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B978-3-437-22848-3.50003-7

10.1016/B978-3-437-22848-3.50003-7

978-3-437-22848-3

Funktionsanalyse implantierter Herzschrittmacher und Defibrillatoren

Herzschrittmacher

BerndLemke(DGK), Lüdenscheid

DietrichAndresen(DGK), Berlin

Helmut U.Klein(DGK), Rochester, NY

Grundlage der vorliegenden Empfehlungen zur „Funktionsanalyse implantierter Herzschrittmacher” sind die „Leitlinien zur Herzschrittmachertherapie” der „Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (L3) – Herz- und Kreislauf-Forschung” sowie die für die ambulante Nachsorge festgelegten Richtlinien der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Definition
Bei jedem Patienten mit einem Herzschrittmacher muss dauerhaft eine Nachsorge erfolgen. Die Gründe sind
  • Sicherstellung einer optimalen Funktionsweise des Systems zur Verbesserung der Lebensqualität des Patienten,

  • frühzeitige Erkennung von Funktionsstörungen des Systems,

  • Verlängerung der Batterielaufzeit durch optimale Programmierung,

  • rechtzeitiges Erkennen der Austauschindikation,

  • frühzeitiges Erfassen patientenbezogener Diagnosen (z.B. Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern),

  • kontinuierliche Information des Patienten über den Umgang mit seinem Schrittmachersystem (z.B. Erkennen von Fehlfunktion, drohende Schrittmacher- oder Elektrodenperforation, Rückgang seiner Leistungsfähigkeit oder Auftreten von Synkopen/Präsynkopen).

Fachliche Voraussetzung
Herzschrittmacherkontrollen dürfen nur Ärzte durchführen, die entsprechende Qualifikationsvoraussetzungen erfüllen. Für Vertragsärzte legen die Richtlinien der Kassenärztlichen Bundesvereinigung fest, dass für die „Basisuntersuchung” (reguläre Kontrolle) mindestens 200 Schrittmacherkontrollen, einschließlich Befundung, unter Anleitung und Aufsicht eines entsprechend qualifizierten Arztes nachgewiesen werden müssen. Die „erweiterte Kontrolluntersuchung” setzt die Teilgebietsbezeichnung „Kardiologie” oder den Nachweis von mindestens 200 entsprechenden Untersuchungen unter Anleitung und Aufsicht, davon mindestens 100 bei Zweikammer- bzw. frequenzadaptierenden Systemen, voraus.
Apparative Voraussetzungen
Schrittmacherkontrollierende Einrichtungen müssen über folgende apparative Voraussetzungen verfügen:
  • Programmiergerät für den zu kontrollierenden Schrittmacher,

  • ein zur Schrittmacherfunktionskontrolle geeignetes EKG-Gerät sowie

  • eine Notfallausrüstung zur kardiopulmonalen Reanimation, einschließlich Defibrillation.

Durchführung der Kontrollen
Anamnese
Die Anamnese erfasst die Beschwerden der Grunderkrankung und die Symptome, die die unmittelbare Indikation zur Herzschrittmachertherapie betreffen (Synkopen, Präsynkopen, körperliche Belastungsfähigkeit), aber auch mögliche Nebenwirkungen der Therapie (Schmerzen im Schrittmachertaschenbereich, Palpitationen, Zwerchfellzucken, Muskelstimulation).
Körperliche Untersuchung
Zur körperlichen Untersuchung gehören die Inspektion der Herzschrittmachertasche sowie die körperliche Untersuchung zur Erfassung einer möglichen Herzinsuffizienz oder anderer Herz-Kreislauf-Funktionsstörungen.
Herzschrittmacherbasisuntersuchung
Eine Schrittmacherkontrolle erfolgt mithilfe eines für den jeweiligen Schrittmacher bestimmten Programmiergeräts. Eine Schrittmacherüberprüfung allein durch Magnetauflage ist nicht ausreichend.
Zu jeder Herzschrittmacherkontrolle gehören die Feststellung des Eigenrhythmus, die Prüfung der Reizbeantwortung und Wahrnehmungsfunktion sowie die Beurteilung des Batteriezustands. Optional können weitere Messungen vorgenommen werden:
  • Reizschwellenbestimmung zur Optimierung der Herzschrittmacher-Stimulationsenergie,

  • Bestimmung der Wahrnehmungsschwelle als Voraussetzung für eine optimale Programmierung der Wahrnehmungsfunktionen,

  • Abfragen der Datenspeicher, die wichtige Informationen über intermittierende Funktionsstörungen sowie Rhythmusstörungen (z.B. Vorhofflimmern) enthalten können.

