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B978-3-437-23751-5.10002-0

10.1016/B978-3-437-23751-5.10002-0

978-3-437-23751-5

Einflussfaktoren bei Sport:EinflussfaktorenB978-3-437-23751-5.10002-0#idx23Sport in der Schwangerschaft

[A300–157]

Wünschenswerte Gewichtszunahme in der SchwangerschaftAdipositas:gewünschte GewichtszunahmeB978-3-437-23751-5.10002-0#idx8

Tab. 2.1
Prägravider BMI Klassifikation Physiologische, wünschenswerte Gewichtszunahme
< 19,8 Untergewicht 12,5–18 kg
19,8–26 Normalgewicht 11,5–16 kg
26–29 Übergewicht 7–11,5 kg
> 29 Starkes Übergewicht (Adipositas) < 7 kg

Empfohlene Mehrzufuhr für Mineralien, Spurenelemente und Vitamine in der SchwangerschaftVitamine:Bedarf in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx14Kalzium:Bedarf in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx12Jod:Bedarf in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx11Folsäure:Bedarf in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx15Eisen:Bedarf in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx10

Tab. 2.2
Nährstoff Mehrzufuhr (%) Lebensmittel mit einem hohen Anteil des Nährstoffs
Eisen 100 Fleisch, Fleischprodukte, auch in: Nüssen, Fisch, Ei, Gemüse
Jod 15 Jodsalz, Meerfische, Meeresfrüchte, Meersalz
Kalzium 20 Milch, Milchprodukte, auch in: Kohl, Nüssen
Zink 20 Tierische Lebensmittel
Vitamin A 35 Innereien, Eier, Lebertran, Milch, Milchprodukte
Vitamin B1 und B2 20 Vollkornprodukte, Innereien, Hefe, Milch, Milchprodukte, Fleisch, Fisch
Vitamin B6 60 Fleisch, Fisch, Ei, Innereien
Vitamin D 15 Fette, Fisch, Ei, Lebertran
Folsäure 100 Blattgemüse, Hefe, Leber

Folgen des Jodmangels in der Schwangerschaft

Tab. 2.3
Mutter Schilddrüsenvergrößerung, Anämie, Obstipation
Embryo/Fetus Abort, Totgeburt, gestörte Gehirnreifung, Fehlbildungen
Neugeborene und Kleinkinder Schilddrüsenvergrößerung und/oder Hypothyreose, verzögerte Gehirnreifung, verminderte Intelligenz, verlangsamtes Wachstum, Retardierung der Skelettreifung, verzögerte Lungenreifung, erhöhtes Risiko von sensorischen Defekten

Eignung verschiedener Sportarten in der Schwangerschaft

Tab. 2.4
Empfehlenswerte Sportarten Akzeptable Sportarten Inakzeptable Sportarten
  • Schwimmen

  • Aquatic exercise

  • Fahrradfahren

  • Fahrradergometer

  • Spazierengehen, Wandern

  • Nordic Walking

  • Aerobic

  • Laufen

  • Schnorcheln

  • Körperliche Aktivität bis zu einer Höhe von 2.500 m

  • Skifahren

  • Abenteuersportarten

  • Anaerobe Belastungen (z. B. Sprints)

  • Kampfsportarten

  • Abenteuersportarten

  • Ballsportarten

  • Krafttraining

  • Sportarten mit hohem (Sturz-)Risiko

  • Tauchen

  • Wasserski, Surfen

  • Mannschaftssportarten

Aktivitäts- und Belastungsempfehlungen in der Schwangerschaft

Tab. 2.5
Aktivität Ziele Intensität Dauer/Häufigkeit
Lebensstil/Aktivität:Z. B. zu Fuß gehen, Treppen steigen, Aufzug vermeiden Erhaltung eines Mindestaktivitätsniveaus Moderat Multiple, kurze Bewegungsimpulse, möglichst mehrfach täglich
Ausdauerkomponente
Aerobe Trainingsformen mit leichten bis moderaten Anforderungen:Gehen, Walken, Schwimmen, Fahrradfahren, Fahrradergometer, Aquatic exercise Erhaltung der aeroben Leistungsfähigkeit 40–60 % der HF-Reserve entsprechen einem Belastungsempfinden zwischen leicht und mäßig anstrengend 20–30 Min. mit Intervallen oder kontinuierlich, ca. 3/Wo.
Muskuläre Komponente
Leichtes Krafttraining, Gymnastik, intensivere aerobe Trainingsformen Erhaltung des Muskelstoffwechsels Niedrig 8–10 verschiedene Übungen für alle großen Muskelgruppen,1–2 Serien in Ergänzung zu Ausdauer/Aktivitäten, 1(–2)/Wo.

