© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-22205-4.00007-7

10.1016/B978-3-437-22205-4.00007-7

978-3-437-22205-4

Analgetika in Schwangerschaft und StillzeitAnalgetikaSchwangersch./Stillz.

Tab. 7.1
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Acetylsalicylsäure Aspirin® Keine hoch dosierte Langzeitther., keine Einnahme ante partum o. präop. Gelegentliche Einnahme unbedenklich
Atropin Atropinsulfat Braun® Bei Anwendung in der Frühschwangerschaft leicht erhöhte Fehlbildungsrate Keine Bedenken, Laktationshemmung
Codein In verschiedenen Schmerz- u. Hustenmitteln Atemdepression, Entzugserscheinungen beim NG KI, in Muttermilch doppelte Plasmakonz.
Ergotamin In diversen Migränepräparaten KI, Abortgefahr im 1. Trim. KI
Ibuprofen Urem forte® Im 1. u. 2. Trim. Mittel der Wahl, im 3. Trim. vorzeitiger Verschluss des Ductus Botalli Kaum Übertritt in die Muttermilch, wahrscheinlich unbedenklich
N-Butylscopolamin Buscopan® Strenge Ind.-Stellung, Veränderung der fetalen Herzfrequenz möglich Strenge Ind.-Stellung, auf anticholinerge Symptome beim NG achten
Metamizol Novalgin® Mögliche NW auf Hämatopoese, evtl. vorzeitiger Verschluss des Ductus Botalli, vermehrt Wilms-Tumoren Strenge Ind.-Stellung
Morphin MST- o. MSR-Mundipharma® Atemdepression, Entzugserscheinungen Konz. in Muttermilch u. Plasma gleich hoch, Kumulation möglich
Paracetamol ben-u-ron® Im 1. u. 2. Trim. Mittel der Wahl In niedriger Dosis unbedenklich
Pentazocin Fortral® Bei subpartaler Gabe Atemdepression möglich Einmalige Gabe unbedenklich, bei wiederholter Gabe Kumulationsgefahr
Pethidin Dolantin® → Pentazocin → Pentazocin
Phenylbutazon Ambene® KI. Pulmonale Hypertonie u. Anurie, im 3. Trim. vorzeitiger Verschluss des Ductus Botalli Vom Stillen ist abzuraten
Piritramid Dipidolor® Bei subpartaler Gabe Atemdepression möglich Einmalige Gabe unbedenklich, bei wiederholter Gabe Kumulationsgefahr
Piroxicam Pirobeta® KI. Pulmonale Hypertonie u. Anurie, im 3. Trim. vorzeitiger Verschluss des Verordnung Botalli Vom Stillen ist abzuraten
Tramadol Tramal® Anwendung in Grav. möglich. Bei subpartaler Gabe Atemdepression möglich Einmalige Gabe unbedenklich, bei wiederholter Gabe Kumulationsgefahr

Anthelminthika in Schwangerschaft und StillzeitAnthelminthika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.2
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Mebendazol Vermox® Keine Teratogenität Keine Bedenken
Niclosamid Yomesan® Keine Teratogenität
Pyrantel Helmex® Wird zu 15 % resorbiert, in der Grav. relativ kontraindiziert Strenge Ind.-Stellung
Praziquantel Cesol® Zurückhaltung in der Schwangerschaft, v. a. im 1. Trim. Gefährdung des Sgl. bei sehr kurzer Ther. nicht anzunehmen

Antiallergika in Schwangerschaft und StillzeitAntiallergika, Schwangersch./Stillz.Antihistaminika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.3
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Azelastin Allergodil® Embryo- o. fetotoxischer Effekt unwahrscheinlich, bei systemischer Anwendung besser Loratadin o. Cetrizin Bei längerer Anwendung Sedierung beim Sgl.
Bamipin Soventol® Keine Bedenken Keine Bedenken
Cetirizin Zyrtec® Keine Bedenken Keine Bedenken. Bei längerer Anwendung Sedierung beim Sgl.
Chlorphenoxamin Systral® Keine Bedenken bei kurzzeitiger lokaler Anwendung Bei längerer Anwendung Sedierung beim Sgl., Plasma-HWZ beim Sgl. etwa 100 h
Clemastin Tavegil® Bei Tier u. Mensch kein embryotoxisches o. teratogenes Risiko Substanz geht in Muttermilch über, Sedierung u. Unruhe beim Sgl.
Dimetinden Fenistil® Kein embryotoxisches Risiko bekannt, besser Loratadin o. Cetirizin → Clemastin
Loratadin Loraderm® Kein embryotoxisches Risiko bekannt → Clemastin, zudem Mundtrockenheit u. Tachykardien
Mizolastin Zolim® Spärliche Datenlage, besser Loratadin o. Cetirizin → Clemastin

Antidiabetika in Schwangerschaft und StillzeitAntidiabetika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.4
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Acarbose Glucobay® KI Keine exakten Untersuchungsergebnisse
Dapagliflozin Forxiga® KI KI, geht in die Muttermilch über
Glibenclamid Maninil® KI Keine exakten Untersuchungsergebnisse
Gliclazid Diamicron Uno® Keine ausreichende Erfahrung beim Menschen
Glimepirid Amaryl®
Gliquidon Glurenorm® Keine ausreichende Erfahrung beim Menschen
Metformin Glucophage® Keine kindlichen Hypoglykämien bekannt, Stillen theoretisch möglich
Nateglinid Starlix® Keine ausreichende Erfahrung beim Menschen
Pioglitazon Actos®
Repaglidine Novo Norm®
Insuline Mittel der Wahl Keine Bedenken, BZ-Kontrollen

Antiemetika in Schwangerschaft und StillzeitAntiemetika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.5
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Dimenhydrinat Vomex A® Keine Bedenken Keine Bedenken
Meclocin Agyrax®
Metoclopramid Paspertin® Strenge Ind.-Stellung, Methämoglobinbildung beim NG u. FG möglich KI
Ondansetron Zofran® Strenge Ind.-Stellung, keine embryotoxische Wirkung Strenge Ind.-Stellung
Granisetron Kevatril®

Antikonvulsiva in Schwangerschaft und StillzeitAntikonvulsiva, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.6
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Carbamazepin Tegretal® In der Grav. als weniger teratogene Substanzen anwendbar Müdigkeit u. Trinkschwäche beim Sgl. möglich. Serumkontrolle bei Mutter u. Kind. Kinder in der Stillphase gut beobachten
Clonazepam Rivotril®
Ethosuximid Petnidan®
Phenytoin Phenhydan® Bei etwa 10 % d. F. Fehlbildungssy. (Hydantoin-Sy.)
KI
Serumkontrolle bei Mutter u. Kind. Kinder in der Stillphase gut beobachten
Mesuximid Petinutin® Zwischen 20. u. 40. Schwangerschaftstag möglichst niedrig dosieren, keine Komb. mit Phenobarbital Müdigkeit u. Trinkschwäche beim Sgl. möglich. Serumkontrolle bei Mutter u. Kind. Kinder in der Stillphase gut beobachten
Phenobarbital Luminal®
Primidon Mylepsinum®
Valproinsäure Leptilan® KI KI