Erweiterte Kontrolluntersuchung
Neben der „Basisuntersuchung” gehören hierzu:
  • die Abfrage des Batteriezustands und der Elektrodenimpedanz,

  • die Reizschwellenmessung zur Anpassung der Herzschrittmacher-Stimulationsenergie,

  • die Bestimmung der Wahrnehmungsschwelle zur Optimierung der Wahrnehmungsfunktion,

  • das Auslesen der Datenspeicher zur Information über intermittierende Funktions- und Rhythmusstörungen und

  • die Anfangs- und Endabfrage des Schrittmachersystems.

In Einzelfällen, besonders zur Kontrolle frequenzadaptierender und atrio-biventrikulärer Systeme (kardiale Resynchronisationstherapie), werden auch Untersuchungen durchgeführt, die in der Lage sind, zusätzliche Schrittmacherfunktionsstörungen aufzudecken, bzw. die geeignet sind, spezifische Leistungsmodule zu überprüfen und individuell zu adjustieren (Belastungs-EKG, Langzeit-EKG, Röntgenaufnahme des Thorax, Spiroergometrie, Echokardiographie).
Herzschrittmacherfunktionskontrolle im Einzelnen
Eigenrhythmus: Durch Registrierung eines Ruhe-EKGs, evtl. nach Programmierung des Herzschrittmachers auf seine minimale Stimulationsfrequenz, wird geprüft, ob und ggf. welcher Eigenrhythmus (Vorhofflimmern, Sinusbradykardie, AV-Block, Ersatzrhythmus) vorliegt.
Reizschwellenbestimmung: Innerhalb der ersten 3 bis 6 Monate kommt es in der Regel zum Anstieg der intraoperativ gemessenen Reizschwelle. Es wird empfohlen, als sog. sichere Stimulationsenergie eine Amplitude zu programmieren, die doppelt so hoch ist wie die chronische Reizschwellenamplitude.
Wahrnehmungsschwelle (Sensing): Die Überprüfung der Wahrnehmungsschwelle ist Voraussetzung für eine optimale Programmierung des Sensing-Verhaltens. Anzustreben ist dabei ein Wert, der 50% der chronischen Sensing-Schwelle entspricht. Bei unipolaren Sensing- und sehr niedrigen Schwellen, wie sie vor allem im Vorhof auftreten können, sollte ggf. mittels Provokationstest der mögliche inhibierende Einfluss durch Muskelpotenziale geprüft werden.
Programmierung: Obwohl die technische Ausstattung der heute implantierten Aggregate viele Möglichkeiten einer an die individuellen Erfordernisse und subjektiven Bedürfnisse ausgerichteten Programmierung bietet, werden diese oft nicht genutzt. Eine optimale Herzschrittmachernachsorge erfordert deshalb auch die größtmögliche Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen der Schrittmachersysteme. Dazu gehört nicht nur die Programmierung auf eine energiesparende Stimulation, sondern auch die Optimierung des AV-Intervalls bei Zweikammerstimulation oder die Adjustierung frequenzadaptierender Parameter zur Optimierung dieser Stimulationsform. Ferner sei besonders betont, dass eine Stimulation in der rechtsventrikulären Herzspitze möglichst vermieden wird (6). Wann immer dies möglich ist, sollte daher der Schrittmacher auf seine minimale Grundfrequenz bzw. unterhalb seiner niedrigsten Eigenfrequenz programmiert werden.
Und schließlich sei auf die komplexen Programmiervorgänge bei Patienten mit atrio-biventrikulären Systemen (kardiale Resynchronisationstherapie) hingewiesen, die spezielle fachliche Voraussetzungen und ständiges Training erfordern.
Zeitplan
Die erste Funktionskontrolle erfolgt unmittelbar nach Implantation, die zweite mit Magnetauflage sowie eine Röntgenaufnahme des Thorax in zwei Ebenen vor der Entlassung. Beide Untersuchungen dienen der Prüfung einer korrekten Elektrodenlage bzw. Testung eines adäquaten Stimulations- und Wahrnehmungsverhaltens. Die Prüfung der Wundverhältnisse lässt eine Herzschrittmachertascheninfektion rechtzeitig erkennen.
Eine zweite Funktionskontrolle („erweiterte Kontrolluntersuchung”) sollte 4 bis 6 Wochen nach der Implantation erfolgen. Dabei müssen frequenzadaptierende Schrittmacher anhand von Belastungs- bzw. Langzeit-EKG-Untersuchungen den individuellen Bedürfnissen angepasst werden.
Eine dritte Kontrolle („erweiterte Kontrolluntersuchung”) erfolgt 3 bis 6 Monate nach der Implantation. Bei dieser Kontrolle werden weitere Optimierungen vorgenommen, wie die Programmierung der dauerhaften Stimulationsenergie und des Sensing-Werts.
Im weiteren Verlauf finden alle 6 Monate Kontrolluntersuchungen statt. Bei Hinweisen auf Batterieerschöpfung, bei Schrittmachern, die über die empfohlene Amplitude hinaus programmiert wurden, und bei epimyokardialen Systemen sind die Kontrollintervalle kürzer (z.B. 3-monatlich) zu wählen.
Telemonitoring
Telemonitoring-Systeme stehen heute zur Überwachung von Patienten mit implantierten Herzschrittmachern, Defibrillatoren (ICD) und kardialen Resynchronisationssystemen (CRT) zur Verfügung (10). Dabei werden Daten aus den Implantaten automatisch oder durch Auflegen eines Abfragekopfs an einen Patientenmonitor übertragen und über Mobilfunk oder Festnetz an einen Datenserver gesandt. Nach Aufbereitung der Daten erfolgt die Weiterleitung an den betreuenden Arzt via Fax, E-Mail oder SMS. Der Nutzen des Telemonitorings besteht in der frühzeitigen Erkennung von Aggregat- und Elektrodenfehlfunktionen, Arrhythmieereignissen und Zeichen einer Herzinsuffizienz (7).
In den letzten Jahren wurden zahlreiche klinische Studien zum Telemonitoring durchgeführt (10). Sie belegen, dass aggregatbedingte und klinische Ereignisse frühzeitiger erkennbar sind und therapeutische Maßnahmen schneller eingeleitet werden können. Unproblematische Patienten können mit dem Telemonitoring kostengünstig und ohne Verlust an Qualität überwacht werden (8). Nicht ersetzt werden können eine klinisch angezeigte Verlaufsbeobachtung und/oder Therapiekontrolle bei struktureller Herzerkrankung der betroffenen Patienten.
Befunddokumentation
Sämtliche erhobenen Befunde müssen schriftlich dokumentiert werden. Dabei muss auch dokumentiert werden, wann und aus welchem Grund Schrittmacherumprogrammierungen vorgenommen wurden. Die wesentlichen schrittmacherbezogenen Daten werden im Schrittmacherausweis des Patienten vermerkt.
Eine wichtige Voraussetzung zur Qualitätsverbesserung im Rahmen der Nachsorge von Herzschrittmacherpatienten ist die lückenlose Dokumentation klinischer und gerätespezifischer Daten. Sie werden in einem bundesweiten Register erfasst und ausgewertet. Die Darstellung der eigenen Daten im Spiegel aller anderen Kliniken erlaubt jedem Untersucher eine eigene „Standortbestimmung”. Wie gut bin ich? Was muss verbessert werden?