Empfehlung zur Lebensführung

Peter Bung

  • 2.1

    Ernährung in der Schwangerschaft 14

    • 2.1.1

      Bedeutung von Über- und Unterernährung14

    • 2.1.2

      Energiebedarf, Gewichtszunahme, Ernährungsberatung14

    • 2.1.3

      Mikronährstoffe15

    • 2.1.4

      Risikogruppen für Ernährungsstörungen in der Schwangerschaft18

  • 2.2

    Obstipation18

  • 2.3

    Körperliche Aktivität und Sport in der Schwangerschaft18

    • 2.3.1

      Pro und Contra18

    • 2.3.2

      Empfehlungen20

    • 2.3.3

      Therapeutische Effekte21

    • 2.3.4

      Kontraindikationen22

    • 2.3.5

      Aktivitäts- und Belastungsempfehlungen22

    • 2.3.6

      Abbruch der körperlichen Aktivitäten23

    • 2.3.7

      Beratung23

  • 2.4

    Berufliche Einschränkungen23

  • 2.5

    Fliegen/Urlaubsreisen24

    • 2.5.1

      Fliegen24

    • 2.5.2

      Autofahrten25

  • 2.6

    Zahnprobleme/Amalgam25

  • 2.7

    Geschlechtsverkehr25

Ernährung in der Schwangerschaft

Bedeutung von Über- und Unterernährung

Lebensführung:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx1Die bedarfsgerechte Zufuhr von Makro- und Mikronährstoffen sowie Flüssigkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für einen ungestörten Schwangerschaftsverlauf und eine ungestörte Geburt, die Gesundheit der Mutter und Voraussetzung für eine normale spätere Entwicklung des Neugeborenen und des Kindes bis hin zur mittelbaren Krankheitsprävention im Erwachsenenalter.

Mangelernährung
Unterernährung:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx3Überernährung:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx4Ernährung:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx2Mangelernährung:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx5Folgen:
  • Kontinuierliche Unterschreitung von 1.500 kcal/d: Geburtsgewicht .

  • !

    Beispiel: In der Zeit des Zweiten Weltkrieges sank z. T. die mittlere Kalorienaufnahme der Bevölkerung auf 800 kcal/d in der Folge fielen die Geburtsgewichte um 300 g und die Plazentagewichte um 100 g [Stein 1975].

  • Fetale Unterernährung kann in Abhängigkeit von verschiedenen Gestationsphasen nachhaltig Auswirkungen auf später auftretende Krankheitsmuster haben: Mangelwachstum im Neugeborenen- und Kleinkindesalter, Hypertonus und erhöhte Inzidenz von Apoplexen im späteren Lebensalter [Barker 1994].

Überernährung
In den heutigen Industrieländern ist die kalorische Überernährung das häufigere Problem:
Folgen einer Adipositas und/oder einer übermäßigen Gewichtszunahme sind u. a.:
  • Ausbildung von Stoffwechselstörungen (z. B. Gestationsdiabetes; Präeklampsie).

  • Mechanische Probleme unter der Geburt (z. B. Weichteilverletzungen, Schulterdystokie).

Energiebedarf, Gewichtszunahme, Ernährungsberatung

Energiebedarf
Energiebedarf:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx6Das Wachstum von Kind, Plazenta und mütterlichem Gewebe verursacht einen erhöhten Energiebedarf in der Schwangerschaft ab dem 4. Schwangerschaftsmonat.
  • Durchschnittliche empfohlene Energieaufnahme:

    • 1.Schwangerschaftshälfte ca. 2.300 kcal/d.

    • 2.Schwangerschaftshälfte ca. 2.600 kcal/d, entspricht einem Mehrbedarf von ca. 13 %.

    • Kumulativ: Ca. 85.000 kcal.

  • Nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wird folgende Verteilung der Nahrungsenergieträger empfohlen:

    • 55–60 % Kohlenhydrate (ca. 380–420 g 1.540–1.680 kcal; Mehrbedarf pro Tag 30–60 g) – tatsächliches Zuwenig ca. 18 %.

    • 30 % Fett (Gesamtmenge ca. 60–90 g/d ca. 750–800 kcal; kein Mehrbedarf) – tatsächliches Zuviel bis zu 70 %.

    • 10–15 % Proteine (70–100 g/d; Mehrbedarf 15–30 g 280–420 kcal) – tatsächliches Zuwenig ca. 12 %.

  • 50–70 % der Proteinzufuhr sollten wegen der besseren Abdeckung des Bedarfes an essenziellen Aminosäuren tierischen Ursprungs sein. Wichtig ist die Aufnahme mehrfach ungesättigter essenzieller Fettsäuren durch Verwendung pflanzlicher (Sonnenblumen, Oliven) und tierischer (Seefische) Öle.

  • Günstige Energieträger sind Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Vollreis für die Verdauung.

  • Zusätzliche Rohfaserzufuhr. Bei gleichzeitig reichlicher Flüssigkeitszufuhr (2 l/d) können die häufig auftretenden Verdauungsstörungen (Obstipation) positiv beeinflusst werden.

Deckung des kalorischen Mehrbedarfs über:
  • Gesteigerte Nahrungsaufnahme.

  • Veränderungen der Nahrungsverwertung (v. a. Resorption und Bioverfügbarkeit für einzelne Stoffe nehmen zu).

Die genannten Werte für die Energiezufuhr sind Richtwerte. Einbezogen wird das Ausmaß von (starken) körperlichen Aktivitäten durch Beruf und Sport.
Bei der Mehrzahl der Schwangeren in westlichen Industrieländern ist eine Steigerung der Gesamtkalorienmenge nicht angezeigt, zudem werden zu viele Kalorien in Form von Fetten und zu wenige als Eiweiß und Kohlenhydrate aufgenommen.
Gewichtszunahme
Gewichtszunahme:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx7Die Beurteilung der Gewichtszunahme folgt keinen starren Regeln; ein vor der Schwangerschaft bestehendes Über- oder Untergewicht wird berücksichtigt (Tab. 2.1).
In der Spätschwangerschaft könnten pathologische Verschiebungen des Wasserhaushalts (Ödembildungen) zu Fehlbeurteilungen führen.

Mikronährstoffe

Empfohlene Mehrzufuhr
MikronährstoffeB978-3-437-23751-5.10002-0#idx9:subtopicIn einer Wohlstandsgesellschaft mit Nahrungsüberschuss bestehen Defizite in einer unzureichenden Versorgung mit Mikronährstoffen, wie Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen, die im Organismus nur im geringen Maße vorrätig sind. Für die Zeit der Schwangerschaft besteht für einige dieser Wirkstoffe ein deutlicher Mehrbedarf (Tab. 2.2).

Diskussion

Unter normalen Bedingungen kann der Mehrbedarf an Mineralstoffen und Vitaminen in der Schwangerschaft und Stillzeit durch eine ausgewogene Ernährung problemlos gedeckt werden. [Stoll 1998].

Eine generelle Verordnung von Mineralstoffen und Vitaminen in Form von Kombinationspräparaten ist nicht indiziert. [Biesalskie 1999].

Aber: Die heutige Ernährungszusammensetzung und -zubereitung birgt für einige Stoffgruppen durchaus das Risiko eines Mangels, da die tatsächliche durchschnittliche Aufnahme von Mikronährstoffen häufig niedriger liegt als die empfohlene Zufuhr.

Jod
Jod:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx16Siehe auch 17.8.
Deutschland ist ein Jodmangelgebiet mit entsprechenden Gefahren und Folgen (Tab. 2.3).
Der Jodbedarf bei Schwangeren steigt um 15 %, die tatsächliche Jodaufnahme liegt deutlich darunter (Defizit zwischen 100 und 150 g). Dies muss je nach Ernährungsgewohnheiten und individueller Beratung ergänzt werden.
Eisen
Eisen:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx17 17.20.1.
Die Eisenversorgung ist häufig unzureichend:
  • Gesamtverbrauch von 800–1.200 mg Eisen in der Schwangerschaft.

