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B978-3-437-23751-5.10027-5

10.1016/B978-3-437-23751-5.10027-5

978-3-437-23751-5

Überwachungsschema bei Neugeborenen diabetischer Mütter

[nach AWMF-Leitlinien] [A300–157]

Nomogramm mit altersbezogenen Serumbilirubinkonzentrationen bei reifen Neugeborenen zur Risikoabschätzung für das Auftreten einer behandlungsbedürftigen Hyperbilirubinämie

[nach Bhutani et al. 1999] [A300–157]

Petrussa-Index

Tab. 27.1
Parameter Punkte
0 1 2
Haut Hellrot, dünn, verletzlich Rosig, fester Fest, Falten, Hautabschilferungen
Mamillen Wenig Drüsengewebe Drüsengewebe, Mamille erkennbar Drüsengewebe über Hautniveau
Ohr Weich, kein Knorpel Knorpel in Tragus und Antitragus Helixknorpel, Rückstellphänomen
Fußsohle Falten nur im vorderen Drittel Falten im vorderen und mittleren Drittel Falten an der gesamten Fußsohle
Genitale
  • Tests inguinal

  • Labia major < minora

  • Tests inguinal

  • Labia major minora

  • Tests deszendiert

  • Labia major > minora

Apgar-Score

Tab. 27.2
Punkte 0 1 2
Herzfrequenz 0 < 100/Min. > 100/Min.
Atemanstrengung Keine Unregelmäßig Schreit
Muskeltonus Schlaff Beugt Arme und Beine Bewegt spontan
Reflex auf Absaugen Keine Grimassiert Niest, hustet
Hautfarbe Blass, blau Akrozyanose Rosig

CRIB-Score (Clinical Risk Index for Babies)

Tab. 27.3
Parameter Punkte
Geburtsgewicht > 1.350 g 0
851–1.350 g 1
701–850 g 4
< 700 g 7
Gestationsalter > 24 SSW 0
< 24 SSW 1
Minimaler BE (< 12. Lebensstunde) > 7 0
7 bis 9,9 1
10 bis 14,9 2
< 15 3
Minimaler FiO2 (< 12. Lebensstunde) < 0,4 0
0,41–0,60 2
0,61–0,90 3
> 0,9 4
Maximaler FiO2 (< 12. Lebensstunde) < 0,4 0
0,41–0,80 1
0,81–0,90 3
> 0,9 5
Angeborene Fehlbildungen Keine 0
Nicht lebensbedrohlich 1
Akut lebensbedrohlich 3

Wichtige Medikamente im Kreißsaal

Tab. 27.4
Medikament Dosierung Applikation
Glukose 10% 3 ml/kg KG/h Dauerinfusion
Physiologisches NaCl 0,9% 10 ml/kg KG Bolus
Naloxon (Narcanti) 0,1 mg/kg KG Bolus (kurze HWZ!)
Adrenalin (Suprarenin) 1 : 10.000 0,1 ml/kg KG/ED Bolus (nach Wirksamkeit steigern)

Finnegan-ScoreFinnigan-Score

Tab. 27.5
Punkte 1 2 3 4 5
Schreien Häufig, schrill Immer schrill
Postprandiale Schlafphase < 3 h < 2 h < 1 h
Tremor in Ruhe Leicht Mäßig
Tremor nach Störung Leicht Mäßig
Muskeltonus erhöht Leicht Deutlich
Myokloni Ja
Moro-Reflex Stark Extrem
Krampfanfälle Ja
Schwitzen Ja
Fieber (C) < 38,3 > 38,3
Gähnen Ja
Atemfrequenz > 60/Min. Dyspnoe
Marmorierte Haut Ja
Niesen Ja
Verstopfte Nase Ja
Hautabschürfungen Ja
Trinkschwäche Ja
Stühle Dünn Wässrig
Übermäßiges Saugen Ja
Erbrechen Regurgitation Im Schwall

Peripartale Chemoprophylaxe zur Vermeidung der Neugeborenensepsis durch Streptokokken der Gruppe BChemoprophylaXE, peripartale

(nach AWMF-Leitseite)

Tab. 27.6
Klinische Situation Empfehlung
Risikofaktoren bekannt:
  • Z.n. Geburt eines Kindes mit GBS-Infektion

  • GBS-Bakteriurie während dieser Schwangerschaft

  • Drohende Frühgeburt 37 SSW

  • Dauer des Blasensprunges 18 h

Intrapartale Prophylaxe:
  • Penicillin G i.v. 1 5 Mio. E, anschließend 2,5 Mio. E. alle 4 h bis zur Entbindung

  • Alternativ: Ampicillin i.v. 1 2 g anschließend 1 g alle 4 h

Keine Risikofaktoren erkennbar:GBS-Screening positiv zwischen der 35. und 37. SSW durch Abstriche von Anorektum und Introitus vaginae Intrapartale Chemoprophylaxe empfehlen (s.o.)
GBS negativ oder unbekannt Keine Prophylaxe

Diagnostisches Vorgehen bei Icterus neonatorum

[nach AWMF-Leitlinie]

Tab. 27.7
Klinische Situation Diagnostisches Vorgehen
Ikterus in den ersten 24 h Blutige Messung (GSB), ggf. weitere Abklärung (Gesamtblutbild mit Retikulozyten, Blutgruppe,Rhesusfaktor, Coombs-Test)
Ikterus nach der 24. Lebensstunde Bestimmung des TcB, Beurteilung des Wertes imlebensalterbezogenen Nomogramm
TcB/GSB über Phototherapiegrenze GSB, direkter Coombs-Test (falls noch nicht erfolgt), ggf. Gesamtblutbild mit Retikulozyten, kindliche Blutgruppe*
TcB > 95. Perzentile (Zone IV) GSB, direkter Coombs-Test (falls noch nicht erfolgt), Wiederholung nach 12 h/6 h**
TcB 75.–90. Perzentile (Zone III) Wiederholung der Messung nach 24 h/12 h
TcB 40.–75. Perzentile (Zone II) Kontrolltermin nach 48 h/24 h**Ab einem Alter von 5 d und bei spontanem Rückgang des Ikterus kann i.d.R. auf weitere Kontrollenverzichtet werden
TcB < 40. Perzentile (Zone I) Klinische Kontrolle nach 72 h/48 h**

GSB: Gesamtserumbilirubin (kein Abzug von direktem Bilirubin). TcB: transkutanes Bilirubin.

*

In unkomplizierten Fällen ist die Bestimmung von Infektionsparametern und des direkten Bilirubins zunächst verzichtbar. Bei Herkunft mind. eines Elternteils aus früherem Malariaendemiegebiet ist die Bestimmung der G6PD-Aktivität zu erwägen (südlicher und südöstlicher Mittelmeerraum, Afrika, Mittlerer und Ferner Osten.