Antihypertensiva in Schwangerschaft und StillzeitAntihypertensiva, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.7
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Acebutolol Tredalat® Hochdruckther. in der Grav., bei Langzeitgabe Wachstumsretardierung, neonatale Hypoglykämie, Herzfrequenzsenkung beim NG möglich KI
α-Methyldopa Presinol® Keine Bedenken. Mittel der 1. Wahl in der Grav. Keine Bedenken
Clonidin Catapresan® Teratogenität nicht bekannt, strenge Ind.-Stellung im 1. Trim., Reservemedikation in der Grav.
Diazoxid Proglicem® Nur im Notfall anzuwenden KI
Dihydralazin Nepresol® Keine Bedenken. Mittel der 1. Wahl in der Grav. Keine Bedenken
Metoprolol Beloc® Mittel der 1. Wahl in der Grav., bei Langzeitgabe Wachstumsretardierung, neonatale Hypoglykämie, Herzfrequenzsenkung beim NG möglich Schädigungen beim Sgl. nicht bekannt. Auf Kreislauf-KO u. Hypoglykämien beim NG achten
Nifedipin Adalat® Nur zur Gestosether. KI
Propranolol Dociton® Hochdruckther. in der Grav., bei Langzeitgabe Wachstumsretardierung, neonatale Hypoglykämie, Herzfrequenzsenkung beim NG möglich Schädigungen beim Sgl. nicht bekannt. Auf Kreislauf-KO u. Hypoglykämien beim NG achten
Rauwolfia-Alkaloide Briserin® Bei Anwendung im letzten Trim. nasale Hypersekretion, Lethargie u. Atemdepression des NG möglich KI
Urapidil Ebrantil® Nur zur Gestosether. Strenge Ind.-Stellung
ACE-Hemmer
Captopril
Enalpril
Fosinopril
Lisinopril
Captobeta ®
Xanef ®
Dynacil ®
Acercomp ®
Acerbon ®
KI Vermeiden

Antihypotonika in Schwangerschaft und StillzeitAntihypotonika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.8
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Dihydroergotamin Dihydergot® Nur bei Migräne o. erheblicher Hypotonie, uterine Minderperfusion nicht auszuschließen Keine Bedenken bei niedriger Dosierung
Etilefrin Effortil® Keine Bedenken bei niedriger Dosierung
Midodrin Gutron®
D-Kampfer Korovit® Keine Bedenken Keine Bedenken

Antikoagulanzien in Schwangerschaft und Stillzeit (Tab. 1.1) AntikoagulanzienSchwangersch./Stillz.

Tab. 7.9
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Cumarine
Phenprocoumon Marcumar® KI Beurteilungen uneinheitlich, Blutungen beim NG möglich
Warfarin Coumadin®
Heparine
Heparin-Natrium Liquemin N® Mittel der Wahl Keine Bedenken
Certoparin Mono-Embolex® Kein teratogenes o. embryotoxisches Risiko
Dalteparin Fragmin P® Keine Bedenken
Enoxaparin Clexane®
Nadroparin Fraxiparin® Kein teratogenes o. embryotoxisches Risiko
Reviparin Clivarin®
Tinzaparin Innohep® Keine Bedenken

Antimykotika in Schwangerschaft und StillzeitAntimykotika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.10
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Amphotericin B AmphoMoronal® Systemische Ther. kontraindiziert Systemische Ther. kontraindiziert
Fluconazol Diflucan® Strenge Ind.-Stellung, im 1. Trim. kontraindiziert Bei zwingender Ind. Stillen möglich
Flucytosin Acontil® Strenge Ind.-Stellung, im 1. Trim. kontraindiziert KI
Griseofulvin Griseo-CT® KI
Ketoconazol Nizoral®
Miconazol Daktar® Mittel der Wahl in der Grav. Bei lokaler Behandlung keine Bedenken
Nystatin Moronal® Mittel der Wahl in der Grav. Keine Bedenken

Antiphlogistika in Schwangerschaft und StillzeitAntiphlogistika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.11
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Aescin Reparil® Strenge Ind.-Stellung; im 3. Trim. kontraindiziert (vorzeitiger Verschluss des Ductus Botalli, NG-Hämorrhagien) Falls indiziert, in der Stillzeit besser Ibuprofen
Diclofenac Voltaren®
Phenbutazon Ambene®
Bromelain traumanase® Keine Bedenken Keine Bedenken

Antitussiva und Bronchospasmolytika in Schwangerschaft und StillzeitAntitussiva, Schwangersch./Stillz.Bronchospasmolytika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.12
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Acetylcystein Fluimucil® Keine Bedenken Keine Bedenken
Ambroxol Mucosolvan® Keine Bedenken, strenge Ind.-Stellung im 1. Trim.
Bromhexin Bisolvon® Keine Bedenken
Clenbuterol Spiropent® Keine Bedenken, tokolytisch wirksam Keine exakten Daten
Codeinderivate Codicaps® Strenge Ind.-Stellung, sub partu atemdepressiv Substanz geht in die Muttermilch über, bei zwingender Ind. Stillen möglich
Dextromethorphan Hustenstiller® ratiopharm Kurzzeitige Gabe möglich Kurzzeitige Gabe möglich
Fenoterol Berotec® Keine Bedenken, tokolytisch wirksam Keine Bedenken, Sgl. gut überwachen
Orciprenalin Alupent® Tokolytisch wirksam, im 1. Trim. kontraindiziert
Pflanzliche Extrakte In zahlreichen Expektoranzien Keine Bedenken Keine Bedenken
Salbutamol Sultanol® Strenge Ind.-Stellung, tokolytisch wirksam Kumulation, vom Stillen ist abzuraten
Terbutalin Bricanyl® Keine Bedenken, tokolytisch wirksam Bei Überdosierung kindliche Unruhe u. Tachykardie
Theophyllin Broncho-Euphyllin® Mittel der 2. Wahl Stillen möglich

Kortikoide und Sexualhormone in Schwangerschaft und StillzeitSexualhormone, Schwangersch./Stillz.Kortikosteroide, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.13
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Androgene KI KI
Kortikoide Geringes Risiko von Spaltbildung u. a. Fehlbildungen bei höherer Dauerdosierung Kurzfristige Gaben in mittlerer Dosis kein Stillhindernis
Gestagene (Ind. u. Dosierung 18.4)
Chlormadinonacetat Belara® In niedriger Dosierung keine feminisierende Wirkung Schädigungen beim Sgl. bisher nicht bekannt, möglichst vermeiden
Cyproteronacetat Diane®, Androcur® KI KI
Dydrogesteron Duphaston® Keine Bedenken Bei niedriger, kurzfristiger Dosierung kein Stillhindernis
Progesteron Utrogest® Bei Corpus-luteum-Insuff. u. vorzeitige Wehen
Medroxyprogesteronacetat MPA Gyn®, Depot-Clinivir® KI, bei niedriger Dosierung keine erhöhte Fehlbildungsrate Strenge Ind.-Stellung, bei niedriger, kurzfristiger Dosierung kein Stillhindernis
Östrogene (Ind. u. Dosierung 18.4) Keine erhöhte Fehlbildungsrate
Ovulationshemmer (Ind. u. Dosierung 18.4) Für komb. OH keine erhöhte Fehlbildungsrate Keine Bedenken bei niedrig dosierten OH o. Minipille

Dermatika in Schwangerschaft und StillzeitDermatika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.14
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Aciclovir Zovirax® Kurzfristige Anwendung möglich bei strenger Ind. (7.24) Strenge Ind.-Stellung bei systemischer Ther., bei lokaler Anwendung keine Bedenken
Tromantadin Viru-Merz® Strenge Ind.-Stellung, im Tierversuch nicht embryotoxisch

Diuretika in Schwangerschaft und StillzeitDiuretika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.15
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Acetazolamid Diamox® Strenge Ind.-Stellung, Therapie nur bei fehlenden Alternativen Keine Bedenken, Dehydratationsrisiko
Amilorid Diaphal® Nur indiziert, wenn kaliumsparendes Diuretikum erforderlich KI
Chlortalidon Hygroton® Strenge Ind.-Stellung
Furosemid Lasix® Mittel der 2. Wahl Keine Bedenken, Dehydratationsrisiko
Hydrochlorothiazid Esidrix® Mittel der 1. Wahl
Spironolacton Aldactone® KI
Triamteren Dytide® KI Ernste Schädigungen beim Sgl. nicht bekannt, Dehydratationsrisiko

