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B978-3-437-22301-3.10007-0

10.1016/B978-3-437-22301-3.10007-0

978-3-437-22301-3

Feststellungsverfahren.

Diagnostikschema Berufsekzem.

Tab. 7.1
Anamnese/Diagnostik Details
Familienanamnese Atopische Diathese, atopisches Ekzem, Ps.
Verlaufsanamnese Erkr.-Dauer, Verlauf (persistierend, kommt und geht, tritt bei bestimmter Tätigkeit auf)
Klärung des beruflichen Zusammenhangs Abheilung in AU-Zeit oder Urlaub, Besserung oder Persistenz
Klinik Morphe und Lokalisation
Typ-IV-Diagn. Epikutantest mit den infrage kommenden standardisierten Allergenen sowie, wenn möglich, mit Nativstoffen (von Pat. mitbringen lassen) 2.4.1
Atopiediagnostik Typ-I-Diagn., Gesamt-IgE, spez. IgE, Atopiescore
Hautfunktionstests Alkali-Resistenztest (2.4.4)

Häufigste Kontaktallergene nach Berufsgruppen.Kontaktallergen(e)

Tab. 7.2
Berufsgruppe Kontaktallergene
Bergleute Chromat, Gummiinhaltsstoffe
Fliesenleger Chromat, Epoxidharze, Acrylate, Gummiinhaltsstoffe
Floristen Blumen (Korbblütler), Pestizide
Friseure P-Phenylendiamin-Derivate (Färbemittel), Ammoniumpersulfat (Bleichmittel), Duftstoffe, Gummiinhaltsstoffe
Karosserieschlosser Epoxidharze, Öl-Additiva
Landwirte, Agrarökonom Gummiinhaltsstoffe, Pestizide, Arzneimittel
Maurer Chromat, Gummiinhaltsstoffe
Nahrungsmittelberufe Desinfektionsmittel, Nahrungsmittel, Konservierungsstoffe
Pflegeberufe Gummiinhaltsstoffe, Desinfektionsmittel, Arzneimittel, Kosmetikinhaltsstoffe
Fotograf Entwickler (P-Phenyldiamin-Derivate), Gummiinhaltsstoffe
Reinigungsberufe Desinfektionsmittel, Gummiinhaltsstoffe
Schlosser Öl-Additiva (Gummiinhaltsstoffe u.a.), Konservierungsstoffe
Schreiner Hölzer, Lacke, Harze, Klebstoffe
Zahntechniker Acrylate, Metalle
Zerspanungsberufe Konservierungsstoffe, Öl-Additiva

Schutzhandschuhe in den unterschiedlichen BerufenSchutzhandschuhe.

Tab. 7.3
Beruf Tätigkeit Geeigneter Handschuh (HS) Bemerkungen
Friseurhandwerk Haare waschen Wasch-HS (z.B. Ansell Edmont, Eislingen Waschhandschuh Art. Nr. 79–100) Vorgabe und Tragen geeigneter HS ist vorgeschrieben (TRGS 530 Friseurhandwerk!)
Färben, Bleichen, Dauerwellen Vinyl-HS (z.B. Marygold Industrial long Suretech, Fa. London, Mönchengladbach), Nitril-HS (z.B. Ansell Edmond industrial: Touch N tuff) Industrial long reicht bis zu den Oberarmen
Metallberufe Kunststoffgetauchte Baumwoll-HS (z.B. Hylite Art. Nr. 47–400, Fa. Ansell Edmont), Vinyl-HS (z.B. Sempersoft antiallergic, Fa. Sempermed) Tragen von HS häufig aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt
Bauberufe Vinyl-HS (z.B. Sempersoftantiallergic, Fa. GIA, Bochum), kunststoffgetauchte (synthet. Nitrillatexbeschichtung) Baumwoll-HS (z.B. Hylite)
Nahrungsmittelberufe PVC-(Vinyl-)HS (einmal), Haushalts-HS (Ansell), Semper soft antiallergic
Metzger/Schlachter Verkauf Vinyl-HS (z.B. Industrial long Suretech von Fa. London) Industrial long reicht bis zu den Oberarmen
Schlachten, Ausbeinen Vinyl-HS (z.B. Haushalts-HS über Ketten-HS)
Reinigungsberufe Vinyl-HS (z.B. Haushalts-HS, Fa. Ansell Edmont, Art. Nr. 79–100)
Gesundheitswesen Unsterile Tätigkeiten Vinyl-HS Puderfrei
Sterile Tätigkeiten Ungepuderte Latex-HS (z.B. Ansell, Manex puderfrei) oder besser latexfreie HS (Preisfrage) Bei Latex-Allergie sterile Nitril- oder Neopren-HS (z.B. Dermaprene, Fa Ansell, Manex Neoderm)
Modellbauer, Zahntechniker Acrylatsensibilisierung 4-h-gloves (z.B. Fa. GIA Bochum) schützen für 4 h (auch als Stulpen, Schürzen, Schutzschuhe) oder alternativ Polyethylen-HS Bei Acrylatsensibilisierung ist Tätigkeitswechsel häufig nicht zu umgehen

Hautschutz bei unterschiedlichen NoxenHautschutz.

Tab. 7.4
Maßnahme Berufsstoffe Präparatebeispiele
Stockhausen1 Fa. Physioderm2 Verschiedene Hersteller
Hautschutz gegen wasserlösliche Substanzen Waschwasser, wassermischbarer Kühlschmierstoff, Beton, Säuren, Laugen, Salze, Beizmittel, Kalk, Reinigungsmittel, Feuchttätigkeiten Stoko Protect
Tactosan Emulsion
Saniwip
Saniwip F
Excipial protect3
Reinol Aquagard4
Wassergemischte Lacke Fulguran
Nahrungsmittel Stoko Progel
Wässrige Lösungen und formaldehydhaltige Arbeitsstoffe Kosmosan
Feuchtigkeitsstau und Mazeration: Tragen okklusiver Schutzkleidung, Handschuhe Stoko Progel, Taktodor, Stoko Protect
Stoko Emulsion
Pro Glove Reinol Epidry4
Gummistiefel Stoko Foot Care Pro Glove Reinol Epidry4
Hautschutz gegen wasserunlösliche Substanzen Öle, Ruß Travabon, Stoko Prelabo Sansibal Reinol Drygard4
Stark haftende Arbeitsstoffe (Kleber, Lacke) Travabon Sansibal
Harze Arretil
Organische Lösungsmittel Arretil
Abdruckfreie Hautschutzmittel Glas, Textil, Pelze, Elektronik Fulguran, Stoko Progel unparf. Sineprint
Nicht klar definierbare oder wechselnde Arbeitsstoffe Stokoderm Dualin
UV-Belastung Schweißen UV 27 Special Physio UV 20
Hautreinigung Leichte Verschmutzung Estesol, Frapantol, Praecutan Plus Saniklin-Waschliquid, Stephalen Eucerin Handwaschöl (Fa. Beiersdorf)
Physiogel Shampoo (Fa. Stiefel)
Mittlere Verschmutzung Neopol Topscrub Soft
Starke Verschmutzung Solopol
Krestopol, Kresto Paste
Topscrub extra, Topscrub nature,
Saniscrub Rubbelcreme
Lacke Slig, Slig Spezial Rapituff, Contra Color
Farben, Farbstoffe Reduran Spezial Rapituff, Contra Color
Teere Cupran Contra Color
Hautpflege Estolan, Stoko Lotion, Stoko Glycerin Physioderm Creme, Stefatop Lotio Excipial Repair
Alfason Repair
Excipial U Lipolotio, Lipoderm Lotion
Excipial Clean

1

Stockhausen GmbH (Krefeld) www.stoko.com

2

Fa. Physioderm (Hanau) www.Physioderm.de

3

Fa. Spirig Pharma AG (Egerfingen/CH) www.spirig.ch

4

Fa. JohnsonDiversey (Mannheim) www.JohnsonDiversey.de

MdE-Tabelle (Bamberger Merkblatt, 7.2.2, Aufbau eines Gutachtens)Minderung der Erwebsfähigkeit"\t"Siehe MdEMdE.

