen Stromkreise zueinander zu achten. Lässt aufgrund des niederfrequenten Anteils des Interferenzstroms die Kontraktionskraft des Muskels nach, ist die Behandlung abzubrechen.

  • Je akuter das Krankheitsbild, desto langsamer der Frequenzwechsel!

  • Elektrodenposition kontrollieren – eine Änderung der Platzierung kann Wunder bewirken!

Hochfrequenz

Reine Thermother.Hochfrequenz-Elektrotherapie durch Erzeugung elektromagnetischer Felder. Je nach Frequenz und Applikatoren Steuerung der Tiefenwirkung der Wärme (Diathermie).
Diathermiewirkung:
  • Erwärmung

  • Kontraktionssteigerung des Muskels

  • Thermoregulatorische Erschlaffung

  • Einfluss auf chron. Umbauvorgänge, insbes. Abheilungsphase

KurzwelleThermother.Kurzwelle aufgrund Durchflutung einer Region im Kondensatorfeld (elektrisches Feld) bzw. Spulenfeld (magnetisches Feld).
  • Hauptind.: Myalgien stammskelettbetont, Gonarthrose, Koxarthrose, Lumboischialgie.

  • Dosierung und Anwendung: Regelung der Intensität durch subjektives Temperaturempfinden (Schliephake I–IV; Kap. 18.3.1). Wärmeintensität und Dauer umgekehrt proportional zur Aktivität des Krankheitsbilds (akut: Dosis I–II, 2–5 min; chron.: Dosis III–IV, 10–15 min).

    • Kondensatorfeld: Längs- und Querdurchflutung möglich. Körperteil wird zwischen zwei Plattenelektroden gebracht und liegt als Teil des Gesamtstromkreises im elektrischen Feld. Tiefenerwärmung mit Fettbelastung.

    • Spulenfeld: Verwendung einer einzigen als Spule ausgebildeten Elektrode zur Erzeugung eines hochfrequenten magnetischen Felds. Tiefenerwärmung der Muskulatur, geringe Fettbelastung.

    • Elektrodenarten: Minode für kleine und mittlere Gelenke, Diplode für Schulter-Nacken-Bereich, BWS, LWS und Hüftgelenk. Induktionskabel für ganze Extremität.

  • NW: Gewebeschädigung in Muskulatur und Periost aufgrund zu hoher Intensität oder falsche Elektrodenart. Streustrahlung kann auch an entfernten Leitern lokale Feldverdichtungen verursachen – Herzschrittmacherpat. und elektrische Geräte fernhalten (Nebenraum, 5-m-Abstand).

  • Gefahr der Verbrennung tiefergelegener Gewebeschichten, da sich dort weniger Schmerzrezeptoren befinden!

  • Hautkontakt mit Metallen vermeiden: Infusionsständer, Liege, Uhren, Halskette, Ringe, Reißverschlüsse, BH-Clips!

  • Die Kurzwelle bietet die besten Möglichkeiten, tiefer gelegene Strukturen zu therapieren, jedoch stellt sie zugleich erhöhte Anforderungen an Anlage und Auswahl der Elektroden!

  • DezimeterwelleThermother.Dezimeterwelle aufgrund elektromagnetischer Wellen mit Tiefenwirkung und günstiger Temperaturverteilung.

  • Hauptind.: Myalgien stammskelettbetont. Lumbalsyndrom.

  • Dosierung und Anwendung: Regelung der Intensität immer durch subjektives Temperaturempfinden (Schliephake I–IV; Kap. 18.3.1). Subjektive Graduierung nach 1–2 min Ther. vornehmen.

  • NW: siehe Kurzwelle.

  • Je nach anatomischen Gegebenheiten Verwendung von drei Strahlerarten: Rundfeldstrahler, Langfeldstrahler und Hohlfeldstrahler!

  • Das subjektive Wärmegefühl ist geringer als bei Kurzwelle!

Ultraschall

MechanischeUltraschalltherapie Longitudinalwellen erzeugen einmal Druckwechsel im Gewebe (mechanische Vibrationswirkung), zum anderen wird ein Teil der Schallenergie in Reibungsenergie umgewandelt (thermische Wirkung). Der therapeutische Ultraschall arbeitet mit Frequenzen zwischen 0,8 und 1 MHz.
  • Sonderformen:

    • Ultraschallphonophorese: Transport von Medikamenten durch die Haut

    • Kombination Ultraschall und Reizströme (Ultrareizstrom, Diadynamik): Schallkopf fungiert als differente Elektrode. Bezugselektrode ist Plattenelektrode in Nähe des Beschallungsorts

  • Hauptind.: Insertionstendopathie bei Periarthropathien und SpA, Myalgien, Arthritis, Beugesehnenknoten, Tendovaginitis, Heberden- und Bouchard-Knoten, Dupuytren-Krankheit, Bindegewebsindurationen bei systemischer Sklerose.