Laxanzien in Schwangerschaft und StillzeitLaxanzien, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.16
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft und Stillzeit
Pflanzliche Laxanzien
Aloe Kneipp-Abführ Drg. N® KI
Rizinusöl Rizinuskapseln®
Glycerol Glycilax® Mittel der Wahl
Laktulose Bifiteral®
Quellmittel
Leinsamen Keine Bedenken
Chemisch definierte Laxanzien
Bisacodyl Dulcolax® Keine Bedenken
Natriumpicosulfat Laxoberal® Strenge Ind.-Stellung, KI im 1. Trim. u. Stillzeit
Sorbit Microklist® Keine Bedenken

Magen-Darm-Mittel in Schwangerschaft und StillzeitMagen-Darm-Mittel, Schwangersch./Stillz.UlkusmittelKarminativa, Schwangersch./Stillz. GastritismittelAntidiarrhoika, Schwangersch./Stillz.Antazida, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.17
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Antidiarrhoika
Atropinsulfat Dysurgal® Falls indiziert, Anwendung in der Grav. möglich. Anstieg der kindlichen HF möglich, sub partu evtl. Maskierung einer fetalen Hypoxie Substanz geht in die Muttermilch über, Schäden beim Sgl. bisher nicht bekannt, Laktationshemmung
Colipräparate Colibiogen® Keine Bedenken Keine Bedenken
Kohle Kohle-Kompretten®
Loperamid Imodium® Mittel der Wahl, keine Langzeittherapie Strenge Ind.-Stellung
Milchsäurebildner Hylak plus acidophilus® Keine Bedenken Keine Bedenken
Pektin Diarrhoesan®
Pflanzliche Adsorbenzien Aplona®
Tannin Tannalbin®
Antazida
Hydrotalcit Talcit® Keine Bedenken Keine Bedenken
Salze (Al, Bi, Mg, Ca, P) Maaloxan®
Magaldrat Riopan®
Enzympräparate
Protease, Lipase, Amylase, Trypsin, Pankreatin etc. Nortase® Keine Bedenken, keine aloehaltigen Kombinationspräparate! Keine Bedenken
Gastritis- und Ulkusmittel
Cimetidin Cimetidin acis® Strenge Ind.-Stellung, antiandrogene Wirkung möglich Möglichst vermeiden, besser Famotidin
Famotidin FADUL® Besser Ranitidin Mittel der 1. Wahl
Methanthelinbromid Vagantin® Strenge Ind.-Stellung Strenge Ind.-Stellung, Hemmung der Laktation
Metoclopramid Paspertin® Mittel der Wahl, Methämoglobinbildung bei NG u. FG möglich KI
Pantoprazol Gastrozol® Besser Omeprazol Keine Bedenken
Omeprazol Antra® Mittel der 1. Wahl Keine Bedenken
Ranitidin Ranitidin ratiopharm® Mittel der 1. Wahl Besser Omeprazol o. Pantoprazol
Karminativa
Dimeticon Lefax® Keine Bedenken Keine Bedenken
Pflanzliche Karminativa Carminativum®
Salzsäure Enzynorm®

Mund- und Rachentherapeutika in Schwangerschaft und StillzeitRachentherapeutika, Schwangersch./Stillz.Mundtherapeutika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.18
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Adstringenzien
Aluminiumchlorat Mallebrin® Keine Bedenken Keine Bedenken
Ätherische Öle
Anis-, Kampfer-, Pfefferminz-, Eukalyptusöl etc. Salviathymol N® Keine Bedenken Keine Bedenken
Desinfizienzien
Chlorhexidin Chlorhexidindigluconat® Lsg. Keine Bedenken Keine Bedenken
Hexidin Hexoral®
Polyvidonjod Betaisodona®-Lsg. Strenge Ind.-Stellung, nicht schlucken!

Psychopharmaka in Schwangerschaft und StillzeitPsychopharmaka, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.19
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Antidepressiva
Amitriptylin Saroten® Mittel der 1. Wahl Mittel der 1. Wahl, Sgl. gut überwachen
Clomipramin Anafranil® Besser Sertralin o. Citalopram Präparat geht in die Muttermilch über, Schädigungen beim Sgl. bisher nicht bekannt
Imipramin Tofranil® Besser Sertralin o. Citalopram
Lithiumcarbonat Lithium-Apogepha® In den ersten 4 Schwangerschaftsmon. u. sub partu kontraindiziert, Herzfehlbildungen KI
Tranquillanzien, Hypnotika
Bromazepam Lexotanil® Besser Diazepam o. Lorazepam In höherer Dosierung o. bei Langzeitther. kontraindiziert
Chlordiazepoxid Librium®
Diazepam Valium® Nur zur Kurzzeittherapie
Lorazepam Tavor®
Oxazepam Adumbran®
Neuroleptika (Butyrophenone, Phenothiazine)
Haloperidol Haldol® Strenge Ind.-Stellung Strenge Ind.-Stellung, Sgl. gut überwachen
Levomepromazin Levopromazin-neuraxpharml® Im 1. Trim. insgesamt schwache Assoziationen mit kardiovaskulären Fehlbildungen möglich, Promethazin Mittel der 1. Wahl KI, Neigung zur Kumulation
Perphenazin Perphenazin-neuraxpharm®
Promethazin Promethazin-neuraxpharm®
Fluoxetin Fluctin® Besser Sertralin u. Citalopram Strenge Ind.-Stellung, Sgl. gut überwachen
Paroxetin ParoLich® Strenge Ind.-Stellung, abruptes Absetzen vermeiden
Sertralin Sertra® Mittel der Wahl Mittel der 1. Wahl
Citalopram Cipramil® Mittel der Wahl Mittel der 1. Wahl
Fluvoxamin Fevarin® Besser Sertralin u. Citalopram Strenge Ind.-Stellung, Sgl. gut überwachen

Rhinologika in Schwangerschaft und StillzeitRhinologika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.20
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Systemische Therapie
Carbinoxamin Rhinopront® Strenge Ind.-Stellung, besser Loratadin Strenge Ind.-Stellung
Dimetinden Vibrocil® Substanz geht in die Muttermilch über, Schädigungen beim Sgl. nicht bekannt
Loratadin Lora Adgc® Mittel der 1. Wahl Mittel der 1. Wahl
Lokale Therapie
Oxymetazolin Nasivin® Keine Bedenken Keine Bedenken
Xylometazol Olynth®

Schilddrüsentherapeutika in Schwangerschaft und StillzeitSchilddrüsentherapeutika, Schwangersch./Stillz.