Tab. 7.5
Auswirkung einer Allergie Ausmaß der Hauterscheinungen, auch nach irritativer Schädigung (%)
Keine Leicht Mittel Schwer
Keine 0 10 20 25
Geringgradig 0 102 202 25
Mittelgradig 101 152 252 30
Schwerwiegend 201 202 302 30

1

Für die Auswirkungen einer Allergie ohne Hauterscheinungen können sich in begründeten Fällen Abweichungen um 5 Prozentpunkte ergeben.

2

Ein Abgleich der verschlossenen Arbeitsmöglichkeiten durch die Auswirkungen der Allergie(n) und das Ausmaß der Hauterscheinungen kann eine Abweichung um 5 Prozentpunkte begründen. Eine grenzwertige MdE von 15% sollte begründet werden.

Berufsdermatologie und Begutachtung

Volker Schenkelberger

  • 7.1

    Berufsdermatologie 152

    • 7.1.1

      Rechtliche Grundlagen152

    • 7.1.2

      Berufskrankheiten in der Dermatologie153

    • 7.1.3

      Diagnostik des Berufsekzems156

    • 7.1.4

      Therapie des Berufsekzems157

    • 7.1.5

      Prophylaxe des Berufsekzems – Maßnahmen am Arbeitsplatz158

    • 7.1.6

      Hautarztverfahren – Hautarztbericht – BK-Anzeige162

    • 7.1.7

      Die Berufsgenossenschaft als Kostenträger165

    • 7.1.8

      Berufsekzem in der Sprechstunde165

    • 7.1.9

      Rehabilitationsberatung166

  • 7.2

    Begutachtung 167

    • 7.2.1

      Grundsätze der Begutachtung167

    • 7.2.2

      Berufsgenossenschaftliches Gutachten168

    • 7.2.3

      Gutachten für das Versorgungsamt172

    • 7.2.4

      Gutachten für die gesetzliche Rentenversicherung172

    • 7.2.5

      Sozialgerichtsgutachten173

Berufsdermatologie

Rechtliche Grundlagen

Berufskrankheit (SGB VII)
(Bis 1.1.Berufsdermatologie1997 Berufskrankheit(en)Reichsversicherungsordnung, RVO). Krankheiten, die die Bundesregierung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrats bezeichnet und die eine Person während einer versicherten Tätigkeit erleidet. Als Berufskrankheiten (BK) können solche Erkr. zur Anerkennung kommen, die nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft durch besondere Einwirkungen verursacht sind, denen bestimmte Personengruppen durch ihre Arbeit in erheblich höherem Grad ausgesetzt sind als die übrige Bevölkerung. Anerkannte BK sind in der BK-Liste (7.1.2) erfasst.
  • Jeder Arbeitnehmer muss gegen Arbeitsunfall und BK abgesichert sein (auch Geringbeschäftigte). Gleiches gilt für weitere Personengruppen: Schüler, Studenten, Krankenhauspat., Häftlinge.

  • Träger der gesetzlichen Unfallversicherung sind Berufsgenossenschaften sowie Gemeindeunfallversicherungsträger.

  • Die einzelnen Berufe sind unterschiedlichen Berufsgenossenschaften zugeordnet.

Aufgaben der Unfallversicherungsträger
  • Übernahme der Kosten für die Ther. von beruflich bedingten Erkr.,

  • Maßnahmen der sozialen und beruflichen Rehabilitation,

  • Entschädigung von BK/Arbeitsunfällen sowie deren Prophylaxe durch Aufklärung und Überwachung im Rahmen des Arbeitsschutzes.

Berufskrankheitenverordnung
3-Maßnahmen gegen Berufskrankheiten; Übergangsleistung

Berufskrankheitenverordnung Besteht für den Versicherten 3-Maßnahmen1)die Gefahr, dass eine Berufskrankheit entsteht, wiederauflebt oder sich verschlimmert, so hat der Träger der Unfallversicherung mit allen geeigneten Mitteln dieser Gefahr entgegenzuwirken. Ist die Gefahr für den Versicherten nicht zu beseitigen, hat der Träger der Unfallversicherung ihn aufzufordern, die gefährdende Tätigkeit zu unterlassen. Der für den medizinischen Arbeitsschutz zuständigen Stelle ist Gelegenheit zur Äußerung zu geben.

2) Stellt der Versicherte die Tätigkeit ein, weil die Gefahr für ihn nicht zu beseitigen ist, so hat ihm der Träger der Unfallversicherung zum Ausgleich einer hierdurch verursachten Minderung des Verdienstes oder sonstiger wirtschaftlicher Nachteile eine Übergangsleistung zu gewähren. Als Übergangsleistung wird ein einmaliger Betrag bis zur Höhe der Jahresvollrente oder eine monatlich wiederkehrende Zahlung bis zur Höhe der Vollrente, längstens für die Dauer von fünf Jahren, gewährt.

3) Die Rente wegen Minderung der Erwerbsfähigkeit ist neben der Übergangsleistung zu gewähren.

Der Unfallversicherungsträger ist laut 3 BeKV auch dann verpflichtet, Kosten für Ther. und Prophylaxe von Berufsdermatosen zu übernehmen, wenn noch keine BK im rechtlichen Sinne vorliegt, jedoch die konkrete Gefahr ihrer Entstehung gegeben ist (gilt auch für Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation, z.B. Umschulung). Er ist weiter verpflichtet, mit allen geeigneten Mitteln einer BK vorzubeugen (z.B. Übernahme der Kosten für Ther., Hautschutz, Hautpflege, Hautreinigung; 7.1.5).

Berufskrankheiten in der Dermatologie

Als BK können nur Berufskrankheit(en):Dermatologiesolche Erkr. anerkannt werden, die vom Gesetzgeber in die BK-Liste (Anlage 1 BeKV) aufgenommen wurden. Jeder Krankheit ist eine Listennummer zugeordnet (Ausnahme Öffnungsklausel: SGB VII 9 Abs; ehem. RVO SS1 Abs. 2).
BK 1108
Erkr. durch Arsen und seine Verbindungen: Arsen, BerufskrankheitRarität, früher in zahlreichen Berufen relevant: Blei- und Zinkverhüttung (Hüttenkrätze), chemische, keramische, Huuml;ttenkrätzepharmazeutische, Glas- und Lederindustrie, bei der Herstellung von Farben, Pestiziden und Herbiziden. Durch Änderungen in der Verfahrenstechnik, Verbot von arsenhaltigen Farben, Pestiziden und Therapeutika heute fast keine Bedeutung mehr. Früher auch häufiger bei Winzern (arsenhaltige Pestizide, in D seit 1942 verboten). Geringe Bedeutung noch im erzgebirgischen Untertagebergbau.
Klinik der chron. Arsenose
  • Hyperkeratosen, umschrieben Arsenoseim Bereich der Handinnenflächen, der Fußsohlen, seltener auch an Nacken, Armen, Hals und Rücken.

  • Flächenhafte Pigmentierung der Haut (Arsenmelanose) sowie Effluvium und brüchige Nägel mit hellen Querstreifen (Mees-Bänder).

  • Außerdem unspez. Erytheme und Follikulitiden.

  • I.d.R. treten multiple Malignome der Haut auf, v.a. Plattenepithel-Ca und BCC.

  • Geringe pulmonale und GI-Sy., Affektionen des Nervensystems, seltener innerer Organe (Leber, Niere).