  • Dosierung und Anwendung: tägl. 10 min. Je akuter das Krankheitsbild, desto kürzer die Behandlungsdauer (aber öfter tägl. 3–5 min) und niedrigere Intensität (0,1–0,3 W/cm2). Bei chron. Krankheitsbild höhere Intensität (0,5–2 W/cm2).

    • Kleine Gelenke (PIP, DIP, Kiefergelenk): 0,1–0,2 W/cm2

    • Mittlere Gelenke (MCP, MTP, Ellenbogen): 0,3–0,5 W/cm2

    • Große Gelenke (Knie, Schulter, OSG): 0,6–3 W/cm2

  • NW: Schmerzsensationen bei zu hoher Schallintensität. Gewebezerstörung durch punktuelle Anwendung (Kippen des Applikators, geringe Gelmenge).

  • Während der Beschallung immer auf Schallmedium (Kontaktgel, Wasserbad) zur Vermeidung der NW achten!

  • Dynamische Anwendung, da sonst Gewebezerstörung durch stehende Wellen!

  • Epiphysenfugen, innere Organe und gravider Uterus von Beschallung ausschließen!

Massage

Physik. BeeinflussungMassage von Haut, Unterhaut, Muskulatur, Periost und Knochen durch gezielte Anwendung von Dehnungs-, Zug- und Druckreizen.

Grundlagen der Massage

Einteilung der Massagetechniken
  • KlassischeMassageGrundlagen Massage

  • Reflexzonenmassage

  • Lymphdrainage

  • Apparative Massage: Unterwasserdruckstrahlmassage, Bürstenmassage, Hot Stones

Grundsätzliche Regeln zur Anwendung
  • Die Indikation ist vom Lokal- und Gesamtbefund des Krankheitsbilds abhängig: Insertionstendopathie, myofasziale Triggerpunkte, Kontrakturen, Bindegewebsindurationen, Muskelatrophie, Lymphstauung.

  • Psychische Entspannung und reflektorische Einwirkungen auf viszerale Organe sind nicht zu unterschätzen und sollten in das Gesamtbehandlungskonzept miteinfließen.

  • Oft ergänzende Ther. zu anderen aktiven und passiven Maßnahmen.

Behandlungsrichtlinien
  • Vorbereitung: Blase- und Darmentleerung

  • Lagerung in entspannter, schmerzfreier Position

  • Frequenz: Krankheit, Akuität und Lokalbefund angepasst. Oft 3 ×/Wo.

  • Dauer: Teilmassage 10–15 min, Großmassage 30 min, Ganzbehandlung 60 min

Nebenwirkungen
  • Schweißausbrüche

  • Herzpalpitationen

  • Kollaps

  • Harn- und Stuhldrang

  • Hautrötung

  • „Muskelkater“, oft angenehmer Nachschmerz

  • Blutungen, Hämatom

Kontraindikationen
  • Fieberhafte Allgemeinerkrankungen

  • Vaskulitiden, Phlebitiden, insbes. Thrombophlebitis

  • Blutungen bzw. Blutungsgefahr (Antikoagulanzien)

  • Frakturen, Luxationen, Distorsionen an der Massagestelle

  • Schwere Sensibilitätsstörungen

  • pAVK Stadium III–IV

  • Dekompensierte Herzinsuffizienz, frischer Myokardinfarkt

  • Entzündliche Haut- und Unterhauterkrankungen (Furunkel, Lymphangitis, Myositis)

  • Druckurtikaria

Massagetechniken

Klassische MassageSeitMassageTechniken dem Altertum gebräuchliche Therapieform, die mit „klassischen“ Grifftechniken arbeitet.
  • Streichungen: flächige Griffe mit beiden Händen

  • Knetungen: S-förmige Knetbewegungen einer Muskelgruppe

  • Rollungen: rollende Bewegungen in Muskellängsrichtung zur Dehnung

  • Reibungen: flache oder tiefergehende Reibungen

  • Zirkelungen: kleine, spiralige Bewegungen über umschriebenen Verspannungen mit Fingerkuppe oder Handballen

  • Hautreizgriffe: Walkungen (größerflächige Knetbewegungen), Klopfungen (kurze Schlagbewegungen mit Handkante), Klatschungen (kurze Schlagbewegung mit der flachen Hand)