Kardioverter-Defibrillator

DietrichAndresen(DGK)a

BerndLemke(DGK)b

Helmut U.Klein(DGK)c

BerlinBerlin

LüdenscheidLüdenscheid

Rochester, NYRochesterNY

Der implantierbare Defibrillator (ICD) ist eine wirksame Prophylaxe gegen den plötzlichen Herztod, wenn dieser durch lebensbedrohliche Kammertachykardien verursacht wird, oder wenn ein Kreislaufstillstand durch Kammerflimmern überlebt wurde. Auch für Patienten mit vermutetem hohem Arrhythmierisiko stellt die präventive ICD-Implantation eine etablierte Methode zur Verhinderung des plötzlichen Herztods durch Kammertachykardien dar.

Alle ICD-Systeme bieten die Möglichkeit einer antibradykarden (VVI mit oder ohne Frequenzadaptation, der AV-sequenziellen, d.h. DDD-Stimulation oder der biventrikulären Stimulation bei einer Kombination mit kardialer Resynchronisationstherapie [CRT-D]) und einer antitachykarden Stimulation (sog. Einzel-, Ramp- oder Burst-Stimulation). Die Möglichkeit der antitachykarden Stimulation mit sicherem Defibrillationsschutz hat die Häufigkeit der Schockapplikation reduziert.