Tab. 7.21
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Schilddrüsenhormone
Levothyroxin Euthyrox® Genaue Dosisüberwachung in der Grav. Keine Bedenken (physiol. Substanz)
Jod Jodetten® Zur Prophylaxe 200 µg/d empfohlen
Thyreostatika
Carbimazol Carbimazol-Henning® Plazentagängig, möglichst niedrige Dosierung Hohe Dosen sind KI
Perchlorat Irenat® KI
Thyreostatika
Thiamazol Favistan® Möglichst niedrige Dosierung
Thiouracil Propycil® Mittel der Wahl Geringe Ausscheidung über die Muttermilch, kein absolutes Stillverbot

HI-Virostatika in Schwangerschaft und StillzeitVirostatika, Schwangersch./Stillz.NNRTI (nichtnukleosidale Retrotranskriptasehemmer)ProteaseinhibitorenNukleosidanaloga

Tab. 7.22
Freiname Handelsname (Beispiel) Schwangerschaft Stillzeit
Nukleosidanaloga (NRTI)
Zidovudin Retrovir® Mittel der Wahl NG von HIV-infizierten Müttern sollten nicht gestillt werden
Lamivudin Epivir® Strenge Ind.-Stellung, Teratogenität nicht bekannt
Stavudin Zerit®
Didanosin Videx®
Abacavir Ziagen®
Nichtnukleosidale Retrotranskriptasehemmer (NNRTI)
Nevirapin Viramune® Strenge Ind.-Stellung, hepatotoxisch, Frühgeburtlichkeit, Resistenzentwicklung NG von HIV-infizierten Müttern sollten nicht gestillt werden
Etravirin Intelence®
Evavirenz Sustiva®
Proteaseinhibitoren
Indinavir Crixivan® Strenge Ind.-Stellung, hepatotoxisch, nephrotoxisch NG von HIV-infizierten Müttern sollten nicht gestillt werden
Ritonavir Norvir®
Saquinavir Invirase®
Fosamprenavir Telzir® Strenge Ind.-Stellung
Atazanavir Reyataz®
Darunavir Prezista®
Lopinavir Kaletra® KI

Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit

Joachim Steller

  • 7.1

    Vorbemerkungen234

  • 7.2

    Analgetika, Antipyretika, Spasmolytika234

  • 7.3

    Anthelminthika236

  • 7.4

    Antiallergika237

  • 7.5

    Antibiotika238

  • 7.6

    Antidiabetika239

  • 7.7

    Antiemetika240

  • 7.8

    Antikonvulsiva240

  • 7.9

    Antihypertensiva241

  • 7.10

    Antihypotonika243

  • 7.11

    Antikoagulanzien244

  • 7.12

    Antimykotika245

  • 7.13

    Antiphlogistika246

  • 7.14

    Antitussiva, Bronchospasmolytika246

  • 7.15

    Kortikoide, Sexualhormone248

  • 7.16

    Dermatika249

  • 7.17

    Diuretika249

  • 7.18

    Laxanzien250

  • 7.19

    Magen-Darm-Mittel251

  • 7.20

    Mund- und Rachentherapeutika253

  • 7.21

    Psychopharmaka254

  • 7.22

    Rhinologika256

  • 7.23

    Schilddrüsentherapeutika256

  • 7.24

    Virostatika257

  • 7.25

    Zytostatika258

Vorbemerkungen

  • SchwangerschaftMedikamenteMehr als 70 % aller Schwangeren nehmen im 1. Schwangerschaftsdrittel Medikamente ein.

  • Fast alle Substanzen passieren die Plazenta bzw. gehen in die Muttermilch über.

  • In Schwangerschaft u. StillzeitMedikamenteStillzeit Arzneimittel grundsätzlich nur bei strenger Ind. unter Berücksichtigung des Risikos für Mutter u. Kind verordnen.

  • Arzneimitteldosierung so niedrig wie möglich halten.

  • Monother. anstreben. Bewährte statt neuartige Wirkstoffe verordnen.

  • Verschiedene Substanzen, die beim Menschen Anwendung als Arzneimittel finden, sind im Tierversuch embryotoxisch o. fetotoxisch. In vielen Fällen ist unklar, ob diese Wirkstoffe beim Menschen die gleichen Wirkungen entfalten.

  • Kaum ein Medikament – in ther. Dosen eingenommen – rechtfertigt den Abbruch einer gewünschten intakten Schwangerschaft.

  • Im Einzelfall können zusätzlich nichtinvasive feindiagn. Maßnahmen hilfreich sein.

Medikamente der 1. Wahl in der Schwangerschaft

  • Antibiotika: Penicillin, Cephalosporine, Erythromycin, Metronidazol

  • Malaria-Prophylaxe: Chloroquin, Proguanil

  • Analgetika, Antiphlogistika: Paracetamol, Ibuprofen (cave: im letzten Trim.)

  • Antiasthmatika: Salbutamol, Glukokortikoide, Cromoglycinsäure, Theophyllin

  • Antitussiva: Dextromethorphan, Codein, Bromhexin, Acetylcystein, Ambroxol

  • Antihistaminika: Clemastin, Dimetinden, Mebhydrolin, Pheniramin

  • Antiemetika: Meclozin, Metoclopramid

  • Psychopharmaka: Phenothiazine, trizyklische Antidepressiva, Diphenhydramin, Citalopram, Sertralin

  • Antimykotika: Nystatin, Clotrimazol

Analgetika, Antipyretika, Spasmolytika

Gesicherte Hinweise auf Teratogenität liegen nicht vor. AnalgetikaSchwangersch./Stillz.Antipyretika, Schwangersch./Stillz.SpasmolytikaSchwangersch./Stillz.
SchwangerschaftTab. 7.1.
  • SalicylateSalicylate: hemmen in höherer Dosis (> 500 mg) die Prostaglandinsynthese u. führen zu einer Senkung des fetalen Prostaglandinspiegels. Mögliche Folge: vorzeitiger Verschluss des Ductus Botalli. Langzeitther. in hoher Dosis kann eine hämorrhagische Diathese bei Mutter u. Kind bedingen. Wegen einer möglichen Wehenhemmung im letzten Schwangerschaftsdrittel in höherer Dosierung kontraindiziert

  • ParacetamolParacetamol: in der Schwangerschaft Mittel der Wahl. Wirkt analgetisch u. antipyretisch u. ist nicht embryotoxisch

  • Nichtsteroidale AntiphlogistikaNSAR (nichtsteroidale Antiphlogistika/-rheumatika)Schwangersch./Stillz. (z. B. Ibuprofen): sind bei längerer antiphlogistischer Ther. zu bevorzugen. Cave: vorzeitiger Verschluss des Ductus Botalli ab 28. SSW

  • Tramadol: bei entsprechender Ind. Verwendung in der gesamten Grav. möglich

  • Metamizol, Phenazon, Propyphenazon u. Mischpräparate: sind in der Grav. zu meiden

  • Phenylbutazon: hemmt in höherer Dosis die Prostaglandinsynthese → im letzten Schwangerschaftsmon. meiden

Alle stark wirksamen Analgetika können bei subpartaler Anwendung eine Atemdepression beim NG verursachen. Längere pränatale Anwendung z. B. von Morphin u. Codein führt zu Entzugserscheinungen bei Mutter u. Kind.
StillzeitTab. 7.1.
  • ASS: Eine gelegentliche Einnahme während der Stillzeit ist für den Sgl. unbedenklich.

  • Paracetamol: sollte bei der stillenden Mutter wegen der herabgesetzten Leberfunktion des Sgl. nur gelegentlich u. in niedriger Dosierung eingesetzt werden.

  • Opiate: Wiederholte Gaben von Morphin, Codein, Pethidin u. Methadon können beim Sgl. rasch kumulieren.

Anthelminthika

Tab. 7.2. Anthelminthika, Schwangersch./Stillz.
  • Mebendazol: in hoher Dosierung bei der Ratte teratogen. Bei anderen Tierspezies u. beim Menschen bisher keine Hinweise auf erhöhte Fehlbildungsrate

  • Pyrantel: auch in sehr hoher Dosierung in Tierversuchen nicht fruchtschädigend, Erfahrungen beim Menschen liegen allerdings nicht vor

  • Niclosamid: wird vom GIT nicht resorbiert, daher keine KI

  • Praziquantel: wird rasch resorbiert. Teratogene NW bisher nicht bekannt, dennoch wird in der Schwangerschaft (v. a. im 1. Trim.) Zurückhaltung empfohlen. Es wurden nachweisbare Muttermilchkonz. gefunden, eine Gefährdung des Sgl. ist bei kurzzeitiger Ther. nicht anzunehmen

Antiallergika

Antiallergika, Schwangersch./Stillz.Antihistaminika haben sich bei der Behandlung allergischer Symptome als nicht teratogen erwiesen (Tab. 7.3). In der Grav. sind H1-AntihistaminikaAntihistaminika, Schwangersch./Stillz. wie Clemastin u. Dimetinden neueren Präparaten vorzuziehen. Chlorphenoxamin geht in die Muttermilch über, die Plasma-HWZ beim Sgl. liegt bei 100 h.