  • Vibrationen: Zitterbewegungen in vertikaler Richtung

  • Schüttelungen: lockere Schüttelbewegungen von Extremitäten, Rumpf oder einzelnen Muskelgruppen

ReflexzonenmassageMassagetechnikReflexzonenmassage zur Beeinflussung kutiviszeraler Reflexe über Head-Zonen, Bindegewebszonen, Myotome, Mackenzie-Zonen, muskuläre Maximalpunkte bzw. Sklerotom (Periost). Eine Sonderform der Bindegewebsmassage mit einer Münze entlang dem betroffenen Dermatom kann der Pat. selbst erlernen.
LymphdrainageSpezielleLymphdrainage Massageform mit Streichungen, intermittierenden Pump- oder Saugbewegungen zur Förderung des Abtransports von Gewebeflüssigkeit.
Unterwasser-DruckstrahlmassageMassagebehandlungUnterwasser-Druckstrahlmassage im Wasser mithilfe eines warmen Wasserdruckstrahls von 0,5–6 Atü. Gegenüber der klassischen Massage zusätzliche Temperatur- und hydrostatische Belastung.

Hydrotherapie

AnwendungsformenHydrotherapie unter Beeinflussung der Wasserwirkung.

Grundlagen der Hydrotherapie

Einteilung nach Anwendungsformen
  • Bäder: Teil-, Vollbad; ansteigend, absteigend bezogen auf die Temperatur; heiße und kalte Wechselwaschungen, Güsse, Unterwasserdruckstrahlbehandlung

  • Wickel

  • Packungen

  • Sauna

In der Rheumatologie haben verschiedene medizinische Bäder, das Bewegungsbad und das hydroelektrische Bad eine große Bedeutung und werden demzufolge besprochen.
Dosierung der HydrotherapieDie Reizintensität hängt von der Wahl des hydrotherapeutischen Reizes, dem Umfang des gereizten Körperareals, der Wassertemperatur, der Anwendungsdauer und evtl. mechanischen Faktoren ab:
  • Milde hydrotherapeutische Reize: Wickel, Waschungen, Abreibungen, ansteigende Teilbäder bis Unterarm bzw. Unterschenkel, Wassertreten

  • Mittelstarke hydrotherapeutische Reize: ansteigende Bein- und Halbbäder, warmes Teilbad, medizinisches Teilbad, Rumpfwickel und feuchte Drei-Viertel-Packung mit mittlerer Liegedauer (30–45 min)

  • Starke hydrotherapeutische Reize: Überwärmungsbad, medizinisches Vollbad, hydroelektrisches Vollbad (Stangerbad), langliegende feuchte Drei-Viertel- oder Ganzpackung

  • Definition der Wassertemperatur:

    • Brunnenkalt < 15 °C

    • Kalt < 30 °C

    • Lau oder kühl 30–33 °C

    • Indifferent 34–35 °C

    • Warm 36–37 °C

    • Sehr warm 37–40 °C

    • Heiß 40 °C

    • Schmerzgrenze 45–46 °C

Nebenwirkungen
  • Frösteln

  • Kopfschmerzen

  • Kollaps

  • Kardiopulmonale Dekompensation

Kontraindikationen
  • Allgemein: letzte Mahlzeit < 2 h, während der Menstruation, Übermüdung

  • Kälteanwendung: kalter oder frierender Körper, schweres Raynaud-Syndrom

  • Wärmeanwendung: kardiopulmonale Dekompensation, akuter febriler Status

  • Vollbad, Bewegungsbad: kardiopulmonale Dekompensation, Endo-, Myo-, Perikarditis, Thrombophlebitis, Aneurysma

  • Hydroelektrisches Bad: Schrittmacherpat.

Nach einem starken hydrotherapeutischen Reiz (Überwärmungsbad) muss eine Erholungsphase von 2 h gewährleistet sein!

Medizinische Bäder

Teil- oder VollbäderBädermedizinische sowie ansteigende und absteigende Bäder, die teilweise mit Badezusätzen versehen werden.
  • Baldrianbad: Fibromyalgie, Schlaflosigkeit, vegetativer Symptomenkomplex

  • Fichtennadelbad: subakute RA, Arthrosen, vegetative Dystonie

  • Heublumenbad: extraartikulärer Rheumatismus, insbes. Fibromyalgie, Arthrosen

  • Kohlensäurebad: extraartikulärer Rheumatismus, Raynaud-Syndrom bei Kollagenosen, vegetativer Symptomenkomplex, psychosomatische Störungen, arterielle Hypertonie

Die Behandlungstemperatur des Kohlensäurebads muss niedriger sein (ca. 30 °C) als bei anderen medizinischen Bädern, da CO2 die Kaltrezeptoren dämpft und die Warmrezeptoren erregt und somit zu Blutdrucksenkung (periphere Vasodilatation) und Wärmegefühl in der Peripherie führt!

