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B978-3-437-22834-6.00001-0

10.1016/B978-3-437-22834-6.00001-0

978-3-437-22834-6

Abb. 1.1

[T517]

Je kleiner das Kind, desto größer das Risiko: die Inzidenz von kritischen Ereignissen in Abhängigkeit vom Alter [nach Habre, W., Disma, N., Virag, K., Becke, K., Hansen, T.G., Jöhr, M. et al.: Incidence of severe critical events in paediatric anaesthesia (APRICOT): a prospective multicentre observational study in 261 hospitals in Europe. Lancet Respir. Med. (2017) 5: 412–425]

Abb. 1.2

[T517]

Je erfahrener der Anästhesist ist, desto geringer ist das Risiko. Die Inzidenz eines Laryngospasmus ist abhängig vom Ausbildungsstand [nach von Ungern-Sternberg, B.S., Boda, K., Chambers, N.A., Rebmann, C., Johnson, C., Sly, P.D. et al.: Risk assessment for respiratory complications in paediatric anaesthesia: a prospective cohort study. Lancet (2010) 376: 773–783]

Einleitung

Kinder unter 1 Jahr Kinder unter 1 Jahrunterscheiden sich wesentlich von Erwachsenen, was die Physiologie sowie die Pharmakodynamik und Pharmakokinetik anbetrifft. Sie sind nicht einfach „kleine Erwachsene“, sondern erfordern spezielle Kenntnisse. Sie gehören aber „zur selben Spezies“, und die Erfahrung der Erwachsenenmedizin kann hilfreich sein. Nur rund 9 % aller Anästhesien werden bei Kindern durchgeführt, ein verschwindend kleiner Teil bei Kindern unter 1 Jahr.

Wichtigste Voraussetzung

Manuelle Fertigkeiten und Erfahrung!

Auch für die Anästhesie von Klein- und Schulkindern sind spezielles Material und ganz besonders ein dem Kind angepasstes Vorgehen nötig.

Kindgerechtes Vorgehen

Das Kind soll die Klinik verlassen, möglichst ohne Angst und Schmerzen erlebt zu haben!

In der Kinderklinik werden viele alltägliche Routineeingriffe wie Hernienplastik, Orchidopexie oder Zirkumzision durchgeführt. Anderseits trifft der Anästhesist immer wieder auf sehr seltene Situationen, wo er naturgemäß nur auf eine beschränkte persönliche Erfahrung zurückblicken kann (z. B. Kinder mit Stoffwechselstörungen, Kinder mit seltenen Fehlbildungen, Anästhesien bei kleinen Frühgeborenen). Die Konsultation von Lehrbüchern, eine Medline-Medline-AnfrageAnfrage („anesthesia and …“) sowie eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Pädiatern und Neonatologen sind erforderlich. Ein Erfahrungsaustausch mit andern Zentren ist unerlässlich.

Kinderchirurg und Kinderanästhesist arbeiten zusammen („Perioperative Medizin ist ein Teamsport“). Bei größeren Eingriffen wird das Vorgehen gemeinsam geplant. Beide sollen in der Lage sein, adäquate postoperative Verordnungen zu geben. Anderseits gibt es auch klare Abgrenzungen. Die Indikation zu einem Eingriff stellt der Chirurg, er legt auch die Dringlichkeit, FestlegungDringlichkeit fest; der Anästhesist hingegen berät ihn unter Berücksichtigung des AnästhesierisikoAnästhesierisikos und bestimmt das Anästhesieverfahren.

Die Qualitätsanforderungen sind in der Kinderanästhesie hoch. Wache Eltern beobachten und hinterfragen kritisch das Geschehen. Der Einsatz für das Wohl des Kindes und besonders das persönliche Gespräch (Vermeiden der FremdprämedikationFremdprämedikation) werden aber mit Dankbarkeit belohnt.

Das Anästhesierisiko ist bei Kindern um ein Vielfaches höher als bei Erwachsenen: Morray und Mitarbeiter in USA fanden bei Kindern eine Inzidenz von 1 : 7.000 für Herzstillstand und 1 : 30.000 für anästhesiebedingte Todesfälle. Aus anderen Ländern wurden noch deutlich ungünstigere Resultate publiziert. In mehr als der Hälfte der Fälle sind Kinder unter einem Jahr betroffen. Vorerkrankungen und Notfalleingriffe erhöhen das Risiko. Wichtigste Ursache von Zwischenfällen sind letztlich die mangelnde Erfahrung des Anästhesisten sowie eine ungenügende Infrastruktur der Institution (Abb. 1.1, Abb. 1.2).

Merke

  • Die Erfahrung des Erfahrung des AnästhesistenAnästhesisten und das Alter des Kindes sind die wichtigsten Prädiktoren für Komplikationen.

  • Neugeborene und Säuglinge gehören (auch für Bagatelleingriffe!) an Institutionen mit entsprechender InfrastrukturInfrastruktur und Erfahrung.