Die Arten der Intervention sind durch ein externes Programmiergerät variabel programmierbar (sog. Stufentherapie). Man unterscheidet antitachykarde Stimulation und Defibrillation. Die Erkennung der Eigenaktionen sowie der Ereignisse, die zur Intervention des ICD geführt haben, sind über das Programmiergerät aus einem Elektrogrammspeicher abfragbar.

Das Elektrodensystem besteht zumeist aus einer Elektrode mit ein oder zwei integrierten, 5–7 cm langen Defibrillationsspiralen, die über die V. cephalica oder ggf. mittels direkter Punktion der V. subclavia eingeführt und im rechten Ventrikel platziert werden.

Der Generator wird heute fast ausschließlich pektoral (subkutan oder besser submuskulär) wie ein gewöhnlicher Schrittmacher implantiert.

Während der Implantation des ICD erfolgt eine Funktionsanalyse des Systems. Ein intraoperativer ICD-Funktionstest (Bestimmung der Defibrillationsschwelle) muss bei den meisten Patienten nicht mehr vorgenommen werden.

Nachuntersuchung und Führung des ICD-Patienten (9)
Vor der Entlassung des Patienten muss eine definitive Programmierung der Interventionsparameter erfolgen. (Eine ICD-Funktionskontrolle wird ebenso wie der intraoperative Funktionstest nur noch selten durchgeführt.)
Programmiert werden:
  • Grenzwerte der Tachykardieintervention („cut-off-rate”) für die verschiedenen Therapiezonen.

  • Grenzwerte der Intervention für Bradykardie („brady back-up pacing”).

  • Kardioversions- und Defibrillationsenergie.

  • Stimulationsmodi für antibradykarde und antitachykarde Stimulation.

  • Die dem Gerätetyp eigenen Erkennungsparameter zur sicheren Differenzierung zwischen supraventrikulärer und ventrikulärer Tachykardie (z.B. „sudden onset”, „rate stability”, „sustained rate duration”, Morphologie, AV-Assoziation).

  • Dabei ist die Programmierung einer hohen Interventionsfrequenz (> 200/min) oder einer verzögerten Therapieabgabe (60 Sekunden bei 170–199/min, 12 Sekunden bei 200–249/min und 2,5 Sekunden bei ≥ 250/min) einer schnellen Therapieabgabe (innerhalb von 1 bis 2,5 Sekunden) vorzuziehen, denn dies führt zu einer Reduktion inadäquater und unnötiger ICD-Interventionen (11). Auch eine Verlängerung der Erkennungsintervalle (früher: 18 aus 24 jetzt: 30 aus 40 Intervallen) reduziert die Gesamtzahl der Therapieabgaben, und damit auch der inadäquaten Schocks, was gleichzeitig zu einer Reduzierung von Krankenhausbehandlungen führt (12).

Eine erste routinemäßige Nachsorge soll ca. 1 bis 2 Monate nach Entlassung erfolgen.
Weitere Kontrolluntersuchungen erfolgen in Abständen von 3 bis 6 Monaten. Gegebenenfalls muss aus ICD-technischen Gründen oder aufgrund des klinischen Zustands des Patienten auch eine Kontrolle in kürzeren Abständen durchgeführt werden.
Die Kontrolluntersuchung beinhaltet:
  • Klinisch kardiologische Untersuchung:

    • Hinweise auf Myokardischämie.

    • Änderung des Herzinsuffizienzstatus.

    • EKG-Veränderungen.

    • Änderung der Medikation, insbesondere Antiarrhythmika.

  • Arrhythmie-Ereignisanamnese:

    • Korrekte Intervention des ICD.

    • Inadäquate Intervention (z.B. Schockabgabe oder antitachykardes Pacing [ATP] bei Sinustachykardie oder Vorhofflimmern).

  • Inspektion der Generatortasche (drohende Geräte- oder Elektrodenperforation?) und ggf. Überprüfung der Sondenlage (mittels Röntgenaufnahme des Thorax).

  • Abfrage des ICD mittels externen Programmiergeräts:

    • Episodenzähler (Auslesen und Befunden der Speicherelektrogramme).

    • Anzahl und Art der Interventionen.

    • Überprüfung der korrekten Wahrnehmung der Herzeigenaktion.