Antibiotika

SchwangerschaftAntibiotikaSchwangersch./Stillz.
Zur Behandlung von bakt. Inf. in der Grav. u. Stillzeit sind unter den β-Lactam-Antibiotika die Penicilline u. Cephalosporine am besten untersucht. Als Alternative stehen Makrolide (z. B. Erythromycin) zur Verfügung.
  • Aminoglykoside: in der Schwangerschaft kontraindiziert. Neben verschiedenen Skelettschädigungen können sie nephro- u. ototoxische Wirkungen aufweisen.

  • Amoxicillin/Clavulansäure: Ther. der Wahl bei bakt. Inf. in der Grav., kein Abstillen erforderlich.

  • Cephalosporine: gehören in der Grav. zu den Antibiotika der 1. Wahl, ältere Cephalosporine sind zu bevorzugen.

  • Erythromycin: in der Grav. unbedenklich.

  • Penicilline: gehören in der Grav. zu den Substanzen der 1. Wahl.

  • Lincomycin u. Thiamphenicol: sind in der Schwangerschaft unbedenklich, embryotoxische Wirkungen sind nicht bekannt.

  • Tetrazykline: lagern sich in den entwickelnden Röhrenknochen u. Zähnen des Feten ab u. sind in der Grav. nicht anzuwenden.

StillzeitAuch bei stillenden Müttern können bei einigen Antibiotika Schädigungen für das Kind nicht ausgeschlossen werden. Neben dem Übertritt der Substanzen in den kindlichen Organismus ist daran zu denken, dass bereits kleine Antibiotikamengen die Darmflora des Kindes stören, Resistenzen erzeugen u. zu einer Sensibilisierung führen können.
  • Aminoglykoside: kaum gefährlich für den kindlichen Organismus, sie erscheinen nur in Spuren in der Muttermilch.

  • Ampicillin, Amoxicillin: Sensibilisierung, auch wenn die Konz. in der Muttermilch eher gering sind.

  • Cephalosporine: werden in unterschiedlichen Konz. in die Muttermilch ausgeschieden.

    • Cefadroxil u. Cefalotin: liegen in eher höheren Konz. in der Muttermilch vor.

    • Cefoxitin u. Cefroxadin: treten kaum in die Muttermilch über.

  • Tetrazykline: Eine längerfristige Gabe während der Stillzeit ist auf jeden Fall zu vermeiden.

  • Erythromycin: hoch dosierte i. v. Ther. in der Stillzeit kontraindiziert (Gefahr des Kernikterus!).

Kontraindizierte Antibiotika

  • Chloramphenicol während Grav. u. Stillzeit keinesfalls geben.

  • Tetrazykline sind in der Grav. kontraindiziert.

  • Sulfonamide u. Trimethoprim sollten wegen der hohen Konz. in der Muttermilch nicht in der Stillzeit eingesetzt werden.

Antidiabetika

Antidiabetika, Schwangersch./Stillz.Die teratogene Wirkung oraler Antidiabetika ist zwar nur im Tierversuch bewiesen, trotzdem gilt es als obligat, diab. Pat. vor Beginn der Schwangerschaft bzw. sofort nach deren Feststellung auf Insulin umzustellen (Tab. 7.4). Die Fortführung einer oralen Antidiabetikather. rechtfertigt keinen risikobegründeten Schwangerschaftsabbruch.
Lediglich für Tolbutamid liegen Untersuchungen der Muttermilchkonz. vor. Diese sind hier deutlich niedriger als im Plasma. Auswirkungen auf den Sgl. sind nicht zu erwarten. Dennoch Kinder gut beobachten (BZ-Kontrollen).

Antiemetika

Antiemetika, Schwangersch./Stillz.Bei der Anwendung von Antiemetika in der Schwangerschaft (Tab. 7.5), z. B. bei der Behandlung der Hyperemesis gravidarumHyperemesis gravidarumMedikamente, ist generell Zurückhaltung angezeigt, v. a. im 1. Trim. Für alle Antiemetika gilt, dass beim Menschen keine Fehlbildungen zu erwarten sind, obwohl die Substanzen im Tierversuch partiell teratogen sind.
MetoclopramidMetoclopramid ist während der Stillzeit nach Möglichkeit zu meiden, da bereits sehr niedrige Konz. bei Sgl. erhebliche zentralnervöse NW auslösen können.

Antikonvulsiva

SchwangerschaftTab. 7.6. Antikonvulsiva, Schwangersch./Stillz.

Bei Kindern epileptischer Mütter besteht auch ohne medikamentöse Ther. ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko.

  • Phenytoin, Trimethadion, Primidon, Valproinsäure u. Komb. mit Phenobarbital: Fehlbildungsrisiko ↑. Die Häufigkeit des Hydantoinsy. (Phenytoin) liegt bei 10 %.

  • Klinik: geistige u. körperliche Retardierung, Hypertelorismus, Skelettdefekte, Herzfehler, faziale Dysmorphie, Hypoplasie der Nägel u. Fingerendphalangen, Spaltbildungen.

  • Valproinsäure: Kinder, die im Mutterleib Valproat ausgesetzt waren, haben ein hohes Risiko für schwerwiegende Entwicklungsstörungen (in bis zu 30–40 % d. F.) u./o. für angeborene Fehlbildungen (in ca. 10 % d. F.). Valproat sollte deshalb Mädchen, weiblichen Jugendlichen, Frauen im gebärfähigen Alter o. Schwangeren nur verschrieben werden, wenn andere Arzneimittel nicht wirksam sind o. nicht vertragen werden. Bei Einnahme von Valproat zusammen mit anderen Arzneimitteln erhöht sich das Risiko für kindliche Fehlbildungen darüber hinaus.

Maßnahmen bei Epileptikerinnen während der Schwangerschaft:
  • Vor der Schwangerschaft eine genetische Beratung durchführen lassen.

  • Harmlosere Substanzen sind Clonazepam, Ethosuximid u. Carbamazepin.

  • In der Frühschwangerschaft besonders niedrig einstellen.

  • Ausreichende Substitution von Folsäure, z. B. 1 × 5 mg/d p. o. (z. B. Folsan®).

Stillzeit
  • Phenytoin, Valproinsäure: werden nicht o. in kaum messbaren Konz. in die Muttermilch ausgeschieden. Bei Behandlungen der Mutter mit Valproinsäure sind die Kinder in der Stillphase gut zu beobachten (Lebertoxizität, Störung des Fibrinogenstoffwechsels).

  • Carbamazepin, Ethosuximid, Primidon, Phenobarbital: werden in die Muttermilch ausgeschieden u. können beim Sgl. zu Müdigkeit u. Trinkschwäche führen. Serumkontrollen bei Mutter u. Kind sind empfehlenswert. Ein Stillverbot ist bei keiner dieser Substanzen indiziert.

Antihypertensiva

Antihypertensiva, Schwangersch./Stillz.Für die meisten Antihypertensiva haben sich aus Tierversuchen keine Hinweise auf Teratogenität ergeben (Tab. 7.7).
  • α-Methyldopa: eignet sich für die antihypertensive Ther. leichterer Fälle in der Schwangerschaft. Das Präparat wirkt über eine Senkung des Sympathikotonus.

  • ACE-Hemmer: (Captopril u. a.) in der Grav. kontraindiziert. Die Substanzen gehen in die Muttermilch über.