Zukünftige Entwicklungen: Nationale und internationale Gesellschaften für Kinderanästhesie sowie die universelle Verfügbarkeit des Internets erleichtern den Erfahrungsaustausch. Nur die kollektive Erfahrung ermöglicht es, kleinste Patienten oder solche mit seltenen Erkrankungen sicher zu behandeln. Auch in Zukunft werden oft nicht zugelassene Medikamente zur Anwendung kommen, hier ist es für den Kinderanästhesisten gut zu wissen, dass er sich „im Schwarm“ bewegt und nicht völliges Neuland betritt.

Die Kinderanästhesie beharrte bis vor wenigen Jahren z.T. auf alten Ansichten, z.B. wurde die Notwendigkeit einer Blutdruckmessung erst spät erkannt und gecuffte Tuben wurden zögernd eingeführt. Grundlegende Dinge aber, wie die minimal tolerierbaren Blutdruckwerte oder eine optimale Ventilationsstrategie, warten bei Kindern noch auf Klärung. Differenzierte Überwachungsmethoden wie NIRS (Nahinfrarotspektroskopie) oder das EEG-basierte Monitoring werden sich etablieren. Die Kinderanästhesie spielt aber von jeher eine Vorreiterrolle, wenn es darum geht, Angst und Leiden des Patienten durch gute postoperative Analgesie und ein individuell angepasstes Vorgehen zu minimieren.

Vorteile durch neue Substanzen oder Fragen der Neurotoxizität treten zunehmend in den Hintergrund vor einer sorgfältig durchgeführten Anästhesie. Die Erkenntnis, dass hohe Fachkompetenz nur durch Zentrierung auf Institutionen und Personen erreichbar ist, wird sich durchsetzen. Bereits heute haben die großen Institutionen in der Schweiz für Kinder unter 2–3 Jahren einen spezialisierten Hintergrunddienst.

Auch in der Kinderanästhesie gibt es kein allgemein anwendbares Patentrezept; verschiedene Verfahren müssen beherrscht werden, damit jedes Kind die ihm optimal angepasste Anästhesie bekommt.

Merke

  • Das Geheimnis guter Kinderanästhesie ist, sich ständig zu verändern und zu verbessern.

  • Es lohnt sich, auch kleinste Dinge zu optimieren: Jedes Detail zählt.

Literatur

Grundlagen der Kinderanästhesie

Coté et al., 2019

C.J. Coté J. Lerman B. Anderson A practice for anesthesia in infants and children 6th edition 2019 Elsevier Philadelphia

Lerman et al., 2016

J. Lerman C.J. Coté D.J. Steward Manual of pediatric anesthesia 7th edition 2016 Springer International Publishing AG Switzerland

Jöhr, 2017

M. Jöhr Grundlagen der Kinderanästhesie Anästhesiologie & Intensivmedizin 58 2017 138 152

Weiss et al., 2015

M. Weiss L. Vutskits T.G. Hansen T. Engelhardt Safe anesthesia for every tot - The SAFETOTS initiative Curr. Opin. Anaesthesiol. 28 2015 302 307

Intensivmedizin, Notfallmedizin

Winkler and Brenner, 2018

S. Winkler S. Brenner Die intensivmedizinische Erstversorgung des Kindes Anästhesiologie & Intensivmedizin 59 2018 68 87

Narkoserisiko und Komplikationen

Habre et al., 2017

W. Habre N. Disma K. Virag K. Becke T.G. Hansen M. Jöhr Incidence of severe critical events in paediatric anaesthesia (APRICOT): a prospective multicentre observational study in 261 hospitals in Europe Lancet Respir. Med. 5 2017 412 425

Jöhr, 2017

M. Jöhr Komplikationen in der Kinderanästhesie Anästhesiologie & Intensivmedizin 58 2017 259 266

Jöhr, 2018

M. Jöhr Managing complications in paediatric anaesthesia 2018 Cambridge University Press Cambridge

Empfehlungen und Standards

Cranston et al., 2018

A. Cranston C. Gildersleve J. Lockie Guidelines for the provision of paediatric anaesthesia services (RCoA) https://www.rcoa.ac.uk/document-store/guidelines-the-provision-of-paediatric-anaesthesia-services-2018 2018 (letzter Zugriff am 11. Dezember 2018)

SGKA: Standards und Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Kinderanästhesie (2004)

SGKA: Standards und Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Kinderanästhesie (2004) https://sgar-ssar.ch/fileadmin/user_upload/sgar-ssar/public/Services/Richtlinien__Standards_und_Empfehlungen/Standards_und_Empfehlungen_SGKA.pdf (letzter Zugriff am 11. Dezember 2018)

Seltene Erkrankungen

Baum and O’Flaherty, 2015

V.C. Baum J.E. O’Flaherty Anesthesia for genetic, metabolic, & dysmorphic syndromes of childhood 3rd edition 2015 Wolters Kluwer Philadelphia

Orphan Anesthesia,

Orphan Anesthesia www.orphananesthesia.eu/de (letzter Zugriff am 11. Dezember 2018)

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