    • Analyse der Schrittmacherparameter (Stimulationsschwelle, Wahrnehmungsschwelle, Impedanz).

    • Überprüfung des Batteriestatus (Ladezeit, Erreichen der Austauschzeit).

    • Ggf. Testen der Schockimpedanz (in Abhängigkeit vom Gerätetyp).

    • Löschen des Ereignisspeichers und Dokumentation der programmierten Parameter im ICD-Ausweis.

  • Besondere Untersuchungen bei Problemen oder Komplikationen:

    • Belastungs-EKG, Langzeit-EKG oder Echokardiogramm.

    • Überprüfung der korrekten ICD-Funktion, z.B. nach Neuverordnung oder Wechsel eines Antiarrhythmikums.

    • Überprüfen der Effektivität der antitachykarden Stimulation (etwa 90%) bei ineffektiver Stimulation oder Akzeleration der Tachykardie (bei etwa 3% der Tachykardien).

    • Röntgenuntersuchung des Thorax oder Durchleuchtung bei Verdacht auf Elektrodendislokation oder Sondenbruch.

  • Beratung und ggf. psychologische Betreuung bei Beeinträchtigung der Lebensqualität: Die schwerwiegendsten Komplikationen der ICD-Therapie sind die multiplen, kurz hintereinander einsetzenden (sowohl adäquate wie auch inadäquate Entladungen) Schockabgaben, die auch „elektrischer Sturm” genannt werden. Diese verursachen oft erhebliche psychoemotionale Beeinträchtigungen des Patienten.

Weitere Komplikationen sind:
  • Gerätetechnische Probleme:

    • Sondenbrüche oder Isolationsdefekte, vorzeitige Generatorerschöpfung.

    • Sondendislokation.

    • Elektronik- oder Software-Probleme.

    • Kommunikationsprobleme mit dem externen Programmiergerät.

  • Kardiale Probleme:

    • Änderung des Grundrhythmus (besonders Wechsel zu Vorhofflimmern mit daraus resultierenden inadäquaten ICD-Entladungen oder ATP-Interventionen) und Entwicklung/Zunahme einer Herzinsuffizienzsymptomatik.

    • Reizschwellenanstieg oder Wahrnehmungsverlust können zu ineffektiver oder zu inadäquater (z.B. durch T-Wellen-Sensing) ICD-Intervention führen.

    • Fortschreiten der kardialen Grundkrankheit mit Zunahme der Herzinsuffizienz, Neu- oder Wiederauftreten von Ischämie.

  • Nicht-kardiale Komplikationen:

    • Generatortascheninfektion: Eine Infektion der Generatortasche führt in der Regel zur Explantation des gesamten ICD-Systems. Eine antibiotische Therapie (systemisch oder lokal) allein kann die Infektion nicht beseitigen.

    • Thrombusformation an der Defibrillationssonde.

    • Hautnekrose über der Generatortasche.

    • Thrombose der elektrodenführenden Vene.

Prognose und Lebensqualität des ICD-Patienten hängen in erster Linie vom Verlauf und von der therapeutischen Beeinflussbarkeit der kardialen Grunderkrankung ab.
Zur Frage der Führung eines Kraftfahrzeugs bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, einschließlich ICD-Trägern, wurde im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie ein Positionspapier erstellt (13). Danach besteht bei Patienten, die im Rahmen der Sekundärprävention einen ICD erhalten haben, eine fehlende Fahreignung für 3 Monate. Das gleiche gilt nach einer VT/VF assoziierten Bewusstlosigkeit nach Schockabgabe. Für den behandelnden Arzt besteht Aufklärungspflicht über die fehlende Fahreignung.
Telemonitoring
Siehe Beitrag D 17.1.
Ein Vorteil des Telemonitorings ist besonders bei komplexen Aggregaten (DDD-ICD und CRT-Systemen) und bei Patienten mit fortgeschrittener kardialer Grunderkrankung belegt (10). Patienten mit primärprophylaktischer Indikation zur ICD-Therapie profitieren durch eine Verlängerung der Nachsorgeintervalle. Bei herstellerbedingten Aggregat- und Elektrodenproblemen kann das Telemonitoring zur Überwachung und Früherkennung genutzt werden (14).
Autorenadressen
Prof. Dr. med. Bernd Lemke
Klinikum Lüdenscheid
Klinik für Kardiologie und Angiologie
Paulmannshöher Str. 14
58515 Lüdenscheid
Prof. Dr. med. Dietrich Andresen
Kardiologie an der Evangelischen
Elisabeth Klinik, Berlin Mitte
Akademisches Lehrkrankenhaus der
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Facharzt für Kardiologie u. Notfallmedizin
Herzrhythmusstörungen
Lützowstr. 24–26
10785 Berlin
Prof. em. Dr. med. Helmut U. Klein
University of Rochester Medical Center
Heart Research Follow-up Program
Rochester, NY 14620
USA