Neurologische Sy. bestimmt Beschwerdebild, wird jedoch erst relativ spät manifest; die HV treten früher auf der Dermatologie kommt somit neben dem Nachweis erhöhter Arsenablagerungen (Haare) bei der Krankheitserkennung eine wichtige Rolle zu!
BK 1302
Erkr. durch Halogenkohlenwasserstoffe: Halogenkohlenwasserstoffe, BerufskrankheitGefahrenstoffe sind/waren u.a. Lösemittel in der chemischen Reinigung, Pestizide (Lindan), FCKW als Kühlmittel und Treibgas für Aerosole, in technischen Ölen. Erkr.: Chlorakne 18.1.1.
BK 2402
Erkr. durch ionisierende Strahlen, ionisierende"\t"Siehe ionisierende StrahlenStrahlen: Beschäftigte ionisierende Strahlen:Berufskrankheitin der Nuklearindustrie, in der Forschung oder Medizin. Früher häufiger. Klinik: Radioderm 10.1.5, Plattenepithel-Ca 11.5.
BK 3101
Infektionskrankheiten, wenn der Infektionskrankheiten, BerufskrankheitVersicherte im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße ausgesetzt war. Betrifft alle Erkr. (außer Tropenkrankheiten), die von Mensch zu Mensch übertragen werden (Viren, Rickettsien, Bakterien, Protozoen, Pilze). Erkr.: U.a. Tinea 9.5.1, Mikrosporie 9.5.1, Tuberculosis cutis verrucosa 9.3.16.
BK 3102
Von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten. Betroffene: Metzger, Zoonosen:BerufskrankheitLandwirte, Tierhändler, Veterinäre, Förster. Erkr.: Erysipeloid 9.3.22, Tinea (bei Landwirten sog. Kälberflechte) 9.5.1, Mikrosporie 9.5.1, Borreliose 9.3.20, Melkerpocken 9.1.4, Tuberculosis cutis verrucosa (Schlachtertuberkel) 9.3.16, Schwimmbadgranulom (Fischtankgranulom) 9.3.17, Pyodermien 9.3.
BK 3104
Durch Infektionserreger oder Infektion(en):BerufskrankheitParasiten verursachte Krankheiten Parasiten, Berufskrankheitsowie Tropenkrankheiten. Erkr.: Tropenkrankheiten, BerufskrankheitDermatomykosen 9.5 (Blastomykosen, Aktinomykosen), Lepra 9.3.18, Leishmaniosen 9.7.3, Larva migrans 9.7.1, Filariasis 9.7.1, Pinta, Frambösie.
BK 5102
Hautkrebs oder zur Krebsbildung Hautkrebs, Berufskrankheitneigende HV durch Ruß, Rohparaffin, Teer, Anthrazen, Pech oder ähnliche Stoffe. Betroffene: Kokerei- und Raffineriearbeiter. Auslösende Destillationsprodukte aus Stein- und Braunkohle, Holz, Torf oder Erdöl bewirken erhöhte Lichtsensibilisierung.
Klinik
  • Erhöhte Lichtempfindlichkeit und Neigung zu Sonnenbränden in lichtexponierten Arealen (Gesicht, Hals, Dekollet, Händen und Unterarmen), später fleckige De- und Hyperpigmentierungen.

  • Mit einer Latenz von einigen J. Entwicklung von Teleangiektasien, Follikulitiden und Komedonen; Zeichen der aktinischen Schädigung mit Elastose und Atrophie; Auftreten von filiformen Papillomen, breitflächigen, flachen Papillomen und umschriebenen Keratosen (Pechwarzen).

  • In der letzten Phase präinvasive und maligne HV (M. Bowen 11.4, Plattenepithel-Ca 11.5, Basallzell-Ca 11.3). Cave: Nicht selten Malignome im Genitalbereich.

Regelmäßige Inspektion des gesamten Integuments!

BK 5101 (BK Haut)
Schwere und/oder wiederholt BK 5101rückfällige BK HautHauterkr., die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können.
Nicht durch Ätiol., sondern durch Verlauf und versicherungsrechtliche Kriterien definiert. I.d.R. ekzematöse Hauterkr., vornehmlich Handekzeme (> 90% der Berufsdermatosen). Alle Formen des exogen ausgelösten Handekzems, auch Ekzemformen, die auf eine anlagemäßige Ekzemneigung zurückgehen, aber durch den Beruf wesentlich mitverursacht werden, gelten als BK, wenn die wesentliche Teilverursachung durch die berufliche Tätigkeit mit hinreichender Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann – je nach Tätigkeit liegen häufig Mischformen von Handekzemen vor (z.B. kumulativ-toxisches Handekzem mit aufgepfropfter Kontaktsensibilisierung).
Kumulativ-toxisches Ekzem
Syn.: Abnutzungsekzem.
Ekzem:kumulativ-toxischesHäufigste Ekzemform v.a. bei Personen, die eine feuchte Tätigkeit ausüben oder regelmäßigen Kontakt mit hautirritativen Substanzen haben (tgl. kumulative Hautschädigung). Vorwiegend betroffen: Friseure, Maurer, Bäcker, Fleischer, Zerspanungsberufe, Reinigungs- und Pflegekräfte.
Klinik: Wie Handekzem 12.17.3.
Progn.: Bei durchführbarem Hautschutz relativ gut, schlecht in Nahrungsmittelberufen (Bäcker).
Atopisches (Hand-)Ekzem
Auslösende Noxen wie beim atopisches Ekzem:Handkumulativ-toxischen Handekzem (s.o.). Atopische Diathese ist Grundvoraussetzung (Betroffener eigentlich für den ausgeübten hautschädigenden Beruf ungeeignet!). Dies entbindet den Unfallversicherungsträger jedoch nicht von seiner Haftungspflicht, wenn eine wesentliche Teilverursachung durch den Beruf (Erstauftreten im Beruf, arbeitskongruentes Verhalten der Hauterkr.) nachzuweisen ist. Versicherungsrechtliche Relevanz besteht auch bei vor der Tätigkeit bereits manifest gewordenen atopischen Ekzemen und wesentlicher Verschlimmerung durch den Beruf.
Klinik: Wie Handekzem 12.17.3.
Progn.: Schlechter als beim kumulativ-toxischen Handekzem.
Kontaktallergisches (Hand-)Ekzem
Bis auf wenige Ausnahmen (Ekzem:kontaktallergischesProteinkontaktdermatitis 12.18.3) Typ-IV-Sensibilisierung. Abhängig von Dauer und Ort des Allergenkontakts, der Penetrationsfähigkeit durch die Epidermis und dem Sensibilisierungsgrad. Häufig sek. entstanden durch Aufpfropfung auf zuvor bestehende unspez. Ekzemformen.
Klinik: 12.17.3.
Progn.: Wenn Austausch am Arbeitsplatz oder ausreichender Schutz durch Schutzhandschuhe möglich ist, günstig; ansonsten häufig innerbetriebliche Umsetzung oder Berufsaufgabe auf Dauer unumgänglich, v.a. bei im Beruf nicht zu meidenden und/oder bei durch Handschuhmaterial rasch penetrierenden Allergenen (Acrylate: Zahntechniker, Modellbauer. Kosmetikerin).
Sonderform: Proteinkontaktdermatitis
Seltene Ekzemform; durch Proteinkontaktdermatitisspez. IgE-AK gegen körperfremde Proteine und Glykoproteine vermittelt; i.d.R. Proteine in Nahrungsmitteln (Tomate, Zwiebel, Fleisch, Fisch) oder Hölzern mit Relevanz in den entsprechenden Berufen.
Klinik: Klin. unspez. Ekzembild; Nachweis schwierig. Typisch ist das nach wenigen Min. bis h auftretende Erythem mit starkem Pruritus, typische Urticae selten; Epikutantestungen mit den betreffenden Allergenen i.d.R. neg.; Diagn. durch Klinik, Verlauf, pos. Intrakutan-/Prick-Test, CAP-FEIA/RAST. Manchmal Aufflammen der ekzematösen HV nach dem Intrakutantest.
Allergene: Mehle, Gemüse (Kartoffel), Gewürze (Zwiebel, Knoblauch), Früchte, Fisch, Fleisch, Hölzer, Latex?
Kontakturtikaria
Durch beruflichen, direkten KontakturtikariaHautkontakt mit dem Allergen (v.a. Latex). Betroffen: Beschäftigte im Gesundheitsdienst, Friseure, Reinigungspersonal.
Klinik: Kontakturtikaria 12.18.3, Latexallergie 12.5.
Progn.: Bei alleiniger Hautsymptomatik durch Latexallergie Allergenkarenz leicht durch Verwendung latexfreier Handschuhe möglich (keine Tätigkeitsaufgabe, keine BK 5101); bei allerg. Rhinitis/allerg. Asthma durch indirekten Kontakt mit Latexpartikeln in der Luft häufig Tätigkeitswechsel zwingend (BK 4301 allerg.-obstruktive Atemwegserkr.).

