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B978-3-437-22194-1.00003-8

10.1016/B978-3-437-22194-1.00003-8

978-3-437-22194-1

Abb. 3.1

[L157]

HerzdruckmassageHerzdruckmassage

Abb. 3.2

[L106]

Esmarch-Handgriff

Abb. 3.3

[L106]

BeatmungAmbu-BeutelBeatmung Ambu-BeutelBeatmungmit Ambu-Beutel: Maske mit Daumen und Zeigefinger über Mund- und Nasenöffnung pressen, Unterkiefer nach vorn ziehen und mit den restlichen Fingern Kopf in reklinierter Stellung fixieren

Abb. 3.4

[L157/M104]

Maßnahmen bei Kammerflimmern, Asystolie und EMD

Abb. 3.5

[L106]

Technik der Defibrillation

Abb. 3.6

[L190]

Larynxmaske

Abb. 3.7

[L106]

Intubation

Standardeinstellung bei invasiver Beatmunginvasive, StandardeinstellungBeatmung

Tab. 3.1
Parameter Einstellung
Atemfrequenz 12–16/Min.
Atemzugvolumen 8 ml/kg KG (bei 70 kg z. B. 560 ml)
Atemminutenvolumen ca. 100–130 ml/kg KG
Modus BIPAP oder APCV
I/E-Ratio 1:1,5–2 im BIPAP-Modus
Inspirationszeit 0,9–1,2 Sek. im APCV-Modus
Maximaler inspiratorischer Druck (Pinsp max) 25 cm H2O
PEEP 5–8 cm H2O
FiO2 Möglichst niedrig (z. B. 0,3), nach Intubation zunächst 1,0 (also 100 %), Tiel 94 % O2-Sättigung

Kardiopulmonale Reanimation

Jörg Braun

  • 3.1

    Indikationen zur Reanimation78

  • 3.2

    Atem- und Kreislaufstillstand78

    • 3.2.1

      Reanimation: CAB(DE)-Regel78

    • 3.2.2

      Stufenschemata81

    • 3.2.3

      Technik der Defibrillation (EKG-Kontrolle!)81

    • 3.2.4

      Abschluss der Reanimation83

  • 3.3

    Beatmung84

    • 3.3.1

      Larynxmaske und Larynxtubus84

    • 3.3.2

      Oropharyngeale Intubation85

    • 3.3.3

      Extubation87

    • 3.3.4

      Beatmung (Basiswissen)87

Indikationen zur Reanimation

(Aktuelle Leitlinie der AHA und ERC unter www.grc-org.de).
Ohne zusätzliche Informationen ist es ärztliche Pflicht, primär jeden Pat. bei Herz-Kreislauf- und/oder Atemstillstand zu reanimieren, solange keine sicheren Todeszeichen vorliegen. Besonderheiten:
  • Suizid: Hier gilt Suizid, Reanimation beider Patientenwille, solange der Pat. in der Lage ist, seinen Willen zu artikulieren. Ist dies nicht der Fall, so ist dem mutmaßlichen Patientenwillen zu folgen. Dabei kann i. d. R. davon ausgegangen werden, dass sich jeder Mensch im Zweifel für ein Weiterleben entscheiden würde.

  • Patientenverfügung: Liegt Patientenverfügungeine gültige schriftliche (handschriftlich oder notariell, Zeugen, Ort, Datum) Patientenverfügung vor, so ist dem Patientenwillen zu folgen, wenn der Pat. seinen Willen nicht mehr erklären kann. Ausnahme: besondere Umstände, unter denen der Pat. mit größter Wahrscheinlichkeit seinen Willen ändern würde. Cave: Ein Abschiedsbrief mit dem erklärten Wunsch zu sterben ist keine Patientenverfügung.

  • Angehörigenvotum: nur Information, kein verpflichtender Handlungsgrund. Der Arzt muss die Therapieentscheidung treffen.

KI der Reanimation: Erkr. mit infauster Prognose und kurzer Lebenserwartung (z. B. fortgeschrittenes Ca).