Bewegungsbad

KrankengymnastischeBewegungsbad Übungsbehandlung im Wasser unter Ausnutzung von Auftriebskraft, hydrostatischem Druck und Reibungswiderstand.
  • Hauptindikationen sind chron., degenerative WS-Erkrankungen sowie der unteren Extremität (Kox-, Gonarthrose) und die SpA.

  • Spielerische Elemente können sehr gut mitberücksichtigt werden: Motivation des Pat. in der Gruppe.

  • Indifferenztemperatur von 33–34 °C ist für den Großteil der Pat. am geeignetsten.

Gefahr des Kreislaufkollaps beim Verlassen des Wassers!

Hydroelektrische Bäder

KombinationBäderhydroelektrische einer galvanischen Stromdurchflutung mit den Vorteilen der Hydrother.
  • Zweizellen- bzw. Vierzellenbad: Arme und Unterschenkel werden separat in eine Wanne getaucht und mit verschiedenen Stromschaltungen durchflutet.

  • Stangerbad: Vollbad mit Längs-, Quer- oder Diagonaldurchflutung des Stroms, der aufsteigend (eher anregend) bzw. absteigend (eher dämpfend) geschaltet werden kann.

Die Stromstärke im Stangerbad ist bis zu einem gut erträglichen Kribbelgefühl auch durch Nachregulieren während der Behandlung einzustellen!

Thermotherapie

Physik. Ther., dieThermotherapie sich die Reaktionen von Haut, Unterhaut und auch tieferen Gewebeschichten durch die Einwirkung von Wärmezufuhr (Wärmether. Kap. 18.6.2) oder Wärmeentzug (Kryother. Kap. 18.6.3) zunutze macht.

Grundlagen der Thermotherapie

  • Die Wirkungen der Thermother. sind vom Wärmeträger abhängig: Wärmeleitung, Wärmehaltung, Wärmekapazität.

  • Die Wirkungen der Thermother. sind vom Reaktionsverhalten des Pat. abhängig: Kälte- oder Wärmetyp, Krankheitsaktivität, Konstitution, Alter, Geschlecht.

  • Der Indifferenzbereich (Behaglichkeitstemperatur) ist vom umgebenden Medium abhängig: Luft 24–26 °C, Moorbad 38 °C.

  • Die individuelle Reaktion des Pat. auf Wärme- und Kälteanwendung ist sehr unterschiedlich: Mit einer Aktivierung des entzündlich-rheumatischen Krankheitsprozesses ist stets zu rechnen.

  • Die Thermother. ist fast immer eine unterstützende, vorbereitende Maßnahme für KG (Kap. 18.2) und Ergo (Kap. 18.7).

Behandlungsrichtlinien
  • Die Ind. zur Thermother. ist grundsätzlich bei allen rheumatischen Erkrankungen gegeben.

  • Die Ind. zur Wärmether. ist eher bei chron.-degenerativen Prozessen, zur Kryother. eher bei akuten Krankheitsprozessen gegeben.

  • Art, Intensität und Dauer des Reizes sind auf das Krankheitsbild abzustimmen: intensivere Reize im chron. Stadium, mildere Reize im Akutstadium.

  • Wärme- und Kryother. können durchaus kombiniert werden.

Nebenwirkungen
  • Wärmether.

    • Aktivierung der entzündlich-rheumatischen Grunderkrankung

    • Aktivierung eines Entzündungsprozesses (Bronchitis, Sinusitis)

    • Kardiopulmonale Belastung: Dyspnoe, Kollaps, Schwindel, Ödeme

  • Kryother.

    • Erfrierungen unterschiedlichen Ausmaßes

    • Vegetative Reaktionen: Frösteln, livide Verfärbung der Akren, Unwohlsein

    • Kälteüberempfindlichkeit: Kälte-Urtikaria

    • Nieren- und Blasenentzündungen

Kontraindikationen
  • Wärmether.WärmetherapieKontraindikationen

    • Alle akuten Arthritiden: Gichtanfall, aktivierte Arthrose, reaktive Arthritis

    • Akute Spondylitis/Spondylodiszitis: SpA, darmassoziierte Spondylarthropathie

    • Akute Vaskulitis mit Organbeteiligung

    • Infektiöse Arthritis

    • Akute Pannikulitis, Zellulitis

    • Akute lokale oder systemische Entzündungen: Sinusitis, Furunkel, Phlebitis, Tbc, Sepsis

    • Schwere kardiopulmonale Grunderkrankungen

    • Durchblutungsstörungen: Wärmestau, Verbrennungen, Thrombose

  • Kryother.KryotherapieKontraindikationen

    • Kälteüberempfindlichkeit

    • Kälte-Urtikaria

    • Raynaud-Syndrom

    • Paroxysmale Kältehämoglobinurie

Wärmetherapie

  • Peloide (MoorWärmetherapie, Heilerde, Sand, Lehm, Mergel, Löß, Fango): 43–45 °C Anlegetemperatur, 30 min Einwirkzeit, 20–30 min Ruhezeit. Zur häuslichen Anwendung auch als sog. Puzzle-Fango (Nackenstreifen).