Diagnostik des Berufsekzems

Zur Diagn. Berufsekzem:DiagnostikTab. 7.1, zu den häufigsten Kontakallergenen Tab. 7.2.

Therapie des Berufsekzems

Bei beruflich bedingten Berufsekzem:TherapieHauterkr. ist die Übernahme der Ther.-Kosten durch den Unfallversicherungsträger im Sinne 3 BeKV anzustreben (7.1.1) Vorteile:
  • Erweiterung des ther. Spielraums unter Einbeziehung von Hautschutz, Hautreinigungs- und Hautpflegepräp. (in Einzelfällen auch Schutzhandschuhe), auch Einsatz von Off-label-Präp. möglich (z.B. Pimecrolimus, Tacrolimus).

  • Fortlaufender Kontakt mit dem Unfallversicherungsträger, gute Dokumentation von Verlauf, AU-Zeiten und durchgeführten prophylaktischen Maßnahmen (wichtig für evtl. notwendiges Feststellungsverfahren, 7.1.6, Abb. 7.1).

  • Entlastung des Arzneimittelbudgets.

  • Bessere Honorierung der erbrachten Leistungen.

Ziel ist es, mit allen geeigneten Mitteln der Entstehung einer BK vorzubeugen und den Verbleib im Beruf (am Arbeitsplatz) zu ermöglichen. Da Maßnahmen über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden müssen, möglichst blande, nebenwirkungsarme Präp. anwenden.
Dermatikatherapie
Dermatika, BerufsekzemBerufsekzem:DermatikatherapieDurchführung bei Handekzem 12.17.3.
Prinzipien:
  • Steroide nur in akuten Phasen anwenden.

  • Bei relevanter Kontaktsensibilisierung gegenüber einem am Arbeitsplatz (durch Austausch oder Handschuhe) nicht meidbaren Allergen sind permanente ther. Maßnahmen nicht sinnvoll Arbeitsplatzwechsel, Umschulung.

  • Mögliche Ausnahmen: Soziale Situation des Pat. (Alter), Aufgabe der Tätigkeit wird abgelehnt.

Fototherapie und Rezidivprophylaxe durch UVA/PUVA (Hardening)
Hardening, BerufsekzemFototherapie:BerufsekzemBerufsekzem:FototherapieHardening Abhärtung/Berufsekzem:HardeningGewöhnung durch kumulative UV-Exposition.
Lokale PUVA-Bad-Ther. 23.4.2 (höchste Wirksamkeit unter UV-Ther.), UVA-Ther. 23.2, Leitungswasseriontophorese.

Prophylaxe des Berufsekzems – Maßnahmen am Arbeitsplatz

Hautschutzmaßnahmen sind Berufsekzem:Prophylaxeabhängig von Qualität der schädigenden Noxe, Begebenheiten am Arbeitsplatz.
  • Bei kontaktallerg. Erkr.: Meidung (Austausch) des Allergens. Ist dies nicht möglich: Schutzhandschuhe (erlauben ggf. Verbleib am Arbeitsplatz).

  • Bei unspez. Noxen (kumulativ-toxisch): Schutzhandschuhe (1. Priorität), Hautschutzpräp. (2. Priorität), begleitend hautschonende Reinigung und Rückfettung (z.B. Excipial protect, Excipial clean, Excipial repair).

Technische Änderungen am Arbeitsplatz und im Arbeitsprozess sind oft allein ausreichend, um einem Rezidiv vorzubeugen.

Um Interventionsmöglichkeiten zu eruieren und durchzuführen, immer Kontakt mit dem Betriebsarzt aufnehmen (v.a. Erfolg versprechend in Großbetrieben mit permanenter betriebsärztlicher Versorgung) und ihm möglichst die Befunde mitteilen (Kopie des Hautarztberichts); beides setzt Zustimmung des Pat. voraus (entweder schriftliche Zustimmung oder den Bericht an den Betriebsarzt dem Pat. persönlich mitgeben) Kam der Pat. mit Überweisungsverfahren-Schein (ÜV-Schein) vom Betriebsarzt, kann Zustimmung vorausgesetzt werden.
Schutzhandschuhe
Nicht jeder Handschuh ist für jede SchutzhandschuheTätigkeit geeignet (Tab. 7.3). Handschuhe sind in einigen Berufen aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt (Dreher) oder nicht praktikabel (z.B. Goldschmied, Bäcker).

Merke

  • Gummihandschuhe nicht zu empfehlen: Enthalten potente Allergene (Vulkanisationsbeschleuniger, Altersschutzmittel, u.a.), häufig Sensibilisierung! Alternative: Vinyl-Handschuhe (keine Additiva!). Unter okkludierenden Schutzhandschuhen immer Baumwollhandschuhe tragen!

  • Zum Schutz bei Kontakt mit toxischen/giftigen Chemikalien 4-h-Handschuhe mit Durchbruchs- und Permeationsprofil verschiedenster Substanzen (z.B. Fa. GIA).

Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege im Beruf
Hautschutzpräparate
Hautschutz:im BerufTab. 7.4.
HautschutzpräparateGrundprinzip: Noxe soll im Präp. nicht lösbar sein, um Penetration in die Haut zu erschweren. Hautschutz gegen wasserlösliche Substanzen daher mit W/O-Grundlagen, Hautschutz gegen wasserunlösliche Substanzen mit O/W-Grundlagen.

Eine falsche Grundlage kann Penetration der Noxe in die Haut verbessern und Hautschaden erhöhen! Zu jeder Haut belastenden Tätigkeit Hautschutzplan aufstellen (beinhaltet der Noxe entsprechend angepasste Hautreinigung, Hautschutz und Hautpflege).

Merke

  • Präp. sind dem Apotheker oft unbekannt, daher Herstelleradresse mit der Erstverschreibung mitgeben!

  • Industriell vorgefertige Präp. enthalten immer Konservierungs- und i.d.R. auch Duftstoffe (ggf. Sens.). Der verwendete Konservierungsstoff variiert von Präp. zu Präp. Bei entsprechender Sens. vorherige Abklärung, Meiden von Präp. mit Duftstoffen. Nach neuen Symptomen in Zusammenhang mit der Anwendung fragen.

Hautarztverfahren – Hautarztbericht – BK-Anzeige

Jeder Arzt (Hautarztverfahrenauch Zahnarzt) ist dazu Hautarztberichtverpflichtet, bei V.a. Vorliegen einer BK eine entsprechende Anzeige zu erstatten.
  • Hautarztverfahren dient der Früherfassung von Berufsdermatosen und der Prophylaxe (Verhinderung, dass eine Berufsdermatose zur Berufskrankheit wird). Nur vom Hautarzt einzuleiten und nur für Hauterkr. im Sinne der BK-Ziffer 5101!

  • Zentrales Instrument: Hautarztbericht. Seit 2005 sog. optimiertes Hautarztverfahren mit 2 Formularen:

    • Erstbericht Hautarzt BK 5101 (Vordruck F 6050; durch ihn erfährt der Unfallversicherungsträger erstmalig vom Vorliegen einer Hauterkr. bei einem Versicherten und kann im Rahmen von 3-Maßnahmen prophylaktisch aktiv werden).