**

Bei Neugeborenen mit einem Gestationsalter < 38 Wo. oder solchen mit positivem/unbekanntem Coombs-Test oder G6PD-Mangel gelten jeweils die kürzeren Intervalle.

Therapiebedürftige Bilirubinkonzentration bei reifen Neugeborenen ohne Risiken (Gestationsalter 38+0)[nach AWMF-Leitlinie]

Tab. 27.8
Gesamtbilirubin in mol/l (mg/dl)
Alter [h] Phototherapie Phototherapie 4–6 h,dann Austauschtransfusion* Austauschtransfusion
24** 235 (12)Nabelschnurbilirubin > 118 (6)
25–48 270 (16) 340 (20) 430 (25)
49–72 310 (18) 430 (25) 510 (30)
72 340 (20) 430 (25) 510 (30)
Gestationalter < 38 Wo (mg/dl) aktuelles Gestationsalter (Wochen) – 20

Pos. Coombs-Test: Grenze jeweils um 35 mol/l (2 mg/dl) absenken.

Geräte mit geringer Effektivität (fiberoptische Geräte): Grenze jeweils um 35 mol/l (2 mg/dl) absenken

*

Austauschtransfusion, wenn Bilirubin unter intensivierter Phototherapie nicht um 20–30 mol/l (1–2 mg/dl) abgefallen ist. Die Behandlung von Neugeborenen in dieser Kategorie sollte Kinderkliniken vorbehalten bleiben.

**

Reife Neugeborene mit klinischem Ikterus 24 h bedürfen der weiteren pädiatrischen Abklärung, in der Regel in einer Kinderklinik.

Betreuung des Neugeborenen

Orsolya Genzel-Boroviczny

  • 27.1

    Erstversorgung des Neugeborenen1036

    • 27.1.1

      Perinatologische Definitionen1036

    • 27.1.2

      Neugeborenen-Scores1036

    • 27.1.3

      Postnatale pathophysiologische Adaptation1038

    • 27.1.4

      Gesundes Reifgeborenes1039

    • 27.1.5

      Krankes Neugeborenes und Reanimation1040

    • 27.1.6

      Mekoniumhaltiges Fruchtwasser undMekonium-Aspirations-Syndrom1043

    • 27.1.7

      Geburtstraumata1045

  • 27.2

    Entzugssyndrom bei Neugeborenen 1046

    • 27.2.1

      Epidemiologie und Klinik1046

    • 27.2.2

      Diagnostik1046

    • 27.2.3

      Therapie1047

  • 27.3

    Kinder diabetischer Mütter 1048

    • 27.3.1

      Epidemiologie und Pathophysiologie1048

    • 27.3.2

      Postnatale Überwachung1048

  • 27.4

    Infektionen des Neugeborenen 1049

    • 27.4.1

      Klinik und Erreger1049

    • 27.4.2

      Diagnostik1050

    • 27.4.3

      Therapie1050

    • 27.4.4

      Prophylaxe der frühen Neugeborenensepsis durch B-Streptokokken1050

  • 27.5

    Icterus neonatorum 1052

    • 27.5.1

      Grundlagen und Risikofaktoren1052

    • 27.5.2

      Vorgehen1052

    • 27.5.3

      Therapie1054

Erstversorgung des Neugeborenen

Die Erstversorgung des Neugeborenen gehört zur peripartalen, geburtshilflichen Betreuung von Mutter und Kind. Postnatale kindliche Adaptationsstörungen müssen erkannt und einer suffizienten und raschen Therapie zugeführt werden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Hebammen, Geburtshelfern und Kinderärzten ist in diesem Zusammenhang obligat.

Perinatologische Definitionen

Lebendgeburt:
  • Herzschlag, LebendgeburtNabelschnurpulsion oder Atembewegung des Kindes gelten als Lebenszeichen.

  • Alle Lebendgeborene werden im Geburtenbuch eingetragen und dem Standesamt gemeldet.

Totgeburt:
  • Kein Lebenszeichen.

  • TotgeburtGeburtsgewicht > 500 g.

  • Die Kinder werden dem Standesamt gemeldet.

Fehlgeburt:
  • Kein Lebenszeichen.

  • Geburtsgewicht < 500 g unabhängig vom Gestationsalter.

Gestationsalter:
  • Neugeborene < 37 + 0 SSW: Fehlgeburtfrühgeborene Kinder.

  • Neugeborene > 37 + 0 SSW und < 42 + 0 SSW: reifgeborene Kinder.

  • Neugeborene > 42 + 0 SSW: übertragene Kinder.

Geburtsgewicht:
  • Untergewicht für das GeburtsgewichtGestationsalter (SGASGA): Small for gestational ageGeburtsgewicht < 10. Perzentile der populationsspezifischen intrauterinen Wachstumskurve.

  • Übergewicht für das Gestationsalter (LGALGA): Large for gestational ageGeburtsgewicht > 90. Perzentile der populationsspezifischen intrauterinen Wachstumskurve.

Neugeborenen-Scores

Neugeborenes:Scores Entsprechend dem Gestationsalter und der postnatalen Adaptation des Kindes werden verschiedene Scores benutzt, die den Zustand des Kindes nach der Geburt beschreiben.
Petrussa-Index:
  • Einfache körperliche Petrussa-IndexReifezeichenbestimmung.

  • Für Neugeborene > 30. SSW verwendet.

  • Ergebnis (30 + erzielte Punkte): beschreibt das Gestationsalter (Tab. 27.1).

Apgar-Score:
  • Postnatale Apgar-ScoreVitalitätsbeurteilung, die für Reifgeborene entwickelt wurde.

  • Summe der Einzelpunkte in 1., 5. und 10. Lebensminute wird erhoben(Tab. 27.2).

  • !

    Nur ein persistierender niedriger Wert korreliert schwach mit dem neurologischen Outcome.

CRIB-Score (Clinical Risk Index for Babies):
  • Dient zur Risikoabschätzung CRIB-Scorebei postnataler Adaptationsstörung.

  • Voraussetzung ist ein Geburtsgewicht < 1.500 g, ein Gestationsalter < 30 SSW und das Fehlen von letalen Fehlbildungen.

  • Ergebnis: Summe der Einzelpunkte (Tab. 27.3).

    • Summe > 10 Punkte bezeichnet ein Risikoneugeborenes.

    • Der CRIB-Score ist wichtig für Vergleiche von Kollektiven.

