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B978-3-437-22205-4.00009-0

10.1016/B978-3-437-22205-4.00009-0

978-3-437-22205-4

Abb. 9.1

[L157]

Techniken der EpisiotomieEpisiotomieTechniken

Abb. 9.2

[L157]

Naht der EpisiotomieEpisiotomieNaht

Abb. 9.3

[L157]

Stichführung bei der EpisiotomienahtEpisiotomieNaht

Abb. 9.4

[L157]

Traktionsrichtung bei vaginal-operativer EntbindungVakuumextraktionTraktionsrichtungForzepsentbindungTraktionsrichtung

Abb. 9.5

[L157]

ForzepsentbindungForzepsentbindung

Abb. 9.6

[L157]

Manualhilfe nach BrachtManualhilfe nach BrachtBracht-ManualhilfeBeckenendlagenManualhilfe nach Bracht

Abb. 9.7

[L157]

Armlösung nach BickenbachArmlösungnach BickenbachBeckenendlagenArmlösung

Abb. 9.8

[L157]

Kopflösung nach Veit-SmellieKopflösung nach Veit-SmellieVeit-Smellie-ManöverKopflösung

Abb. 9.9

[L157]

Einsatzplan für NotfallsectioSectio caesareaNotfallsectioNotfallsectio, Einsatzplan

Vergleich Vakuum-VakuumextraktionVor- und Nachteile und ForzepsentbindungVor- und NachteileForzepsentbindung

Tab. 9.1
Forzepsentbindung Vakuumextraktion
Vorteil Schnell anwendbar; mangelnde Rotation kann ausgeglichen werden Kein zusätzlicher Platzbedarf neben dem Kopf
Nachteil Höhere Rate an Scheidenverletzungen Abhängig von Geräten u. Stromversorgung, Ausnahme: kleine handbetriebene Glocke (Kiwi®)
KO beim Kind Fazialisparese Intrakranielle Blutungen bei zu schnellem Ablassen des Sogs o. Abreißen der Glocke
KO bei der Mutter Scheidenverletzungen Zervixriss

Auswahl der Anästhesie bei Sectio in Abhängigkeit von der IndikationSectio caesareaAnästhesie

Tab. 9.2
Indikation Erläuterung Verfahren (Rangfolge)
Notfall Vitale Ind. für Mutter u. Kind ITN
Dringlich Drohende intrauterine Hypoxie, Kindesentwicklung < 30 min SPA, ITN, PDA (bei liegendem Katheter)
Elektiv z. B. Beckenendlage SPA, PDA, (ITN)

ITN = Intubationsnarkose; SPA = Spinalanästhesie; PDA = Periduralanästhesie

Geburtshilfliche Operationen

Kay Goerke

  • 9.1

    Indikationen und Vorbereitung320

  • 9.2

    Episiotomie (Dammschnitt)320

    • 9.2.1

      Indikationen320

    • 9.2.2

      Techniken der Episiotomie320

    • 9.2.3

      Naht der Episiotomie322

  • 9.3

    Vaginal-operative Entbindungen323

    • 9.3.1

      Voraussetzungen und Vorbereitung323

    • 9.3.2

      Vakuumextraktion (Saugglocke)324

    • 9.3.3

      Forzepsentbindung (Zangenentbindung)326

    • 9.3.4

      Schulterdystokie327

  • 9.4

    Manualhilfe bei Beckenendlage328

    • 9.4.1

      Risiken328

    • 9.4.2

      Manualhilfe nach Bracht329

    • 9.4.3

      Armlösung330

    • 9.4.4

      Kopflösung nach Veit-Smellie332

  • 9.5

    Sectio caesarea (Kaiserschnitt)332

    • 9.5.1

      Formen332

    • 9.5.2

      Vorbereitungen333

    • 9.5.3

      Durchführung333

    • 9.5.4

      Postoperative Überwachung335

    • 9.5.5

      Modifizierter und vereinfachter (sanfter) Kaiserschnitt (Misgav-Ladach-Sectio)335

    • 9.5.6

      Anästhesiologisches Vorgehen bei Sectio caesarea336

    • 9.5.7

      Notfallsectio337

Indikationen und Vorbereitung

Die GeburtGeburtoperative Eingriffe, Aufklärung ist i. d. R. ein natürlicher Vorgang u. kein „Eingriff“, über den gesondert aufgeklärt werden müsste. Vergleichbares trifft für die vag.-op. Entbindung u. die Episiotomie zu. Letztere wird in den meisten Fällen ohne ausdrückliche Einwilligung vorgenommen, da sie als Standardeingriff o. „Nebeneingriff“ gilt, in den die Schwangere durch den Abschluss des Behandlungsvertrages einwilligt.

Wie bei allen op. Eingriffen bedürfen allerdings Kaiserschnittentbindungen der Aufklärung u. des Einverständnisses. Zeichnet sich unter der Geburt die Möglichkeit ab, dass ein op. Eingriff notwendig wird, muss der Geburtshelfer die Pat. über alternative op. Entbindungsverfahren aufklären. Je früher dies geschieht, umso eher ist die Pat. noch einwilligungsfähig u. eine Risikoabwägung für sie möglich.

Bei Grenzsituationen (z. B. hoher kindlicher Kopf) umfasst die Aufklärung über die alternativen geburtshilflichen Methoden Vakuum, Zange u. Sectio sowie die jeweiligen Gefahren für Mutter u. Kind (Shared Decision-Making). Zwischen juristischen Forderungen u. geburtshilflicher Realität besteht eine erhebliche Diskrepanz. Es gilt der Grundsatz: je dringlicher die Situation, umso kürzer die Aufklärung. Die mündliche Aufklärung sollte immer vor Zeugen (z. B. Hebamme) erfolgen u. im Krankenblatt dokumentiert werden. Bewährt hat sich eine Basisinformation über vag. u. abdom. geburtshilfliche Eingriffe, etwa i. R. einer vorgeburtlichen Aufklärung. Zudem besteht die Möglichkeit der vorgeburtlichen Übertragung der Einwilligung auf den Partner, z. B. im Rahmen einer Patientenverfügung.

Episiotomie (Dammschnitt)

Indikationen

DammschnittWie bei jedem Eingriff strenge Indikationsstellung, zur Deszensus- o. Inkontinenzprophylaxe ungeeignet.

Cave: Höhere DR-III/-IV-Raten nach Episiotomie!