    • Verlaufsbericht Hautarzt BK5101 (Vordruck F 6052; Nachbericht zur Verlaufsdokumentation. Download unter www.hvbg-service.de/cgi-bin/formtext).

Erstbericht Hautarzt (F 6050)
Jeder Hautarzt kann einen Erstbericht HautarztHautarztbericht erstatten, wenn die Möglichkeit Hautarztberichteiner berufsbedingten Hauterkr. besteht (zumindest im Sinne einer wesentlichen Teilursache), und wenn 3-Maßnahmen (s.o.) eingeleitet werden sollen.
  • Bereits bei der Möglichkeit einer Berufsdermatose erstellen und weiterleiten. Es handelt sich hierbei um Hauterkr., die die Ziffer 5101 der BK-Liste betreffen.

  • Die Möglichkeit einer Berufsdermatose ist gegeben, wenn bei einem berufstätigen Pat., der eine potenziell schädigende Tätigkeit ausübt

    • die Lokalisation der Hauterscheinungen dafür spricht (üblicherweise Hände),

    • ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Befund und Verwendung eines neuen Arbeitsstoffes besteht,

    • die Hauterkr. unter Arbeitskarenz (Wochenende, Urlaub, AU-Zeit) abklingt,

    • Sensibilisierungen gegenüber potenziellen Berufsstoffen vorliegen.

  • Dies gilt auch für zuvor schon bestehende Erkr., die sich durch berufliche Noxen verschlimmert hat, oder anlagemäßige Erkr., die durch den Beruf zum Ausbruch kam (wesentliche Teilursache).

Erstellung des Erstberichts
  • Auch wenn Pat. von einem anderen Arzt (Hausarzt, Betriebsarzt) unter dem V.a. auf eine Berufsdermatose mit Überweisungsverfahren-Schein überwiesen worden ist. Einwilligungserklärung des Versicherten als letzte Seite des Erstberichts.

  • Hautarztbericht setzt Aufklärung und Einwilligung des Pat. voraus. Nach Aufforderung des Unfallversicherungsträgers muss ein Bericht erstattet werden, auch ohne Zustimmung des Pat., da ansonsten eine Ordnungsstrafe droht!

Abrechnung
Im Erstbericht wird die Übernahme der weiteren Ther.- sowie Prophylaxekosten gemäß 3-BeKV durch den Unfallversicherungsträger beantragt; erst nach seiner Zustimmung kann zu dessen Lasten verordnet und liquidiert werden. Alleinige Erstellung des Hautarztberichtes wird pauschal mit 50,-- Euro + Porto vergütet. Daneben können ohne Zustimmung des Unfallversicherungsträgers zur Diagnose erforderliche Testungen in Rechnung gestellt werden: Prick-Testungen zur Eruierung einer Atopie (bis 20), Epikutantestungen beruflich relevanter Allergene; CAP-FEIA/RAST-Tests nur in Ausnahmefällen (Latex-, Proteinkontaktdermatitis).

Im Rahmen des Hautarztberichts erbrachte Leistungen werden mit dem Betrag der allgemeinen Heilbehandlung vergütet auf die wirklich notwendigen Untersuchungen beschränken!

Verlaufsbericht Hautarzt (F 6052)
Er dient zur Dokumentation Verlaufsbericht Hautarztdes Krankheitsverlaufs nach Beginn der (Hautschutz-)Maßnahmen im Rahmen von 3. In regelmäßigen Abständen und nach Aufforderung durch die BG zu erstellen.
Vergütung: pauschal (Untersuchung inkl.) 25,-- Euro + Porto.
BK-Anzeige
Ärztliche Anzeige über eine BK wird BK-Anzeigeerstattet, wenn der begründete V.a. eine BK besteht. Bei Dermatosen, die nicht unter Ziffer 5101 BeKV fallen, liegt der begründete Verdacht vor, wenn eine berufliche Bedingtheit anzunehmen ist, bei Erkr. nach Ziffer 5101 erst dann, wenn auch die formaljuristischen Kriterien als erfüllt anzusehen sind:
  • Es besteht eine Berufsdermatose, also ein Zusammenhang zwischen der beruflichen Tätigkeit und der Hauterkr. bzw. des Hautbefunds (bei beruflich verschlimmerten Hauterkr.).

  • Die Hauterkr. war schwer und/oder wiederholt rückfällig.

  • Schwer ist die Hauterkr., wenn

    • sie mind. 6 Mon. ununterbrochen behandelt werden musste,

    • sie aufgrund des klin. Bildes als schwer einzustufen ist,

    • eine Sensibilisierung gegenüber einem weitverbreiteten und in dem Betrieb mit organisatorischen Maßnahmen nicht meidbaren Allergen vorliegt.

  • Wiederholt rückfällig ist die Hauterkr., wenn mind. 3 Krankheitsschübe, also 2 Rückfälle, vorliegen. Zwischen jedem Krankheitsschub muss die Hauterkr. so weit zurückgegangen sein, dass ein deutliches behandlungsfreies Intervall mit Arbeitsfähigkeit bestanden hat. Da dies i.d.R. nur durch zwischenzeitliche Zeiten der Arbeitskarenz erreicht werden kann, sollten im optimalen Fall 3 AU-Zeiten vorgelegen haben.

  • Der objektive Zwang zur Unterlassung der schädigenden Tätigkeit ist gegeben.

Die BK-Anzeige ist also erst angezeigt, wenn der Pat. aus dermatologischer Sicht die schädigende Tätigkeit aufgeben muss, ein Verbleib mit prophylaktischen Maßnahmen nicht erreicht werden kann oder die Tätigkeit tatsächlich schon aufgegeben wurde. Als Aufgabe der schädigenden Tätigkeit gilt auch eine innerbetriebliche Umsetzung auf einen geeigneten Arbeitsplatz.

Die BK-Anzeige setzt zwangsläufig ein Feststellungsverfahren in Gang!

Feststellungsverfahren
Beinhaltet Voruntersuchung Feststellungsverfahrendurch den Unfallversicherungsträger (Behandlungsberichte, Auskünfte von Versicherten, Arbeitgeber und Krankenkasse, Arbeitsplatzanalyse des Technischen Aufsichtsdienstes) und schließt mit einem Zusammenhangsgutachten ab (kann 1–2 J. dauern). Im Rahmen des Feststellungsverfahrens findet die dermatologische Begutachtung statt (Feststellungsgutachten). Aufgrund der neuen gesetzlichen Bestimmungen (seit Januar 1997) im Rahmen des SGB VII hat der Versicherte das Recht, bei der Auswahl des Gutachters mitzuwirken. Gängige Praxis: Von der BG werden dem Versicherten 3 Gutachter vorgeschlagen, von denen er einen auswählen kann. Abb. 7.1.

Die Berufsgenossenschaft als Kostenträger

Nach Übernahme der Behandlungskosten (schriftliche Mitteilung), i.d.R. zeitlich begrenzt, Liquidation über den Unfallversicherungsträger. Wenn nichts anderes im Behandlungsauftrag angegeben, gelten die Beträge der allgemeinen Heilbehandlung. Gebührenordnung der Unfallversicherungsträger (Leuftink/Butz: UV-GOÄ, 38. Aufl. [2004]; Kepnerdruck Druckerei und Verlag GmbH, 75031 Eppingen, Robert-Bosch-Str. 5, Tel.: 07262-9190-0).
Verordnet werden dürfen: Therapeutika, Mittel zur Prophylaxe, z.B. Baumwollhandschuhe, Hautschutzpräp., Hautreinigungsmittel, Hautpflegepräp., Badeöle u.a. Cave: Schutzhandschuhe werden i.d.R. nicht übernommen (Arbeitgeber!), Verordnung (Vinyl-Handschuhe) nur, wenn ausdrücklich genehmigt! Rezeptiert wird auf Kassenrezept (Kopf UV ankreuzen, Name und Sitz der BG, Aktenzeichen der BG, Gebühr frei).

BG-Verordnungen laufen außerhalb des Arzneimittelbudgets.

Berufsekzem in der Sprechstunde

  • Berufsekzem:in der SprechstundeMöglichst rasch Erstbericht erstellen und Hautschutzmaßnahmen beantragen (wenn nötig, AU bescheinigen, um Verlauf der Hauterkr. zu beurteilen und Testfähigkeit herzustellen). I.d.R. kommt Zusage nach 4–8 Wo. Falls der Unfallversicherungsträger nicht reagiert, erneuter Hautarztbericht oder Rücksprache.

  • Nach Zusage mit Hautschutzmaßnahmen beginnen und regelmäßigen Behandlungsbericht mit Empfehlung der weiteren Übernahme erstellen.

  • Pat. regelmäßig einbestellen (Verlaufsbeobachtung); bei Rez. Verlaufsbericht.

Arbeitsunfähigkeit
  • Arbeitsunfähigkeit, BerufsekzemKosten Berufsekzem:Arbeitsunfähigkeitvon AU bei laufenden 3-Maßnahmen werden vom Unfallversicherungsträger getragen. Die Krankenversicherung tritt jedoch in Vorleistung: Übliche AU-Bescheinigung mit Krankenkassenkopf, Arbeitsunfall ankreuzen, unter der Diagnose 3-Maßnahmen übernommen von BG, Aktenzeichen

  • AU-Zeiten können für Nachweis der beruflichen Relevanz wichtig sein, wichtiges Kriterium für den Gutachter.

  • I.d.R. keine Anerkennung einer schweren Hauterkr. oder des Zwangs zur Unterlassung der schädigenden Tätigkeit ohne AU-Bescheinigung! Auch wiederholte Rückfälligkeit kann i.d.R. nur durch AU-Zeit nachgewiesen werden (AU Abheilung zwischenzeitlich deutliche Besserung Arbeit Rez.).

Indikationen zur Aufgabe der schädigenden Tätigkeit: Allgemeines Vorgehen
  • Die durchführbaren prophylaktischen Maßnahmen erzielen kein zufriedenstellendes Ergebnis, Verbleib ist nicht zu verantworten BK-Anzeige erstatten.

  • Kann der Pat. innerbetrieblich nicht auf einen geeigneten Arbeitsplatz wechseln und muss die Tätigkeit aufgegeben werden AU attestieren, bis es zu einer beruflichen Reha-Maßnahme (z.B. Umschulung) kommt.

  • Vorstellung beim Reha-Berater des Arbeitsamts, um möglichst zügig eine berufliche Rehamaßnahme einzuleiten.

  • Arbeitsamt tritt in Vorleistung; nach Anerkennung der Zuständigkeit durch die BG werden die übernommenen Kosten zurückerstattet (gilt auch für das höhere Verletztengeld an den Umschüler).

  • Zu Beginn der Reha-Maßnahme wird der Pat. wieder gesundgeschrieben.

Rehabilitationsberatung

  • Berufsekzem:RehabilitationsberatungOb ein Pat. Rehabilitationsberatungendgültig aus dem Beruf (seiner Tätigkeit) genommen werden soll, hängt von Verlauf, Schwere und Progn. der Hauterkr. (soziale Kriterien berücksichtigen!) ab.

  • Kompetente Beratung bezüglich eines BG-Bescheids gewährleisten: Klagen – ja oder nein? (Alleinige Empfehlung, den Beruf aufzugeben ist unprofessionell und kann finanziellen Schaden zufügen.)

  • Verschiedene Absicherungs- und Förderungsmaßnahmen der Unfallversicherungsträger berücksichtigen.

Umschulung in einen geeigneten Beruf (i.d.R. Trockenberuf)
  • Gilt für jüngere BetroffeneUmschulung.

  • Oft entsteht auf Dauer ein Minderverdienst, da i.d.R. in einen schlechter bezahlten Beruf umgeschult wird.

Übergangsleistung (gem. 3 Abs. 2)
Zum Ausgleich eines Minderverdienstes nach Umschulung, bei Arbeitslosigkeit, dauernder AU oder wenn der Betroffene eine geringer bezahlte Tätigkeit ergriffen hat. Ziel: Allmähliche Gewöhnung an den Minderverdienst (Abstaffelung über 5 J. in Fünftelschritten). Wird von BG entschieden und ggf. gewährt.
Eingliederungshilfe
Wenn sich der Betroffene einen EingliederungshilfeArbeitsplatz auf dem Arbeitsmarkt sucht, Vollfinanzierung des Arbeitsplatzes in der Einarbeitungszeit über i.d.R. 6 Mon. möglich.
Berufskrankheitenrente
Unabhängig von der BerufskrankheitenrenteVerdienstsituation ab einer Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von 20% (7.2.2).
Problemlösungen, wenn innerbetriebliche Umsetzung nicht möglich ist
  • innerbetriebliche UmsetzungAuszubildender: Wenn möglich, Ausbildung beenden lassen, danach Umschulung.

  • Betroffener relativ jung, umschulbar und auf dem Arbeitsmarkt noch vermittelbar: Umschulung.

  • Wegen Alters nicht umschulbar, schwer vermittelbar, Renten- oder Frührentenalter binnen 5 J. nicht zu erreichen: Aufnahme einer anderen Tätigkeit mit vorübergehender Absicherung (Übergangsleistung) oder, falls vom Betroffenen ein späterer Minderverdienst nicht toleriert wird, Versuch, ihn am Arbeitsplatz zu halten (Inkaufnahme von gelegentlichen AU-Zeiten), bis Rente in 5 J. erreichbar.

  • Fortgeschrittenes Alter, Rente in Sicht: Aufgabe der Tätigkeit, Arbeitslosengeld und Übergangsleistung, dann Berentung.

Entscheidend kann sich auswirken, ob mit weiteren finanziellen Mitteln zu rechnen ist (z.B. BK-Rente, private Berufsunfähigkeitsversicherung). Bei Selbstständigen wird i.d.R. erst die vollständige Übergabe des Betriebs (z.B. Verkauf) als Aufgabe aller schädigenden Tätigkeiten anerkannt. Ein Tätigkeitswechsel innerhalb des Betriebs (z.B. Kasse) wird häufig nicht vom Unfallversicherungsträger akzeptiert, da gelegentliches zur Hand gehen unterstellt wird.

Begutachtung

Grundsätze der Begutachtung

  • Gutachtenauftrag Begutachtungmöglichst schnell bearbeiten.

  • Strikt an den Fragen des Auftraggebers orientieren.

  • Gängige Lehrmeinung zugrunde legen, andernfalls darauf hinweisen.

  • Bei fehlenden Befunden, die zur Beurteilung notwendig sind (AU-Zeiten, Untersuchung des technischen Aufsichtsdienstes über das Vorkommen einer Noxe am Arbeitsplatz, u.a.) Rückgabe der Akte an den Auftraggeber zur Nachermittlung.

  • Verpflichtung zur Objektivität; der Grundsatz im Zweifel für den Pat. gilt nicht.

  • Die Begutachtung eigener oder früherer Pat. kann wegen Befangenheit abgelehnt werden.

  • Das Ergebnis der Begutachtung sollte dem Begutachteten nicht mitgeteilt werden, da Entscheidung beim Auftraggeber liegt.

  • Der Versicherte hat Rechtsanspruch auf Akteneinsicht, deshalb missverständliche Formulierungen vermeiden.

  • Das Gutachten ist Eigentum des Auftraggebers und darf nicht in Kopie an den Begutachteten weitergegeben werden (muss über den Auftraggeber angefordert werden).

  • Die Liquidation bei BG-Gutachten erfolgt nach den Beträgen der besonderen Heilbehandlung.

Berufsgenossenschaftliches Gutachten

Aufbau eines Gutachtens
Seit 2003 sind Gutachten:berufsgenossenschaftlichesbindende Empfehlungen für die Erstellung von BG-Gutachten im sog. Bamberger Merkblatt zusammengefasst.
Download: Als PDF unter www.hvbg.de/d/pages/service/download/bk_rep/pdf/bamberg.pdf.

Gutachtenkopf

  • Anschrift.

  • Daten des Pat. (Geburtsdatum, berufliche Tätigkeit, ).

  • Zeitpunkt der Begutachtung:

    • Tage, an denen sich der Versicherte vorstellte. Nennung der Akten, die für die Begutachtung verwendet wurden.

    • Entsprechend Ihrer Anforderung vom erstelle ich über Frau/Herrn ein hautfachärztliches Gutachten.

    • In dem Gutachten soll zu folgenden Fragen Stellung genommen werden (alle Fragen wdh.).

Auszug aus den Akten
Soweit für die Beurteilung relevant: Hautarztberichte, Befundberichte, BK-Anzeige, AU-Zeiten.
Vorgeschichte
  • Familienanamnese (atopische Erkr., Ps.).

  • Eigenanamnese: (Allgemeinerkr., Inf.-Erkr., Unfälle, OP, atopische/allerg. Erkr.).

    • Sozial- und Freizeitanamnese, insb. hautbelastende Aktivitäten.

    • Berufsanamnese.

    • Arbeitsplatzbeschreibung (einschl. Schutzmaßnahmen).

    • Spezielle Anamnese: Milchschorf, Metall-/Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Beugenekzeme, HV vor beruflicher Tätigkeit, Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens der Hauterkr.

    • Lokalisation und Klinik, behandelnde Ärzte, Verlauf, Arbeitskongruenz, völlige Abheilung oder Besserung in Arbeitskarenz, Rez. auch unter Arbeitskarenz, AU-Zeiten, allerg. Tests, welche Ther., welche Hautschutzmaßnahmen, stat. Behandlung.

Befunde
  • Allgemeinbefund: Orientierender internistische Untersuchung.

  • Hautbefund: Allg. Untersuchung der Haut und Schleimhäute, Farbe, Durchblutung, LK, Varizen, Ödeme, Naevi, Pigmentierungen, Atrophien, Narben. Spezieller Hautbefund: Lokalbefund, übriges Integument insb. Prädilektionsstellen (atopisches Ekzem, Ps.) ggf. Skizze.

  • Laborbefunde: BSG, Gesamt-IgE, Phadiatop, (evtl. relevante CAP-FEIA/RAST), Alkaliresistenz-Prüfung, Prick-Testung, Epikutantestung (Standard und je nach Berufsgruppe, evtl. mitgebrachte Berufsstoffe), ggf. Syphilis-Serologie, BB, Nitrazingelb, Pilzkultur, PE.

Diagnosen
Diskussion und Beurteilung
Kurze Darstellung der Fakten, Klärung der Zusammenhangsfrage, berufliche Faktoren wesentlich oder unwesentlich (wesentliche Teilursache/Gelegenheitsursache), Berufsdermatose ja oder nein, schwere/wiederholte Rückfälligkeit, Zwang zur Unterlassung der schädigenden Tätigkeit, Berufserkr. ja oder nein, 3-Maßnahmen angezeigt?

Beantwortung von Fragen

Folgende Gutachtentypen sind zu unterscheiden:
  • Zusammenhangsgutachten,

  • Gutachten zur Feststellung einer vorläufigen Rente,

  • Gutachten zur Feststellung einer Rente auf unbestimmte Zeitzur Feststellung einer Rente auf unbestimmte Zeit (früher Dauerrente),

  • Nachuntersuchungsgutachten.

Zusammenhangsgutachten
Steht am Ende des ZusammenhangsgutachtenFeststellungsverfahrens (Feststellung einer vorläufigen Entschädigung). Es soll klären, ob die Hauterkr. eine BK im Sinne der BeKV ist, i.d.R. nach BK 5101:
  • Bei Annahme einer BK Einschätzung der dadurch bedingten MdE und des Zeitpunkts des Eintritts des Versicherungsfalls.

  • Liegt keine BK vor, Klärung der Frage, ob Maßnahmen im Sinne des 3 BeKV angezeigt sind (prophylaktische Maßnahmen am Arbeitsplatz, medizinische Reha-Maßnahmen, Aufgabe der schädigenden Tätigkeit mit damit verbundenen beruflichen Reha-Maßnahmen).

Im Falle einer BK 5101 im Gutachten zu beantwortende Fragen
Liegt eine berufsbedingte Hauterkrankung vor?
Nachweis des ursächlichen Zusammenhangs erforderlich; Zusammenhang muss mit hinreichender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden. (Es müssen mehr Fakten für als gegen die berufliche Bedingtheit sprechen.)
Folgende Kausalitäten müssen gegeben sein:
  • Haftungsbegründende Kausalität: Zur Krankheit führende Noxe muss tatsächlich am Arbeitsplatz vorgelegen haben. Bei berufstypischen Noxen (Chromat/Maurer, Persulfat/Friseur) kann Kausalität angenommen werden (Prima-facie-Beweis bei typischem Sachverhalten).

  • Haftungsausfüllende Kausalität: Schädigende Einwirkung muss prinzipiell das vorliegende Krankheitsbild hervorrufen können (betrifft auch Relevanz nachgewiesener Kontaktsensibilisierung).

Gutachter muss beurteilen, ob die Noxe am Arbeitsplatz wesentliche Teilursache beim Krankheitsgeschehen (Entstehung oder wesentliche Verschlimmerung) einer vorbestehenden Dermatose war I.d.R. kein Problem bei kontaktallerg. Erkr., schwieriger bei Erkr., bei denen ein konstitutioneller Faktor mitspielt (atopisches [Hand-]Ekzem); hier Verlauf (Arbeitskongruenz) i.d.R. beweisend.
Berufliche Bedingtheit ist nicht anzunehmen, wenn die Noxe am Arbeitsplatz eine Gelegenheitsursache darstellte, d.h. wenn die Erkr. in etwa demselben Umfang zu derselben Zeit auch ohne die beruflichen Einflüsse entstanden wäre.
Bei Bejahung des beruflichen Zusammenhangs folgen die formaljuristischen Kriterien der BK 5101
War die Hauterkrankung schwer oder wiederholt rückfällig?
Alternativen, nur ein Kriterium muss vorliegen!
Cave: Einschätzung ggf. schwierig, wenn keine Dokumentation des Verlaufs in der Akte erfolgte. Aufgrund des klin. Bilds kann die Schwere gegeben sein, wenn ein generalisiertes Ekzem vorlag. Die Kriterien der Schwere und wiederholten Rückfälligkeit erfordern den Vollbeweis d.h. sie sollten aktenkundig sein. Persistierende geringgradige HV, die keine regelmäßige (Fach-)Arztbehandlung erforderlich machten, können nicht als schwer anerkannt werden, da angemessene Behandlung vorausgesetzt wird. Bei wiederholt rückfälligen Hauterkr. darf zwischen den einzelnen Schüben (insgesamt mind. 3) weder Behandlungsbedürftigkeit noch AU vorgelegen haben.
Bestand ein Zwang zur Unterlassung aller Tätigkeiten, die für die Entstehung, Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Erkr. ursächlich waren oder sein können?
  • Bejahung setzt i.d.R. voraus, dass alle Möglichkeiten des Hautschutzes ausgeschöpft wurden.

  • Bestand dennoch weiterhin die konkrete Gefahr der Verschlimmerung oder Rez., lag der Zwang vor. Die Einschätzung hängt auch von der Art der einwirkenden Noxe und der Effektivität von Schutzmaßnahmen ab.

  • Hat der Versicherte die Tätigkeit schon aufgegeben (Kündigung, Konkurs), ist die Frage retrospektiv zu beurteilen.

  • Auch die innerbetriebliche Umsetzung stellt rechtlich eine Aufgabe der Tätigkeit dar, wenn tatsächlich alle schädigenden Tätigkeiten aufgegeben wurden (in diesem Fall auch Anerkennung einer BK): Seit dem BSG-Urteil vom 9.12.2003 (B2U5/03R) liegt auch bei Maßnahmen des Arbeitgebers (z.B. Austausch eines Kontaktstoffs und dadurch Entfernung des Allergens vom Arbeitsplatz), durch die die Hautgefährdung beseitigt wird, eine Aufgabe der schädigenden Tätigkeit vor. In diesem Fall ist eine BK anzuerkennen, obwohl der Versicherte am gleichen Arbeitsplatz weiterarbeitet. Gleiches gilt für MdE-Einschätzung und ggf. BK-Rente!.

  • Bei Bejahung der Frage (prospektiv oder retrospektiv) Empfehlung, welche Tätigkeiten in Zukunft gemieden werden sollten bzw. Empfehlung eines zukünftigen Tätigkeitsbereichs unter Berücksichtigung der Berufswünsche des Versicherten.

  • BK liegt erst vor, wenn alle Kriterien erfüllt sind, d.h. i.d.R. die Tätigkeit auch tatsächlich aufgegeben worden ist. Dieses Datum bedeutet auch den Eintritt des Versicherungsfalls.

Höhe der Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE)?
Wenn alle Kriterien der BK 5101 erfüllt sind, Einschätzung anhand der neuen MdE-Tabelle (Juli 1995 Tab. 7.5).
Rentenrelevanz mit Zahlung einer Unfallrente besteht erst ab einer MdE von 20%. Eine Rentenzahlung erfolgt ausnahmsweise auch dann, wenn eine weitere MdE (z.B. Arbeitsunfall) vorliegt und sich durch beide zusammen eine Gesamt-MdE von 20% ergibt (Stützrente).
Sind Maßnahmen im Rahmen von 3 BeKV angezeigt?
Konnten nicht alle Fragen mit ja beantwortet werden, liegt also keine BK 5101 vor, besteht jedoch in Zukunft die konkrete Gefahr deren Entstehung, so sind Maßnahmen im Rahmen von 3 angezeigt: Übernahme von Ther.-Kosten, Hautschutzmaßnahmen durch die BG, oder, wenn diese keinen Erfolg zeigten: Empfehlung der Tätigkeitsaufgabe und Übernahme von Kosten der beruflichen Rehabilitation.
Gutachten zur Feststellung einer Rente auf unbestimmte Zeit (früher Dauerrente)
  • Nach Gewährung einer vorläufigen Entschädigung wird innerhalb von 3 J. überprüft, ob die Rente künftig als Dauerrente gezahlt werden muss, niedriger festgesetzt oder entzogen werden kann.

  • MdE kann völlig unabhängig vom Erstgutachten aufgrund des derzeitigen Befunds eingeschätzt werden.

  • Nachweis einer Besserung ist nicht erforderlich.

  • Neue Einschätzung, der Nachgutachter ist nicht an Einschätzung des Vorgutachters gebunden.

Cave eilige Gutachten: Bei nicht fristgerechter Bearbeitung kann sich Gutachter schadensersatzpflichtig machen.

Nachuntersuchungsgutachten
Renten auf unbestimmte NachuntersuchungsgutachtenZeit können nur geändert werden, wenn im Vergleich zum maßgeblichen Gutachten im Erkr.-Zustand eine wesentliche Besserung nachgewiesen ist (Änderung > 5%), deshalb Änderungen nur in 10%-Schritten möglich.
  • Die wesentliche Änderung muss durch Vergleich der Befunde nachgewiesen werden.

  • Ergibt sich die MdE lediglich aufgrund einer Kontaktsensibilisierung, ist keine Änderung möglich.

Gutachten für das Versorgungsamt

  • Beurteilung Versorgungsamt, Gutachtennach dem Schwerbehindertengesetz.

  • Einschätzung des Grads der Behinderung (GdB).

  • Im Prinzip vergleichbar mit MdE, tendenziell höher (auch Einbeziehung der außerberuflichen Einschränkung) sowie Berücksichtigung von Dauer, Rezidivneigung, Pflegebedürftigkeit, Bewegungs- und Gehbehinderung, subjektiver Beschwerden (Pruritus, Brennen) oder ästhetischer Aspekte.

  • Bei malignen Prozessen (MM, ab Clark-Level II 11.6) GdB ab 50% (mind. über 5 J.).

  • GdB/MdE-Tabelle s. Versorgungsmedizinische Grundsätze als Anlage zu 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung (seit 1.1.09 als Ersatz für Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit). Download: www.vmg.vsbinfo.de.

Gutachten für die gesetzliche Rentenversicherung

Gutachten:fuuml;r gesetzliche RentenversicherungTräger: Rentenversicherung, gesetzliche, GutachtenDeutsche Rentenversicherung Bund, Deutsche Rentenversicherung Knappschaft–Bahn–See.
Berufsunfähigkeit (SGB VI 6 240)
Berufsunfähig sind Versicherte, Berufsunfähigkeitderen Erwerbsfähigkeit wegen Krankheit oder Behinderung im Vergleich zur Erwerbsfähigkeit von körperlich, geistig und seelisch gesunden Versicherten mit ähnlicher Ausbildung und gleichwertigen Kenntnissen und Fähigkeiten auf weniger als 6 h gesunken ist.
Aufgrund von Hauterkr. im eigentlichen Sinn selten gegeben. Berufsunfähigkeit durch chron. Dermatosen je nach Ausprägung häufiger: Schweres atopisches Ekzem, Ps., Autoimmunerkr. (SLE, PSS, Dermatomyositis), Lymphome. Die Beurteilung hängt vom ausgeübten Beruf und der Beeinträchtigung durch die Erkr. ab. Je nach Erkr. ggf. auch Berufswechsel.
Teilweise oder volle Erwerbsminderung (SGB VI 6 43)
  • Teilweise Erwerbsminderungerwerbsgemindert sind Versicherte, die wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarkts mind. 6 h tgl. erwerbstätig zu sein.

  • Voll erwerbsgemindert sind Versicherte, die wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarkts mind. 3 h tgl. erwerbstätig zu sein.

  • Im Gutachten Nennung von Verweisungsberufen (z.B. trockene Berufe, d.h. nicht Haut schädigende berufliche Alternativen, z.B. Krankenschwester Umschulung zur Lehrschwester; primär administrative Aufgaben, kaufmännische Berufe, ) sowie Angabe einer zeitlichen Begrenzung der tgl. Einsatzfähigkeit (2, 4, 6 oder 8 h).

  • Nennung von einschränkenden Kriterien wie Arbeitsqualität, Arbeitsleistung und Arbeitsbedingungen.

  • Zeitpunkt des Beginns der Minderung der Leistungsfähigkeit sowie Einschätzung, ob sie in absehbarer Zeit (26 Wo.) behoben werden kann.

  • Einschätzung ob kur- und reisefähig, ob öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden können oder Arbeitsplatz- oder Berufswechsel notwendig ist.

Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsrenten werden auf Zeit gewährt (i.d.R. 2 J., ausnahmsweise 4 J.).

Im Gutachten keine Aussage machen, ob Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit vorliegt (wird vom Rentenversicherer entschieden!)

Sozialgerichtsgutachten

Gutachten:Sozialgerichts-Je nach Fragestellung SozialgerichtsgutachtenBegutachtung nach Berufskrankheiten-, Renten- oder Schwerbehindertenrecht (prinzipiell gleicher Gutachtenaufbau). Ein besonderer Wert wird auf den Aktenauszug gelegt.

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