  • Mehrbedarf von 100 %.

  • Lässt sich trotz der verbesserten Resorption nur selten über die Nahrung decken.

  • Ernährungsberatung:

    • Resorptionsfördernd: meat-factor (an Fleisch gebundenes Eisen ist besser verfügbar), Vitamin C als Promotor.

    • Resorptionsmindernd: Vermehrte Aufnahme von Ballaststoffen; Gerbstoffe des schwarzen Tees als Komplexbildner.

Folsäure
Folsäure:Bedarf in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx18Bereits früh in der Schwangerschaft steigt der Folsäurebedarf um 100 %.
Bedeutung des Vitamins (z. T. in Verbindung mit Vit. B6 und B12):
  • Unerlässlich für die normale Zellteilung und damit für Differenzierungs- und Wachstumsprozesse beim Embryo und Fetus.

  • Zusammenhang zwischen einer Stoffwechselstörung, die mit erhöhten Homocysteinspiegeln einhergeht und die durch Folsäure positiv zu beeinflussen ist, und Schwangerschaftskomplikationen wie ungeklärte und/oder rezidivierende Aborte.

  • Korrelation zwischen Folsäurespiegeln und Frühgeburtlichkeit bzw. Geburtsgewicht [Bung 1993a; Scholl 1996].

  • Durch prä- bzw. perikonzeptionelle Folsäuresubstitution kann Neuralrohrdefekten vorgebeugt werden [Steegers-Theunissen 1991]. Risikoreduktion von ca. 70 %.

Bei den heutigen Ernährungsgewohnheiten wird über die durchschnittliche Kost Folsäure nur unzureichend aufgenommen.
Empfehlungen zur perikonzeptionellen Folsäuresupplementierung in den deutschsprachigen Ländern [Koletzko 1995; Tönz 1996]:
  • Prophylaxe für Frauen mit Kinderwunsch bzw. im gebärfähigen Alter: 0,4 mg/d.

  • Nach vorausgegangener Schwangerschaft mit Neuralrohrdefekt: 4 mg/d.

Bei der beeindruckenden Kausalität und der Möglichkeit einer aktiven Prävention (und dadurch Kosteneinsparung) ist es erschreckend, dass diese Empfehlungen in Deutschland nur zwischen 3–9 % umgesetzt werden [Genzel-Boroviczeny 1997]. In den USA hat das Wissen um die beschriebenen Zusammenhänge zu einer gesetzlich verankerten Anreicherung von Lebensmitteln mit Folsäure geführt [Wald 1996].
Omega-3-Fettsäuren (DHA)
Omega-3-Fettsäuren:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx19DHA, Docosahexaenoic acidB978-3-437-23751-5.10002-0#idx20:subtopicOmega-3-(und Omega-6-)Fettsäuren sind wichtige Ausgangsstoffe für die Bildung von körpereigenen Eicosanoiden. Diese sind von Bedeutung bei entzündlichen Reaktionen, zur Stärkung des Immunsystems, Regulierung der Gerinnung sowie als Strukturfett für Gehirn, Retina und Nervensystem.
Im 3. Trimenon nimmt der Bedarf des Fetus infolge der Entwicklung und Differenzierung des Neuralanteils stark zu, der Fetus kann DHA (docosahexaenoic acid) selbst jedoch noch nicht ausreichend synthetisieren und ist daher auf die plazentare Versorgung durch die Mutter angewiesen.
Vorteile einer ausreichenden DHA-Versorgung während der Schwangerschaft (und in der Stillzeit) v. a. bei Frühgeborenen:
  • Höherer Intelligenzquotient im späteren Leben.

  • Gebessertes Sehvermögen durch Steigerung der Sehschärfe und eine schnellere Entwicklung der Retina [Larque 2002; Helland 2003].

  • Günstiger Zusammenhang von Ernährung, DHA-Gehalt der Muttermilch und mütterlichen Wochenbettdepressionen [Hibbeln 2002].

Da die Aufnahme von DHA häufig nicht ausreichend ist, ist die vermehrte Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren während des 3. Trimenons und in der Stillzeit zu empfehlen bzw. ggf. mit einer Supplementierung sicherzustellen.

Risikogruppen für Ernährungsstörungen in der Schwangerschaft

  • Sehr junge Schwangere, die für ihr eigenes Wachstum noch vermehrt Nährstoffe benötigen.

  • Frauen mit rascher Schwangerschaftsfolge, deren Reservoire noch nicht wieder aufgefüllt sind.

  • Ungünstiges sozioökonomisches Milieu der Schwangeren, zu dem erschwerend der Gebrauch von Alkohol, Nikotin und Drogen kommen kann (3).

  • Chronische Erkrankungen und damit verbunden eine reduzierte Aufnahme von Mikronährstoffen durch interferierende Medikamenteneinnahme (4).

  • Stark erniedrigtes Körpergewicht, da die reduzierte Ernährungslage oft mit einem Zuwenig an Mikronährstoffen korreliert.

Eine besondere Herausforderung stellt der Umgang mit mehr oder minder ausgeprägten Extremformen einseitiger oder ausschließlicher Ernährung dar; dazu zählen Veganerinnen, bei denen ein deutlich größeres Risiko für die Schwangerschaft und das Neugeborene besteht.

Obstipation

Obstipation:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx21Hormonbedingt – und in der Spätschwangerschaft aus Platzgründen – kann es zu Darmträgheit und Obstipation kommen. Als wichtigste Gegenmaßnahmen gelten eine ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit (2,5–3 l), von Ballaststoffen, die Verteilung der Mahlzeiten auf kleinere Portionen über den gesamten Tag, körperliche Aktivität, ggf. die vermehrte Einnahme von quellenden Substanzen wie Vollkornprodukten, Leinsamen oder Kleie sowie das Meiden von (bitterer) Schokolade, (schwarzem) Tee und Weißmehlprodukten. Die orale Gabe von Magnesium kann förderlich wirken.

Körperliche Aktivität und Sport in der Schwangerschaft

Pro und Contra

Grundlagen
Sport:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx22Die regelmäßige Ausübung von körperlicher Aktivität und Sport ist ein selbstverständliches Element in der heutigen Lebensführung und möchte von den Frauen auch in der Schwangerschaft fortgeführt werden.
Sowohl eine Schwangerschaft als auch die mehr oder minder regelmäßige Belastung durch Sport während der Schwangerschaft sind aufgrund zahlreicher Faktoren (Alter, Trainingszustand, Zeitpunkt der Schwangerschaft, Lebensgewohnheiten, Abb. 2.1) ein individuelles Geschehen, das sich positiv und negativ auswirken kann.
Unter Wertung der positiven Aspekte und der überschaubaren und kontrollierbaren Risiken und mit Beachtung der relativen und absoluten Kontraindikationen ist Sport in der Schwangerschaft erlaubt und empfehlenswert.
Vorteile
  • Verbesserter Muskeltonus.

  • Verminderung von Rückenschmerzen durch Stärkung der Rückenmuskulatur.

  • Steigerung der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit.

  • Erhöhung kardiopulmonaler Reserven.

  • Verbessertes subjektives Wohlbefinden und erhöhtes Selbstwertgefühl.

  • Regulierung der Gewichtszunahme.

  • Reduktion von Wassereinlagerung und Ödembildung (z. B. Schwimmen und Aquatic exercise).

  • Prävention von Thrombosen.

  • Therapie des Gestationsdiabetes.

  • Fraglich:

    • Kürzere Geburtsdauer.

    • Weniger Geburtsschmerz.

    • Schnellere Rekonvaleszenz.

Gefahren und Risiken
Risiken bei der Ausübung von Sport:
  • Erhöhte Verletzungsgefahr und Traumatisierung durch:

    • Lockerung des Bindegewebes mit Auswirkungen auf Gelenke und Bandapparat in der Frühschwangerschaft.

    • Gewichtszunahme und Verlagerung des Körperschwerpunktes in der späteren Schwangerschaft.

  • Veränderung der Körperkerntemperatur mit den Folgen einer Hyperthermie.

  • Blutumverteilung mit zeitweiser Minderversorgung der feto-plazentaren Einheit.

  • Auslösen von Uteruskontraktionen.

Die zentrale und lange Zeit kontrovers diskutierte Frage betrifft die Belastungsintensität. Durch intensive körperliche Belastung findet eine Blutumverteilung hin zur maternalen Muskulatur und zur Haut als Organ der Wärmeabgabe statt. Dies kann zu einem Anstieg der Körperkerntemperatur führen, was jedoch praktisch nur z. B. bei Marathonläufern auftritt. Die Gefahren liegen in der Teratogenität von Temperaturen über 39 C, in einer Steigerung des maternalen Sauerstoffbedarfs und einer Blutumverteilung zur Haut auf Kosten der Uterusdurchblutung. Wenn eine aerobe Energiebereitstellung im Muskel nicht mehr gewährleistet ist, steigt zunächst das maternale und in der Folge das fetale Laktat an. Da Sauerstoffaufnahme und Herzfrequenz parallel ansteigen, ist die Herzfrequenz ein brauchbarer Begrenzungsmaßstab für sportliche Aktivität (s. u.).

Empfehlungen

Belastungsintensität
Die maternale Herzfrequenz soll 140/Min. nicht übersteigen [ACOG 2002]. Dies entspricht ungefähr einer Belastung, während deren man sich noch unterhalten kann (sog. Talktest).
Auch wenn die Grenze für die Schwangerschaft nicht ganz unumstritten ist, besteht Einigkeit, dass weitere Maximalbelastungen in der Schwangerschaft nicht durchgeführt werden sollten. Allerdings dokumentieren Studien an Hochleistungssportlerinnen ebenfalls die Vereinbarkeit von intensivem Training mit einer Schwangerschaft [Bailey 1998; Bung 1991], wenn auch eine ständige medizinische Überwachung obligat ist.
Geeignete Sportarten
Sport:geeignete Sportarten in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx24Es ist zu empfehlen, bestimmte Sportarten nicht durchzuführen (Tab. 2.4) bzw. nur solche Sportarten aktiv auszuführen, an deren Bewegungsablauf die Schwangere gewöhnt ist.
Leichte bis moderate, rhythmische, regelmäßig ausgeübte aerobe Sportarten, die große Muskelgruppen beanspruchen, haben sich als vorteilhaft erwiesen.
Geeignete Sportarten:
  • Wandern.

  • Radfahren.

  • Laufen, Joggen, Nordic Walking.

  • Skifahren.

  • Schwimmen.

Sportarten, bei denen das eigene Körpergewicht nicht oder nur anteilig selbst getragen werden muss (z. B. Schwimmen und Radfahren), sind Sportarten mit stärkerer Belastung (z. B. Laufen, Aerobic) vorzuziehen, da bei letzteren Energieverbrauch und Gelenkbelastung deutlich erhöht sind.
Aquafit: Schwimmen bzw. Aquatic exercise gelten als ideale Sportarten. Positive Wirkungen:
  • Entspannend wohltuendes Milieu.

  • Gelenkschonender Charakter.

  • Verstärkte Diurese und Natriurese.

  • Thermoregulatorische Vorteile bei Wassertemperaturen von 28–30 C. Cave: Lange Aufenthalte in heißem Wasser (z. B. Whirlpool) vermeiden.

  • Keine Maximalbelastung.

  • Prävention von Ödemen.

Durch den hydrostatischen Druck, der proportional zur Tiefe des eintauchenden Körpers ist, lässt sich extravasales Wasser in die Gefäße mobilisieren und somit das zirkulierende Blutvolumen steigern [Hartmann 2002] verstärkte Diurese und Natriurese therapeutische und präventive Reduktion von Ödemen, zudem unterstützt die leichte körperliche Belastung die Reduktion der Ödemneigung (z. B. Aquajogging).
Das häufige Vorurteil wegen einer Infektion dürfte hinfällig sein, da beim Schwimmen oder Baden normalerweise kein Wasser in die Scheide gelangt.
Wenig geeignete oder nicht geeignete Sportarten oder Intensitäten
Sauna: Ungefährlich bei Temperaturen 100 C und der Aufenthaltsdauer 10–20 Min. (Anstieg der Körpertemperatur lediglich um 1 C).
Von Sportarten, bei denen ein Valsalva-Manöver ausgeübt wird, ist während der Schwangerschaft abzuraten (z. B. Gewichtstraining).

Therapeutische Effekte

Gestationsdiabetes
Gestationsdiabetes:Einfluss von SportB978-3-437-23751-5.10002-0#idx25Regelmäßige körperliche Aktivität bedeutet Prävention und Therapie des Gestationsdiabetes:
Durch Aktivierung großer Muskelgruppen erfolgen ein kontinuierliches Verbrennen des erhöhten Blutzuckers und damit eine verbesserte Glukoseutilisation und ein deutlicher Anstieg der zellulären Insulinsensitivität. Dadurch wird die Therapie des Gestationsdiabetes erleichtert bzw. seine Folgen (z. B. kindliche Makrosomie, erhöhte Sectiorate, erhöhte Schulterdystokierate, A 25.3) verhindert [Bung 1993b; Jovanovic 1989].
Analgetische Auswirkungen von Sport unter der Geburt
Kurzfristig kann physische Aktivität während der Geburt eine analgetische Wirkung haben: Eine prospektive Studie, die Frauen unter der Geburt einer körperlichen Belastung mit einem Stufentest unterwarf, zeigte subjektiv wie objektiv eine Schmerzreduktion auf dem Boden einer erhöhten -Endorphin-Ausschüttung [Hartmann 2003].

Kontraindikationen

Relative Kontraindikationen
Risiko-Nutzen-Abschätzung notwendig.
  • Anamnestische Risiken: Abort, Frühgeburt, Mangelentwicklungen und Blutungen.

  • Hypertonie.

  • Über- oder Untergewicht.

  • Schilddrüsenerkrankungen.

Absolute Kontraindikationen
  • Ökotrophologisch:

    • Anorexia nervosa.

    • Bulimie.

    • Extremes Über- oder Untergewicht (2.1.1).

  • Internistisch:

    • Herz-(Kreislauf-)Krankheiten (17.6).

    • Ausgeprägte Anämie (17.20.1).

    • Ausgeprägte Hypertonie (17.2).

    • Schwindel- und Ohnmachtsperioden.

    • Ausgeprägte Nierenkrankheiten (17.9).

    • Krampfneigungen.

  • Gynäkologisch:

    • Fetaler Disstress.

    • Vorzeitige Wehentätigkeit (21.1).

    • Blasensprung (22).

    • Hypotrophie des Fetus (14).

    • Plazentainsuffizienz (19).

    • Mehrlingsschwangerschaften (20).

    • Vaginale Blutungen (16).

Aktivitäts- und Belastungsempfehlungen

Je nach Intention und Ziel differieren die Empfehlungen zu Aktivität, Ziel und Intensität (Tab. 2.5).

Abbruch der körperlichen Aktivitäten

Symptome, bei denen der sofortige Abbruch der körperlichen Belastung notwendig ist:
  • Vaginale Blutungen.

  • Austritt von Fruchtwasser.

  • Retrosternale Schmerzen.

  • Plötzlicher Kopfschmerz oder Schwindel.

  • Übelkeit.

  • Unterleibsschmerzen.

  • Uteruskontraktionen.

Beratung

  • Reduzierung der Gefahr eines verminderten Sauerstoffangebots durch eine niedrige Belastungsintensität und das Einlegen von Pausen.

  • Vor, nach und während der Belastung auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.

  • Körperliche Aktivität, regelmäßiges Training und sportliche Ausübung stellen kaum zu überschätzende Bausteine für die Prävention von Schwangerschaftserkrankungen bis hin zur Therapie von Veränderungen und Stoffwechselstörungen dar.

Berufliche Einschränkungen

Berufliche Einschränkungen in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx26:subtopicDie beruflichen Gegebenheiten sind in gesetzlichen Bestimmungen (z. B. Mutterschutzgesetz, Arbeitsschutzgesetz) niedergelegt. Danach ist grundsätzlich der Arbeitsplatz derart zu gestalten, dass die (werdende) Mutter und das Ungeborene geschützt sind.
Verboten ist:
  • Generell Beschäftigung 6 Wochen vor der Entbindung.

  • Aussetzung von Strahlen (z. B. Röntgen) oder gefährlichen Stoffen (z. B. Narkosegase, Zytostatika).

  • Ausgeprägte Hitze, Kälte und Nässe oder ausgeprägte Lärmexposition (> 80 dBA).

  • Verboten, aber teils mit Ausnahmen belegt (z. B. im Gaststättengewerbe):

    • Regelmäßiges Heben > 5 kg.

    • Ständiges Stehen.

    • Mehr- und Nachtarbeit und Tätigkeiten an Sonn- und Feiertagen.

  • Generell Beschäftigung während des Wochenbettes.

Pflicht ist, eine Möglichkeit zum Stillen anzubieten.

Fliegen /Urlaubsreisen

Fliegen in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx27:subtopic

Zeitpunkt

Die günstigste Phase zum Reisen ist das 2. Trimenon, nach Abschluss der Organogenese und vor Auftreten der mechanischen Probleme der Spätschwangerschaft.

Fliegen

Bei problemlosem Verlauf kann (bis zur 36. SSW) geflogen werden. Es besteht kein Risiko einer höhenbedingten Hypoxie oder einer kosmischen Strahlenbelastung.
Lediglich bei beruflicher Exposition kann die sog. mittlere Jahresdosis der terrestrischen Strahlung verdoppelt werden. Deshalb haben zahlreiche Fluggesellschaften die berufsmäßige Aktivität von Schwangeren an Bord untersagt.
Wegen der beiden genannten Risiken sollte in der kritischen Phase der Hirnentwicklung zwischen der 8.–15. SSW möglichst auf das Fliegen verzichtet werden.
Einem (durch die schwangerschaftsspezifischen Veränderungen des Gerinnungssystems) erhöhten Thromboserisiko sollte durch ständige Mobilisierung und/oder Stützstrümpfe begegnet werden.
Folgende (Risiko-)Gruppen sollten Fliegen vermeiden: Frauen mit
  • Habituellen Aborten (10).

  • Plazentainsuffizienz (19).

  • Anämie (17.20.1).

  • Präeklampsie (17.2).

  • Vorzeitigen Wehen (21.1).

  • Chronischen Herz-Lungen-Erkrankungen.

Einschränkungen sind bei chronischer Höhenexposition hinsichtlich der Fertilität und der Aborthäufigkeit beschrieben. Bei akuter Exposition auf Folgendes hinweisen:
  • Vermeidung von Höhen über 3.000 m, von körperlicher bzw. sportlicher Aktivität über 2.500 m, bei intensiver Ausübung bereits über 2.000 m.

  • Einschränkung der Kompensationsmechanismen durch Zusatzrisiken wie Nikotinabusus oder Präeklampsie (17.2).

Bei Reisen in ferne und exotische Länder können spezifische Probleme durch Impfungen und Umstellungen wie plötzliche Temperaturwechsel oder Jetlag entstehen.

Autofahrten

Autofahrten sind nicht nachteilig; lediglich bei längeren Fahrten steigen die Risiken durch Immobilisierung.
Schäden durch (vorschriftsmäßiges) Anlegen des Gurtes sind nicht bekannt.

Zahnprobleme/Amalgam

AmalgamB978-3-437-23751-5.10002-0#idx28:subtopicZur Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft sollte ein zahnärztlicher Check gehören. Dabei sollten chronische Parodontitiden ebenso ausgeschlossen wie die Notwendigkeit einer ausreichenden Calciumaufnahme unterstrichen werden.

Wegen des möglichen Risikos einer fetalen Schädigung durch Quecksilberexposition verbietet sich die Entfernung oder Neueinlage von Amalgam.

Geschlechtsverkehr

Geschlechtsverkehr:in der SchwangerschaftB978-3-437-23751-5.10002-0#idx29Die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs nimmt mit zunehmender Schwangerschaft ab; dies ergibt sich zunächst aus einem nachlassenden sexuellen Bedürfnis, sodann auch aus dem zunehmenden Körperumfang der Graviden.
Erst nach Abschluss des Wochenbettes steigt das Bedürfnis wieder, die Frequenz des Koitus wird aber durch die veränderte Situation (z. B. neue Rolle als Eltern, Schlafmangel) beeinträchtigt.
Zu den (potenziellen) Risiken oder Auswirkungen zählen die erhöhte uterine Aktivität nach dem Koitus, die passagere Veränderung der kindlichen Herzfrequenz und die Möglichkeit einer vaginalen Infektion mit der Folge eines vorzeitigen Blasensprungs.

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