Postnatale pathophysiologische Adaptation

Physiologie
Adaptation, postnataleWährend des fetalen Kreislaufs nimmt die Plazenta die Funktion der Lunge ein. Dieser fetale Kreislauf muss einerseits in utero trotz pH- und Blutdruckschwankungen erhalten bleiben, andererseits nach der Geburt innerhalb weniger Minuten umkehrbar sein. Postnatal wurden durch Luft in den Alveolen der pulmonale Kapillarwiderstand und durch den ansteigenden Sauerstoffdruck und fallenden CO2-Druck in den Pulmonalarterien der Widerstand der Pulmonalarteriolen gesenkt. Die Umstellung von fetalen auf adulten Kreislauf ist damit hauptsächlich von der Lungendurchblutung abhängig. Der 1. Schrei des Neugeborenen führt zur Überwindung des negativen, intrathorakalen Drucks und zur Entfaltung der Lungen. Dadurch sinkt der pulmonale Widerstand. Die Atembewegungen führen über Aktivierung der Dehnungsrezeptoren zu einer Reduktion des Vagotonus und Zunahme des Sympathikotonus. Zusammen mit der Nabelschnurdurchtrennung kommt es zu einem Anstieg des peripheren Blutdrucks und systemischen Widerstands. Alle Vorgänge gemeinsam führen zu einer Umstellung der fetalen zu kindlichen Kreislaufverhältnissen und damit zu Verschluss von Foramen ovale und Ductus Botalli [Nelson 1999].
Persistierender fetaler Kreislauf (PFC)
  • Persistierender fetaler KreislaufDefinition: Umstellung auf einen adulten Kreislauf erfolgt postnatal nicht.

  • Pathophysiologie: Persistierender pulmonaler Hochdruck oft mit Trikuspidalinsuffizienz bei gleichzeitigem niedrigem peripherem Druck Rechts-links-Shunt bleibt auf Vorhofebene und im Ductus Botalli bestehen.

    • Verbesserung der Lungendurchblutung durch: Sauerstoff und normalen bis alkalotischen pH, evtl. NO-Gabe.

  • Verschlechterung der Lungendurchblutung durch: Asphyxie, Hypoxie, Azidose und periphere Hypotonie. Therapie: Oxygenierung und Volumengabe [Whitsett et al. 1999].

Asphyxie
  • AsphyxieDefinition (griech. Pulslosigkeit): Heute nur noch in der Neonatologie gebräuchlich.

  • Klinik: Bewusstlosigkeit, Zyanose, Apnoe. Ablauf:

    • Vermehrte Atmung.

    • 1.Apnoephase.

    • Schnappatmung.

    • Terminale Apnoe, die nicht mehr durch Stimulation zu durchbrechen ist, sondern nur noch durch eine Reanimation.

  • Labor: Hypoxie, Hyperkapnie, Azidose.

  • Prognose: Der Apgar-Score beurteilt den Ist-Zustand des Kindes, er ist aber kaum prädiktiv! Nur ein sehr deprimierter 10-Min.-Score korreliert schwach mit einem schlechterem Outcome.

Gesundes Reifgeborenes

  • ReifgeborenesNeugeborenes:gesundes ReifgeborenesAbnabeln:

    • Bei Reifgeborenen: Abklemmen ohne Ausstreichen.

    • Nach primärer Sectio: Abklemmen nach Ausstreichen der Nabelschnur zum Kind.

  • Absaugen:

    • Nur bei Atemwegsobstruktion, Polyhydramnion (Magen sondieren z. A. Ösophagusatresie).

  • !

    Durch Vagusreizung können Bradykardien und Apnoe auftreten.

  • Abtrocknen/Stimulieren: Wärmeverluste vermeiden, Atmung stimulieren.

  • Bonding: Kind den Eltern geben, Anlegen.

  • Blutgasanalyse aus Nabelarterienblut: arterielle Blutprobe vor Lösung der Plazenta.

  • Apgar-Wert (Tab. 27.2).

  • Erstuntersuchung (U1):

    • Körperlicher Untersuchungsstatus des Neugeborenen.

    • Beschreibung von Geburtstraumen und Fehlbildungen.

    • Feststellung von Anpassungsstörungen (respiratorisch, hämodynamisch).

  • Vitamin-K-Prophylaxe: 2 mg p.o. (U1, U2, U3).

  • Cred-Prophylaxe mit Silbernitrat: nicht obligat (Gonorrhoe selten, gegen Chlamydien nur bedingt wirksam).

Krankes Neugeborenes und Reanimation

Reanimation:neonataleNeugeborenes:krankes Neugeborenes [Richman und Wyllie 2010].
Vorbereitung
  • Geräte und Materialien regelmäßig überprüfen.

  • Informationen über den aktuellen Geburtsverlauf und die Schwangerschaft sollten vorliegen.

  • Es ist für die Einschätzung der Situation wesentlich zu wissen, wie viele Minuten seit der Geburt vergangen sind.

Wärme und Stimulation
Wärmeverlust
Neugeborene sind Stimulationdurch die große Körperoberfläche besonders hypothermiegefährdet. Eine postnatale Hypothermie kann katastrophale Folgen haben. Das Absinken der Körpertemperatur um 1 C bewirkt eine Verdreifachung des Sauerstoffbedarfes und eine Verschiebung der Sauerstoffdissoziationskurve nach links.
Vorbeugung:
  • Konvektion: Tür zu, kein Zug, Kind abdecken.

  • Evaporation: abtrocknen und abdecken, Frühgeborene < 28 Wochen immer mit Folie abdecken, aber keine Alu- oder Goldfolie verwenden, wenn externe Wärmequelle vorhanden ist, da die Folie dann auch vor dieser Wärme isoliert und Früh- bzw. Neugeborene selbst nicht ausreichend Wärme produzieren können.

  • Konduktion: Kinder nach dem Abtrocknen in neues (trockenes!) Tuch wickeln.

  • Radiation: Wärmestrahler, möglichst warmen Raum benutzen.

Stimulieren
Das Abtrocknen bedeutet zugleich eine externe Stimulation, die primäre Apnoe, z.B. bei Frühgeburt oder nach Sectio, beheben kann. Geschieht dies nicht, so kommt es zuerst zur Schnappatmung, dann zu einer sekundären Apnoe, die durch externe Reize nicht mehr durchbrochen werden kann. Ohne qualifizierte Reanimation stirbt das Neugeborene innerhalb von wenigen Minuten.
Positionieren und Absaugen
Das Neugeborene in Rückenlage mit Kopf in einer neutralen Sniffing-Position legen, bei viel Sekret kann der Kopf auch zur Seite gedreht werden. Die neonatalen Atemwege werden leicht verlegt, Überstreckung oder Beugung daher unbedingt vermeiden.
Absaugen: Mund vor Nase, bei mekoniumhaltigem Fruchtwasser und hypotonem Kind Larynx einstellen und absaugen (27.1.6).

Bei tiefem Absaugen die Herzfrequenz überwachen, da es durch Vagusreiz zur Bradykardie kommen kann.

Beatmen
Technik
Die Beatmen:Neugeborenesmeisten Neugeborenen können mit Ambubeutel und Maske beatmet werden auf eine gute Passform einer weichen, gepolsterten Maske achten (z.B. Laerdal).
  • Initialer Druck (PIP):

    • Frühgeborene: 15 cmH2O.

    • Neugeborene: 20 cmH2O.

    • Besonders initial können durchaus höhere Drücke nötig sein, um die Lunge zu eröffnen (cave: Überdruckventil bei Laerdal-Beutel schließen).

  • Beatmungsfrequenz: 40–60/Min.

  • Anästhesiebeatmungssysteme und Beatmungssysteme liefern zuverlässiger genau PIP- und PEEP-Drücke als Ambubeutel und Maske ohne Manometer zur Druckkontrolle [Hussey et al. 2004].

Intubation
Eine Intubation:NeugeborenesIntubation, wenn:
  • Endotracheale Absaugung notwendig (Mekonium).

  • Längere Beatmung absehbar.

  • Initiale Beutelbeatmung nicht zum Erfolg führt.

Pharyngeale Beatmung
Insbesondere Frühgeborene können statt mit der Maske auch mit einem durch die Nase in den Pharynx geschobenen Endotrachealtubus beatmet werden, wenn Mund und das andere Nasenloch zugehalten werden. Für in der Maskenbeatmung von Frühgeborenen nicht so Erfahrene ist dies oft leichter.
Sauerstoff
  • Sauerstoff:NeugeborenesBei reifen Neugeborenen soll die Beatmung bzw. Reanimation immer mit 21% (Raumluft) begonnen werden. Wenn trotz effektiver Ventilation keine ausreichende Oxygenierung zu erreichen ist, muss eine Erhöhung der Sauerstoffzufuhr > 21% in Erwägung gezogen werden. Diese Entscheidung sollte optimalerweise anhand von Sättigungswerden erfolgen.

  • Bei Frühgeborenen < 32 Wochen kann häufig mit 21% keine ausreichende Sauerstoffsättigung erreicht werden. FiO2-Zufuhr muss (mittels eines Sauerstoffblenders) entsprechend der Sauerstoffsättigung dosiert werden. Falls kein O2-Blender vorhanden, sollte ebenfalls mit 21% begonnen werden und die Sauerstoffzufuhr entsprechend der Möglichkeiten (mit Reservoir am Beutel fast 100%, ohne etwa 40%) reguliert werden (bzw. pränataler Transport in ein Zentrum, falls möglich).

Herzmassage
Neu- Herzmassage:Neugeborenesund Frühgeborene haben außer bei einer schweren Asphyxie kein vorgeschädigtes Myokard, sodass eine Bradykardie (< 100/Min.) praktisch immer hypoxiebedingt ist. Suffiziente Beatmung führt daher praktisch immer zu einer Normalisierung der Herzfrequenz.
Indikationen zur Herzmassage:
  • Herzfrequenz < 60/Min.

  • Herzfrequenz 60–80/Min. ohne Tendenz zur Verbesserung.

Beatmung : Herzmassage 1 : 3 (30 Atemhübe und 90 Kompressionen/Min.).

Medikamente
Tab. 27.4.
  • Medikamente im KreißsaalGlukose 10%:

    • Dosierung: 3 ml/kg KG/h.

    • Wichtigstes Medikament!

  • Volumensubstitution:

    • Dosierung: 10 ml/kg KG zusätzlich mit Ringer-Lösung oder physiolog. NaCl 0,9%.

  • !

    Kolloidale Lösungen (Biseko, Albumine) werden nicht mehr empfohlen und sind nach Studie mit einem schlechteren Outcome verbunden.

  • 0-Rh-neg.-Notfallkonserve:

    • Dosierung 10 ml/kg KG.

    • Indikationen: Volumenmangelschock v.a. bei Blutverlust (z.B. 16.6).

  • Epinephrin 1 : 10.000:

    • EpinephrinDosierung: 10–30 g/kg KG.

    • Kann wiederholt werden.

    • Mit 1–2 ml Aqua verdünnt intratracheal, dann 5–10-fache Dosis.

  • Naloxon:

    • Naloxon:bei NeugeborenenDosierung: 0,1 mg/kg KG i.v. oder i.m. ( 0,25 ml/kg KG).

  • !

    Nicht Narcanti neonatal verwenden! Zu niedrig konzentriert. Narcanti ersetzt nicht die Überwachung, da Halbwertszeit kürzer als Opioide, nicht bei maternalem Drogenabusus wegen Krampfgefahr

  • Natriumbikarbonat:bei NeugeborenenNatriumbikarbonat:

    • Dosierung: 1–2 mmol/kg KG bzw. (BE kg KG)/2.

  • !

    Zuerst adäquate Ventilation und Volumengabe, möglichst keine Blindpufferung.

    • Puffern nur nach längerer Reanimation mit hohem BE (< –15).

  • !

    Gabe bei Gestationsalter < 32 SSW kontrovers diskutiert wegen Hirnblutungsgefahr; keine Studien über Wirksamkeit, in Tierstudien eher neg. Effekte.

Neugeborenenreanimation

Neugeborenenreanimation

  • Die Neugeborenenreanimation ist eine pulmonale Reanimation. Erst nach Sicherung der Atemwege und fehlendem Erfolg der pulmonalen Reanimation beginnt die kardiale Reanimation.

  • Bei erschwerter Intubation ist die Maskenbeatmung das Mittel der Wahl bis neonatologische Versorgung gewährleistet werden kann. Eine Larnyxmaske ist in der Hand eines damit Erfahrenen genauso effektiv.

  • Übermäßiges Absaugen der Atemwege sollte vermieden werden.

  • Die Reanimation sollte mit 21% Sauerstoff begonnen und entsprechend der Sauerstoffsättigung dosiert werden, außer bei Frühgeborenen < 32 Wochen, die häufig zusätzlichen Sauerstoff benötigen, um eine ausreichende Sättigung zu erreichen.

  • Eine Pufferung mit Natriumbikarbonat ist nur nach längerer Reanimation und erst bei ausgeglichener respiratorischer Situation zu erwägen. Eine erhöhte Inzidenz von Hirnblutungen nach Pufferung konnte im Tiermodell nachgewiesen werden.

  • I.v. Zugang: Im Notfall kann bei Neugeborenen die Nabelvene katheterisiert werden. Die Nabelvene ist im Gegensatz zu den 2 engen Nabelarterien eher dünnwandig und weit. Bei federndem Widerstand (Fehlposition in der Portalvene) zurückziehen und neu versuchen. Als Ultima Ratio kann eine intraossäre Nadel in die Tibia des Neugeborenen gelegt werden.

  • Bei reifen Neugeborenen, die postnatal einer Reanimation bedürfen oder einen Geburts-pH < 7,00 haben, muss eine Hypothermiebehandlung in einem Zentrum in Betracht gezogen werden. Bereits bei moderater Asphyxie verbessert sich das neurologische Outcome wesentlich (Evidenzlevel 1) [Simbruner et al. 2010]. Diese Kinder sollten bis zum Beginn der Hypothermiebehandlung eher kühl mit einer Körpertemperatur < 36,5 C gehalten werden.

Mekoniumhaltiges Fruchtwasser undMekonium-Aspirations-Syndrom

Mekoniumhaltiges Fruchtwasser
  • Mekonium-Aspirations-SyndromFruchtwasser:mekoniumhaltigAbsaugen von Mund, Nase und Pharynx unmittelbar nach Entwicklung des Kopfes ist nicht erforderlich.

  • Nach der Geburt v.a. bei dick grünem Fruchtwasser und deprimiertem Kind die Trachea laryngoskopisch einstellen, die Stimmritzen auf Verfärbung inspizieren und absaugen.

  • Falls Mekonium unterhalb der Stimmritzen abgesaugt werden kann, sollte mehrfach abgesaugt werden. Klinik und Zustand des Kindes bestimmen, wie lange.

  • Nach 2 Minuten eine Beatmung mit PIP und O2 beginnen, auch wenn sich noch weiter Mekonium endotracheal befindet.

  • !

    Die Intubation und das endotracheale Absaugen bei dick grünem Fruchtwasser, aber spontan atmenden Neugeborenen ist nicht mehr indiziert [Vain et al. 2004; Wiswell et al. 2000].

Mekonium-Aspirations-Syndrom (MAS)
Definition
Erkrankung der Lunge des Neugeborenen, die durch die Aspiration von Mekonium kurz vor, während oder unmittelbar nach der Geburt bedingt ist.
Inzidenz
Das MAS wird in der Bundesrepublik nach Daten z.B. der Bayerischen Neonatalerhebung, mit einer Häufigkeit von 0,5–1/1.000 Neugeborene diagnostiziert.
Ätiologie und Pathogenese
Das Neugeborene muss zur Entwicklung eines MAS Mekonium noch intrauterin absetzen. Das mekoniumhaltige Fruchtwasser wird durch Atembewegungen inhaliert und führt zur Schädigung der Lungenfunktion. Die Schädigung entsteht durch mehrere unterschiedliche pathogenetische Mechanismen:
  • Größere Mekoniumpartikel verstopfen kleinere Atemwege Atelektasenbildung.

  • Mekonium inaktiviert Surfactant und reduziert damit die Oberflächenspannung in den Alveolen mit konsekutiver Bildung von einerseits Mikroatelektasen und andererseits überblähten Lungenbezirken.

  • Mekonium löst eine Entzündungsreaktion in der Lunge aus, die kaum von einer bakteriellen Pneumonie unterscheidbar ist.

Dadurch wird einerseits die Ventilation behindert mit konsekutivem Anstieg des pCO2 und Ausbildung einer respiratorischer Azidose, andererseits führen diese Mechanismen zur Ausbildung einer pulmonalen Hypertonie mit Öffnung von Rechts-links-Shunts, Hypoxämie mit metabolischer Azidose.
Voraussetzung für ein MAS ist eine intrauterine Hypoxämie des Fetus mit resultierender Stimulation der intestinalen Peristaltik, Relaxation des Sphincter ani und Entleerung von Mekonium in die Amnionflüssigkeit. Dies kommt fast nur bei Feten > 34 SSW vor, deshalb gibt es praktisch kein MAS beim sehr unreifen Frühgeborenen. Es muss aber noch nicht zur Aspiration von Mekonium in die Lunge kommen, da normalerweise die Flussrichtung des Fruchtwassers aus der Lunge in die Amnionhöhle führt. Eine weitere Voraussetzung des MAS ist eine durch die intrauterine Hypoxämie ausgelöste Schnappatmung, die erst zur Aspiration des mekoniumhaltigen Fruchtwassers in die tieferen Atemwege führt. Daher entwickelt sich auch nicht bei jedem grün verfärbten Fruchtwasser (ca. bei 10% der Geburten) ein MAS.
Klinik und Diagnostik
  • Klinische Hinweise auf MAS:

    • Hypoxämisches reifes Neugeborenes nach der Geburt mit mekoniumhaltigem Fruchtwasser (grün gefärbt oder dick erbsbreiartig).

    • Mekoniumhaltiges Fruchtwasser hinter der Stimmritze aus der Trachea absaugbar.

    • Atmung: auffällig mit Einziehungen, Stöhnen, Zyanose, Nasenflügeln und grobblasigen Rasselgeräuschen.

    • Thorax erscheint überbläht.

  • Rö-Thorax:

    • Lunge: grobfleckige Verdichtungen mit überblähten Lungenbezirken (Überblähung meist ausgeprägter als die Atelektasen).

    • Unbehandelt kann sich innerhalb kurzer Zeit eine sog. weiße Lunge entwickeln.

  • Herz/Kreislauf:

    • Aktion regelmäßig mit altersentsprechender Herzfrequenz.

    • Ggf. Neugeborenes infolge der ausgeprägten Hypoxämie bradykard.

    • Häufig entwickelt sich sekundär eine pulmonale Hypertonie mit persistierender fetaler Zirkulation (PFC-Syndrom), was klinisch bei einem lauten singulären 2. Herzton und einer ausgeprägten Zyanose aufgrund des Rechts-links-Shunts vermutet werden kann.

  • Vigilanz: abhängig von der Dauer der intrauterinen Asphyxie ist das Neugeborene:

    • Agitiert mit weit aufgerissenen Augen oder:

    • Hypoton und bewegungslos mit hypoxämisch-ischämischer Enzephalopathie (Zittern, Kloni oder zerebralen Krampfanfällen).

  • Die Abdominalorgane, Intestinum, Leber und Niere sind in ihrer Funktion primär bei MAS nicht gestört, es sei denn, eine länger dauernde intrauterine Asphyxie hätte parallel zum MAS auch diese Organe geschädigt.

  • Haut, Fingernägel und Nabelschnur können grünlich tingiert sein.

Geburtstraumata

Häufige Geburtstraumata
  • Geburtstraumen:kindlicheGeburtsgeschwulst:

    • Geburtsgeschwulst Nicht therapiebedürftiges Hautödem im Bereich des führenden Kindanteils (Schädel Caput succedaneum – oder Caput succedaneumGesäß, Skrotum, Vulva).

    • Durch größere Hauteinblutungen kann eine Hyperbilirubinämie (27.5) verstärkt werden.

  • Kephalhämatom:

    • KephalhämatomEntsteht durch eine nicht therapiebedürftige subperiostale Blutung und wird durch die Schädelnähte begrenzt.

    • Die Blutung kann zu einem Anstieg des Bilirubins beitragen, im Verlauf können Verkalkungen entstehen, die sich erst im 1. Lebensjahr resorbieren.

  • Klavikulafraktur:

    • Klavikulafraktur Klinik: Krepitation und Kallusbildung.

    • Spontanheilung. Therapeutisch Immobilisation des Arms der betroffenen Seite.

  • Plexusparesen:

    • PlexusparesenObere Plexusparese (Erb-Duchenne, Erb-Duchenne-PlexuspareseC5–6): kann durch starke Lateralflexion des Kopfes bei erschwerter Schulterentwicklung (25.3) oder nach Entwicklung nach Veit Smellie bei Beckenendlage (25.4) auftreten. Durch Lähmungen im Schultergürtel ist der Arm innenrotiert, proniert, im Ellenbogen gestreckt, der Greifreflex ist vorhanden. Im Unterarm ist keine Abduktion oder Supination möglich. Therapeutisch Arm zunächst fixieren und das weitere Prozedere mit den Kinderärzten/Kinderchirurgen (Zentrum) besprechen (Krankengymnastik, rekonstruktive OP). In bis zu 10% bleiben Residuen.

    • Untere Plexusparese (Klumpke, C7–Klumpke-PlexuspareseTh1): selten. Klinisch ist das Handgelenk gebeugt, der Greifreflex fehlt. Therapeutisch erfolgen eine Schienung und krankengymnastische Therapie. Bei Beteiligung sympathischer Nerven kann zusätzlich ein Horner-Syndrom bestehen (Ptosis, Miosis, Enophthalmus).

  • !

    Differenzialdiagnostisch an eine Epiphysenlösung, Fraktur des Humerus oder Parrot-Scheinlähmung bei Syphilis denken.

Seltene Geburtstraumata
  • Subgaleatische Blutung:

    • Blutung:subgaleatischeOft Zeichen einer pathologischen Gerinnung.

    • Kann zu Blutverlusten, selten zu einem hypovolämischen Schock führen.

    • Kontrolle von Blutbild und Gerinnung sowie Überwachung des Kindes veranlassen:

  • Hämatom des M. sternocleidomastoideus: selten. Krankengymnastische Therapie.

  • Schädelfrakturen (z.B. nach Zangenentbindung) sind immer einer ausführlichen pädiatrischen Diagnostik und Therapie zuzuführen.

  • Fazialisparese: zeigt Fazialispareseüberwiegend eine Spontanremission.

Entzugssyndrom bei Neugeborenen

Neugeborenes:EntzugssyndromEntzugssyndrom:Neugeborenes Siehe auch 3.12.

Epidemiologie und Klinik

  • 2 von 3 Kindern drogenabhängiger Mütter entwickeln postnatal eine Entzugssymptomatik. Diese entsteht durch Abhängigkeit des Fetus bei maternalem Missbrauch (Heroin, Methadon, Kokain, Barbiturate, Alkohol, Nikotin).

  • Kinder drogenabhängiger Mütter haben ein höheres Risiko einer konnatalen Infektion (HIV, Hepatitiden B und C), Früh- oder Mangelgeburt, kardiopulmonalen Adaptationsstörung, von Embryopathien, Wachstumsstörungen, Fehlbildungen (faziale Dysmorphien, Herzanomalien).

  • Entzugssymptomatik tritt in Abhängigkeit von der verwendeten Droge auf:

    • Heroinabusus etwa am 3. Lebenstag.

    • Methadongebrauch bis zum 7. Lebenstag.

    • Benzodiazepine bis zum 10. Lebenstag oder auch noch nach Wochen.

  • Klinik:

    • Irritabilität, Zittrigkeit, Unruhe, muskuläre Hypertonie, übermäßiges Saugen und kurze Schlafphasen.

    • Z.T. Trinkschwäche, gastrointestinale Symptome, Rhinitis.

    • Selten Krampfanfälle.

  • Spätfolgen (milieubedingt) sind eine erhöhte Rate an SIDS, Kindesmisshandlung, Verhaltensstörungen und Suchtverhalte.

Naloxongaben sind absolut kontraindiziert, da sie zu Krampfanfällen führen können. Bei Atemdepression müssen die Kinder intubiert und beatmet werden.

Diagnostik

  • Anamnestische Befragung der Mutter.

  • Drogennachweis (maternaler und kindlicher Urin).

  • Laboruntersuchungen: Blutgas, BZ, Elektrolyte, BB, HIV, Hepatitisserologie, Schilddrüsenparameter.

  • Zustandsbeurteilung des Neugeborenen nach dem Finnegan-Score(Tab. 27.5):

    • 3-mal täglich durchführen.

    • Einleitung einer medikamentösen Therapie bei Werten > 11 Punkten.

    • Reduktion der medikamentösen Therapie bei Werten < 9 Punkten.

Therapie

  • Comfort Care des Neugeborenen (Monitoring, kleine Mahlzeiten, Lärmschutz).

  • Sozialdienst einschalten.

  • Medikamentöse Therapie:

    • Tinctura opii (DAB, 1-prozentige Morphinlösung) 0,3–0,8 mg Morphin/kg KG/d in 4–6 ED (1 ml Tinctura opii mit 24 ml H2O verdünnen).

    • Alternativ oder in Kombination: Phenobarbital initial 20 mg/kg KG/d, dann 5 mg/kg KG/d.

  • !

    Kumulationsgefahr, Spiegelkontrollen des Phenobarbitals durchführen!

Kinder diabetischer Mütter

Neugeborenes:diabetische Mutter Gestationsdiabetes 17.5.
Diabetes in der Schwangerschaft 17.4.

Epidemiologie und Pathophysiologie

Mortalität von Kindern diabetischer Mütter:
  • Konnte auf 2–4% gesenkt werden.

  • Ist aber das 3- bis 6-Fache gegenüber der Normalpopulation erhöht.

Morbidität von Kindern diabetischer Mütter:
  • !

    Hypoglykämien während der ersten Lebenstage stellen die häufigste klinische Akutgefährdung dar.

  • Polyglobulie, Hypokalzämie und Hypomagnesiämie.

  • Erhöhte Rate an Azidosen, Asphyxien und kardiopulmonalen Anpassungsstörungen, Frühgeburten, Makrosomie des Kindes und Fehlbildungen.

  • Störung der fetalen Surfactantproduktion mit Atemnotsyndrom auch bei einem Gestationsalter 34–36 Wochen.

  • Frühgeburtlichkeit, Makrosomie des Kindes und Fehlbildungen.

  • Eine meist klinisch nicht relevante septal betonte Myokardhypertrophie.

  • Nierenvenenthrombose sehr selten, aber schwerwiegend.

  • Bei unerkanntem oder ungenügend behandeltem Gestationsdiabetes muss mit einer ähnlichen Morbidität wie bei einem mangelhaft eingestellten Diab. mell. gerechnet werden.

Postnatale Überwachung

BZ-Kontrollen in den ersten Stunden nach der Geburt erfolgen als Mindestanforderung nach einem Basisschema. Ergänzend dient ein Kontrollschema zur Bewertung der BZ-Werte und zur Klärung des weiteren Vorgehens bzw. der Verlegung in die Neonatologie (www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/024-006.html) (Abb. 27.1).

Tipps für die Praxis

  • Zur Vermeidung einer Hypoglykämie konsequentes Anlegen und/oder Frühfüttern 30 Min. nach Geburt und dann alle 2–3 h (Maltodextrin 15% oder Formula-Nahrung, 3 ml/kg KG). Konsequente prä- und postpartale Stillförderung.

  • Präprandiale Blutzuckerbestimmungen 2–3 h nach Geburt und noch vor Verlegung aus dem Kreißsaal sind obligat.

  • Alle Schwangeren mit diabetischer Stoffwechsellage: Geburt nur in Krankenhäusern mit neonatologischer Überwachung und der Möglichkeit von i.v. Glukosegabe ohne Verlegung und Trennung Mutter/Kind. Bei Insulinbehandlung vor oder während der Schwangerschaft Geburt nur in einem Zentrum mit 24-stdl. neonatologischer Betreuung.

  • Über die Notwendigkeit zur weiterführenden Diagnostik (Hämatokrit, Serumkalzium, Serumbilirubin, echokardiografische Untersuchung, Schädel und Nierensonografie) sollte der Kinderarzt entscheiden.

Infektionen des Neugeborenen

Neugeborenes:Infektionen Maternale Infektionen 18.

Klinik und Erreger

  • Die Infektionen des Neugeborenen zeigen initial oft nur unspezifische klinische Zeichen, können jedoch rasch zu Meningitis, Sepsis und septischem Schock fortschreiten.

  • Erregerspektrum einer bakteriellen Infektion eines Neugeborenen ist altersabhängig:

    • Innerhalb der ersten 3 Lebenstage entstammen sie der maternalen Vaginalflora (Streptokokken der Gruppe B und E. coli).

    • Später handelt es sich meist um eine nosokomiale Infektion im engeren Sinne, d.h., der Erreger entstammt der patienteneigenen Flora oder den Hospitalkeimen der Klinik [Checkliste Neonatologie 2010].

  • Risiken:

    • Blasensprung > 18 h.

    • Fetale Tachykardie.

    • Grünes Fruchtwasser.

    • Maternales Fieber unter der Geburt.

    • Maternales CRP > 2 mg/dl.

    • Postnatale Adaptationsstörung.

Diagnostik

Laboruntersuchungen bei Infektionsverdacht:
  • BB mit Diff.-BB (I/T-Quotient), Thrombozyten, evtl. nach 4–8 h wiederholen. Bei der Benutzung des I/T-Q. ist auf das morphologische Kriterium der Abgrenzung segmentierter von stabkernigen Granulozyten zu achten.

  • IL-6 oder IL-8: in Kombination mit CRP sehr sensitiv.

  • CRP: <10 mg/l bei der Erstuntersuchung schließt jedoch eine bakterielle Infektion nicht aus.

  • Urin (Streifentest, Zählkammer).

Lumbalpunktion bei V.a. Meningitis:
  • Zellzahl mit Ausstrichpräparat zur Leukozytendifferenzierung und Suche nach Bakterien (Zytozentrifugenpräparat).

  • Liquorkultur.

Bakteriologische Untersuchungen:
  • Bei der Mutter: Zervixabstrich, Plazentaabstrich.

  • Beim Kind:

    • Blutkultur aerob.

    • Trachealsekret bei Beatmung.

    • Urinkultur (suprapubische Punktion, Zelldifferenzierung).

    • Ohrabstriche beidseits (nur kurz nach der Geburt).

    • Magensaft.

Therapie

  • Eine erfolgreiche Therapie muss frühzeitig begonnen werden.

  • Die Auswahl der Antibiotika, Dosierung und Applikationsform sollen entsprechend dem Handbuch und den Leitlinien der DGPI erfolgen.

  • Kontrollierte Studien zur Therapiedauer liegen nicht vor.

  • Die Kontrolle des Therapieerfolges geschieht durch den klinischen und labordiagnostischen Verlauf.

Prophylaxe der frühen Neugeborenensepsis durch B-Streptokokken

Neugeborenes:Sepsis Streptokokkeninfektion in der Schwangerschaft 18.2.6.
B-Streptokokken sind eine häufige Ursache für schwere Infektionen des Neugeborenen.
  • Frühe Form (early onset, > 90%) innerhalb von 3 Tagen nach der Geburt:

    • Häufigkeit der frühen Form der Sepsis liegt zwischen 1 und 2% bei Kindern von Müttern, die zum Zeitpunkt der Geburt mit Streptokokken der Gruppe B besiedelt sind.

    • Risikofaktoren: hohe Keimdichte von GBS im Urogenitaltrakt der Mutter zum Zeitpunkt der Entbindung, Dauer zwischen Blasensprung und Entbindung >18 h, Fieber der Schwangeren unter der Geburt > 38 C, Frühgeburt vor vollendeten 37 SSW, GBS-bedingte Bakteriurie während der Schwangerschaft und Z.n. Geburt eines an GBS erkrankten Neugeborenen.

    • Klinik: Sepsis, Pneumonie oder Meningitis.

    • Verlauf kann foudroyant sein und einen septischen Schock zur Folge haben.

    • Neurologische Langzeitfolgen sind möglich.

  • Späte Form (late onset, max. 10%).

Die im Folgenden dargestellten Empfehlungen zur Prophylaxe der Neugeborenensepsis durch GBS beziehen sich ausschließlich auf die frühe Form der Sepsis, da nur diese prophylaktischen Maßnahmen zugänglich ist.
  • Screening aller Schwangeren auf GBS zwischen 35–37 SSW; verhindert zu 90% die Neugeborenensepsis durch GBS. Behandlung Tab. 27.6.