Atem- und Kreislaufstillstand

Reanimation: CAB(DE)-Regel

Circulation
  • Präkordialer Faustschlag, präkordialerCAB-RegelFaustschlag nur noch bei am Monitor beobachteter ventrikulärer Tachykardie, wenn keine sofortige Defibrillation möglich ist. HerzstillstandPräkordialer Faustschlag ist kontraindiziert, wenn der Herzstillstand nicht akut beobachtet wird.

  • Extrathorakale Herzdruckmassage (Abb. 3.1): flache Lagerung auf harter HerzdruckmassageUnterlage, Druckpunkt Sternummitte. Finger verschränken (reduziert Gefahr des Abrutschens). Massagefrequenz: Erw. mind. 100/Min. (zuletzt Trend zu höherer Frequenz, z. B. 120/Min.). Eindrücktiefe mind. 5 cm. Keine Unterbrechung der Herzdruckmassage > 7 Sek. Die Minimierung der Unterbrechungszeit ist prognostisch entscheidend! Keine Unterbrechung für Intubation, Pulstasten oder Zugang legen!

  • Ggf. mechanische Reanimationshilfen (z. B. LUCAS2®) verwenden, scheinen im Vergleich zur manuellen Thoraxkompression nicht unterlegen zu sein. Hilfreich z. B. bei Pat.-Transport, im Herzkatheterlabor oder bei prolongierter Reanimation.

  • Palpation der A. femoralis zum Überprüfen der suffizienten Herzdruckmassage durch Helfer.

  • Herzdruckmassage ist bei vorhandenem Karotispuls kontraindiziert.

Atemwege frei machenEntfernen von Fremdkörpern aus Mund-Rachen-Bereich, Kopf überstrecken und Unterkiefer nach vorn und oben ziehen (= Esmarch-Esmarch-HandgriffHandgriff, Abb. 3.2).
Beatmung
  • Maskenbeatmung (BeatmungReanimationReanimationBeatmungAmbu-Beutel, Abb. 3.3, Methode der Wahl für im Intubieren Ungeübte!) mit 100 % O2. Möglichst frühzeitige Larynxmaske oder Intubation (3.3.1)

  • Wenn Beatmung bzw. Intubation nicht möglich (z. B. bei Glottisödem): Notfallkoniotomie, ggf. Notfalltrachealpunktion mit 3–5 dicken (z. B. 14 G) Venenverweilkanülen zwischen Schild- und Ringknorpel. O2-Insufflation über eine der Punktionskanülen. Beatmungserfolg kontrollieren (Atembewegung? Rückgang der Zyanose? Atemgeräusch symmetrisch?)

  • Zunächst Herzdruckmassage (30 Kompressionen), dann Beatmung im HerzdruckmassageWechsel 30 : 2

  • Erfolgskontrolle: sichtbare, atemabhängige Thoraxbewegung bei 800–1 200 ml Atemzugvolumen.

  • Vor nächster Inspiration vollständige Ausatmung.

  • Ca. 10 Atemzüge/Min. einhalten, d. h. ein Atemzug alle 6 Sek. Ziel ist die Normoventilation (O2-Sättigung von 94 %).

  • Kapnografie dient als früher Indikator für wiederkehrenden Kreislauf (Return of Spontaneous CirculationReturn of Spontaneous Circulation, ROSC).

Drugs (medikamentöse Therapie)Venösen Zugang legen. NotfallmedikamenteReanimationMedikamenteBei peripheren Zugängen beträgt die Anflutungszeit 1–3 Min., daher nach jeder Medikamentengabe 20 ml NaCl 0,9 %.
  • Adrenalin 1 mg in 9 ml NaCl 0,9 % fraktioniert AdrenalinReanimationi. v. oder über Endotrachealtubus (3-fache Dosis), Wiederholungsdosis nach 3–5 Min. z. B. mit 1–3 mg. Nicht intrakardial injizieren (hohe KO-Rate: z. B. Herzbeuteltamponade, Punktion einer Koronararterie, Pneumothorax!). Sinnvoll bei allen Formen des Herz-Kreislauf-Stillstands. Nicht zusammen mit Bikarbonat über einen Zugang geben