  • Clonidin: im Tierversuch embryoletal; die Dosis liegt weit über dem ther. Anwendungsbereich beim Menschen.

  • Diazoxid: wegen seiner Wirkung auf den Glukosestoffwechsel für eine Dauerther. in der Schwangerschaft nicht geeignet. Im Tierversuch teratogen.

  • Hydralazin: starker blutdrucksenkender Effekt durch Verringerung des peripheren Widerstands bei Zunahme des Herzzeitvolumens. Möglicherweise wird hierdurch die uteroplazentare Durchblutung verbessert.

  • Nifedipin u. a. Kalziumantagonisten: im Tierversuch embryotoxisch.

  • Betablocker wie Propranolol: bei Daueranwendung evtl. Wachstumsretardierung, neonatale Hypoglykämie u. Verminderung der kardiovaskulären Kompensation von Stress, gleiche NW werden auch den Betablockern Metoprolol u. Acebutolol zugeschrieben. Keine Teratogenität.

  • Rauwolfia-Alkaloide: Im letzten Trim. kann es zu nasaler Hypersekretion, Lethargie u. Atemdepression des NG kommen. Während der Stillzeit sollten diese Medikamente nicht zur Anwendung kommen.

  • Methyldopa, Hydralazin: können zwar in der Muttermilch nachgewiesen werden, die Aufnahme der Substanzen durch den Sgl. ist aber zu gering, um Organwirkungen auszulösen.

  • Angiotensin-II-Antagonisten (z. B. Candesartan, Eprosartan, Irbesartan, Losartan, Telmisartan u. Valsartan): sollten in Schwangerschaft u. Stillzeit gemieden werden, da derzeit noch keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen.

Antihypotonika

Antihypotonika, Schwangersch./Stillz.Embryotoxische Wirkungen beim Menschen sind bei den in Tab. 7.8 aufgeführten Antihypotonika nicht bekannt.
  • Dihydroergotamin: bei parenteraler Gabe stärkere uterotonische Wirkung als bei oraler Applikation, diese ist daher in der Schwangerschaft kontraindiziert. Auch bei oraler Gabe ist eine Vasokonstriktion der Uteringefäße mit uteriner Mangeldurchblutung nicht auszuschließen.

  • Norfenefrin: hat wehensteigernden Effekt mit möglicher Plazentaminderperfusion u. ist deshalb bei Schwangerschafts-KO nicht indiziert.

Antikoagulanzien

SchwangerschaftTab. 7.9. AntikoagulanzienSchwangersch./Stillz.
  • Cumarine: können in der Frühschwangerschaft ein charakteristisches Fehlbildungssy. (Cumarin-EmbryopathieCumarin-Embryopathie) mit Hypoplasie der Nasenknochen, Chondrodysplasia punctata u. geistiger Retardierung hervorrufen. Störungen des ZNS nach Gabe im 2. o. 3. Trim. (wahrscheinlich durch fetale Blutungen bedingt). Blutungsneigung bei NG ↑.

  • HeparinHeparinSchwangersch./Stillz.: gilt als das Mittel der Wahl in der Grav. Wegen seines hohen Molekulargewichts kann es die Plazentaschranke nicht passieren u. wirkt somit nicht teratogen. Unter Vollheparinisierung keine PDA, sub partu nicht mehr als 15.000 IE Heparin. NMH passieren die Plazentaschranke ebenfalls nicht. Ihre Vorteile können in der Schwangerschaft genutzt werden.

Stillzeit
  • Cumarine: Die Beurteilungen über die Gefährlichkeit von Cumarinderivaten in der Stillzeit sind uneinheitlich. Ggf. Blutungsstörungen beim NG. Warfarin u. Acenocoumarol werden nicht in die Muttermilch ausgeschieden u. gelten in der Stillzeit als unbedenklich.

  • Heparin: keine Ausscheidung in die Muttermilch, NMH treten geringfügig in die Muttermilch über, ein gerinnungshemmender Effekt beim Sgl. ist unwahrscheinlich.

  • Neue AntikoagulanzienNOAK (neue orale Antikoagulanzien) wie RivaroxabanRivaroxaban (Xarelto®) sind bei der Thrombosether. u. der langfristigen Sekundärprophylaxe von thrombembolischen Ereignissen sowie zur langfristigen Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern zugelassen. Prospektive Studien ließen kein teratogenes Potenzial von Rivaroxaban in der Grav. erkennen. Allerdings sollte aufgrund der begrenzten Datenlage vor Eintritt einer geplanten Schwangerschaft auf erprobte Alternativen der Antikoagulation zurückgegriffen werden. Clopidogrel (Plavix®) ist zur Sekundärprophylaxe nach ischämischem Insult, Myokardinfarkt, bei Hämodialyse u. bei Bestehen einer pAVK zugelassen. In Komb. mit ASS kann ClopidogrelClopidogrel auch beim ACS eingesetzt werden. Clopidogrel darf bei ASS-Unverträglichkeit o. unzureichender Thrombozytenaggregationshemmung in der Schwangerschaft angewendet werden.

Antimykotika

Tab. 7.10. Antimykotika, Schwangersch./Stillz.
  • Amphotericin B: soll wegen erheblich erhöhten Abort- u. Frühgeburtenrisikos in der Grav. nur bei lebensbedrohlichen generalisierten Mykosen eingesetzt werden

  • Clotrimazol: lokale Ther. (z. B. Vaginalmykosen)

  • Flucytosin: kann teilweise zu Fluorouracil metabolisiert werden → im Tierversuch teratogen. Auch beim Menschen muss eine Teratogenität angenommen werden

  • Griseofulvin: ist im Tierversuch teratogen. In ther. Dosis scheint es beim Menschen nicht teratogen zu wirken, eine systemische Anwendung sollte aber vermieden werden

  • Ketoconazol: potenziell teratogen, Anwendung in der Schwangerschaft vermeiden

  • Miconazol: wirkt in 5-facher ther. Dosis embryoletal → strenge Ind.

  • Nystatin: wirkt wegen toxischer Allgemeinreaktionen nur lokal

Antiphlogistika

Tab. 7.11. Antiphlogistika, Schwangersch./Stillz.
  • Aescin: ist bei Tier u. Mensch nicht teratogen. Fraglich nephrotoxisch

  • Diclofenac, Orgotein u. Oxyphenbutazon gelten ebenfalls nicht als embryotoxisch. Ebenso wie Phenylbutazon u. Salicylate hemmen sie im 3. Trim. die Prostaglandinsynthese → KI in höherer Dosierung

  • Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID): z. B. Ibuprofen, Indometacin u. Diclofenac; können im 1. u. 2. Trim. eingesetzt werdenNSAR (nichtsteroidale Antiphlogistika/-rheumatika)Schwangersch./Stillz.

Antitussiva, Bronchospasmolytika

Tab. 7.12.Antitussiva, Schwangersch./Stillz.Bronchospasmolytika, Schwangersch./Stillz.
  • Acetylcystein: nicht embryo- o. fetotoxisch, in der Stillzeit gut verträglich.

  • Ambroxol: weder beim Tier noch beim Menschen embryotoxisch o. teratogen.

  • Clobutinol: im Tierversuch embryotoxisch, im 1. Trim. Kontraindiziert.

  • Codeinhaltige Präparate: können sub partu eine neonatale Atemdepression begünstigen. Das Derivat Dextromethorphan ist in der Grav. vorzuziehen.

  • Betamimetika: wie Carbuterol, Clenbuterol, Fenoterol, Hexoprenalin, Isoprenalin, Orciprenalin, Salbutamol u. Terbutalin zeigen wehenhemmende Wirkung. Im letzten Trim. tokolytische Effekte besonders beachten.