  • Sehr straffe Weichteile

  • Extreme Frühgeburtlichkeit (durch die Episiotomie wird der Druck auf den Kopf reduziert)

  • Evtl. ungünstige Durchtrittsebene (Deflexionslagen 8.6.3)

  • Evtl. BEL-Entbindung (8.6.1, 9.4)

  • Abkürzung der Pressperiode bei hypoxieverdächtigem CTG

  • Bei vag.-op. Entbindung (9.3)

Techniken der Episiotomie

VorbereitungAnalgesie durch Pudendusblockade (8.4.5) o. Lokalinfiltration (8.4.7). Durchführung zum Wehenhöhepunkt, da dann am wenigsten schmerzhaft. Möglichst eine mediane Episiotomie in Erwägung ziehen, da weniger Beschwerden, geringere Blutung (o. Blutverlust), bessere Heilung, weniger Spätfolgen wie z. B. Dyspareunie. Cave: höhere DR-III- u. -IV-Raten!
Mediane Episiotomie
VorteileEpisiotomieTechnikenRelativ kleiner Schnitt mit max. Erweiterung des Scheideneingangs. Kein Durchtrennen von Muskeln, größeren Gefäßen, Nerven- o. Fettgewebe. Geringe Blutung. Einfache Naht mit guter Heilungstendenz u. gutem kosmetischem Resultat.
NachteileBegrenzte Erweiterungsfähigkeit. Weiterreißen zum Dammriss Grad III u. IV. möglich.
DurchführungLokalanästhesie, Spaltung des Damms mit der Dammschere von der hinteren Kommissur ausgehend in der bindegewebigen Raphe, anatomisch am günstigsten (Abb. 9.1).
Mediolaterale Episiotomie
VorteileErweiterungsmöglichkeit zur Seite. Dammriss Grad III u. IV kommt seltener vor.
NachteileGrößerer Blutverlust (von der Seite kommende Gefäße werden durchschnitten). Schlechtere Wundheilung; häufiger Schmerzen (Durchtrennen von Nerven), Hämatome u. Inf. Schwierigere Naht, bes. bei zusätzlichem Dammriss Grad III u. IV.
DurchführungMöglichst in LA von der hinteren Kommissur ausgehend in gerader Linie in einem Winkel von 45° nach lateral schneiden. Dabei Durchtrennen des M. bulbospongiosus u. des M. transversus perinei superficialis. Ausgedehnt reicht die mediolaterale Episiotomie bis in die Fossa ischiorectalis mit dadurch häufiger einhergehenden Wundheilungsstörungen.
Laterale Episiotomie
Die Schnittführung ca. 2 cm neben der Mittellinie nach re./li. ist obsolet!

Naht der Episiotomie

Mit der Naht (Abb. 9.2, Abb. 9.3) möglichst bald nach der Plazentageburt beginnen (cave: Blutverlust; noch vorhandene Anästhesie, z. B. bei Pudendusblockade, ausnutzen). Die Nahttechnik ist bei allen Episiotomien ähnlich, bei der mediolateralen wegen der schräg verlaufenden u. asymmetrisch klaffenden Schnittwunde aber schwieriger.

AnästhesieEpisiotomieAnästhesieGünstig ist die Naht bei bestehender Peridural- o. Spinalanästhesie. Sonst nach Wunddesinfektion Infiltration der Wunde mit 15–20 ml eines Lokalanästhetikums wie Mepivacain 1 % (z. B. Scandicain®, 8.4.7). Höchstdosis beachten: bis 60 ml 0,5 % bzw. bis 30 ml 1 % bzw. bis 15 ml 2 % bei ca. 70 kg KG.
NahtmaterialVorzugsweise synthetische, resorbierbare Fäden (z. B. Vicryl Rapid®, geringe Gewebereaktion). Die Wundheilung ist umso besser, je weniger Nahtmaterial verwendet wird. Fadenstärke für Scheidenhaut u. tiefe Dammschichten 3–0; Haut, Rektum u. M. sphincter ani externus 3–0 o. 4–0; bei Labienrissen 3–0 o. 2–0.
Vorbereitung
  • Lagerung der Beine auf Beinhaltern, Abdecken von Beinen u. Anus mit sterilen Tüchern u. Desinfektion des äußeren Genitales (z. B. mit Octenisept®)

  • Digitale Austastung des Rektums auf Verletzungen. Sorgfältige Inspektion der Scheide, bei V. a. Zervixverletzungen (schnelle Eröffnungsperiode, verstärkte Nachblutung, Atonie) sowie nach vag.-op. Entbindungen Spekulumeinstellung (8.15.3)

  • Wenn Läsionen ausgeschlossen sind, sterilen, dicken Tampon hoch in die Scheide einführen, um aus dem Uterus laufendes Blut aufzufangen u. die Scheide aufzuspreizen

Naht
  • Scheidenhaut:EpisiotomieNaht als fortlaufende überwendliche Naht o. als Einzelknopfnaht möglich. Wichtig: Obersten Stich oberhalb des oberen Wundwinkels legen, um evtl. retrahierte Gefäße zu unterbinden (cave: Hämatom). Bei beiden Nahttechniken sollen die Stiche bds. ca. 1 cm Scheidenhaut fassen u. bis zum Wundgrund reichen (Totraumvermeidung), Stichabstand ca. 1 cm. Den letzten Stich ca. 1 cm vor dem Hymenalsaum legen.

  • Tiefe Dammschichten: ebenfalls fortlaufend o. als Einzelknopfnaht. Vereinigung der tiefen Dammschichten mit 3–5 Stichen. Für eine symmetrische Adaptation eignet sich die unterschiedliche Hautpigmentierung als Markierung. Bei der fortlaufenden Naht sollte nur eine leichte Adaptation erreicht sein. Bei der Einzelknopfnaht erfolgt der Einstich direkt unter der Haut, um eine sorgfältige Adaptation der Wundränder zu erzielen.

  • Haut: Bei fortlaufender Naht wird zunächst die Subkutis fortlaufend vom Hymenalsaum ausgehend verschlossen (Fadenende ca. 10 cm lang lassen u. anklemmen), beim letzten Ausstich Korium mitfassen u. Naht intrakutan im Korium zum Hymenalsaum zurückführen. Die Fadenenden miteinander verknoten. Einzelknopfnähte werden bei vorher gut adaptierten Wundrändern vom Hymenalsaum ausgehend in einem Abstand von ca. 1 cm angelegt (nicht zu fest anziehen). Bei intrakutan versorgten Episiotomien deutlich niedrigere KO-Rate!