Postnatale Betreuung des Neugeborenen:
  • Folgende Neugeborene, die keine klinischen Infektionssymptome zeigen, müssen für 72 h engmaschig klinisch überwacht werden:

    • Neugeborene von Müttern mit GBS-Nachweis, die nicht mind. 2 Dosen eines Antibiotikums als Prophylaxe bekommen haben.

    • Frühgeborene 32 SSW müssen postnatal nicht empirisch antibiotisch behandelt werden, sofern sie klinisch nicht infiziert erscheinen.

  • Eine engmaschige klinische Überwachung erfordert mind. alle 4 h eine dokumentierte Zustandsbeschreibung des Neugeborenen durch eine Pflegekraft.

  • Bei klinisch begründetem V.a. eine Infektion das Kind unverzüglich zu weiterer Diagnostik und Therapie in eine Kinderklinik verlegen.

  • !

    Die derzeit verfügbaren Laboruntersuchungen wie CRP oder BB sind beim klinisch gesund wirkenden Neugeborenen nicht prädiktiv für eine Infektion. Diese Neugeborenen bedürfen auch keiner antibiotischen Therapie, da das Risiko zu erkranken gering ist (< 2%) (Tab. 27.6).

1.Internet

Leitlinie 024-020,

Leitlinie 024-020, Prophylaxe der Neugeborenensepsis durch Streptokokken der Gruppe B: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/024-020.html

Icterus neonatorum

Grundlagen und Risikofaktoren

Entwicklung und Epidemiologie
  • Icterus neonatorumEine Neugeborenengelbsucht tritt bei 60% aller Kinder auf.

  • 1904 beschrieb Schmorl das pathologische Korrelat des Kernikterus, seit 1925 sind Austauschtransfusionen, seit 1958 Phototherapien möglich.

  • 1994 wurden von der American Academy of Pediatrics höhere Indikationsgrenzen zur Phototherapie bei reifen, gesunden Neugeborenen ohne Hämolyse eingeführt. Basierend auf diesen Daten, wurden diese Grenzwerte als Leitlinie 1997 in Deutschland übernommen und 2010 modifiziert (www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/024-007.html).

  • Seit Einführung der höheren Phototherapie- und Austauschtransfusionsgrenzen wird von mehreren Autoren eine Zunahme des Kernikterus aufgrund verschiedener Fallberichte befürchtet. Die tatsächliche Inzidenz eines Kernikterus bei reifen gesunden Neugeborenen ist unklar.

  • Eine Auswertung der publizierten oder in Registern erfassten Fälle zeigt jedoch, dass im Gegensatz zur Ära vor Einführung der Anti-D-Prophylaxe nichtimmunologische Ursachen und das Überwachungsdefizit bei früher Entlassung die Hauptrolle spielen.

Risikofaktoren
Risikofaktoren für eine verstärkte Hyperbilirubinämie:NeugeborenesHyperbilirubinämie:
  • Rh-Inkompatibilität.

  • AB0-Konstellation.

  • Positive Familienanamnese.

  • Ausgeprägter postnataler Gewichtsverlust.

  • Hämatome (große Kephal- oder Subgalealhämatome, Nebennierenblutungen).

  • Sphäro- oder Elliptozytose.

  • Glucose-6-P-Dehydrogenase-Mangel (v.a. in Konjunktion mit M. Gilbert-Meulengracht).

  • Andere, mit Hämolyse assoziierte Enzymdefekte.

Vorgehen

Tab. 27.7 und Abb. 27.2.
  • Bei Ikterus in der ersten 24 h sind eine Gesamt-Serum-Bilirubinbestimmung (GSB) und eine erweiterte Diagnostik (Gesamtblutbild mit Retikulozyten, Blutgruppe, Rhesusfaktor, Coombs-Test) indiziert.

  • Routinemäßige Bilirubinmessungen können unblutig transkutan mit einem Multispektralgerät erfolgen. Liegt der Wert über der lebensaltersbezogenen 75. Perzentile, ist jedoch eine nasschemische Bestimmung der Serumbilirubinkonzentration erforderlich. Andere als nasschemische Verfahren sind bei höheren Konzentrationen fehlerbehaftet und nicht zu einer Therapieentscheidung tauglich.

  • Mit dem Beginn einer Phototherapie sind in Abhängigkeit von der Anamnese und der klinischen Konstellation weitere diagnostische Maßnahmen von pädiatrischer Seite festzulegen (z.B. Bestimmung von direktem Bilirubin, Blutgruppe, Hb oder Hkt, Retikulozyten, Infektparameter).

  • Ikterus nach 24. Lebensstunde. TcB (transkutanes Bilirubin) und GSB (falls TcB > Phototherapiegrenze) mit erweiterter Diagnostik (s.o.), wenn GSB Phototherapiegrenze erreicht.

Therapie

  • Unterbrechung des enterohepatischen Kreislaufs:Konsequente enterale Ernährung mit gutem Stillmanagement, frühem Anlegen und häufigen Mahlzeiten. Eine Dehydration sollte durch optimales Stillmanagement und evtl. Zufüttern von Formula, aber nicht von Tee, Wasser oder Glukoselösung vermieden werden.

  • Phototherapie (entsprechend Phototherapieder AWMF-Leitlinie 024-007) (Tab. 27.8):

    • Bei unkomplizierten Fällen (Gestationsalter 38+0 Wochen, kein Hämolysehinweis) beträgt ab einem Lebensalter von 72 h die Phototherapiegrenze 20 mg/dl (340 M).

    • Wegen der Dynamik des Anstiegs vor einem Alter von 72 h Absenkung der Phototherapiegrenze um 2 mg/dl (35 M) pro Tag.

    • Bei einem positiven Coombs-Test wird die Grenze um 2 mg/dl abgesenkt.

    • Bei Neugeborenen mit einem Gestationsalter < 38 Wochen gilt: Phototherapiegrenze (mg/dl) aktuelles Gestationsalter (in Wochen) – 20 (ggf. weiteres Absenken gemäß der oben genannten Kriterien).

    • Für den Beginn einer Phototherapie mit geringer Effektivität (z.B. mit fiberoptischen Geräten auf Wochenbettstationen oder im ambulanten Bereich) werden Grenzwerte empfohlen, die 2 mg/dl unter denen einer regulären Ganzkörperphototherapie liegen.

    • Die untere Therapiegrenze beträgt 5 mg/dl (85 M).

Internet

Leitlinie 024-007,

Leitlinie 024-007, Hyperbilirubinämie des Neugeborenen – Diagnostik und Therapie: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/024-007.html

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