  • Amiodaron 300 mg i. v. bei AmiodaronReanimationrefraktärem Kammerflimmern (> 3 Defibrillationen)

  • Atropin 0,5–2 mg i. v. bei AtropinReanimationBradykardie

  • Adenosin: zur AdenosinReanimationTher. und DD undifferenzierter, regelmäßiger monomorpher Tachykardien mit breitem QRS-Komplex: Initialdosis 6 mg, bei Erfolglosigkeit nach 1–2 Min. weitere 6 mg, ggf. weitere Dosen. Rasch spritzen, Wirkungsmaximum innerhalb von 10–30 Sek.

  • Volumenersatz: initial durch Beinhochlage. Großzügige Gabe von kristalloiden (bevorzugt Ringer-Lsg.) und kolloidalen Lsg.

  • Natriumbikarbonat 8,4 %: keine initiale Pufferung. Bei bestehendem Herzstillstand > 20 Min. sofortige Natriumbikarbonat, ReanimationGabe bei Hyperkaliämie und schwerer metabolischer Azidose, ansonsten Korrektur nach BGA erwägen: Bedarf an NaHCO3 in mmol = neg. BE × 0,3 × kg. 2. Ziel: BE zwischen –3 und –5 (beste O2-Abgabe aus dem Blut ins Gewebe)

Keine endobronchiale Medikamentengabe, bei fehlendem Zugang intraossäre Gabe
EKGDD der Rhythmusstörung (Kammerflimmern, Asystolie und zur Therapiekontrolle), Defibrillation (s. u.).
FlüssigkeitKristalloide und/oder kolloidale Infusionslsg. zur Auffüllung des intravasalen Flüssigkeitsvolumens.
KonsensgesprächKonsensgespräch der an der Reanimation beteiligten Ärzte über weiteres Vorgehen: z. B. OP, Angio, Weiterführen oder Beenden der Reanimationsmaßnahmen.

Stufenschemata

Stufenschema bei Kammerflimmern (VF) bzw. pulsoser ventrikuläer Tachykardie (VT)Abb. 3.4
  • Defibrillieren (z. B. 200 J biphasisch), KammerflimmernStufenschemasofortige Aufnahme der Kompressionsther. Ununterbrochene HDM anstreben. Nach ca. 2 Min. Überprüfung des Rhythmus, bei Fortbestehen des Kammerflimmerns erneute Defibrillation (300, 360 J), danach sofortige Thoraxkompression

  • Optimale Oxygenierung durch Beatmung mit 100 % O2 sicherstellen, Atemzugvolumen ca. 7 ml/kg (sichtbare Thoraxbewegung)

  • AdrenalinAdrenalinKammerflimmern 1 mg i. v. 1 : 10 verdünnt geben, alle 4 Min. wiederholen, (nach 2 × 5 CPR-Zyklen; 30 : 2)

  • AmiodaronAmiodaronKammerflimmern 300 mg als Bolus i. v., Wiederholung mit 150 mg möglich. Bei Erfolg ggf. Dauerinfusion mit 900 mg über 24 h

  • Kapnografie zeigt qualitativ hochwertige HDM (etCO2 10–20 mmHg), Tubusfehllagen und ROSC (etCO2 ↑)

  • Herzecho erwäge: z. B. Herzbeuteltamponade

  • Bei längerer Reanimation > 20 Min. Azidoseausgleich nach BGA oder evtl. Blindpufferung mit Natriumbikarbonat 1 mmol/kg (= 1 ml/kg bei einer Lsg. Mit 8,4 %)

Stufenschema bei AsystolieAbb. 3.4
  • Bei unklarem Rhythmus, wie bei Asystolie, StufenschemaKammerflimmern vorgehen, ununterbrochene HDM anstreben

  • AdrenalinAdrenalinAsystolie 1–5 mg i. v. einer 1 : 10 verdünnten Adrenalin-Lsg. Wiederholung alle 3–5 Min.