Am Ende der Naht den Tampon aus der Scheide entfernen, nochmalige digitale Austastung des Rektums auf Verletzungen (Durchstechungen bei der Naht), Intaktheit der Sphinktermuskulatur u. Kontrolle des Fundusstandes. Befunddokumentation u. Tupferzählkontrolle.

Vaginal-operative Entbindungen

Voraussetzungen und Vorbereitung

VoraussetzungenGeburtvaginal-operativeEntbindungSchädellage, MM vollständig eröffnet, Höhenstand des größten Durchmessers des Kopfes zumindest auf Interspinalebene (besser auf Beckenboden), eröffnete Fruchtblase, Ausschluss eines Missverhältnisses zwischen Kopf u. Beckenausgang durch Tastuntersuchung, Beherrschung der gewählten Technik, Aufklärung der Pat. über alternative op. Behandlungsverfahren, ausreichende Analgesie.
Vorbereitung
  • Lagerung der Mutter im Querbett, Beine auf Beinhaltern, für Ausgleich der Lendenlordose („Abwehrlordose“) sorgen, da sonst eine starke Krümmung des Geburtskanals resultiert

  • Entleerung der Harnblase, ggf. mit Einmalkatheter

  • Händedesinfektion des Operateurs, Desinfektion der Vulva (z. B. Octenisept®)

  • Vag. Untersuchung: MM-Weite, Höhenstand, Einstellung u. Haltung des vorangehenden Teils

  • Anästhesie: Periduralanästhesie o. Pudendusblockade, in Notsituationen zumindest LA vor Episiotomie (8.4.3, 8.4.5, 8.4.7)

  • Evtl. Episiotomie 9.2

Kontraindikationen
  • Unvollständige MM-Öffnung

  • Höhenstand der Leitstelle:

    • über 0 bei Hinterhauptseinstellung

    • über +2 u. querverlaufende Pfeilnaht

    • über +2 bei Deflexionshaltung

  • V. a. zephalopelvines Missverhältnis

  • Makrosomie des Kindes bei protrahierter Geburt (4.200–4.500 g)

Prim. als schwer einzuschätzende vag.-op. Entbindungen aus Beckenmitte sollten bei akuter fetaler Bedrohung (persistierende fetale Bradykardie) unbedingt unterbleiben. In Grenzsituationen ist die sofortige Sectio vorzunehmen, insb. bei ungünstigen Zusatzbedingungen (fetale Wachstumsretardierung, Plazentainsuff. usw.). Wird während der vag.-op. Entbindung eine Fehlbeurteilung des Höhenstandes o. der Einstellung des Kopfes erkannt, müssen die organisatorischen Voraussetzungen für die sofortige Durchführung einer Notfallsectio (9.5.7) erfüllt sein.

Leitlinie Vaginal-operative Entbindungen www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-023.html

Vakuumextraktion (Saugglocke)

IndikationenSaugglockenentbindungFetale Hypoxie, Wehenschwäche, Erschöpfung der Mutter, Herzvitien der Mutter, Geburtsstillstand in der Austreibungsperiode.Vakuumextraktion
Vorbereitung9.3.1.
Durchführung
  • Spreizen der Labien zur Darstellung des Introitus vaginae

  • Auswahl der größtmöglichen Glocke (60, 50 o. 40 mm)

  • Glocke schräg unter Schutz von Urethra u. Klitoris einführen, dazu den Damm nach hinten drücken, Aufsetzen der Glocke über dem Teil des Kopfes, der sich nach vorn drehen u. die Führung übernehmen soll, i. d. R. also über der kleinen Fontanelle

  • Tastuntersuchung, ob kein mütterliches Gewebe in der Glocke miterfasst wurde

  • Erhöhen des Unterdrucks auf 2 m Wassersäule (= 0,2 kg/cm2)

  • Nachtastung zur Kontrolle des korrekten Sitzes der Glocke über dem Kopf und z. A. von mütterlichen Weichteileinklemmungen

  • Sog langsam auf 8 m Wassersäule (= 0,8 kg/cm2) in ca. 60 s erhöhen

  • Probezug zur Kontrolle, ob das Kind dem Zug folgen kann

  • Bei exzentrisch angelegter Glocke Korrektur der falschen Haltung durch Traktion bis in die Führungslinie

  • Wehensynchrone Extraktion des Kindes

  • Evtl. Unterstützung der Expression durch eine Hilfsperson mittels Kristeller-HandgriffKristeller-Handgriff (breitflächiger Druck auf den Fundus mit beiden Händen o. mit dem Unterarm, Richtung des Drucks auf das Hinterhaupt des Kindes hin)

  • Traktionsrichtung immer in Richtung Geburtskanal (Abb. 9.4)

  • Evtl. Episiotomie mit Skalpell o. Schere (Abb. 9.1)

  • Dammschutz beim Durchtreten des Kopfes

  • Nach Entwicklung des Kopfes langsames Ablassen des Sogs (über 30–40 s) u. Entfernen der Glocke

  • Weitere Entwicklung des Kindes wie bei Spontangeburt (8.3)

  • KO 9.3.1

AlternativeSaugglocke mit Handpumpe (Einmalgerät, z. B. Kiwi®). Vorteile: geringerer op. Aufwand, geringere Belastung der Mutter, schnellere Anwendung.
Vor- und NachteileTab. 9.1.

  • Erhöhtes Risiko der Atonie p. p. beachten (Kontrolle von Fundus u. Vorlagen 8.15.2)

  • Sorgfältige Spiegeleinstellung z. A. von Zervix- u. Scheidenrissen (obligat!)

  • Kopfhautödem beim Kind verschwindet nach 2 h weitgehend, nach 24 h nahezu vollständig

Forzepsentbindung (Zangenentbindung)

IndikationenGeburtsstillstand in der Austreibungsperiode, Erschöpfung der Mutter, fetale Hypoxie, Wehenschwäche.ForzepsentbindungZangenentbindung
Vorbereitung9.3.1.
Durchführung
  • Hinhalten der geschlossenen Zange (am weitesten verbreitet: kleine Naegele-Zange mit Kopf- u. Beckenkrümmung) vor die Vulva in der Position, in der die Zange nachher angelegt werden soll.

  • Einführen des li. Löffels (Merkspruch: links-links-links = li. Zangenlöffel – li. Hand des Geburtshelfers – Zangenlöffel auf der li. Seite der Pat. einführen) unter Ausnutzung von Becken- u. Kopfkrümmung. Zeige- u. Mittelfinger der re. Hand schützen die Vagina (Einführen der Zange zwischen Hand u. kindlichem Kopf). Der re. Daumen hilft als Führungsschiene für den Zangenlöffel, der nie unter Gewaltanwendung eingeführt werden darf (Abb. 9.5)! Bei Schwierigkeiten Zangenlöffel entfernen u. neu ansetzen.

  • Einführen des re. Löffels (rechts-rechts-rechts gilt analog). Der li. Zangenlöffel wird vom kleinen Finger der li. Hand o. von Hilfsperson gehalten. Zeige- u. Mittelfinger schützen die Weichteile.

  • Schließen der Zange im Schloss ohne Kraftanwendung.

  • Nachtasten, ob keine mütterlichen Weichteile mitgefasst wurden.

  • Probezug, dabei liegt der Zeigefinger der vorderen re. Hand am kindlichen Kopf u. kann so ein Abgleiten der Zange erkennen.

  • Wehensynchrone Extraktion des Kindes, evtl. Unterstützung der Extraktion durch eine Hilfsperson mittels Kristeller-HandgriffKristeller-Handgriff (breitflächiger Druck auf den Fundus mit beiden Händen o. dem Unterarm, Richtung des Drucks auf das Hinterhaupt des Kindes hin).

  • Traktionsrichtung immer in Richtung Geburtskanal (Abb. 9.5). ForzepsentbindungTraktionsrichtung

  • Evtl. Episiotomie (9.2).

  • Dammschutz mit li. Hand (Operateur am günstigsten an li. Seite der Pat.).

  • Nach Geburt des Kopfes Zange entfernen, weitere Entwicklung des Kindes wie bei Spontangeburt (8.3).

  • KO 9.3.1.

  • Erhöhtes Risiko der Atonie p. p. beachten (Kontrolle von Fundus u. Vorlagen 8.15.2)

  • Sorgfältige Spiegeleinstellung z. A. von Zervix- u. Scheidenrissen (obligat!)

Vor- und NachteileTab. 9.1.

Schulterdystokie

DefinitionSchulterdystokieDie Schulterdystokie stellt ein „Hängenbleiben“ der kindlichen Schulter hinter der Symphyse dar (= hoher SchultergeradstandSchultergeradstand, hoher).
EpidemiologieDie Häufigkeit beträgt insgesamt ca. 0,5 %, bei Kindsgewichten > 4.000 g ca. 5 % (also 10-fach gehäuft) bei Kindsgewichten > 4.500 g ca. 15 % (ca. 30-fach erhöhtes Risiko), bei > 5.000 g ca. 40 %. Das Wiederholungsrisiko beträgt 14 %, daher ggf. prim. Sectio empfehlen. Bei bek. erhöhtem Risiko möglichst antepartale schriftliche Aufklärung der Pat. über Risiken u. Alternativen zur Spontangeburt!
Prädisponierende Faktoren
  • Adipositas o. Diab. mell. der Mutter, übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft (> 15 kg)

  • Übertragung, verlängerte Austreibungsperiode, frühzeitiges „Kristellern“

  • Vag.-op. Entbindung aus Beckenmitte

  • Mehrgebärende

  • Z. n. Schulterdystokie

  • Fetale Makrosomie

Cave: 50 % d. F. treten ohne Risikofaktoren auf.
KlinikNach Geburt des Kopfes erfolgt kein weiteres Tiefertreten des Kindes. Der Kopf wird von den Weichteilen in der Vulva quasi „festgehalten“ bzw. bewegt sich wieder leicht zurück, sog. „Turtle-Neck-PhänomenTurtle-Neck-Phänomen“ (analog zu einer Schildkröte mit Rückzug in ihre Schale), gerötetes aufgedunsenes Gesicht des Feten. Trotz vorsichtiger Traktion am Kopf nach kaudal u. dorsal kann die vordere Schulter nicht entwickelt werden.
KomplikationenFetale Hypoxie (Letalität 1 %), Claviculafrakturen, Plexusschäden, evtl. mit Horner-Sy. u. bleibenden Schäden. Hohe Rate insb. der neonatalen Morbidität mit fetaler Hypoxie sowie traumatischen Schädigungen des Plexus brachialis in 13 % u. in 5–7 % Skelettverletzungen, bes. im Bereich der Clavicula.
Therapie

Ruhe bewahren! Facharzt, Anästhesist u. erfahrene Hebamme rufen. Es muss zwischen hohem Schultergeradstand, hoherSchultergeradstand u. tiefem Schulterquerstand, tieferSchulterquerstand unterschieden werden. Unter forensischen Aspekten ist nur der hohe Schultergeradstand bedeutsam, da es fast ausschließlich hier zu Plexusschäden u. a. KO der Einklemmung kommt.

  • Externe Maßnahmen: Schulterdystokieexterne Maßnahmen

    • Abstellen eines evtl. laufenden Oxytocin-Tropfes.

    • Kein Kristeller-Handgriff, nicht am Kopf ziehen!

    • Ggf. Bolustokolyse, z. B. Fenoterol 0,025 mg i. v. (z. B. Partusisten® intrapartal).

    • Konstanter manueller Druck unmittelbar kranial der Symphyse („Rütteln der vorderen Schulter“ vom geraden in den queren Durchmesser).

    • McRobert-ManöverMcRobert-Manöver: abwechselndes aktives u. passives Strecken u. Beugen der Beine im Hüftgelenk unter gleichzeitiger leichter Rotation des Beckens nach li. u. re. (Stellungsänderung der Symphyse mit Vergrößerung der Conjugata vera um ca. 0,5 cm).

      Äußere Drehung des Kopfes in Abhängigkeit von der kindlichen Stellung: bei I. Stellung (Rücken li.) Kopf (Hinterhaupt) nach li. Drehen.

    • Gaskin-ManöverGaskin-Manöver: Umlagerung der Mutter in den Vierfüßlerstand, dadurch Änderung der Symphysenstellung (Vergrößerung des Abstands Symphyse – Steißbein).

  • Interne Maßnahmen: Schulterdystokieinterne Maßnahmenbei Erfolglosigkeit nach etwa 90 s:

    • Die in vielen Lehrbüchern beschriebene Fraktur der Clavicula ist obsolet!

    • Woods-ManöverWoods-Manöver: digitale Rotation der nicht eingekeilten hinteren Schulter durch Druck auf die kindliche Brust in den queren Durchmesser. Hierzu mit der Hand von der Bauchseite des Kindes kommen, Drehung des kindlichen Körpers versuchen, möglichst unter Analgesie.

    • Rubin-ManöverRubin-Manöver: digitale Rotation der vorderen Schulter durch Druck auf den kindlichen Rücken in den queren Durchmesser. Hierzu mit der Hand vom Rücken des Kindes kommen, Drehung des kindlichen Körpers versuchen. Der fetale Rücken soll dadurch nach ventral kommen.

      • Gelingt es nicht, die eingekeilte Schulter unter der Symphyse freizubekommen, sakralwärts mit der Hand eingehen u. erst den hinteren Arm an der Bauchseite des Kindes, anschließend den vorderen Arm lösen.

      • Gelingt die Entwicklung der vorderen Schulter auch dann nicht, Drehung der hinteren gelösten Schulter bis unter die Symphyse nach vorn (bei I. Stellung im Uhrzeigersinn, bei II. Stellung gegen den Uhrzeigersinn). Von der Bauchseite des Kindes her jetzt den 2. Arm lösen.

  • Bei Erstpara u. geschätztem Geburtsgewicht > 4.500 g sollte der Pat. die prophylaktische Sectio caesarea angeboten werden.

Bei eingetretener Schulterdystokiejuristische AnforderungenSchulterdystokie sind die juristischen Anforderungen an das klin. Vorgehen sowie an die Dokumentation zu beachten:

  • Generelles Vorliegen eines Risikomanagements (Ablaufplan)

  • Zeitpunkt der Diagnosestellung

  • Umgehende Alarmierung von Facharzt, Anästhesist, Pädiater u. erfahrener Hebamme

  • Stets sorgfältige Dokumentation des Geburtsvorgangs mit exakten Zeiten u. genauer Beschreibung der manuellen Maßnahmen. Ein Vermerk wie „schwere Schulterdystokie“ reicht keinesfalls aus u. könnte als Indiz für ein fehlerhaftes Vorgehen gewertet werden. Verweis auf klinikinterne Standards

Manualhilfe bei Beckenendlage

Risiken

Auch 8.6.1.GeburtBeckenendlagenBeckenendlagenRisiken

Risiken

  • Nabelschnurvorfall durch mangelnde Abdichtung des Steißes im Vergleich zum Kopf bei Schädellagen,

  • Wehenschwäche u. vorzeitige Plazentalösung durch Entleerung der Gebärmutter zu etwa 70 %, bevor der größte Teil der Frucht (Kopf) geboren ist,

  • Hypoxie des Kindes durch Kompression der Nabelschnur, sobald das Abdomen den Beckeneingang überschritten hat,

  • Durch zu frühes Eingreifen des Geburtshelfers (Versuch der manuellen Extraktion o. VE am Steiß) besteht die Gefahr des Hochschlagens der Arme u. damit einer bedeutenden Vergrößerung des Umfangs der Frucht am nachfolgenden Teil.

Manualhilfe nach Bracht

VoraussetzungenBracht-ManualhilfeBeckenendlagenManualhilfe nach BrachtManualhilfe nach Bracht
  • Ausschluss eines Missverhältnisses zwischen Kopf u. Beckenausgang durch Tastuntersuchung u. Sono

  • Venöser Zugang, Anästhesie- u. OP-Bereitschaft

  • CTG-Dauerüberwachung, bei geöffneter Fruchtblase ggf. mit KSE am Steiß

  • Ausreichende Analgesie (PDA o. Pudendusblockade)

DurchführungBeginn der Manualhilfe erst, wenn der untere Winkel des vorderen Schulterblatts sichtbar ist, da sonst die Gefahr des Hochschlagens der Arme besteht. Deshalb auch keine Extraktion, sondern vorsichtiges Herausleiten des Kindes.
  • Mutter im Querbett, Beine auf Beinhaltern lagern; für Ausgleich der Lendenlordose („AbwehrlordoseAbwehrlordose“) sorgen, da sonst starke Krümmung des Geburtskanals.

  • Harnblase entleeren, ggf. mit Einmalkatheter.

  • Händedesinfektion des Operateurs, Desinfektion der Vulva.

  • Fruchtblase eröffnen, sobald kindlicher Steiß auf Beckenboden u. evtl. Episiotomie (9.2).

  • Kind mit beiden Händen fassen. Dabei liegen die Daumen des Geburtshelfers auf den Dorsalseiten der Oberschenkel, die restlichen Finger auf dem Rücken des Kindes (Abb. 9.6).

  • Oxytocin z. B. 5 bzw. 10 IE (z. B. Orasthin®) auf 500 ml Glukose 5 % 100–500 ml/h per infusionem.

  • Evtl. Kristeller-HandgriffKristeller-Handgriff durch Assistenz (breitflächiger Druck auf Fundus mit beiden Händen o. dem Unterarm, Richtung des Drucks auf den Steiß hin), wehensynchron.

  • Den Rumpf wehensynchron mit den Daumen um die Symphyse herum auf die Bauchdecken der Mutter leiten (Abb. 9.6).

  • Dammschutz beim Durchtreten des Kopfes durch Assistenz.

Armlösung

BeckenendlagenArmlösungBei hochgeschlagenen Armen ist zur Verkürzung des Geburtsverlaufs die Armlösung notwendig, da die neben dem Kopf liegenden Arme den Durchtritt des Kopfes durch den Geburtskanal unmöglich machen.

KO: Oberarmfraktur, Plexusschädigung. Die Hand des Geburtshelfers sollte deshalb immer vom Rücken des Kindes her kommen.

Armlösung nach Lövset
Armlösungnach LövsetDie jeweils hinten stehende Schulter wird vor den aufsteigenden Teil des Schambeinastes gebracht. Durch nachfolgende Drehung des Kindes u. Senken des kindlichen Rumpfes wird der Arm vor die Symphyse gebracht u. kann, wenn er nicht spontan herausfällt, vom Rücken her herausgestreift werden.
Durchführung
  • Kind mit beiden Händen über dem Beckenende fassen, die Daumen liegen auf dem kindlichen Rücken, Anheben des Kindes symphysenwärts, bis die hintere Schulter vor dem Schambeinast liegt.

  • Kind um 180° drehen u. gleichzeitig senken, Drehrichtung der hinteren Schulter auf den Rücken des Kindes zu. Dadurch wird der Arm von der zugehörigen Schulter vor die Symphyse gedrängt.

  • Evtl. Arm unter der Symphyse herausstreifen, dabei kommt die Hand des Geburtshelfers vom Rücken des Kindes her.

  • Kind erneut anheben, bis die zweite, jetzt hinten liegende Schulter vor den Schambeinast kommt.

  • Drehen um 180° in umgekehrter Richtung u. Senken des Rumpfes. Evtl. Herausstreifen des 2. Armes, dabei kommt die Hand des Geburtshelfers vom Rücken des Kindes her.

  • Lösung des Kopfes nach Veit-Smellie (9.4.4).

Kombinierte Armlösung nach Bickenbach
Zuerst wird der hintere Arm aus der Kreuzbeinhöhle gelöst, danach der vordere Arm unter der Symphyse (Abb. 9.7).Armlösungnach BickenbachBeckenendlagenArmlösung
Durchführung
  • Kind an den Füßen mit dem Knöchelgriff fassen; dabei die Hand benutzen, die der Bauchseite des Kindes entspricht. Kind stark symphysenwärts anheben.

  • Arm aus der Kreuzbeinhöhle lösen: Dabei kommt die 2. Hand vom Rücken des Kindes her; Arm wird über die Brust des Kindes herausgeführt. Zum Schutz vor Frakturen stützt der Daumen den Oberarm auf der Innenseite.

  • Kind senken, bis die vordere Schulter unter der Symphyse sichtbar ist.

  • Vorderen Arm lösen. Dabei kommt die 2. Hand vom Rücken des Kindes her; Arm wird über die Brust des Kindes herausgeführt.

  • Lösung des Kopfes nach Veit-Smellie (9.4.4).

Klassische Armlösung
PrinzipArmlösungklassischeBeckenendlagenArmlösungZuerst wird, wie bei der Armlösung nach Bickenbach, der hintere Arm aus der Kreuzbeinhöhle gelöst, danach wird die vordere Schulter durch „Stopfen“ in die Kreuzbeinhöhle gebracht u. der Arm dort gelöst (Abb. 9.7).
Durchführung
  • Kind mit dem Knöchelgriff an den Füßen fassen, dabei wird die Hand benutzt, die der Bauchseite des Kindes entspricht; Kind stark symphysenwärts anheben.

  • Arm aus der Kreuzbeinhöhle lösen, dabei kommt die 2. Hand vom Rücken des Kindes, der Arm wird über die Brust des Kindes herausgeführt. Zum Schutz vor Frakturen stützt der Daumen den Oberarm auf der Innenseite.

  • Kind mit beiden Händen fassen, die Daumen liegen auf dem Rücken. Der gelöste Arm wird mitgehalten, die andere Hand fixiert den Schultergürtel des noch nicht gelösten Arms.

  • Kind mit kurzen Bewegungen in der Längsachse „stopfen“. Dabei wird der Rücken des Kindes unter der mütterlichen Symphyse gedreht, bis der noch nicht gelöste Arm in die Kreuzbeinhöhle gelangt.

  • Kind an den Füßen mit dem Knöchelgriff fassen; dabei wird die Hand benutzt, die der Bauchseite des Kindes entspricht. Kind stark symphysenwärts anheben.

  • Arm aus der Kreuzbeinhöhle lösen, dabei kommt die 2. Hand vom Rücken des Kindes her; Arm wird über die Brust des Kindes herausgeführt. Zum Schutz vor Frakturen stützt der Daumen den Oberarm auf der Innenseite.

  • Lösung des Kopfes nach Veit-Smellie (9.4.4).

Kopflösung nach Veit-Smellie

Kopflösung nach Veit-SmellieVeit-Smellie-ManöverKopflösungDie Ind. zur Lösung des Kopfes ergibt sich bei protrahiertem Geburtsverlauf, mangelnder Lösung des Kopfes beim Handgriff nach Bracht u. immer nach Armlösungen (Abb. 9.8). Voraussetzung ist die dorsoanteriore Einstellung.

Durchführung
  • Das Kind reitet auf dem Unterarm des Geburtshelfers, bei re. BEL auf dem re., bei li. BEL auf dem li. Unterarm.

  • Arm vorschieben, bis der kindliche Mund erreicht werden kann, mit dem Zeigefinger in den Mund eingehen, Daumen u. Mittelfinger stützen den Unterkiefer.

  • Die andere Hand greift mit Zeige- u. Mittelfinger über die Schultern des Kindes (Hypomochlion).

  • Das Kind abwärts ziehen, bis die Nackenhaargrenze unter der Symphyse sichtbar ist.

  • Kind anheben; dabei unterstützt die innere Hand durch Krümmen des Zeigefingers die Flexion des Kopfes.

  • Entwicklung des Kindes auf den Bauch der Mutter.

  • Ggf. Reanimation des Kindes 11.2.

Sectio caesarea (Kaiserschnitt)

Formen

GeburtSectio caesareaAllg. hat sich heute die Sectio caesarea intraperitonealis supracervicalisSectio caesareaintraperitonealis supracervicalis durchgesetzt. Alle anderen Verfahren bedürfen der speziellen Indikationsstellung u. werden hier nicht behandelt. Eine Entbindung per Kaiserschnitt erhöht das Risiko eines VTE-Ereignisses um den Faktor 2–4 im Vergleich zur vag. Entbindung.

Vorbereitungen

  • Ind. überprüfen, Pat. aufklären u. Einverständnis einholen, im Notfall zumindest mündlich vor Zeugen. Sectio caesareaVorbereitungen

  • Sicheren venösen Zugang legen, Blutentnahme für Gerinnung, E’lyte, kleines BB, Blutgruppe (sofern aus Mutterpass nicht bekannt).

  • Blasendauerkatheter legen.

  • Bei FG o. zu erwartenden KO Pädiater bzw. nächstgelegene Kinderklinik informieren,. Verlegungspapiere vorbereiten, Transport organisieren.

  • Auswahl eines geeigneten Anästhesieverfahrens; bei Notfalleingriffen Intubationsnarkose (cave: Aspirationsrisiko ↑), sonst Spinal- o. Periduralanästhesie.

  • Lagerung der Pat. in Linksseitenlage (OP-Tisch kippen o. Keil benutzen) zur Vermeidung eines Vena-cava-Kompressionssy.

  • CTG-Dauerüberwachung o. zumindest akustische Kontrolle der Herztöne (Doptone, Holz- o. Metallstethoskop) bis zum Beginn der Desinfektion.

  • Desinfektion der Bauchdecken, dabei Vulva mit sterilem Tuch vor Desinfektionsmittel schützen, steriles Abdecken.

  • Absauger für Kind sowie Absauger für FW u. Blut anschließen u. Funktion überprüfen.

  • Für gute Sauerstoffzufuhr vor Beginn der Narkose sorgen.

  • Narkosebeginn erst, wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, um die Narkosezeit für den Feten möglichst kurz zu halten.

  • Frauen mit Niedrigrisikofaktoren, die keine antepartale medikamentöse Prophylaxe erhalten haben, aber per Kaiserschnitt entbunden wurden u./o. eine pos. Familienanamnese o. zusätzliche Risikofaktoren aufweisen, sollten neben der physikalischen auch eine medikamentöse postpartale Prophylaxe mit NMH wie Enoxaparin 20 mg/d (z. B. Clexane® 20) bzw. mit Heparin, z. B. 2 × 7.500 IE/d s. c. (z. B. Liquemin®) erhalten (1.1.4).

  • Bei hohem VTE-Risiko (Schwangere mit wiederholter Thrombose in der Eigenanamnese, Schwangere mit homozygoter Faktor-V-Leiden-Mutation o. komb. thrombophilen Faktoren u. einer Thrombose in der Eigenanamnese, Adipositas etc.) NMR-Dosierung anpassen.

Durchführung

Sectio caesareaDurchführungUm eine übermäßige Belastung des Kindes mit Anästhetika zu vermeiden, sollten die Entwicklung u. Abnabelung des Kindes bei Vollnarkose innerhalb von 5 min nach Beginn der Narkose erfolgt sein. Somit muss beim Eröffnen der Bauchdecken meist auf eine subtile Blutstillung verzichtet werden.

Eröffnen der Bauchdecken
  • Suprasymphysärer Querschnitt nach PfannenstielQuerschnitt nach Pfannenstiel. Scharfe o. stumpfe Präparation des Fettgewebes bis auf die Muskelfaszie u. medianes Spalten der Faszie. Anklemmen der Faszie u. bogenförmige Eröffnung. Abpräparation vom Muskel teils stumpf (im lateralen Anteil), teils mit der Schere (medial). Stumpfes Auseinandertrennen der Bäuche des M. rectus abdominis.

  • Eröffnung des parietalen Peritoneums in Längsrichtung, stumpfes Abschieben der Harnblase nach kaudal. Eröffnen des viszeralen Peritoneums quer nach Anheben mit der Pinzette oberhalb des Blasenscheitels. Stumpfes Abpräparieren der Blase von der vorderen Uteruswand. Kleiner bogenförmiger Schnitt mit dem Skalpell zur Eröffnung des Uterus o. durch Spreizen einer Schere, dabei die Dicke des Myometriums vorher palpatorisch abschätzen, um eine Verletzung des Kindes zu vermeiden.

  • Erweiterung der Uterotomiewunde stumpf mit zwei in den Uterus eingeführten gekrümmten Zeigefingern. Gründliches Absaugen des FW nach Amniotomie zur Vermeidung einer FW-Embolie o. Versuch der Entwicklung des Kindes in der erhaltenen Fruchtblase (insb. bei Frühgeburten dadurch geringeres Trauma des Ungeborenen). Muss die quere Uterotomie erweitert werden (sehr großes Kind, viel Platzbedarf bei FG), sollte diese bogenförmig am Rand des Corpus uteri nach kranial weitergeführt werden. Die Erweiterung in umgekehrter T-Form nach kranial bietet mehr KO.

  • Bei der „klassischen Sectio caesarea“ wird nach unterem Medianschnitt der Bauchdecke der Uterus hervorgeholt u. mittels sagittalem o. querverlaufendem Fundusschnitt eröffnet (heute nicht mehr üblich!). Ursache häufiger Fehldokumentationen!

Entwicklung des KindesEingehen mit der Hand in den Uterus u. Herausleiten des vorangehenden Teils, Unterstützung durch Druck auf den Fundus (durch die Bauchdecken). Wenn nötig, Relaxation des Uterus durch Gabe von Fenoterol 10–15 µg i. v. (z. B. 2–3 ml Partusisten intrapartal® nach 1:4-Verdünnung mit 4 ml Glukose 5 %). Kind absaugen u. abnabeln (bei Frühgeburten < 34. SSW spätes Abnabeln, ggf. Ausstreichen der Nabelschnur Richtung Kind als „interne Transfusion“), Übergabe zur Erstversorgung. Nabelschnurblutentnahme (pH, BE, Blutgruppe).
Gabe von Kontraktionsmitteln, z. B. Oxytocin 3 IE (Orasthin®) in 50 ml NaCl u. Antibiotika als periop. Prophylaxe (z. B. Einmalgabe Cefuroxim 1,5 g i. v.). Manuelle Lösung der Plazenta, Austastung des Uteruskavums auf Plazentareste u. Uterusfehlbildungen. Bei V. a. Plazentareste intraop. Kürettage mit stumpfer Kürette durch die Uterotomiewunde hindurch.
Verschluss
  • Je zwei Ecknähte im Wundwinkel der Uterotomie legen. Evtl. Dilatation des CK mit dem Finger o. Hegar-Stiften, um einen Lochialstau zu vermeiden (anschließend Handschuhwechsel). Einzelknopfnähte o. fortlaufende, überwendliche Naht zum Verschluss des Myometriums, ohne das Endometrium zu fassen.

  • Cave: Bei dünn ausgezogenem unterem Uterinsegment (z. B. bei protrahiertem Geburtsverlauf) Uterushinterwand nicht mitfassen!

  • Blutstillung durch evtl. zusätzliche Nähte o. Elektrokauter. Fortlaufender Verschluss des viszeralen Peritoneums nicht notwendig.

  • Bauchraum inspizieren (Adnexe, Douglas, Appendix, Palpation der Oberbauchorgane). Bauchtoilette. Fortlaufender Verschluss des parietalen Peritoneums. Verschluss der Muskelfaszie mit fortlaufender Naht. Subfasziale Redon-Drainage nur bei verstärkter Blutungsneigung.

Bei jedem Abschnitt gründliche Kontrolle auf Bluttrockenheit. Bei Resectio alte Hautnarbe mit dem Skalpell ausschneiden. Blutstillung im subkutanen Fettgewebe. Fettadaptationsnähte je nach Dicke des subkutanen Fettgewebes. Hautverschluss durch Intrakutannaht. Ggf. Redon-Flasche mit Sog anschließen.

Postoperative Überwachung

Sectio caesareapostoperative ÜberwachungNeben den allg. Richtlinien der postop. Maßnahmen gelten nach Sectio caesarea folgende Besonderheiten:
  • Funduskontrolle mind. alle 8 h, Kontrolle der Lochien

  • Bei Rh-neg. Frauen u. Rh-pos. Kindern postop. Rh-Prophylaxe (z. B. 1 Amp. Rhophylac® s. c.) nicht vergessen (11.4.4)

  • Kontraktionsmittel, z. B. Oxytocin 10–20 IE (Orasthin®) in 500 ml Glukose 5 % über 12 h als Tropfinfusion o. Oxytocin 10–20 IE u. Methylergometrin 0,1–0,2 mg in 500 ml Glukose o. Carbetocin (Pabal®) 100 µg = 1 ml (entspricht 50 IE Oxytocin) per infusionem. Cave: Anwendung z. B. bei KI gegen Methylergometrin. Keine gesicherten Daten für Pabal® über niedrigere KO-Rate. Hohe Kosten

  • Urinkontrolle: Menge mind. 70–100 ml/h. Cave: blutig, hämolytisch

  • Laborkontrolle postop. u. nach 12–18 h (BB, E’lyte, Gesamteiweiß)

  • Ausreichende Analgesie mit Opiaten, z. B. Piritramid 15 mg i. m. (Dipidolor®), Tramadol 100 mg auf 500 ml Infusionslsg. i. v. (z. B. Tramal®)

  • Baldiges Anlegen des Kindes unter Anleitung einer Hebamme o. Kinderkrankenschwester

  • Bei jeder medikamentösen Ther. auf KI bzgl. des Stillens achten

  • Verbandswechsel nach ca. 24 h, Mobilisieren nach ca. 7 h

  • Liegende DK nach Mobilisierung entfernen (ca. nach 12 h)

  • Pat. darf nach Abklingen der Narkose (etwa nach 2 h) trinken, nach spätestens 6–8 h essen

Modifizierter und vereinfachter (sanfter) Kaiserschnitt (Misgav-Ladach-Sectio)

Sectio caesareaMisgav-Ladach-TechnikMisgav-Ladach-SectioKurzfristige Vorteile der Methode sind niedrigere febrile Morbidität, rasche Mobilität der Pat., niedriger Bedarf an Schmerzmitteln. Langfristige Vorteile sind geringere intraabdom. Verwachsungen.

AnästhesieSoweit keine KI vorliegen, sollte der Eingriff unter Spinalanästhesie o. PDA durchgeführt werden. Dies ermöglicht der Mutter, die Entbindung zu verfolgen u. erleichtert das „Bonding“ zum Kind.
Durchführung
  • Rechtshändiger Operateur steht auf der re. Seite der Pat., da es mit der re. Hand einfacher ist, den Kopf des Kindes zu entwickeln. Beim Nähen der Gebärmutter wird damit zugleich die Nadelspitze von der Blase weggeführt.

  • Gerader Hautschnitt (nicht bogenförmig) oberflächlich in der Hautquerlinie 3 cm unter der Verbindungslinie zwischen den beiden vorderen Spinae iliacae anteriores. In der Mitte des Schnitts befinden sich keine anatomisch bedeutenden Blutgefäße. Hier wird das Fettgewebe durchtrennt u. ein kleiner Querschnitt in die Faszie gelegt. Die Eröffnung der Faszie erfolgt mit einer geraden, stumpfen Schere, deren Spitze etwa 3 mm geöffnet ist u. die Faszie sanft re. u. li. zur Seite hin inzidiert.

  • Eröffnung der Faszie unterhalb der Blutgefäße u. des Fettgewebes, anschließend Mobilisierung mit beiden Zeigefingern nach kaudal u. kranial. Die Zeige- u. Mittelfinger von Operateur u. Assistent werden unterhalb der Mm. recti platziert u. ziehen langsam seitlich die Längsstrukturen auseinander, möglichst auch nach kranial.

  • Stumpfe Eröffnung des parietalen Peritoneums mit beiden Zeigefingern hoch über der Blase. Beim Herauf- u. Herunterziehen wird das Peritoneum ohne Verletzungsgefahr der darunter liegenden Strukturen quer eröffnet. Keine Bauchtücher verwenden, da diese Peritoneum u. Darm reizen. Das Blasenperitoneum wird mit der Spitze des Skalpells quer eröffnet u. nach kaudal abgeschoben.

  • Uteruseröffnung durch kleinen Querschnitt im unteren Uterinsegment, der lateral mit dem Zeigefinger der li. Hand u. dem Daumen der re. Hand verbreitert wird.

  • Die Entwicklung des Kindes erfolgt mit der re. Hand. Anschließend wird die Plazenta manuell gelöst u. der Uterus vor die Bauchdecke luxiert. Hierdurch wird das Nähen erleichtert. Zudem lässt sich der Uterus zur Verringerung der Blutung manuell komprimieren, und die Adnexe können beurteilt werden.

WundverschlussDie Naht der Uterotomie soll einschichtig erfolgen, vorzugsweise mit einer großen Nadel. Blutkoagel werden aus der Bauchhöhle entfernt, aber die Flüssigkeit kann zurückbleiben. Erythrozyten werden vom Peritoneum absorbiert, das FW hat zudem bakteriostatische Eigenschaften.
  • Die Bauchhöhle wird nur zweischichtig (an Faszie u. Haut) geschlossen. Um die Faszie zu verschließen, werden die Faszienblätter seitlich mit je einer Klemme gehalten, zwei weitere Klemmen werden im lateralen Drittel an die Faszienblätter gelegt.

  • Die Haut wird mit möglichst wenigen Nähten verschlossen, um eine gute Drainage zu ermöglichen.

  • Die lateralen Nähte können bereits nach 2 d entfernt werden, die mittleren Nähte am 5. postop. Tag. Die Mütter dürfen sofort nach der OP trinken. Der Blasenkatheter wird spätestens am nächsten Tag entfernt.

Anästhesiologisches Vorgehen bei Sectio caesarea

Sectio caesareaAnästhesieAus der Indikationsstellung u. damit Festlegung des zeitlichen Vorgehens durch den Geburtshelfer leiten sich das anästhesiol. Vorgehen u. die Wahl des Anästhesieverfahrens ab (Tab. 9.2).

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