Leitlinien

L1

AE Epstein JP DiMarco KA Ellenbogen 2012 ACCF/AHA/HRS Focused Update Incorporated Into the ACCF/AHA/HRS 2008 Guidelines for Device-Based Therapy of Cardiac Rhythm Abnormalities JACC 61 2013 e6 75

L2

W Jung D Andresen M Block Leitlinien zur Implantation von Defibrillatoren Clin Res Cardiol 95 2006 696 708

L3

B Lemke B Nowak D Pfeiffer Leitlinien zu Herzschrittmachertherapie Z Kardiol 94 2005 704 720

L4

SG Priori E Aliot C Blomstrom-Lundqvist Update of the guidelines on sudden cardiac death of the European Society of Cardiology Eur Heart J 24 2003 13 15

Literatur

1

GH Bardy KL Lee DB Mark Amiodarone or an implantable cardioverter-defibrillator for congestive heart failure N Engl J Med 352 3 2005 225 237

2

R Gradaus M Block J Brachmann Mortality, morbidity, and complications in 3344 patients with implantable cardioverter defibrillators: results from the German ICD Registry EURID Pacing Clin Electrophysiol 26 2003 1511 1518

3

S Levy RNW Hauer A Raviele on behalf the Study Group on Qualification of ICD implanting centers of the WG on Arrhythmias and Cardiac Pacing of the European Society of Cardiology Recommendations for qualification of centers implanting and following defibrillators Eur Heart J 17 1996 1796 1799

4

AJ Moss W Zareba WJ Hall Prophylactic implantation of a defibrillator in patients with myocardial infarction and reduced ejection fraction N Engl J Med 346 2002 877 883

5

The AVID Investigators A comparison of antiarrhythmic drug therapy with implantable defibrillators in patients resuscitated from near fatal ventricular arrhythmias New Engl J Med 337 1997 1576 1583

6

SP Kutalek AD Sharman MJ McWilliams DAVID Investigators Pacing Clin Electrophysiol Jul 31 7 2008 828 837

7

RP Ricci L Morichelli M Santini Home monitoring remote control of pacemaker and implantable cardioverter defibrillator patients in clinical practi impact on medical management and health-care resource utilization Europace 10 2008 164 170 10.1093/europace/eum289

8

H Burri D Senouf Remote monitoring and follow-up of pacemakers and implantable cardioverter defibrillators Europace Jun 11 6 2009 701 709

9

BL Wilkoff A Auricchio J Brugada Heart Rhythm Society; European Heart Rhythm Association; American College of Cardiology; American Heart Association; European Society of Cardiology; Heart Failure Association of ESC; Heart Failure Society of America: HRS/EHRA expert consensus on the monitoring of cardiovascular implantable electronic devices (CIEDs): description of techniques, indications, personnel, frequency and ethical considerations Heart Rhythm Jun 5 6 2008 907 925

10

A Müller K Rybak T Klingenheben Empfehlungen zum Telemonitoring bei Patienten mit implantierten Herzschrittmachern, Defibrillatoren und kardialen Resynchronisationssystemen Kardiologe 7 2013 181 193

11

AJ Moss C Schuger CA Beck Reduction in inappropriate therapy and mortality through ICD programming N Engl J Med 367 2012 2275 2283

12

M Gasparini A Proclemer C Klersy Effect of Long-Detection Interval vs Standard-Detection Interval for Implantable Cardioverter-Defibrillators on Antitachycardia Pacing and Shock Delivery: The ADVANCE III Randomized Clinical Trial JAMA 309 2013 1903 1911

13

HH Klein A Krämer BM Pieske Fahreignung bei kardiovaskulären Erkrankungen Kardiologe 4 2010 441 473

14

CW Israel D Bänsch D Böcker Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (Arbeitsgruppe Rhythmologie) zum Umgang mit Patienten mit ICD-Elektroden Riata und Riata ST der Firma St. Jude Medical Herzschr Elektrophys 23 2012 107 115

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