  • Dextromethorphan: antitussiver Effekt wie Codein. Im Tierexperiment teratogen, Risiko offenbar nicht auf den Menschen übertragbar.

  • Salbutamol, Theophyllin: im Tierversuch teratogen, offenbar auf den Menschen nicht übertragbar. Sie werden in die Muttermilch ausgeschieden u. können beim Sgl. zu erheblichen Kumulationen führen. In der Stillzeit in hoher Dosierung daher kontraindiziert.

  • Orciprenalin, Fenoterol: keine exakten Daten bekannt. Aufgrund der Pharmakokinetik dieser Substanzen ist anzunehmen, dass es zu keiner wesentlichen Gefährdung des Sgl. kommt.

  • Benproperin, Clobutinol, Dropriozinin, Eprazinon, Isoaminil, Noscapin, Pentoxyverin u. Pipazetat: unzureichend untersucht.

Kortikoide, Sexualhormone

Tab. 7.13. Sexualhormone, Schwangersch./Stillz.Kortikosteroide, Schwangersch./Stillz.
  • Kortikoide: bei einigen Tierarten teratogen. Beim Menschen werden Spaltbildungen, Frühgeburtlichkeit, Retardierung u. die Induktion einer Nebenniereninsuff. bei ausreichend hoch dosierter Dauereinnahme diskutiert. Das Risiko scheint allerdings gering zu sein.

  • Ethisteron, Norethisteron: virilisierende Steroide, die bei weiblichen Feten in extrem hoher u. lang andauernder Dosierung in der Phase der Genitaldifferenzierung eine Klitorishypertrophie hervorrufen können.

  • Chlormadinonacetat, Cyproteronacetat: Steroide mit feminisierender Wirkung; sind in den Ovulationshemmern (OH) Neo-Eunomin®, Belara® u. Diane® enthalten. Einnahme in der Grav. hat wegen der zu niedrigen Konz. keinen Einfluss auf den Feten. Gleiches gilt für die übrigen OH. Für einige Gestagene wird ein erhöhtes teratogenes Risiko angenommen. Bei hoch dosierter Androcur®-Ther. während der Phase der Sexualdifferenzierung ist eine Ind. zur Interruptio gegeben, sofern es sich um einen männlichen Feten handelt.

Kurzfristige Kortikoidgaben in mittlerer Dosierung stellen kein Stillhindernis dar, höhere Dosen über einen längeren Zeitraum können auch auf das Kind unterschwellige Wirkung haben.

Dermatika

Tab. 7.14. Dermatika, Schwangersch./Stillz.
  • Aciclovir: Virustatikum, bislang keine teratogenen Effekte nachgewiesen (7.24)

  • Ammoidin: bei Mensch u. Tier zwar keine teratogene Wirkung, beeinträchtigt aber den Zellstoffwechsel

  • Etretinat: wegen des hohen Gehalts an einem Vit.-A-Derivat absolut teratogen → schwere Entwicklungsdefekte des Gehirns (Meningoenzephalozelen, -myelozelen), einseitige Anophthalmie, kraniofaziale Defekte, Defekte der Wirbelsäule u. Extremitäten sowie des Ventrikelsystems. Wegen langer HWZ ist Interruptio noch 2 J. nach Absetzen der Ther. indiziert

  • Fusidinsäure: dermal angewandtes Antibiotikum, keine Teratogenität

  • Idoxuriden, Tromantadin (Virustatika): KI in der Grav.

  • Jodhaltige Präparate: sollten in der Grav. nicht bedenkenlos verabreicht werden

Behandlungen der Wahl bei Kondylomen in der Schwangerschaft sind Abtrag, Kryotherapie o. Trichloressigsäure.

Diuretika

Tab. 7.15. Diuretika, Schwangersch./Stillz.
SchwangerschaftTeratogene Wirkungen sind weder im Tierversuch noch beim Menschen bekannt.
  • !

    Da i. R. hypertensiver Erkr. in der Schwangerschaft häufig ohnehin eine Hypovolämie vorliegt, Diuretika nur unter strenger Ind.-Stellung einsetzen

  • Benzothiadiazine: passieren leicht die Plazenta u. können zu E’lytstörungen u. neonataler Thrombopenie führen

  • Triamteren: fetotoxisches Risiko im 2. u. 3. Trim., Folsäuremangel kann eine Megaloblastose begünstigen

Stillzeit
  • Wegen des generellen Dehydratationsrisikos für den Sgl. sind alle Diuretika in der Stillzeit unter strenger Ind.-Stellung einzusetzen.

  • Acetazolamid, Furosemid, Hydrochlorothiazid, Spironolacton: sind für den Sgl. wahrscheinlich unbedenklich, Möglichkeit der Laktationshemmung. Bei Herzinsuff. in der Schwangerschaft ist Hydrochlorothiazid Mittel der Wahl.

  • Chlortalidon: ist zwar nur in geringen Konz. in der Muttermilch enthalten, wegen der langen HWZ u. der damit verbundenen Kumulationsgefahr beim Sgl. ist aber vom Stillen abzuraten.

Laxanzien

Tab. 7.16. Laxanzien, Schwangersch./Stillz.
  • Aloehaltige Präparate: passieren die Plazenta; erzeugen eine starke Hyperämie der Unterleibsorgane u. können abortiv wirken.

  • Bisacodyl: nur geringfügige enterale Resorption, Anwendung in Grav. u. Stillzeit ist möglich.

  • Natriumpicosulfat: im 1. Trim. kontraindiziert, es besteht ein embryotoxisches u. teratogenes Risiko beim Menschen.

  • Sennoside, Cascaroside: enthalten Anthrachinone, die über den GIT in die Muttermilch übertreten können. In der Stillzeit sind sie daher kontraindiziert. Auch bei Kindern stillender Mütter wurden nach Einnahme von phenolphthaleinhaltigen Präparaten Durchfallerscheinungen registriert. Diese Präparate sollten in der Stillzeit nicht eingesetzt werden. Pflanzliche Quellmittel erscheinen in der Stillzeit als Mittel der Wahl.

  • RizinusRizinus(öl) wird gelegentlich zur Geburtseinleitung eingesetzt. Wirkt direkt auf die Prostaglandinrezeptoren der Muskelzellen der Gebärmutter u. des Darms. Neben den abführenden Symptomen kommt es zur Anregung von Gebärmutterkontraktionen u. häufiger zur Überstimulation. Sehr häufige NW: Übelkeit, Durchfall. Übertritt in den kindlichen Organismus denkbar mit Risiko der Mekoniumaspiration. Cave: Off-Label-Use-Medikation, Arzthaftungsrisiken beachten!

Magen-Darm-Mittel

Tab. 7.17. Magen-Darm-Mittel, Schwangersch./Stillz.
Schwangerschaft
  • Lithiumhaltige Antazida: in der Grav. kontraindiziert.

  • Loperamid: Wegen noch nicht ausreichender Erfahrung beim Menschen wird in der Grav. zur Vorsicht geraten. Keine Hinweise auf Teratogenität.

  • Neomycin: bei Darmulzera u. Niereninsuff. in der Grav. ungeeignet.

  • Sulfonamidhaltige Mittel: KI in den letzten Wo. der Grav.

  • Bromocriptin: in der Grav. absetzen. Makroprolaktinome bilden sich in der Grav. oft spontan zurück. Bei ophthalmol. Problemen erneute Ind. zur Therapie!

  • Aloe enthaltende Verdauungsenzymkombinationen: KI in der Grav.

  • Cimetidin, Ranitidin: Zwar sind keine Blutbildungsstörungen wie bei den zuerst entwickelten H2-Antihistaminika bekannt, wegen einer vermutlich größeren Empfindlichkeit des Embryos sollten sie in der Grav. aber nur unter strenger Ind.-Stellung eingesetzt werden.