  • Evtl. AtropinAtropinAsystolie 1–3 mg Bolus i. v., Wiederholung alle 5 Min. (wird nicht mehr routinemäßig empfohlen)

  • Azidoseausgleich: (umstritten) initial 1 mmol/kg, dann nach BGA

  • Temporärer Schrittmacher

  • An Lungenembolie, Perikarderguss, Spannungspneumothorax, Hypoxie, Hyperkaliämie, Intoxikation, akute Blutung denken

Stufenschema bei elektromechanischer Entkopplung (Dissoziation), EMDAbb. 3.4
  • HerzbeuteltamponadeEntkopplung, elektromechanische, Stufenschema, Spannungspneumothorax, Lungenembolie, Hypoxämie, Azidose, Hypovolämie, Intox., Hypothermie, E'lytentgleisung erwägen

  • Evtl. AdrenalinEntkopplung, elektromechanischeAdrenalin 1 mg i. v., alle 5 Min. wiederholen

  • Evtl. Kalziumglukonat 10 % 10 ml i. v.

  • Evtl. Hypovolämie und Azidose ausgleichen!

  • Prognose schlecht

Stufenschema bei symptomatischer Bradykardie
  • Atropin 1–3 mg i. v., BradykardieStufenschemaWiederholung nach 5 Min. möglich

  • Nur bei atropinresistenten Blockformen: OrciprenalinOrciprenalinBradykardie 0,25–0,5 mg auf 1 : 10 mit NaCl 0,9 % verdünnt i. v., anschließend 10–20 µg/Min.

  • Temporärer Schrittmacher (transkutan, transvenös).

Technik der Defibrillation (EKG-Kontrolle!)

  • Elektroden mit Elektrodenpaste Defibrillationbestreichen bzw. Gelkissen benutzen

  • Über Herzbasis (unterhalb der re Klavikula) und Herzspitze (möglichst lateral unterhalb der li Brustwarze) unter Druck aufsetzen (Abb. 3.5)

  • Defibrillieren: 150–360 J biphasisch oder 360 J monophasisch; hierbei unbedingt Berührung mit Pat. oder Bett vermeiden!

  • Unmittelbarer Wiederbeginn der Thoraxkompression, Fortführung der Thoraxkompression auch in der Ladephase des Defi.

  • Bei Kammerflimmern oder pulsloser VT während einer Herzkatheteruntersuchung oder unmittelbar nach Herz-OP drei schnell aufeinanderfolgende Defibrillationen

Abschluss der Reanimation

Zeichen der erfolgreichen Reanimation (ROSC)Tastbare Pulse an den großen Arterien, Rosigwerden ReanimationAbschlussund Wiedererwärmung der Haut, Engwerden der Pupillen, Wiedereinsetzen der Spontanatmung, Wiederkehren des Bewusstseins.

Reanimierte Pat. bedürfen der Intensivüberwachung!

Beendigung der Reanimationsmaßnahmen
  • Reanimation erfolgreich

  • Zeichen des zerebralen Kreislaufstillstands (weite, lichtstarre Pupillen, Bewusstlosigkeit, fehlende Spontanatmung) > 30 Min. nach Beginn der ordnungsgemäß durchgeführten Reanimation. Ausnahme: Reanimation bei Unterkühlung, Intox., Hyperkaliämie, Kinder → ausdauernd reanimieren

  • EKG-Zeichen des Herztods (Asystolie) > 15 Min.

Hypothermie nach Reanimation

Nach erfolgreicher ReanimationHypothermie, ther.Reanimation wird die milde Hypothermie trotz neg. Studien weiter empfohlen (v. a. bei initialem Kammerflimmern). Ziel: Minimierung neurologischer Schäden durch Reduktion des zerebralen Metabolismus um 20–30 %. Die Zieltemperatur liegt bei 32–34 °C für 12–24 h.
Komplikationen der ReanimationAspiration des durch die Herzdruckmassage hochgetriebenen Mageninhalts bei nicht intubierten Pat.; Rippenfrakturen, Sternumfraktur, Hämatothorax, Pneumothorax, Hämatoperikard, Zwerchfell-, Leber- und Milzruptur.

  • Bei Bradykardie, insb. mit breiten QRS-Komplexen, immer an Hypoxie denken! → ausreichende Oxygenierung wichtiger als Atropin oder Adrenalin!

  • Überkorrektur der metabolischen Azidose mit Bikarbonat kann zu therapierefraktärem Kammerflimmern führen!

  • Bei elektromechanischer Entkopplung: Volumenmangel und Perikardtamponade ausschließen.

  • Keine zu frühe ExtubationReanimationExtubation nach Reanimation → Stress → Katecholaminausschüttung → HRS.

  • Nach erfolgreicher Ther. des Kammerflimmerns immer Rezidivprophylaxe anschließen.

Prognose
  • Kreislaufstillstand > 4 Min.: geringe Aussichten auf erfolgreiche Reanimation.

  • Wiederbelebungszeit (Zeit bis zum Eintritt irreversibler Schäden für das Gehirn, normal 3–5 Min.) bei Hypothermie verlängert.

  • Bessere Prognose bei beobachtetem Kreislaufstillstand, sofortiger Reanimation, frühestmöglicher Defibrillation bei Kammerflimmern, ununterbrochener HDM und ther. Hypothermie.

DokumentationUnmittelbar im Anschluss an die Reanimation alle Maßnahmen im Zusammenhang mit der Reanimation in der Krankenakte dokumentieren: Wer hat den Pat. in welchem Zustand gefunden? Hypoxiezeit? Komplikationen (z. B. Rippenfrakturen)? Neurologischer Status.
Nachbesprechung (Debriefing)Es ist oft sinnvoll, den Ablauf der Ereignisse noch einmal mit allen Beteiligten durchzugehen. Dies hilft, Schuldgefühle zu reduzieren, und verbessert möglicherweise den Ablauf der nächsten Reanimation.

Beatmung

Larynxmaske und Larynxtubus

Larynxmaske
DurchführungMundöffnungLarynxmaskeBeatmungLarynxmaske, Einführen der Maske am Gaumen entlang unter Kurznarkose, Aufblasen des Cuffs zur Abdichtung des Larynxraums, Kontrolle der korrekten Lage durch Auskultation der Lunge.
  • Vorteil: einfache Durchführung ohne Laryngoskop, geringe Verletzungsgefahr, wird auch bei geringer Narkosetiefe toleriert

  • Nachteil: kein Aspirationsschutz, Mageninsufflation bei erhöhten Beatmungsdrücken möglich, Fehllagen in 30 %, leichte Sedierung und Analgesie nötig

Larynxtubus
Nach LarynxtubusBeatmungLarynxtubusReanimationsleitlinien des ERC Mittel der Wahl zur Atemwegssicherung für Ungeübte. Platzierung des Tubusendes im Ösophagus mit dessen Verschluss sowie Abdichtung des Rachenraums durch großen Cuff, Beatmung über Tubusöffnung auf Höhe des Kehlkopfs.
Durchführung
  • Auswahl nach der Körpergröße des Pat. (6 Größen vorhanden): Erw. 50–70 kg → Größe 4, Erw. 70–100 kg → Größe 5, Erw. > 100 kg → Größe 6

  • Kopf in Neutralstellung oder leicht überstreckt.

  • Cuff vollständig entblocken.

  • Mundöffnung mit der li Hand.

  • Blinde Einführung mittig über den Mund-Rachenraum, bis die Tubusmarkierung auf Höhe der vorderen Zahnreihe ist.

  • Zunge dabei mittels Hand oder Esmarch-Handgriff in Position halten.

  • Blockung (max. Cuffdruck 60 mmHg).

  • Beatmung mittels Beutel/Beatmungsgerät.

  • Auskultation der Lunge → korrekte Lage?

Oropharyngeale Intubation

IndikationenRespir. TrachealtubusIntubation, oropharyngeale BeatmungIntubationInsuff., Verletzung und drohende Obstruktion der Luftwege, Polytrauma, Intox. vor Magenspülung bei bewusstseinsgestörten Pat., zum tiefen Absaugen bei Aspiration. Bei bewusstseinsklaren Pat. mit drohendem respir. Versagen zunächst Versuch der nichtinvasiven Beatmung über Nasen- oder Mund-Nasen-Maske.
MaterialLaryngoskop Laryngoskop(z. B. MacIntosh-SpatelMacIntosh-Spatel), Endotrachealtubus mit Führungsstab; Tubus-Ø bei M 7,5–8,5, bei F 7,0–7,5. Bei Kindern Größe des kleinen Fingers = Größe des Tubus. 10-ml-Spritze zum Blockieren des TubusTubus, Magill-ZangeMagill-Zange, Ambu-BeutelAmbu-Beutel, Absauggerät, Pflaster oder Mullbinde zum Fixieren des Tubus, Stethoskop. Cave: Vorher venösen Zugang legen!
Vorgehen
  • Präoxygenierung mit 100 % O2 über 10 Min.

  • Kurznarkose: bei ansprechbaren Pat. z. B. EtomidatEtomidat 7–10 ml = Kurznarkose14–20 mg (0,2–0,3 mg/kg KG) i. v., Nachinjektion von 0,1 mg/kg KG (3 ml bei 60 kg) möglich, max. Dosis 80 mg. Wirkungseintritt nach 20 Sek., Wirkungsdauer etwa 2–5 Min. Cave: keine analgetische Wirkung → Komb. mit kurz wirkendem Opiat, z. B. Fentanyl 0,1–0,5 mg i. v., Wirkungseintritt 20 Sek., hypnotische Wirkung 10 Min., analgetische Wirkung 20 Min.

Durchführung IntubationAbb. 3.7
  • Pat. in Rückenlage, Arzt hinter dem Pat., leichte Überstreckung im Okzipitalgelenk, Unterkiefer vorziehen. Mund-Rachen-Raum mit Tupfer reinigen und absaugen. Fremdkörper (z. B. Prothese) entfernen. Cave: keine Hyperextension oder Überhängen des Kopfs!

  • Laryngoskop in der li Hand, Mund mit der re Hand öffnen. Laryngoskop von der re Seite einführen, bis Epiglottis sichtbar ist (Abb. 3.7). Spatelspitze in die epiglottische Falte einführen und nach ventral und kranial anheben, bis Stimmritze sichtbar ist.

  • Mit der re Hand Tubus durch die Glottis einführen, bis Cuff (aufblasbare Manschette zur Abdichtung der Trachea) die Glottis passiert hat. Tubus mit 10 ml Luft blocken.

  • Kontrolle der Tubuslage durch Beutelbeatmung und Auskultation: Beide Lungenflügel belüftet? Falls Tubus zu tief, meist einseitige Intubation des re Hauptbronchus! → ungeblockten Tubus zurückziehen. Bei Intubation in den Ös. auskultatorisches Blubbern im Epigastrium → Tubus entfernen, Pat. mit Beutelbeatmung ausreichend oxygenieren, erneuter Intubationsversuch mit neuem Tubus.

  • Fixierung mit Pflaster, Mullbinde.

KomplikationenZahnbeschädigung (Zahn sofort entfernen, Aspirationsgefahr), Verletzung von Mund, Rachen und Kehlkopf, Trachealperforation, Intubation eines Hauptbronchus (einseitige Belüftung → Zurückziehen des ungeblockten Tubus), Vagusreflex (Atemstillstand → Intubation und Beatmung. Laryngospasmus, RR-Abfall, Bradykardie, Asystolie → Atropin 0,5–1,0 mg i. v.).

  • Nach jeder Intubation obligat Rö-Thorax zur Lagekontrolle!

  • Bei Problemen, den Spatel einzuführen (Kiefersperre), Pat. stärker sedieren, z. B. Diazepam 10 mg i. v.

  • Bei erfolglosem Intubationsversuch aufgrund technischer Probleme oder anatomischer Varianten Beatmung mit Maske und Ambu-Beutel und möglichst Hilfe holen.

Notfall-Nadel-Tracheotomie bei lebensbedrohlicher Situation

Bei TracheotomieNotfall-Nadel-Tracheotomieakuter Verlegung der oberen Luftwege und erfolglosen Intubationsversuchen 3–4 graue Braunülen® (16 G) unter Aspiration mit 10-ml-Spritze durch das Lig. conicum und den 1. Trachealring stechen (Cave: Verletzung der Tracheahinterwand). Metallkanüle zurückziehen. Methode nur zur akuten Überbrückung bis zur Tracheotomie.

Extubation

IndikationenPat. nicht Extubationkomatös, stabile Herzkreislaufverhältnisse, Atemfrequenz < 35/Min., pO2 > 70 mmHg, pCO2 < 45 mmHg (Berücksichtigung der Lufu vor Intubation: Bei Pat. mit Lungenerkr. auch schlechtere Werte akzeptabel!), funktionierende Schutzreflexe.
DurchführungMaterial für Reintubation bereithalten, evtl. Prednisolon 150 mg i. v. etwa 30 Min. vor Extubation (Verminderung des Glottisödems durch mechanische Irritation), Pat. aufklären. Absaugen durch den Tubus, falls Sekret vorhanden. Tubusbefestigung lösen, entblocken und rasch herausziehen, Oberkörper 45° hochlagern.

Ständige Überwachung des Pat. in den nächsten Min., BGA-Kontrolle nach 10 Min.

Beatmung (Basiswissen)

IndikationenRespir. BeatmungIndikationenInsuff. mit:
  • Atemfrequenz > 35/Min.

  • Art. O2-Partialdruck (pO2) < 50 mmHg unter O2-Gabe (6 l/Min.)

  • CO2-Partialdruck (pCO2) > 55 mmHg (Ausnahme: chron. Hyperkapnie, z. B. bei COLD mit Lungenemphysem)

  • Zeichen der HyperkapnieHyperkapnie: Zyanose (kann bei O2-Atmung fehlen: „rote Erstickung“), Kopfschmerzen, Gefäßerweiterung (Skleren, Hände), Tremor, Tachykardie, Hypertonie, Somnolenz, Hirndruckzeichen, Koma

  • Zeichen der Erschöpfung des Pat. durch erschwerte Atemarbeit

  • Die beste Atmung ist die Spontanatmung!

  • Immer prüfen, ob Beatmung vermeidbar!

  • Bei kooperationsfähigen Pat. zunächst nichtinvasive Beatmung

  • Bei respir. insuffizienten Pat. Verlegung auf die Intensivstation einleiten!

  • Verhindern des Alveolarkollapses durch Training der Atemmuskulatur (Giebel-Rohr: Totraumvergrößerung und Vertiefung der Atmung), Lagerung, Klopf- und Vibrationsmassagen, endotracheales Absaugen, Expektoranzien, Inhalation mit β2-Sympathomimetika

  • Ausreichende Analgesie, um schmerzbedingte Hypoventilation zu vermeiden

  • Atemwege freihalten (Guedel- und Wendltubus)

  • Nasale O2-Zufuhr, z. B. 2–6 l/Min. zur Behandlung einer Hypoxämie (max. FIO2 von 0,5 erreichbar)

  • Kontrolle der Tubuslage zunächst auskultatorisch, dann radiologisch oder bronchoskopisch

  • FiO2 nach Sauerstoffsättigung (Ziel > 95 %) reduzieren

  • Weitere Umstellung nach Grunderkr., Verlauf und BGA (pO2 Ziel > 70 mmHg)

  • Falls keine KI bestehen, 30–45° Oberkörperhochlagerung (reduziert das Risiko einer Beatmungspneumonie)

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