  • Kompressen/Packungen/Salbenauflagen: Heublumensack, Kartoffelbreipackung, Leinsamensäckchen, Pasten messerrückendick für 20 min mit Leinenläppchen-Umwickelung.

  • Heiße Rolle: Zylinder aus fest zusammengerollten Frottiertüchern, durchtränkt mit ca. 1 l kochendem Wasser. Aufwendig, jedoch gut zur punktuellen Ther. geeignet.

  • Textile Segmente: Katzenfellbandagen, Decken, Umwickelungen.

  • Balneo- und Hydrother.: Kap. 18.5

  • Hochfrequenz: (Kap. 18.3.4) Kurzwelle, Dezimeterwelle, Mikrowelle, Ultraschall (Kap. 18.3.5).

  • Infrarot: Hausanwendung empfehlenswert.

  • Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen mit milder Wärmether. in der ersten Behandlungswoche beginnen und auf Krankheitsexazerbation achten!

  • Zusammenfassender Therapieerfolg einer Wärmether. ist oft als sog. „Nachkureffekt“ zu beobachten!

Kryotherapie

  • Eisbeutel: Brucheis ausKryotherapie der Eismaschine, Eiswürfel mit Eiswasser, Eis-Chips, Flockeneis. Etwa 2–6 °C. Gute Akzeptanz des Pat., da nicht zu kalt und kein Schmelzwasser, wenn Eis in Tüte eingepackt wird.

  • Eisabreibungen: Eiswürfel oder Eislolly über die schmerzhafte Struktur (Bandinsertion, Dermatom) verreiben. Kombination mit Muskeldehntechniken. Gute punktuelle Ther. möglich, jedoch Nachteil des Schmelzwassers.

  • Kältekompressen: Kryopack mit gelartiger Silikatmasse in einer Plastikhülle. Ca. –18 °C.

  • Frottierhandtuch: in Salzwasser getauchtes Tuch um das Gelenk legen.

  • Eistauchbad: ⅔ Wasser, ⅓ Eiswürfel. Für Hände und Füße geeignet. Ca. 5 °C.

  • Kaltluft: mobiler Einsatz eines Aggregats auf Station. –30 °C oder –70 °C.

  • Kaltgas: trockene Kälte von bis zu –170 °C. Stickstoffgas, in einem Abstand von 10–20 cm über die zu behandelnde Region.

  • Ganzkörperkälte: Kältekammerbehandlung von –110 °C bis –160 °C für 1–2 min in einigen Zentren möglich (Sendenhorst, Bad Kreuznach, Bad Aibling, Bad Säckingen).

  • Leinenunterlage zwischen Eis und Körper zur Vermeidung von Erfrierungen, insbes. bei Kältekompressen!

  • Kälteschädigung insbes. an Knochenvorsprüngen: Patella, Olekranon, Akromion!

  • Kaltluft- und Kaltgasther. gehören in die Hand eines kundigen Physiotherapeuten und nicht in Patientenhand!

Ergotherapie

Arbeits- undErgotherapie Beschäftigungsther. (griech.: ergon = Arbeit, Beschäftigung) zur Förderung der Selbstständigkeit in allen persönlichen, sozialen und beruflichen Bereichen.

Grundlagen der Ergotherapie

  • Ergother. beinhaltet Maßnahmen, die der Wiederherstellung, Verbesserung und Kompensation krankheitsbedingter Störungen und eingeschränkter Funktionen oder Fähigkeiten dienen.

  • Alltägliche Gebrauchsfunktionen werden von bewegungseingeschränkten Pat. so trainiert, dass sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Die Orientierung an den individuellen Voraussetzungen des Pat. (Begabung, erhaltene Fähigkeiten, Neigungen) und an seinem persönlichen Umfeld ist dabei sehr wichtig.

  • Die Integration in den familiären und beruflichen Alltag wird mit handwerklichen, kreativen und spielerischen Tätigkeiten sowie Aktivitäten aus dem tägl. Leben zu erreichen versucht. Oft ist das Training mit Werkzeugen, Geräten oder Hilfsmitteln erforderlich.

  • Bei allen rheumatischen Erkrankungen, die mit Funktionsstörungen am Bewegungssystem einhergehen (Kontraktur, Muskelatrophie, Gelenkinstabilität), ist die Ergother. indiziert.

  • Auch bei psychischen (reduziertes Selbstwertgefühl, Depression) und sozialen (Abhängigkeit von fremder Hilfe) Aspekten sollte die Verordnung erfolgen.

  • Wie jede andere physik. Ther. muss auch die Ergother. an das Krankheitsbild des Pat. angepasst und regelmäßig kontrolliert werden.

Aufgabenbereiche der Ergotherapie

  • Funktionstestung: ZustandsbeschreibungErgotherapieFunktionstestung der funktionellen Kapazität

    • Gelenkmessung

    • Muskelfunktionsprüfung

    • Selbsthilfetest

  • Fragebogentest zur persönlichen Leistungsfähigkeit: Essen, Trinken, Waschen, An-und Auskleiden, Gehen, Sitzen, Liegen, Fahren, Berufsausübung, Hobbys, Haushalt, Kochen, Haushaltspflege, allgemeine Handfunktionen. Der Selbsthilfetest ist Grundlage für das Therapieziel innerhalb der rheumatologischen Rehabilitation!

[F868-002]

Klassifikation der funktionellen Kapazität

0 = ungestörtKlassifikationskriterienfunktionelle Kapazität
1 = mit leichten Einschränkungen
2 = deutlich bis erheblich behindert
3 = nur mit Fremdhilfe möglich/auf Fremdhilfe angewiesen
  • Funktionelle Ergother.: Gelenkmobilisation und Muskelkräftigung, Sensibilitätstraining

    • Funktionelle Übungsgeräte und Spiele

    • Handwerkliche Techniken und Materialien

    • Anpassung von Werkzeugen und Geräten

    • Einrichtung spezieller Übungsplätze

  • Ablenkende Ergother.: psychische Aktivierung, Bewältigung der eigenen Situation, realistische Einschätzung der persönlichen Situation

    • Förderung kreativer Eigenschaften: Malen, Werken

    • Problemorientierte Gesprächsgruppen

    • Gesellschaftsspiele

  • Schienenversorgung:

    • Erhalt der funktionellen Gelenkstellung durch Lagerungsschienen, Förderung der Gelenkbeweglichkeit durch Übungsschienen

    • Anfertigung statischer und dynamischer Schienen

  • Gelenkschutz: Entlastung rheumatisch betroffener Gelenke, Schmerzlinderung, Vorbeugen einer rheumatischen Deformität

    • Patientenschulung über Prinzipien des Gelenkschutzes

    • Praktische Übungen zum Gelenkschutz

    • Demonstration und Training mit Hilfsmittels zum Gelenkschutz

  • Patientenschulung Gelenkschutz:

    • Gelenke in Arbeits- und Ruhestellung möglichst achsengerade halten

    • Lasten möglichst körpernah tragen

    • Lasten gleichmäßig auf beide Hände und Arme verteilen

    • Isolierte Belastung einzelner Gelenke vermeiden

    • Niemals tragen, was auch rollen kann

    • Einseitige Körperhaltungen vermeiden

    • Unnötiges Bücken und Strecken vermeiden

    • Hebelgesetze ausnutzen und Hilfsmittel benutzen

    • Ruhepausen einlegen

    • Regelmäßig: unbelastetes Durchbewegen aller Gelenke

Gelenkschutzübungen immer wieder auffrischen!

  • Selbsthilfetraining und Hilfsmittelversorgung: Wiedergewinnung und Erhalt der Selbstständigkeit im privaten und beruflichen Leben unter Berücksichtigung gelenkschonender Maßnahmen

    • Training der tägl. Aktivitäten mit und ohne Hilfsmittel

    • Haushaltstraining mit und ohne Hilfsmittel

    • Hilfsmittelanpassung: Schwanenhalsringe, Daumen-, Finger-, Handgelenk-, Nachtlagerungsschiene

    • Abklärung der Wohnungssituation: Stufen, Aufzug, „Stolpersteine“ wie Teppiche und Kabel

    • Beratung bei notwendigen Umbauten: Toilettensitz, Halterungen

  • Auswahl, Beschaffung und Gebrauch der Hilfsmittel sind im therapeutischen Team zu besprechen und zu kontrollieren!

  • Die teuersten Hilfsmittel müssen nicht die besten sein!

  • Arbeitsplatzanpassung: selbstständiges Arbeiten unter Berücksichtigung gelenkschonender Maßnahmen

    • Hilfsmittelanpassung und Training

    • Einrichtung eines behindertengerechten Arbeitsplatzes

    • Vorbereitung auf Umschulung

Orthopädietechnik

Die VersorgungOrthopädietechnik mit Hilfs- und Heilmittel zum Ersatz von verlorengegangenen Funktionen (Orthesen) und die Versorgung mit Körperersatzteilen (Prothesen) zur Wiederherstellung der Geh-, Steh-, oder Greiffähigkeit sind wesentliche Aufgaben der Orthopädietechnik.

Grundlagen der Orthopädietechnik

  • Die Verordnung des Hilfsmittels erfolgt durch den behandelnden Arzt.

  • Die Zusammenarbeit von Arzt, Orthopädietechniker, Physio- und Ergotherapeut ist für die Akzeptanz unerlässlich. Anhand eines Hilfsmittelverzeichnisses kann der aktuelle Stand der Hilfsmittelversorgung im therapeutischen Team besprochen werden.

  • Zur Verbesserung der Compliance muss eine Information über die Orthese schon vor der Anfertigung erfolgen: Funktion, Form, Tragekomfort, Kosten, Frühversorgung.

  • Eine Gebrauchsschulung durch KG oder Ergo ist notwendig (Gangschule Kap. 18.2.6, ADL Kap. 18.2.7).

  • Die Endabnahme der Orthese (Passform, Sitz, Funktion) erfolgt durch den Arzt.

  • Notwendige Änderungen der Orthesen am besten noch während des stationären Aufenthalts einleiten.

Aufgaben der Orthesen
  • StützungOrthesen: Längsgewölbeabstützung des Fußes, Zervikalstütze

  • Stabilisierung: Knieorthese bei Bandinstabilität, BWS-LWS-Mieder bei manifester Osteoporose

  • Fixation: Korsett nach WS-OP, akuter manifester Osteoporose, Spondylodiszitis

  • Immobilisation: OSG-Arthrodesenschuh bei Arthrose.

Orthesen

Hand
  • Handschiene nachHandOrthesen Liman/Riepe (Abb. 18.1): funktionelle Handschiene (unilateraler Bügel) zur Redression der Ulnardeviation und Aufrichtung des Handquergewölbes. Fixation mit Klettbändchen. Eingelenkige (MCP) oder zweigelenkige (Handgelenk) Stabilisation möglich

    Ind.: Reduktion der Handkraft und Verschlechterung der Greiffunktionen bei rheumatischer Handdeformität mit noch möglicher Reposition der subluxierten MCP

  • Nachtlagerungsschiene (Abb. 18.2): Kunststofflagerungsorthese in Funktions- oder korrigierter Stellung mit oder ohne Daumeneinschluss, die sowohl volar als auch dorsal angefertigt werden kann. Fixation mit zirkulären Klettverschlüssen

    Ind.: rheumatische Handdeformität: Handskoliose

  • Funktionelle Handschiene (Abb. 18.3): korrigierende Orthese bei Handskoliose oder Deviation der Langfinger

    Ind: Gelenkfehlstellung bei entzündlich-rheumatischer Manifestation oder Polyarthrose

  • Fingerringe: Quengelschienchen von MCP, PIP und DIP

    Ind.: Schwanenhals- bzw. Knopflochdeformität

  • Handgelenkbandage: Manschette zur Stabilisierung des Handgelenks

    Ind.: Karpalarthritis

Fuß und OSG
  • EinlagenversorgungFußOrthesenSprunggelenkoberes, Orthesen: Korrektur, Stützung, Entlastung und Einbettung des Fußes mit Blaudruckverfahren (Belastungsabdruck), Gipsmodell (Formabdruck) oder Schaumstoffabdruck (Mittelweg zwischen Trittspur und Gips).

    Ind.: Rheumatische Vorfußdeformität erfordert eine Vorfußpelotte mit Weichbettung.

  • Schuhzurichtung (Abb. 18.4): Modifikation an Absatz, Laufsohle, Brandsohle, Vorder-, Hinterkappe und Schaft.

    • Schmetterlingsrolle: Entlastung von Metatarsalköpfchen II–IV. Gleichzeitige Weichbettung der Mittelfußköpfchen und Aussparung der Brandsohle sinnvoll.

      Ind.: Bursitis bei RA, rheumatischer Spreizfuß, Morton-Neuralgie, Dornwarzen

    • Pufferabsatz: Anbringung an Konfektionsschuh, auch als Abrollhilfe verwendbar.

      Ind.: Achillodynie, OSG-Arthrose, Gonarthrose, Koxarthrose

    • Ballenrolle: Verbesserung der Abrollfähigkeit

      Ind.: Hallux rigidus, Tarsometatarsalarthritis, Talonavikulararthritis.

    • Mittelfußrolle: Abrollhilfe zur Erleichterung der Schrittfolge.

      Ind.: Ankylose und Bewegungseinschränkungen im Mittel- und Rückfuß

    • Zehenrolle: Scheitel vor den Zehengrundgelenken

      Ind.: Quadrizepsschwäche, Kniebandläsionen

    • Negativabsatz: Abänderung des Absatzes oder Kauf eines Schuhs mit Negativabsatz

      Ind.: Retropatellararthrose

    • Pronationskeil: Außenranderhöhung der Laufsohle von 0,5–1 cm

      Ind.: Varusgonarthrose, Außenbandläsion

    • Supinationskeil: Innenranderhöhung der Laufsohle von 0,5–1 cm

      Ind.: Valgusgonarthrose, Innenbandläsionen

    • Schafterhöhung und keilförmige Erweiterung der Fersenkappe: Druckentlastung am Achillessehnenansatz durch Aussparung der Fersenkappe

      Ind.: Achillodynie, Tenosynovitis und Bursitis, Haglund-Exostose

    • Absatzerhöhung: Schuheinlage, Absatzverringerung der Gegenseite und Absatzerhöhung mit oder ohne Ballenrolle je nach Ausmaß (bis 5 cm)

      Ind.: Beinlängendifferenz. Stufenweiser Ausgleich ist wichtig.

  • Orthopädische Maßschuhe: Bei fortgeschrittenen Deformitäten ist eine Versorgung mit Einlagen und Schuhzurichtungen am Konfektionsschuh oft nicht möglich, sodass nach Gipsabdruck und Einreichen des Kostenvoranschlags an Kostenträger ein Maßschuh angefertigt werden muss.

    Ind.: fortgeschrittene rheumatische Fußdeformität, insbes. bei RA

Wirbelsäule
  • Lohmann-BindeWirbelsäuleOrthesen: zirkulärer, fest-elastischer Kragen nach Maß (Breite meist 8 cm)

    Ind.: Torticollis, akutes HWS-Syndrom, moderate Zervikalarthritis

  • Zervikalstütze nach Henßge: Schaumstoffkragen mit Trikotüberzug und dorsalem Klettverschluss

    Ind.: HWS-Schleudertrauma, Torticollis, degeneratives HWS-Syndrom

  • Halbelastisches Mieder (HE-Mieder nach Lindemann): Drellmieder (Drell = 3-fach gewebtes, sehr dichtes Baumwollgewebe) mit Stabverstärkung im Rücken, leicht überbrückend und wahlweise Vorderschnürung oder Klettverschluss

    Ind.: degeneratives BWS- und LWS-Syndrom, Teilfixierung nach Bandscheiben-OP

  • Hohmann-Überbrückungsmieder: Drellmieder mit Becken und Rumpf umfassenden Aluminiumspangen, die die gesamte LWS mit vertikalen, paravertebralen Verbindungsstäben überbrücken

    Ind.: manifeste Osteoporose mit LWK-Frakturen, Spondylolisthesis, segmentale Instabilität (z.B. nach Spondylodiszitis)

  • Bähler-Dreipunktkorsett: Dreipunktorthese (Manubriumpelotte, Symphysenpelotte, dorsale Pelotte) in Metall- oder Kunststoffstangenbauweise mit variabel einstellbaren Pelotten

    Ind.: Kompressionsfraktur untere BWS und LWS

  • Rahmenstützkorsett: stark fixierendes Korsett in Schalen-, Modul- oder Stangenbauweise, sodass sämtliche Bewegungsrichtungen der WS stark eingeschränkt werden

    Ind.: schwere Osteoporose mit Kompressionsfrakturen, Osteomalazie, Spondylitis bei SpA oder bakterielle Spondylitis, insbes. Tbc

Knie
  • GummibandageKnieOrthesen: Bandage mit Verstärkungen oder Silikoneinlagen und eingenähten Polstergruppen

    Ind.: Periarthropathia genu mit peripatellarer Insertionstendopathie, Nachbehandlung einer Gonarthritis, geringe Kollateralbandinstabilität, Patella(sub-)luxation

  • Knieführungsorthese mit Hülsenbauweise: Hülsenorthese mit seitlichen monozentrischen oder polyzentrischen Gelenken, teilweise mit Patellaführungen

    Ind.: Seitenbandinstabilität, insbes. Genu valgum bei sekundärer Gonarthrose. Komplexe Knieinstabilitäten, postoperative Rehabilitation

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