  • Metoclopramid: Mittel der Wahl bei Motilitätsstörungen des oberen GIT in der Schwangerschaft. Kann beim NG u. FG eine Methämoglobinbildung bewirken.

  • Pyridostigmin u. Neostigmin: Cholinergika. Anwendung in der Schwangerschaft nur bei postop. Atonie von Darm u. Blase.

Stillzeit
  • Cimetidin: konnte in erheblichen Konz. in Muttermilch nachgewiesen werden u. ist daher in der Stillzeit möglichst zu vermeiden

  • Atropinhaltige Präparate: sollten wegen möglicherweise toxischer NW auf das Kind u. möglicher Verminderung der Milchproduktion v. a. in der Stillzeit nicht eingesetzt werden

  • Metoclopramid: kann über die Muttermilchausscheidung beim Sgl. zu zentralnervösen NW führen

Mund- und Rachentherapeutika

Tab. 7.18. Rachentherapeutika, Schwangersch./Stillz.Mundtherapeutika, Schwangersch./Stillz.Polyvidonjod-Lsgn. sind in der Grav. u. Stillzeit zurückhaltend anzuwenden u. dürfen keinesfalls geschluckt werden (NW auf fetale Schilddrüse).

Psychopharmaka

Tab. 7.19. Psychopharmaka, Schwangersch./Stillz.
  • Amitriptylin (trizyklisches Antidepressivum): wirkt weder bei Tier noch Mensch teratogen. Mittel der Wahl zur Depressionsther. in der Schwangerschaft.

  • Lithium-Langzeitther.: im 1. Trim. vermehrt kardiovaskuläre Fehlbildungen (ca.10 %), ZNS-Schäden u. erhöhte perinatale Morbidität. Bei Behandlungsnotwendigkeit in der Frühgrav. häufiger niedrige Dosen verabreichen u. den Serumspiegel wöchentl. kontrollieren. Die Lithium-Plasmakonz. bei gestillten Kindern entsprechen denen der stillenden Mütter. Vom Stillen wird abgeraten.

  • Haloperidol u. a. Butyrophenon-Neuroleptika (Trifluperidol): sollten in der Schwangerschaft nur nach strenger Ind.-Stellung verordnet werden.

  • Benzodiazepine: können bei Gabe sub partu beim NG gelegentlich eine Atemdepression bewirken, die HWZ beim NG ist deutlich erhöht. Regelmäßige höhere Diazepam-Dosen während der Stillzeit führen zu NW beim Sgl. (Lethargie, Trinkschwäche, EEG-Veränderungen).

  • Phenothiazine: schwache Assoziationen mit kardiovaskulären Fehlbildungen, Mikrozephalien u. Syndaktylien. Nicht in der Stillzeit einsetzen, da sie in relativ hohen Muttermilchkonz. ausgeschieden werden u. beim Sgl. zur Kumulation neigen. Phenothiazine u. Thioxanthene sind in der Grav. Mittel der Wahl in der Behandlung eines psychotischen Sy.

  • Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie Citalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin u. Sertralin: können mit kleinen Fehlbildungen u. neurol. Entzugssymptomen beim NG assoziiert sein u. sind in der Grav. allenfalls Mittel der 2. Wahl. In der Stillzeit nicht empfohlen.

Rhinologika

Tab. 7.20. Rhinologika, Schwangersch./Stillz.
  • Phenylephrin (α-Sympathomimetikum): → lokal zur Abschwellung der Nasenschleimhaut o. als Mydriatikum. Eine systemische Ther. ist möglich.

  • Oxymetazolin, Xylometazolin (Imidazolderivate): ausschließlich Affinität zu α-Rezeptoren → nur lokale Anwendung. Keine NW in Grav. u. Stillzeit.

  • Dimetinden: systemische Anwendung. Wichtigste NW ist zentral-dämpfender Effekt, bei Kindern deutlich ausgeprägter als beim Erw.

Schilddrüsentherapeutika

Tab. 7.21. Schilddrüsentherapeutika, Schwangersch./Stillz.
Klinik
  • Jodmangel bzw. Hypothyreose bei Schwangeren: Verdoppelung der Fehlgeburtenrate, erhöhte Frühgeburtlichkeit u. Entwicklung einer Struma

  • Hyperthyreose: in Frühgrav. u. Postpartalzeit erhöhte Krankheitsaktivität. 2. u. 3. Trim. remissionsbegünstigend

TherapieEin M. Basedow in der Grav. sollte thyreostatisch behandelt werden. Eine Hyperthyreose wirkt teratogen, nicht jedoch niedrig dosierte Thyreostatika.
Mittel der Wahl sind Propylthiouracil u. Thiamazol: initial 10–20 mg/d, Erhaltungsdosis 2,5–5 mg/d, keine Komb. mit Levothyroxin, Auslassversuch im 2. Trim. möglich. Erhöhte Rezidivgefahr in der Laktationsphase (Überwachung notwendig), niedrig dosierte Thyreostatika (Thiamazol bis 15 mg/d u. Propylthiouracil bis 150 mg/d) sind unbedenklich.
Eine prophylaktische Jodsubstitution von 200 µg/d wird in Grav. u. Stillzeit empfohlen; jodhaltige Expektoranzien, Desinfektionsmittel etc. sind in der Grav. zu vermeiden.

Virostatika

Tab. 7.22. Virostatika, Schwangersch./Stillz.
Falls notwendig, können auch Schwangere antiviral behandelt werden. Eine antivirale Therapie sollte vor Ablauf von 48 h nach Symptombeginn gestartet werden.
  • Aciclovir (Zovirax®): bei äußerer Anwendung unproblematisch, eine systemische Gabe in der Spätschwangerschaft ist nur bei disseminierter Herpes- o. Varizellenerkr. indiziert.

  • Amantadin (Amantadin-CT®): sollte in der Schwangerschaft nicht zur Ther. der Influenza eingesetzt werden. Verschiedene Fehlbildungen wurden in der Literatur beschrieben.

  • Zidovudin® ist als einziges Präparat zur Prophylaxe einer HIV-Transmission in der Grav. zugelassen. Nach heutiger Kenntnis ist eine Zidovudin-Monother. bei niedriger Viruslast ausreichend. Bei hoher Viruslast zusätzlich NNRTI (nichtnukleosidale Retrotranskriptasehemmer)NNRTI (nichtnukleosidale Retrotranskriptasehemmer) o. Proteasen-Inhibitoren. Eine Teratogenität ist bislang für keine der Substanzen nachgewiesen, allerdings wurden Frühgeburtlichkeit u. fetale Anämien beschrieben.

  • Ribavirin (Copegus®, Virazole®): in der Grav. nur bei vitaler Ind. erlaubt, im Tierversuch teratogen.

  • Brivudin (Zostex®), Cidofovir (Vistide®), Oseltamivir (Tamiflu®), Zanamivir (Relenza®), Entacavir (Baraclude®) u. Adefovir dipivoxil (Hepsera®): nur bei zwingender Ind. in der Grav. Oseltamivir am besten erprobt.

  • Telbivudin (Sebivo®) ist nicht embryotoxisch.

Durch eine antiretrovirale Ther. in der Schwangerschaft u. eine elektive Sectioentbindung konnte die perinatale HIV-Transmission von 15 auf 2,6 % gesenkt werden.

Zytostatika

Zytostatika, Schwangersch./Stillz.Für die meisten Zytostatika gilt die Grav. als KI; in Tierversuchen u. beim Menschen starke teratogene Wirkungen. Auch wenn manche Zytostatika nur in nichttoxischen Konz. in der Muttermilch nachweisbar sind, sollte nicht gestillt werden.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen